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  • Das Bauingenieurwesen

    Warum soll ich mir den Kopf zerbrechen und mir überlegen, wie ich am besten das Spektrum des Berufsfeld eines Bauingenieurs in Worte fassen kann, wenn das doch schon andere gemacht haben? Andere, die davon Ahnung haben - handelt es sich dabei nämlich um die Professoren des Bauingenieurwesens an den deutschen Hochschulen. Der Fachbereichstag Bauingenieurwesen ist der Zusammenschluß aller Bauingenieur-Fachbereiche an deutschen Hochschulen und veranstaltet ein Mal jährlich eine Vollversammlung, zu der alle Fachbereichsleiter (Dekane, Vorsitzende oder Sprecher) eingeladen werden. Auf den Vollversammlungen werden Stellungnahmen zu aktuellen Themen der Lehre, der Forschung und der Hochschulpolitik diskutiert, erarbeitet und verabschiedet. Aus einer solchen Stellungsnahme vom 1. Mai 2000 sind nun also folgende Auszüge: 

    • Eine Einführung: Das Bauen
    • Die Aufgaben des Bauingenieurs
    • Der Beruf: Tätigkeitsfelder in Stichworten
    • Konstruktiver lngenieurbau
    • Wasser und Abfall, Grundbau
    • Baubetrieb
    • Verkehrswesen

     

    Eine Einführung: Das Bauen

    Das Bauen ist so alt wie die Menschheit und hat stets sehr unterschiedliche Begabungen herausgefordert. Im Mittelalter wurde die Kunst des Bauens von der eng begrenzten Zunft der Baumeister beherrscht, die neben handwerklichem Geschick und technischen Kenntnissen auch künstlerische Fähigkeiten besaßen. Die heute eingespielten Arbeitsgebiete von Architekten und Bauingenieuren haben sich mit der Industrialisierung entwickelt, als für die Konstruktion und das Bemessen der Bauwerke vermehrt mathematisch naturwissenschaftliche Grundlagen erforderlich wurden. Hier soll etwas über das Berufsbild der Bauingenieure gesagt werden.
    Dieses Berufsbild hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Während bislang der Schwerpunkt in der statischen Berechnung und der konstruktiven Durchbildung der Bauwerke lag, treten heute die Bauverfahren und die organisatorischen Abläufe mit ihren Rückwirkungen auf die Umwelt und auf die Gestaltung der Bauwerke immer mehr in den Vordergrund. Hinzu kommen erweiterte und neue Aufgaben nach der Fertigstellung der Bauwerke, insbesondere im Verkehrswesen, in der Wasserwirtschaft und in der Deponietechnik.
    Bei der Lösung zukünftiger Aufgaben gewinnen neben den Grundforderungen nach Funktionalität, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit der Bauwerke zunehmend der Erhalt wertvoller Bausubstanz, die Schonung der Ressourcen und der Umweltschutz an Bedeutung. Architektur und Städtebau, Betriebswirtschaft, Soziologie und Ökologie beeinflussen die von Bauingenieurinnen und Bauingenieuren zu bearbeitenden Projekte immer nachhaltiger.

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    Die Aufgaben des Bauingenieurs

    Die Aufgaben, die Bauingenieure innerhalb ihres Berufsfelds zu lösen haben, reichen von der Planung über den Entwurf und die Herstellung bis zur späteren Instandhaltung und den Betrieb der Bauwerke.
    Im Planungsstadium wird der Bedarf, z. B. an Trinkwasser oder für Verkehrsverbindungen untersucht. Es werden Maßnahmen und Planfälle entwickelt und hinsichtlich ihrer grundsätzlichen Durchführbarkeit sowie ihrer Vor- und Nachteile soweit bewertet, daß erfolgversprechende Varianten ausgewählt und zur Entscheidung vorgelegt werden können.
    In der Entwurfsphase werden zweckmäßige Alternativen technisch bis zur Baureife ausgearbeitet und nach ihren funktionalen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen beurteilt.
    Die Bauausführung erfordert die wirtschaftliche und umweltschonende Anwendung von Bauverfahren und Baustoffen. Der Einsatz der Mitarbeiter und der Maschinen ist zu organisieren ; es ist auf einen termingerechten Bauablauf zu achten und die Bauabrechnung vorzubereiten.
    Zum Betrieb der technischen Anlagen zählen insbesondere die qualifizierte Organisation der Verfahrensabläufe und Tätigkeiten der adaptiven Prozeßsteuerung sowie der systematischen Instandhaltung.
    Vor allem im Verkehrswesen, in der Abfall- und Abwasserbehandlung, in der Wasserversorgung sowie ganz allgemein in der Umwelttechnik gewinnen diese Aufgabenbereiche zunehmend an Bedeutung.

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    Der Beruf: Tätigkeitsfelder in Stichworten

    In der Bauwirtschaft:
    Bauausführungsplanung, Kalkulation von Hoch- und Tiefbauten, Straßen und Brückenbauten. Abwicklung und Überwachung der Bauausführung. Bau von Tragwerken aus Stahl oder Holz und in Massivbauweise. Durchtunnelungen und Gründungsarbeiten, Vermessung und Bauabrechnung.

    Im Ingenieurbüro:
    Tragwerksplanung und -berechnung, Standsicherheitsnachweis von Hoch und Tiefbauten. Ausarbeitung von Verkehrskonzepten, Entwurfs- und Ausführungsplanung für Verkehrswegebau, Städtebau und Dorferneuerung. Planung von Wasserversorgungs- und Abwasserbehandlungsanlagen, Abfalldeponien, Gewässerpflege.

    Im öffentIichen Dienst:
    Planungsaufgaben und Überwachung im Hochbau, im Wasser- und Verkehrswesen sowie in der Abfallwirtschaft. Bau und Unterhaltung von Verkehrsanlagen, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung.

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    Konstruktiver Ingenieurbau

    Eisenbahnbruecke der ICE-Neubaustrecke Koeln-Frankfurt Der konstruktive Ingenieurbau befaßt sich mit dem Entwurf, der statischen Berechnung, der Bemessung, der Konstruktion und der Ausführung von Tragwerken des Hoch- und Industriebaus, des Tiefbaus, des Brücken- und des Wasserbaus. Mit der fortschreitenden Industrialisierung des Bauens nimmt die Bedeutung vorgefertigter Bauelemente von Jahr zu Jahr zu.
    Eigenlasten und äußere Einwirkungen, wie Nutzlasten, Wind, Schnee oder auch Erdbeben, beanspruchen diese Tragwerke und müssen sicher in den Baugrund abgeleitet werden. Schall-, Wärme- und Feuchtigkeitsschutz sind zu beachten. Die wichtigsten Konstruktionsbaustoffe sind Holz, Stahl, Mauerwerk, Stahlbeton und Spannbeton.
    Im Hochbau erstellen die Bauingenieure nach den Plänen der Architekten den Nachweis der Standsicherheit und wirken bei der konstruktiven Ausbildung der Bauwerke als Fachplaner mit. Auch die Bauausführung gehört zu den Aufgabenbereichen des konstruktiven Ingenieurbaus.
    In der Baupraxis gibt es viele Überschneidungen zwischen planenden, bauausführenden und verwaltenden Tätigkeiten. Neben der Arbeit im geschützten Raum steht die Arbeit bei "Wind und Wetter'' auf der Baustelle. Für jedes Temperament und für jede Begabung findet sich ein entsprechendes Berufsfeld.

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    Wasser und Abfall, Grundbau

    Bohrer für Bau eines Tunnels der ICE-Neubaustrecke Koeln-Frankfurt Aufgabe der Wasserwirtschaft ist es, dafür Sorge zu tragen, daß durch Eingriffe in den Wasserhaushalt Natur und Umwelt nicht geschädigt werden. Vorrangig ist die Versorgung der Bevölkerung und der Industrie mit einwandfreiem Trink- und Brauchwasser; Abwasser muß vor seiner Rückleitung in ein Gewässer in einer Kläranlage von schädlichen Stoffen gereinigt werden.
    Durch die fortschreitende Besiedlung steigt der Hochwasserabfluß an. Mit Rückhaltung oder Sicherungsmaßnahmen am Gewässer muß der Überflutungsgefahr begegnet werden. Der Ausbau von Schiffahrtsstraßen gehört ebenso zum Wasserbau wie landschaftspflegerische Begleitmaßnahmen und die Schaffung von Biotopen.

    Die in der Abfallwirtschaft tätigen Bauingenieure bemühen sich mittels integrierter Abfallkonzepte um die Vermeidung oder die Verwertung der Abfälle. Trotzdem bleiben immer Reststoffe, die gelagert werden müssen. Die Deponien hierfür müssen so konzipiert werden, daß Schadstoffe und Sickerwässer sowohl während des Betriebs als auch nach der Stillegung das Grundwasser nicht nachteilig beeinflussen.

    Zu den Aufgaben des Grundbaus gehören der Entwurf und die Berechnung von Gründungen, die Bemessung und Herstellung von Baugrubenwänden und die Erstellung unterirdischer Bauten. Um die vom Boden berührten oder umschlossenen Bauwerke und Bauteile sicher bemessen und ausführen zu können, müssen die Bodenverhältnisse erkundet und die Eigenschaften des Bodens im Labor bestimmt werden. Vielfach muß der Baugrund auch durch besondere Verfahren verbessert werden.

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    Baubetrieb

    Blick vom Dach des Berliner Sonycenters auf die Infobox Der Baubetrieb umfaßt alle Vorgänge der Baudurchführung, d. h. alle Vorgänge aus dem Vorlauf, dem Verlauf und dem Nachlauf zur Herstellung eines Bauwerks. Dabei beschränkt sich Baubetrieb nicht nur auf das Gebiet der bautechnischen Belange, sondern beinhaltet darüber hinaus die Komplexe: Organisation, Personalführung, Baurecht und Vertragswesen, Fertigungstechnik, Arbeitssicherheit, Umweltverträglichkeit und Kostenrechnung.
    Ingenieurinnen und Ingenieure mit vertiefter baubetrieblicher Ausbildung kalkulieren die Kosten, untersuchen die wirtschaftlichsten Ausführungs- und Fertigungsverfahren, planen den Geräte und Personaleinsatz und stellen das Bauprogramm auf: sie leiten und beaufsichtigen die Bauarbeiten und sind für die technisch einwandfreie und vertragsgemäße Bauausführung verantwortlich.
    Baubetriebsingenieure werden in allen Sparten des Bauwesens und in allen Phasen einer Baumaßnahme von der Planung über die Ausführung, Erhaltung und Umgestaltung von Bauwerken tätig - ob im industriellen Hochbau, im komplizierten Tiefbau oder im maschinenintensiven Erd- und Straßenbau, wobei ganz unterschiedliche Ausführungsmethoden und Fertigungsverfahren zu beherrschen sind.

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    Verkehrswesen

    Blick auf die U-Bahn-Schächte des Lehrter Bahnhof Bauingenieurinnen und Bauingenieure mit dem Studienschwerpunkt im Verkehrswesen entwickeln ihre Entwürfe in enger Zusammenarbeit mit Stadtplanern, Landschaftsplanern, Ökologen und anderen Fachplanern. An die Ergebnisse ihrer Arbeit werden dabei zunehmend nicht nur technische Maßstäbe angelegt, sondern es werden darüber hinaus funktional und gestalterisch gut konzipierte und umweltschonende Lösungen gefordert. Eine ständige Abstimmung und Diskussion mit den hauptsächlich kommunalen oder staatlichen Auftraggebern sowie mit den betroffenen Bürgern ist dabei unumgänglich.
    Typische Aufgaben sind beispielsweise die Erstellung von kommunalen Verkehrsentwicklungsplänen, Netzplanung für den öffentlichen Personennahverkehr, Parkraumplanung, Trassenauswahl und Entwurf von Umgehungsstraßen, Entwicklung von Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung, Straßen und Bahnbau, Einrichtung und Betrieb von Lichtsignalanlagen und die Organisation des Winterdienstes.
    Umweltverträglichkeitsprüfungen mit Lärm- und Abgasberechnungen und die Verwendung von Recyclingmaterial im Straßenbau sind Beispiele für die in die Aufgaben des Verkehrswesens integrierten Umweltbelange.

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    Cover des Buches Soweit der Fachbereichstag Bauingenieurwesen. Wer noch fundiertere Informationen über das Bauingenieurwesen im allgemeinen und seine Entstehung erhalten will, dem empfehle ich das Buch "Die Geschichte der Bauingenieurkunst. Ein Überblick von der Antike bis in die Neuzeit" von Hans Straub. Hier wird ausführlich beschrieben, wie sich das Bauingenieurwesen entwickelt hat. Der Preis für das Buch ist mit etwa 70,- Euro (Gebundene Ausgabe - 437 Seiten; Birkhäuser Verlag; ISBN: 3-7643-2441-4) wahrlich stolz, doch findet man es möglicherweise in öffentlichen Bibliotheken.