
Als ehemaliger Student der Fachhochschule Wiesbaden muss ich nun ein wenig Werbung für diesen Standort machen. Da man auch in Wiesbaden gerne mit dem Trend mitschwimmt, hat man sich mittlerweile zwar in "Hochschule Rhein-Main" umbenannt, ich bin in der Beziehung aber ignorant und werde auch zukünftig von der FH Wiesbaden sprechen.
Zumal es meines Wissens nach auch nicht die erste Umbenennung dieser traditionsreichen
Ingenieruschule ist, denn der Fachbereich Bauingenieurwesen
hat seinen Ursprung in der 1869 in Idstein gegründeten Ingenieurschule
für Bauwesen. Die Fachhochschule Wiesbaden entstand dann
1971 aus den Ingenieurschulen in Geisenheim, Idstein und
Rüsselsheim;
wobei der Fachbereich Bauingenieurwesen erst in Idstein angesiedelt
war. Im Jahr 1993 folgte letztlich der Umzug zum neuen Campusstandort
Wiesbaden.
Wer weitere Informationen über den Fachbereich Bauingenieurwesen,
die genaue Studienstruktur und die Labore des Fachbereichs haben
will, sollte auf der zugehörigen Website nachschauen. Diese
ist, meiner Meinung nach, recht informativ
und gibt auch weitere Links zu verwandten Themenbereichen an.
Ich selbst vertiefte die Studienrichtung
"Bauplanung - Umwelt". Im letzten Semester vor dem Schreiben der Diplomarbeit
(eine einseitige Zusammenfassung
der Diplomarbeit kann man sich hier
im pdf-Format herunterladen)
absolvierte ich mein Berufspraktisches Semester bei der
Philipp Holzmann Ingenieurgesellschaft für Bautechnik
in der Abteilung Infrastruktur. Dort konnte ich auch hautnah miterleben,
was genau "Insolvenz" bedeutet...
Über die Gründe, warum
ich mich ausgerechnet mit Wasserbau, Siedlungswasserwirtschaft,
Abfalltechnologie, Verkehrs- und Straßenwesen, usw. befasste,
könnte ich mich recht lange und ausführlich auslassen.
Doch will ich das dem Leser ersparen. Vielmehr möchte ich
auf eine ganz andere Frage antworten, die mir oft bei der Erwähnung
meines Studienortes gestellt wurde. Warum ich denn unbedingt auf
einer Fachhochschule studieren wollte, obwohl ich doch auch ohne
Probleme auf eine technischen Hochschule hätte gehen können.
Prinzipiell sagte ich dann immer, dass mir das Praktische mehr
liege als die Forschung, der sich bekanntlich die Hochschulen
verschrieben haben. Ein weiterer Hauptgrund für das Studium
in Wiesbaden war, unbestreitbar, natürlich auch die Nähe
zum Wohnsitz. Aber was ich immer noch als den größten Vorteil
ansehe, ist die überschaubare Größe der ganzen
Einrichtung. Durch kleine Vorlesungs- und Übungsgruppen entsteht
eine viel persönlichere Beziehung zwischen Studenten und
Professoren. Auch der Kontakt der Studenten untereinander, ist,
meiner Meinung nach, besser, da auch die Distanz zu anderen Semesterjahrgängen
schnell überwunden wird. Den relativ starr vorgegebenen Stundenplan
habe ich nie als störend empfunden - im Gegenteil. Erstens
wurde meine Faulheit erfolgreich attackiert und zweitens ist ein
solcher Stundenplan auch mehr als Vorschlag denn als Verpflichtung
anzusehen. Niemand zwingt einen dazu, sich all diese Vorlesungen
anzuhören. Wenn man allerdings in der Regelstudienzeit fertig
werden will, dann sollte man nicht all zu viele Kurse auslassen.
Über die propagierte Praxisnähe kann man sich streiten.
Ich selbst kann mir dazu auch gar kein Urteil bilden, da ich nicht
weiß, wie an einer Hochschule das Fach Bauingenieurwesen
gelehrt wird. In der ein oder anderen Vorlesung hätte ich
mir schon ganz gerne einen größeren Bezug zur Praxis
gewünscht, insgesamt aber kann ich mich bestimmt nicht beschweren.
Eine große Praxisnähe vermittelte aber das vorgeschriebene
Berufspraktische Semester, welches einem natürlich schon
die genausten Einblicke in das alltägliche Ingenieursgeschäft
bietet. Was ich aber als mangelhaft empfand, ist die schlechte technische Ausrüstung,
bedingt durch den bestehenden chronischen Geldmangel sowie die
fehlenden internationalen Beziehungen zu anderen Hochschulen.
Inwieweit sich das mittlerweile durch die Umstellung auf
die Bachelor- und Master-Studiengänger geändert hat, kann ich nicht beurteilen.
Abschließend kann ich sagen: Ich habe es sicherlich nicht bereut, an die Fachhochschule in Wiesbaden gegangen zu sein - und das ist schon ein großes Lob.