Handball ist die Kunst, einen vielarmigen Abwehrriegel im Sprungwurf zu knacken und damit auch noch ins viel zu kleine Tor zu treffen.

Wirklich realitätsfremd ist diese Definition des Handballspiels aus dem "Fröhlichen Wörterbuch Hand*ball" des Tomus Verlages wahrlich nicht. Gewöhnliche Lexika beschränken sich allerdings mehr auf die Fakten denn auf die wirklichen Schwierigkeiten des Spiels: Handball wurde gegen Ende des 1. Weltkriegs in Berlin erfunden - als Spiel für Frauen und Männer. Diese neue Sportart verbreitete sich dann überraschend schnell in Europa und teilweise auch in Übersee. Handball wurde zu anfangs mit jeweils elf Spielern auf einem Großfeld gespielt. Dieser sogenannte 'Feldhandball' wird heutzutage kaum noch gespielt, obwohl es schon 1938 Weltmeisterschaften in dieser Sportart gab (bis 1966) und 1936 Feldhandball einmalig eine olympische Diziplin war. Der Feldhandball wurde dann aber immer mehr vom Hallenhandball abgelöst. Diese heute übliche Form wurde hauptsächlich in den skandinavischen Ländern (kein Wunder, wer will schon bei Eiseskälte draußen herumlaufen) entwickelt und gespielt. Seit 1972 ist diese Sportart olympisch, es werden im zweijährigen Turnus Welt- und Europameisterschaften ausgetragen.
Warum ich persönlich diesen Kampfsport (das ist die offizielle
Spartenbezeichnung - und sie stimmt auch!) so sehr liebe? Für
mich hat er nun einmal alles, was ich von einem Sport erwarte.
Handball ist ein Mannschaftssport und zeichnet sich besonders
durch seine Schnelligkeit, Dynamik und körperliche Härte
aus. Durch den ständigen Wechsel von Abwehr und Angriff wird
ein flexibles Verhalten der Spieler vorausgesetzt. Das taktische
Element darf nicht zu kurz kommen, schließlich muss die
gegnerische Abwehr immer wieder vor neue Situationen gestellt
werden - diese wiederum hält es nicht anders.
Beim Handball kann ich völlig abschalten von alltäglichen
Problemen. Es ist ein perfektes Ventil, auch deshalb, weil man
durch den körperlichen Einsatz seine ganzen Agressionen ausleben
kann. Das hört sich wieder sehr blutdürstig und martialisch
an. Doch sind wir einmal ehrlich, es ist wirklich ein Kampfsport
und dies muss ja nicht gleichbedeutend mit Unfairniss oder roher
Gewalt sein. Ein Grund, warum ich im 'normalen' Leben recht ausgeglichen
bin, ist das Ausüben meines Sports. Außerdem ist es
im Handball ein legales Mittel, seinen Gegner durch das Versperren
des Laufweges und das "Festmachen" (von vorne (!) angehen
und festhalten) in dessen Angriffsbemühungen zu hindern.
So lange das nicht in Brutalität endet, wird so etwas auch
von keinem übel genommen. Sowieso sind alle Handballer eine
recht verschworene Gemeinschaft. Das klingt zwar äußerst
kitschig; es ist aber meist schon der Fall, dass man sich im Spiel
lange mit einem Gegner gekabbelt hat und dann nach dem Spiel ohne
Probleme mit diesem auch ein Bierchen trinken kann. Ausnahmen
bestätigen natürlich die Regel.