
Mit folgender Selbsterklärung haben wir versucht, anderen Leuten die Jungenschaft zu erklären:
Die Jungenschaft Grenzlandfahrer ist ein demokratischer Jugendverband, in dem Jugendliche Gemeinschaft in Gruppenstunden, Wanderfahrten und Zeltlagern leben und erleben.
Die Bezeichnung 'Jungenschaft' ist eher eine historische Bezeichnung, da die Jungenschaft Grenzlandfahrer sich als kritisch an die Traditionen der Jugendbewegung der "Deutschen Jungenschaft 1. 11." und der bündischen Jugend anknüpfend versteht. Es wäre also falsch zu glauben, dass der Begriff Jungenschaft gleichbedeutend ist mit der Tatsache, dass nur männliche Jugendliche mitmachen dürfen. Die Jungenschaft Grenzlandfahrer ist auf kommunaler Ebene als freier Träger der Jugendarbeit anerkannt und sie arbeitet in den jeweiligen Jugendgremien mit. Sie ist unabhängig von Parteien und Kirchen und gehört keiner Erwachsenenorganisation an. Auch ist die Jungenschaft Grenzlandfahrer kein Pfadfinderstamm, wenn es auch gewisse Parallelen gibt. Diese Unterschiede genaustens herauszukristallisieren soll nicht die Aufgabe dieses Überblickes über die Jungenschaft Grenzlandfahrer sein. Außerdem empfinde ich persönlich das Ganze als nicht so wichtig. Manche 'militante' Mitglieder beider Jugendorganisationsgruppen könnten darüber bestimmt stundenlang diskutieren. Wichtig für mich ist aber, dass beide Gruppierungsarten Jugendlichen eine Möglichkeit geben, dem Alltag ein wenig zu entfliehen und eine neue Form des Zusammenlebens kennenzulernen. Auch muss gemeinsam dem Vorurteil entgegen gegangen werden, dass in unseren Verbänden rechtes Gedankengut weitergegeben wird. Jeder, der sich auch nur halbwegs mit der Materie befasst, wird die Unsinnigkeit dieser Behauptung erkennen.
'Grenzlandfahrer' ist eine von uns gewählte Bezeichnung, weil wir Hände reichen wollen, wo Grenzen trennen und zerstören. Das klingt zugegebenermaßen sehr idealistisch, geschieht aber in gewissen Maßen auf unseren Fahrten, die uns quer durch Europa und auch schon einmal bis nach Kleinasien und Nordafrika führen. Es geschieht aber auch durch das Erleben von Freundschaft in unseren Gruppen, unabhängig von Herkunft, Religion oder Hautfarbe. Der Begriff Grenze wird hier also nicht im Zusammenhang mit "ausgrenzen" gebraucht. Vielmehr sind entscheidende und einschneidende Erfahrungen immer "Grenzerfahrungen". So wollen wir unsere eigenen Grenzen suchen und lernen, die Grenzen anderer zu achten.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Kleingruppe ("Horte") von 6-8 gleichaltrigen Jugendlichen, die weitgehend selbstbestimmend ihre Gruppenaktivitäten gestalten kann. Mit Singen, Spielen, selbstgewählten Projekten, Wanderfahrten und Lagern werden erste Schritte zu einer eigenen Kultur hin getätigt, die nicht durch Konsum, sondern durch eigener Hände Arbeit erlebbar wird. Das Leben in einer Demokratie wird dadurch greifbar, dass keine Entscheidungen im Namen der Jungenschaft Grenzlandfahrer getroffen werden dürfen, über die vorher nicht demokratisch abgestimmt wurde. Dabei gibt es keine unterschiedlichen Gewichtungen. Derjenige, der erst ein Woche dabei ist, hat genau die gleichen Rechte, wie derjenige, der schon seit Jahren in der Jungenschaft Grenzlandfahrer aktiv ist.