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    Helferhalstücher meiner bisherigen Kirchentage

    Auch wenn die Jungenschaft Grenzlandfahrer immer wieder zu Recht betonte, dass sie eine von Kirche und Partei unabhängige Jugendgruppe sei, engagierte sie sich immer bei den Helferdiensten des Evangelischen Kirchentags. Gut, mittlerweile gibt es die Jungenschaft nicht mehr, was mich aber wohl auch in Zukunft nicht davon abhalten wird, weiterhin als Helfer zu den Evangelischen Kirchentagen zu fahren.

    Helfer als Türsteher Normalerweise wird man für verrückt erklärt, wenn man erzählt, dass man auf Kirchentagen stundenlang für null Lohn arbeitet, die Nächte auf Isomatten in Schulen verbringt und dafür noch seinen kostbaren "Erholungsurlaub" nimmt (vom gebotenen Essen mal ganz zu schweigen). Was ist also das Besondere an den Kirchentagen? Jeder, der mal einen besucht hat, wird wohl sagen: die Stimmung! Ich weiß nicht, wie das Ganze als normaler Besucher auf einen wirkt - als Helfer ist die Stimmung zumindest einmalig. Von den eigentlichen Programmpunkten eines Kirchentages bekomme ich durch die Arbeit meist auch immer herzlich wenig mit, was ich aber gar nicht wirklich bedaure. Wichtig ist für mich, dass man bei Kirchentagen ohne große Probleme mit fremden Leuten in Kontakt kommt. Als sichtbarer Ansprechpartner für die Besucher kann man sich den Fragen und Gesprächen sowieso nicht entziehen, aber auch die Helfer untereinander müssen ständig mit fremden Leuten zusammenarbeiten - und da die Arbeit bekanntlich nicht alles ist, klönt man schon ein wenig. Außerdem sind andere Helfer immer als Informanten zu gebrauchen. Meist sind die Aufgaben auf den Kirchentagen mit einem festen Ort verbunden und man möchte ja schon wissen, was anderswo so alles passiert. Wenn man diese anderen Helfer nicht gerade in überfüllten U-Bahnen oder vor dem Nachtquartier trifft, dann bestimmt am Helfertresen, an dem die Arbeitseinsätze verteilt werden - und der Kicker steht (oder in der nicht offiziellen aber dafür umso besser besuchten HAKA-Kneipe, in der dann doch auch Alkohol ausgeschenkt wird).

    eine Messehalle voller typischer Kichentagspapphocker Die Aufgabe der Helfer sind recht vielfältig. Ich selbst habe vom Geldsammeln (war meine erste und schlimmste Aufgabe - wird heute schon gar nicht mehr gemacht), über Einlasskontrollen bis hin zu Fahrradverleih und dem Aufpassen von Bühnen (weshalb ich in den zweifelhaften Genuss kam, ohnmächtige Mädels bei einem PUR-Konzert über die Absperrung zu hieven - dabei hasse ich PUR!) schon alles gemacht. Bei den letzten fünf Kirchentagen (inklusive dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin war ich mit Daniel (siehe Fahrtenbericht) für das Lebensmittellager zuständig. Damit alle Schulen morgens ihre Brötchen haben und auch während des Kirchentages kein Helferlein verhungern muss, schlugen wir uns teilweise die Nächte um die Ohren und entsagten dem Sonnenlicht (Lebensmittel mögen es nun einmal gerne kühl und trocken). Damit wir aber doch noch abwechselnde Arbeitsbedingungen vorfinden, dürfen wir immer noch einen Tiefkühlwagen unser eigen nennen. Schon schön, wenn es draußen +30°C hat und man dann mal gerade eben in einen Anhänger um die 0°C gehen darf. Dass ich mich auf Kirchentagen nie erkältet habe liegt wohl daran, dass ich nach zwei Tagen viel zu müde war, um solche Temperaturunterschiede überhaupt zu bemerken. Dieser Tiefkühlwagen beschert uns zumindest einen netten Spitznamen ("Eisbärenlaga") - den zumindest Daniel sehr verinnerlicht hat und sich seitdem wohl immer noch mit "Hallo, hier der Eisbär" am Telefon meldet...

    Unser mobiler Kühlschrank des Lebensmittellagers Man kann sich aber vorstellen, dass eine solche Aufgabe, wie das Leiten des Lebensmittellagers, eigentlich weit über die normalen Helfertätigkeit hinausgeht. Kirchentagsintern gibt es deshalb auch noch eine Unterscheidung. Neben Helfern gibt es noch die sogenannten HAKAs (HAKA = Harter Kern), die sich z.B. dadurch auszeichnen, dass sie mindestens zehn Tage für den Kirchentag arbeiten (ein Kirchentag für Besucher dauert eigentlich nur vier Tage an) und etwas verantwortungsvollere Arbeiten übernehmen - der Kirchentag kann dadurch weitere Euros sparen. Die HAKAs finden sich meist ein wenig verrückter als die "normalen" Helfer - und irgendwie sieht man komischerweise auch immer wieder die selben Gesichter unter den HAKAs. Kein Wunder, dass man intern schon von einer Art Familie spricht. Aber wenn man wie ich schon so seine gewisse Anzahl an Evangelichen Kichentagen (Dortmund/ Bochum/ Essen, München, Hamburg, Leipzig, Stuttgart, Frankfurt, Berlin, Hannover, Köln und Bremen) auf dem Buckel hat, dann kennt man sich eben!

    Wir Helfer bei wohlverdienter PauseEigentlich habe ich immer vor, nach dem letzten Kirchentag mit der ganzen Sachen aufzuhören. Viel zu oft ärgert man sich über die schlechte Organisation - die dann die Helfer wieder ausbügeln müssen, damit der Besucher davon nichts mitbekommt (was zum Glück meistens auch noch glückt). Aber nachdem ich beim letzten Kirchentag wieder so viele nette Leute kennengelernt und so viele schöne Stunden verbracht habe, werde ich wohl trotz des wieder anstehenden Stresses in München beim und in Dresden beim nächsten Evangelischen Kirchentag mit dabei sein. Nur bei Kamps werde ich so schnell immer noch keine Brötchen mehr kaufen...

    Menschenmassen vorm Stuttgarter Schloss