
Meine erfolgreiche Abnabelung vom Elternhaus habe ich ganz sicher der Jungenschaft zu verdanken. Nicht nur, dass ich in meinen Ferien nicht mehr mit meinen Eltern in Urlaub gefahren bin (sondern auf "große Fahrt"), auch ganz alltägliche Sachen wurden mir dadurch erst richtig bewusst. Ich bin zwar immer noch kein leidenschaftlicher Koch und Wäsche-Wascher geworden (vom Bügeln ganz zu schweigen), doch habe ich mich mit derartigen Dinge vorher naturgemäß gar nicht erst auseinandergesetzt. Ganz weg vom Praktischen: man wurde nämlich auch für andere Sachen, wie Freundschaft, fremde Kulturen, aber auch Politik und soziales Engagement sensibilisiert.
Trotz all dieser positiven Erfahrungen und dem vielen Spaß
dabei, war ich am Ende kaum noch in der
Jungenschaft Grenzlandfahrer
aktiv. Das hatte mehreren Gründe:
Erstens war das ganze für mich eine Jugendkultur. Wir waren
damals auch stolz darauf, was wir alles selbst zustande gebracht
haben - ohne das Ältere dauernd ihren Senf dazugegeben haben.
Warum also sollte ich dann Senfgeber spielen? Ein zweiter Grund
war bestimmt auch die fehlende Zeit und andere Prioritäten
(Sport und Studium -später Beruf). Der entscheidende Grund
war aber, dass die Jungenschaft sich in eine Richtung entwickelt
hatte, der ich so nicht mehr voll und ganz zustimmen konnte. Das
sah ich zwar ein wenig wehmütig, andererseits sollte sich
eine solche Gruppe auch weiterentwickeln. Sie schlug dabei zwar
eine andere Richtung ein, als wir das damals gewollt hatten, es
wäre aber ganz sicher falsch gewesen, dieser Tendenz massiv
entgegensteuern zu wollen. Das ganze klingt jetzt für Außenstehende
ziemlich schwammig, ist aber zu kompliziert um es hier für
jedermann verständlich zu machen. Zumindest wären wir
hier nun wieder beim ersten Punkt angekommen: Die Jungenschaft
Grenzlandfahrer sollte nicht das sein, was die älteren Gründungsmitglieder
einmal vorgesehen haben, sondern das, was sich die aktiven Jüngeren
darunter vorstellen. Ich sah das Hauptziel der Jungenschaft immer
in der Emanzipation der Jugend. Ich selbst habe davon profitiert,
also warum sollte ich das anderen vergönnen?! Erfahrungen
sind dafür da, dass sie gemacht werden! Die nach uns folgenden
haben ohne uns Ehemalige wohl dieselben Fehler gemacht wie wir
damals - und das war gut so.
Allerdings ist dem aufmerksamen Leser bestimmt die Vergangenheitsform aufgefallen. Denn die Jungenschaft Grenzlandfahrer gibt es nicht mehr als aktiven Bund - wenn sie auch irgenwie und irgendwo immer noch weiter besteht. Aufgrund massiver interner Differenzen und auch wegen des fehlendem Nachwuchses konnte die Jungenschaft nicht überstehen. Zumindest endeten wir nicht als absolutes Auslaufmodell still und heimlich, sondern wir haben uns in aller Konsequenz selbst aufgelöst!
Die Jungenschaft Grenzlandfahrer gibt es zwar so nicht mehr, aber ich fühle mich noch mit ihr verwurzelt. Aus diesem Grund und da die Jungenschaft ein großer Teil meiner Jugend war, will ich dieses Thema hier auch nicht übergehen. Neben einigen Photos von Fahrten, wird auch noch kurz auf die Jungenschaft Grenzlandfahrer an sich sowie auf die Helfertätigkeiten beim Evangelischen Kirchentag eingegangen.