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Der Kleine Prinz
Wer nun auf Textauszüge aus dem Kleinen Prinzen hofft, der sucht hier vergeblich.
Einerseits sind mir diese zum Teil schon etwas zu abgedroschen und andererseits
täte ich damit den ausgelassenen Teilen des Buches unrecht. Denn jeder, der
dieses kleine Büchlein gelesen hat, weiß, wie unterschiedlich
es doch beim jeweiligen Lesen auf einen wirkt. Passagen, die einen
beim vorherigen Mal kaum angesprochen haben, enthalten dann Wahrheiten
und hoffnungsvolle Denkansätze, die einem dann für immer
im Gedächtnis bleiben. Wer also etwas vom Kleinen Prinzen
lernen möchte, der sollte ihn selbst besuchen.
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Wind, Sand und Sterne
Die Erde schenkt uns mehr
Selbsterkenntnis als alle Bücher, weil sie uns Widerstand
leistet. Und nur im Kampf findet der Mensch zu sich selber.
Wenn man eine Eiche pflanzt, darf man nicht die Hoffnung
hegen, nächstens in ihrem Schatten zu ruhen.
Ich pfeife auf Todesverachtung. Sie ist nur ein Zeichen
geistiger Armut oder jugendlicher Unreife, wenn sie nicht in einer
übernommenen Verantwortung wurzelt.
Vollkommenheit ensteht offensichtlich nicht dann, wenn
man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts
mehr wegnehmen kann. Die Maschine in ihrer höchsten Vollendung
wird unauffällig.
Aber vor der höchsten Steigerung des Erlebens werden
Worte schal. Die Sprache ist der Steigerungen nicht in eben dem
Maße fähig, wie die Gealt der Sturstöße
wächst. Alles Bemühen um Ausdruck bleibt leer und schmeckt
unangenehm nach Übertreibung.
Aber körperliches Geschehen berührt uns nur,
wenn man uns seinen geistigen Hintergrund zu deuten vermag.
Man kann es kaum begreifen und weiß nicht recht,
wieso der Wanderer Mensch die Gärten, die ihm die Natur bereitet
hat, mit solcher Unbefangenheit bewohnt.
Woher haben die Menschen ihren Blick auf die Ewigkeit,
wo sie doch vom Zufall auf eine noch warme Lava geworfen sind
und schon vom andringenden Sand und Schnee bedroht werden? Ihre
Kultur ist nur eine dünne Vergoldung, die ein Vulkanausbruch
zerreißt, ein neues Meer wegwäscht, ein Sandsturm begräbt.
Tantchens Glaube war so unerschütterlich wie der
einer frommen Seele. Sie tat mir leid in ihrem engen Lebenskreise,
der sie blind und taub machte.
Es gibt Wunder, von denen man besser schweigt. Man tut
sogar besser daran, nicht zuviel an sie zu denken.
Nichts, was einem selbst geschieht, ist unerträglich.
Ich glaube nur halb an die Wirklichkeit des Leidens.
Man kann die Welt nur nach dem verstehen, was man erlebt.
Das, worauf es im Leben am meisten ankommt, können
wir nicht vorausberechnen. Die schönste Freude erlebt man
immer da, wo man sie am wenigsten erwartet hat.
Für den Menschen gibt es nur eine Wahrheit, das
ist die, die aus ihm einen Menschen macht.
Wahrheit besteht nicht in Beweisen, sie besteht im Zurückführen
auf die letzte Einfachheit.
Was nützt es, Ideologien zu erörtern? Alle
lassen sich beweisen, aber alle widersprechen einander. Weltanschauliche
Aussprachen können einen am Heil der Menschheit verzweifeln
lassen, wo doch alle Menschen ringsum das gleiche ersehnen.
Zu unserer Befreiung genügt es, daß man uns
dazu verhilft, ein Ziel zu erkennen, das uns mit anderen Menschen
verbindet.
Liebe besteht nicht darin, in den anderen hineinzustarren,
sondern darin, gemeinsam nach vorne zu blicken.
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Flug nach Arras
Wenn eine Frau mir schön
vorkommt, kann ich nicht über sie sprechen. Ich sehe sie
ganz einfach lächeln. Die Intellektuellen zerlegen das Gesicht,
um es aus seinen Teilen zu erklären, aber das Lächeln
sehen sie nicht mehr.
Leben heißt langsam geboren werden. Es wäre
auch zu bequem, wenn man sich fix und fertige Seelen besorgen
könnte!
Aber der Krieg ist kein richtiges Abenteuer, er ist nur
Abenteuer-Ersatz.
Damit eine Handlung mit innerer Überzeugung geschieht,
muß ihr Sinn offenbar werden.
Es gibt Siege, die erheben, und andere, die erniedrigen.
Niederöagen, die töten, und andere, die erwecken. Das
Leben drückt sich nicht im Zustand, sondern im Verhalten
aus.
Die Steine vom Bau sind nur scheinbar ein wirrer Haufen,
wenn verloren auf der Baustelle ein Mensch, nur ein einziger Mensch
ist, der in Domen denkt.
Wenn ich es auf mich nehme, mich durch meine Familie
erniedrigen zu lassen, kann ich auf meine Familie einwirken. Sie
ist ein Teil von mir, wie ich ein Teil von ihr bin. Wenn ich aber
die Erniedrigung ablehne, wird meine Familie zerfallen, wie es
gerade kommt, und ich werde stolz, aber leer wie ein Toter, einsam
meine Wege gehen.
Eine Kultur wie eine Religion klagt sich selbst an, wenn
sie sich über die Schlaffheit ihrer Getreuen beklagt.
Du musst geben, bevor du nimmst - und bauen, bevor du
wohnst.
Darin liegt das Geheimnis. Du mußt mit dem Opfer
beginnen, um die Liebe zu gründen.
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Die Stadt in der Wüste
So ist das Wesentliche einer Kerze nicht das Wachs, das seine Spuren
hinterläßt, sondern das Licht.
Nur die Weisheit zählt, die das Buch vermittelt, und diese gehört nicht zu
deren Wesen.
Denn ich habe eingesehen, daß es nicht die Sache des Führenden ist, die anderen
zu retten, sondern sie anzutreiben, sich selber zu retten.
Doch der Wert des Geschenkes hängt von dem ab, den man damit bedenkt.
Wer einen anderen erniedrigt, sagte mein Vater, zeigt damit, daß er niedrig ist.
Zwinge sie, zusammen einen Turm zu bauen; so wirst du sie in Brüder verwandeln. Willst
du jedoch, daß sie sich hassen, so wirf ihnen Korn vor.
Um der Liebe willen lohnt sich der Tod.
Denn die Dinge bleiben bestehen, ohne daß man etwas für sie opfern braucht. Doch man
stirbt, um den unsichtbaren Knoten zu erhalten, der sie verknüpft und sie in ein Gut, ein
Reich, ein erkennbares und vertrautes Gesicht verwandelt.
Ich aber wußte wohl, daß der Irrtun nicht das Gegenteil der Wahrheit, daß er nur
eine andere Anordnung darstellt, einen aus anderen Steinen gebauter Tempel, und daß er nicht wahrer
oder falscher ist, sondern nur anders.
Ich kann nicht voraussehen, aber ich kann zu etwas den Grund legen.
Die Achtung, die dir ein Feind bezeigt, ist die einzige Achtung, die etwas taugt.
Und die Achtung, die dir Freunde entgegenbringen, ist nur dann von Wert, wenn sie über
deren Erkenntlichkiet und Dankesbekundungen und niedrige Regungen erhaben ist.
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