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Empfehlung: Great Western Trail

Great Western Trail von Alexander Pfister – erschienen bei eggertspiele

Great Western Trail - Box
Foto: Pega­sus Spiele

"Komm, lass uns ein Wes­tern-Spiel auf den Tisch brin­gen! Ich kann dir GREAT WESTERN TRAIL emp­feh­len. Das habe ich schon ein­mal auf­ge­baut. Kennst du das?" 

"Nein! Aber ist das ein Spiel, bei dem man als She­riff die Ban­di­ten abbal­lert?"

"Nein, es ist friedlicher." 

"Okay, dann sind wir aber Gau­ner, die einen Zug aus­rau­ben und sich nur so ein biss­chen abschießen?" 

"Na ja, eigent­lich ist es ein Spiel ohne Gesetzlose." 

"Hmm, kom­men jeden­falls India­ner vor?" 

"Klar, ist doch ein Western-Spiel." 

"Darf ich die dann jeden­falls abschießen? " 

"Nein, mit denen trei­ben wir nur Handel."

"Oh! Sind wie etwa fah­ren­de Händ­ler auf einer alten Kutsche?"

"Nein, wir sind Cowboys."

"Also dür­fen wir doch schießen!"

"Nein, wir trei­ben Rin­der aus Texas nach Kan­sas City. Von dort aus wer­den die­se dann per Zug in ande­re gro­ße Städ­te geschickt."

"Äh – und das macht Spaß?"

"Ja, sehr sogar. Okay, das The­ma ist eher auf­ge­setzt und etwas gezwun­gen, aber die Spiel­me­cha­ni­ken dahin­ter sind genial!"

"Hmm, also eher so ein see­len­lo­ses Euro­spiel ohne Ballern?"

Starthand
Rin­der statt Schurken-Charaktere

"Wenn du das so sagst, klingt das reich­lich nega­tiv. Aber im Prin­zip hast du recht. Aller­dings macht GREAT WESTERN TRAIL ganz viel rich­tig. Da ist z.B. der tol­le Deck­bau-Mecha­nis­mus. Dei­ne Start­hand umfasst nur vier Rin­der­ras­sen mit nied­ri­gen Wer­ten – erkenn­bar an den unter­schied­li­chen Far­ben. Wenn du aber mit dei­nem Cow­boy in Kan­sas ankommst, willst du dort ganz vie­le unter­schied­li­che Rin­der auf der Hand haben. Und am liebs­ten natür­lich mit hohen Werten.

"Aber wie bekom­me ich denn ande­re Rinder?"

Spielplan
ganz schön bunt der Wil­de Westen

"Die musst du dir auf dem Markt kau­fen. Schau mal, der Spiel­plan von GREAT WESTERN TRAIL zeigt einen Weg durch die Prä­rie. Dabei besucht man unter­schied­li­che Orte, die durch Gebäu­de­plätt­chen gekenn­zeich­net sind. Auf einem davon kannst du nun Rin­der kau­fen, die im Markt ange­bo­ten wer­den und unter­halb des Plans zu sehen sind. Im Lau­fe des Spiels ändert sich die­ser Markt, so dass man auch auf ein gewis­ses Timing ach­ten sollte."

"Und was machen die gan­zen ande­ren Gebäude?"

Great Western Trail - Detail
die unter­schied­li­chen Gebäu­de brin­gen Varianz

"Das ist unter­schied­lich. Bei einem kannst du bspw. Leu­te anheu­ern. Die Cow­boys benö­tigst du für den Rin­der­kauf. Der Arbei­ter hilft dir, eige­ne Gebäu­de zu bau­en, die nur du nut­zen kannst. Und der Inge­nieur sorgt dafür, dass dei­ne Lok auf der Eisen­bahn­stre­cke wei­ter nach Osten fährt. Das ist wich­tig, da du damit ande­re Orte besu­chen und somit mehr Sieg­punk­te gene­rie­ren kannst."

"Ah, es geht mal wie­der um die omi­nö­sen Siegpunkte!"

"Ja, aber so doof sind die gar nicht. Denn die­se sor­gen dafür, dass vie­le unter­schied­li­che Stra­te­gien mög­lich sind. Es gibt somit nicht nur einen Weg, wie man GREAT WESTERN TRAIL gewin­nen kann."

"Das sieht aber alles ganz schön kom­pli­ziert aus!"

"Sagen wir lie­ber kom­plex. Das ist es auch. Aber sei froh, dass ich dir das Spiel erklä­re. Denn die Regel macht es nicht leicht, alles rich­tig zu erfas­sen. Dabei ist sie eigent­lich ganz gut geschrie­ben und es steht alles drin. Aber auf­grund der Fül­le an Regeln hät­te hier ein Index ganz gut getan. So ist man immer dabei, alle Details zu suchen."

"Und man braucht Platz, was?" (singt:) "Platz, Platz, wir brau­chen Platz!"

Spielertableau
das Spie­ler­ta­bleau wird im Ver­lau­fe der Par­tie immer leerer

"Oh ja, der Tisch soll­te nicht zu klein sein. Denn neben dem Spiel­plan und den gan­zen Kar­ten dort am Rand, haben wir ja auch noch die Spielertableaus."

"Da sind ganz schön vie­le Schei­ben drauf."

"Die wirst du aber im Lau­fe des Spiels los und schal­test dir damit mehr Akti­ons­mög­lich­kei­ten frei. Das ist ganz schön tri­cky und macht auch einen Groß­teil des Spiel­rei­zes aus. Denn am Ende kannst du vie­les bes­ser machen als am Anfang, als du noch ein klei­ner Vieh­trei­ber warst."

"Wo liegt denn der Spiel­reiz? Das ist doch eher lang­wei­lig, so als Sisy­phos immer das glei­che machen zu müs­sen. Kaum hat man sei­ne Rin­der abge­lie­fert, fängt man doch wie­der von vor­ne an."

"Stimmt in gewis­ser Wei­se. Aller­dings ver­än­dert sich der Spiel­plan, da immer mehr Gebäu­de dazu kom­men. Außer­dem hast du doch immer eine ande­re Kar­ten­hand, die man mana­gen muss."

"Okay, man will also sei­ne Kar­ten­hand opti­mie­ren. Und sonst so?"

Karten
neue Rin­der, Auf­trä­ge und natür­lich benö­tigt man für alles auch noch Geld

"Da gibt es bspw. noch Auf­trä­ge, die man erst sam­melt und spä­ter natür­lich auch erfül­len will. Das ist so eines die­ser vie­len klei­nen Details, die ich so toll fin­de. Denn die Auf­trä­ge bekommst du auf die Hand. Dort stö­ren sie dich, da du ja eigent­lich vie­le unter­schied­li­che Rin­der auf der Hand hal­ten willst. Also soll­test du die­se schnell aus­spie­len – zumal das mit einem Bonus ver­bun­den ist. Aller­dings soll­test du die Auf­trä­ge dann auch am Spie­len­de erfül­len, denn ansons­ten gibt es wie­der Punktabzug."

"Ver­ste­he, da ist ziem­lich viel ver­zahnt, was?"

"Kann man so sagen. Es ist nun ein­mal ein Exper­ten­spiel. Aber hat man erst­ein­mal alle Regeln drauf, dann lässt es sich selbst zu viert ziem­lich flott spie­len. Und wie gesagt, es gibt eini­ge unter­schied­li­che Wege im Spiel zu ent­de­cken. Vor allem musst du auch immer dei­ne Mit­spie­ler beach­ten. Für mich ist GREAT WESTERN TRAIL jeden­falls ein Topp-Spiel!"

"Wenn das Spiel so toll ist, war­um hat es dann nicht etli­che Prei­se gewonnen?"

"Na ja, ein paar Prei­se hat es sogar gewon­nen. Aller­dings kam in die­sem Jahr auch das exzel­len­te TERRAFORMING MARS her­aus und so blieb meist nur ein zwei­ter Platz. Mann, was war das ein star­ker Jahr­gang in die­sem Bereich."

Great Western Trail - Beutel
die zusätz­li­chen Beu­tel ver­hin­dern lan­ges Sortieren-Müssen

"Und wie ich sehe, hast du es auch schon ein wenig auf­ge­pimpt. Oder waren die schi­cken Beu­tel von Anfang an dabei?"

"Nee, lei­der nicht. Die habe ich mir bei Arts­Cow machen las­sen. Außer­dem muss­te natür­lich auch noch eine Lego-Start­fi­gur mit ins Spiel – auch wenn die gar nicht gebraucht wird. Aber unab­hän­gig davon ist die Aus­stat­tung auf gewohn­tem Niveau von eggert­spie­le. Da gibt es nichts zu kri­ti­sie­ren. Auch die Illus­tra­tio­nen von Andre­as Resch gefal­len mir rich­tig gut."

"Okay, okay, genug mit dei­ner Lob­hu­de­lei. Beginn mal mit der Regel­er­klä­rung. Aber ich sag es gleich, in die­ser Stadt gibt es nur Platz für einen, Gringo!"

"Da habe ich ja Glück, dass es zur Not auch noch eine tol­le Solo-Fan-Vari­an­te. Wenn du mich also in Gefäng­nis ein­buch­test, dann neh­me ich dort mein GREAT WESTERN TRAIL mit."

Great Western Trail - Solo-Modus
mit dem Auto­ma­ta "Garth" hat man immer einen Mit­spie­ler parat
TitelGre­at Wes­tern Trail
AutorAlex­an­der Pfister
Illus­tra­tio­nenAndre­as Resch
Dau­er75 – 150 Minuten
Spie­ler­an­zahl2 bis 4 Spieler
Ziel­grup­pesieg­punk­t­ori­en­tier­te Exper­ten­spie­ler
Ver­lageggert­spie­le (im Ver­trieb von Pegasus)
Jahr2016

3 Kommentare

  • Tol­le Idee, die­se Wei­se der Spielvorstellung. 🙂
    Und sehr gut umge­setzt – ein rea­li­täts­na­hes Gespräch, das man als Leser grin­send mitverfolgt
    und das dabei wirk­lich schön anschau­lich das Spiel beschreibt und (wie­der neu) Appe­tit dar­auf macht.

    LG! Dani­el

  • P.S.
    Der Spiel­plan von GWT hat mir noch nie so rich­tig gefal­len.. der hät­te viel atmo­sphä­rish­cer gestal­tet sein kön­nen.. die Land­schaft detail­lier­ter und rea­lis­ti­scher, und die gra­fi­sche Ein­glie­de­rung der Mecha­nis­men (Akti­ons­fel­der usw) hät­te attrak­ti­ver gestal­tet und ein­ge­bun­den wer­den können.
    Beson­ders die Sei­ten­leis­ten (der Schie­nen­strang) und die gro­ße seit­li­che "Tabel­le" (links, für die Arbei­ter­plätt­chen) fin­de ich sehr häss­lich (grau, leer und abs­trakt) gestaltet.
    Klar, es soll der Über­sicht­lich­keit die­nen, aber dass das selbst in einem kom­ple­xen Euro­ga­me viel schö­ner und atmo­sphä­ri­scher geht, haben doch schon vie­le Spie­le bewie­sen; spon­tan fal­len mir da die neu­en Brass-Edi­tio­nen ein.

    • Oh ja, der Spiel­plan ist jetzt nicht unbe­dingt eine Augen­wei­de. Aber ich habe mich mitt­ler­wei­le dar­an gewöhnt. Und wie man bei BLACKOUT: HONKONG sieht, geht es auch noch viel hässlicher...