Empfehlung: Welcome to…

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Welcome to… von Benoit Turpin erschienen bei Blue Cocker Games

Welcome to - Box
Foto: Blue Cocker Games

"Frü­her war alles bes­ser!" Den Spruch hört man immer wie­der – und wahr­schein­lich war das frü­her nicht anders. Aber ist das wirk­lich so?

Wenn man sich die Gestal­tung von WELCOME TO… ansieht, dann könn­te man mei­nen, dass ich mit die­ser Ein­lei­tung nun ein Hohe­lied auf die 50er-Jah­re sin­gen will. Weit gefehlt! Eigent­lich möch­te ich auf etwas ganz ande­res hin­aus. Mir ist näm­lich auf­ge­fal­len, dass ich bei mei­nen Emp­feh­lun­gen sel­ten aktu­el­le Titel bespre­che. So könn­te man nun fra­gen: Sind die gan­zen neu­en Spie­le etwa nicht so gut wie die alten? War frü­her alles bes­ser? Nein, natür­lich nicht. Die­ses Ungleich­ge­wicht liegt wohl dar­an, dass ich bei den aktu­el­len Titel mehr die Vor- und Nach­tei­le beleuch­ten will, wäh­rend ich bei den Emp­feh­lun­gen mehr das Spiel­ge­fühl in den Vor­der­grund stel­le. Aber ich gelo­be Bes­se­rung und mache nun auch gleich den Anfang mit WELCOME TO

Welcome to - Design
auf der einen Sei­te Spiel­hil­fe, auf der ande­ren Sei­te toll gestal­te­te Wer­bung für den Ver­lag

Erst­mals auf­merk­sam bin ich auf die­ses Spiel gewor­den, als ich mich beim Schrei­ben des Bei­trags zu MAJESTY auf der Web­site der Illus­tra­to­rin Anne Heid­sieck umge­se­hen habe. Schon dort bin ich über Ent­wür­fe zu WELCOME TO… gesto­ßen – und die haben mich sehr neu­gie­rig gemacht. Als dann immer mehr Infor­ma­tio­nen zugäng­lich wur­den, stieg auch immer mehr die Vor­freu­de. Und über­ra­schen­der­wei­se war die­se dann auch nicht über­zo­gen, denn WELCOME TO… hat ziem­lich genau das ein­ge­hal­ten, was ich mir davon ver­spro­chen habe.

Welcome to - Karten
Kar­ten statt Wür­fel

Und was habe ich mir ver­spro­chen? WELCOME TO… wird ger­ne umschrie­ben als ein klas­si­sches Roll-and-Wri­te-Spiel – mit der Beson­der­heit, dass gar kei­ne Wür­fel im Spiel sind. Statt Wür­fel kom­men näm­lich Kar­ten zum Ein­satz, wes­we­gen auch ger­ne der neu­ar­ti­ge Begriff Flip-and-Wri­te-Spiel benutzt wird. Wie das jeden­falls bei sol­chen Spie­len üblich ist, trägt man nach und nach Wer­te auf einen Spiel­bo­gen ein. Bei WELCOME TO… ist das aber etwas the­ma­ti­scher als sonst, da ich nun Haus­num­mern in einer Stra­ße ver­ge­be. Durch das Set­zen von Zäu­nen las­se ich dabei klei­ne Sied­lun­gen inner­halb eines Stra­ßen­zu­ges ent­ste­hen. Das mache ich, weil man dafür spä­ter Punk­te bekommt und weil man somit eben­falls punk­te­träch­ti­ge Auf­trä­ge erfül­len kann. Neben der Akti­on "Zäu­ne setz­ten" kann man aber auch in Grün­an­la­gen und Swim­ming­pools inves­tie­ren.

Welcome to - Auswahl
immer drei Kar­ten­paa­re zur Aus­wahl

Der Mecha­nis­mus sieht vor, dass man sich immer ein Kar­ten­paar aus­sucht. Die­ses besteht einer­seits aus einer Haus­num­mer, die man nun im Plan auf­stei­gend ein­tra­gen muss. Die zwei­te Kar­te bie­tet einem dahin­ge­gen eine mög­li­che Zusatz­ak­ti­on an, die man machen kann (aber eben nicht muss). Was mir dar­an beson­ders gefällt, ist die Aus­wahl aus drei Kar­ten­paa­ren. Man ist somit nicht auf Gedeih und Ver­derb bspw. von einem Wür­fel­wurf abhän­gig, son­dern hat meist meh­re­re Optio­nen, zwi­schen denen man sich ent­schei­den muss. Was aber nicht immer ein­fach ist. Denn meist wür­de ich am liebs­ten eine Kom­bi­na­ti­on aus zwei Paa­ren bil­den kön­nen (Haus­num­mer A mit Akti­on B). Aber genau sol­che klei­nen Zwick­müh­len-Ent­schei­dun­gen brin­gen die not­wen­di­gen Emo­tio­nen ins Spiel. Ein Vor­teil am Kar­ten­deck gegen­über Wür­feln ist die siche­re­re sta­tis­ti­sche Ver­tei­lung. Denn natür­lich sind die Haus­num­mern 7, 8 und 9 öfters im Sta­pel als die 1, 2, 14 und 15 – und die­se erschei­nen dann eben auch weni­ger oft. Jeder, der häu­fig CATAN gespielt hat, kennt das Phä­no­men, dass die Anzahl der Wür­fe nicht aus­reicht, um eine gleich­mä­ßi­ge Ver­tei­lung der Wür­fel­wer­te zu erzie­len. Dar­aus zieht manch Wür­fel­spiel sei­nen Reiz (bspw. KNISTER aber auch CAN'T STOP), aber meist bin ich davon eher genervt als erfreut. Das ist bei WELCOME TO… glück­li­cher­wei­se anders.

Welcome to - Detail
ich mag die lie­be­voll gestal­te­ten Kar­ten sehr

Was macht den beson­de­ren Reiz von WELCOME TO… aus? Mei­ner Mei­nung nach ist es die Kom­bi­na­ti­on aus gut umge­setz­ten The­ma im Zusam­men­spiel mit einer her­aus­ra­gen­den Gestal­tung. Zusätz­lich wirkt der neu­ar­ti­ge Aus­wahl­me­cha­nis­mus mit­tels Kar­ten einer­seits ver­traut, ande­rer­seits aber auch frisch und unver­braucht. WELCOME TO… hat eine ange­neh­me Spiel­tie­fe, die über die ver­schie­de­nen Akti­ons­mög­lich­kei­ten und den damit ver­bun­de­nen Stra­te­gi­en erzeugt wird. Die jeweils unter­schied­li­chen Auf­trä­ge brin­gen Vari­anz ins Spiel, die zusätz­lich mit einer schon im Spiel ent­hal­te­nen Erwei­te­rung für fort­ge­schrit­te­ne Spie­ler noch erhöht wird.

Welcome to - Aufträge
das Wett­ren­nen um die Auf­trä­ge bringt die meis­te Inter­ak­ti­on

Als Spie­le­ran­zahl wird ganz opti­mis­tisch 1 bis 100 Spie­ler ange­ge­ben. Das stimmt theo­re­tisch, doch habe ich das bis­her nicht veri­fi­zie­ren kön­nen. Außer­dem hät­te man kon­se­quen­ter­wei­se statt 100 das ∞-Zei­chen ver­wen­den müs­sen. Denn bei WELCOME TO… spie­len immer alle Spie­ler gleich­zei­tig. Die Kar­ten­aus­wahl gilt für alle Spie­ler unein­ge­schränkt, Inter­ak­ti­on ent­steht fast nur über ein Wett­ren­nen um die aus­lie­gen­den Auf­trä­ge. Wer die zuerst erfüllt, erhält mehr Punk­te als die nach­fol­gen­den Mit­spie­ler. Dadurch lässt sich WELCOME TO… gut in gro­ßen Run­den spie­len, wobei natür­lich hier eine natür­li­che Gren­ze erreicht wird, wenn nicht jeder mehr auf die Kar­ten bli­cken kann (okay, hier könn­te man mit einem Bea­mer arbei­ten).

Aber die 1 bei der Spie­le­ran­zahl ist defi­ni­tiv rich­tig gewählt. Denn WELCOME TO… besitzt einen ange­neh­men Solo-Modus, der durch­aus sei­nen Reiz hat. Ich bin jetzt wahr­lich nicht der gro­ße Solo-Spie­ler, aber WELCOME TO… ist bei Bedarf schon eine inter­es­san­te Alter­na­ti­ve – auch weil eine Par­tie schnell gespielt ist.

Welcome to - Ende
das Ende ist der Anfang der Wohn­sied­lung

Was sind die Kri­tik­punk­te? Der gro­ße Kri­tik­punkt ist leicht zu benen­nen: die Spiel­re­gel! Haupt­säch­lich die deut­sche Regel, aber auch die alter­na­ti­ve eng­li­sche hal­te ich nicht für gelun­gen. Bei der fran­zö­si­schen muss ich mit einem Urteil pas­sen – da ist mei­ne wenig ruhm­rei­che Schul­zeit in die­sem Fach zu lan­ge her. Die bei­lie­gen­de deut­sche Regel ist mitt­ler­wei­le zwar über­ar­bei­tet als Down­load zur Ver­fü­gung gestellt wor­den, aber gut ist auch die­se Neu­ver­si­on nicht. Ins­ge­samt ist alles unnö­tig kom­pli­ziert dar­ge­stellt wor­den – gar­niert mit ver­wir­ren­den Begrif­fen und umständ­li­chen Beschrei­bun­gen. Es hat wohl ein paar Par­ti­en gedau­ert, bis wir wirk­lich feh­ler­frei gespielt haben. Aller­dings – und das ist ein Vor­teil – WELCOME TO… ver­zeiht ein feh­ler­haf­tes Spie­len. Die Grund­zü­ge sind klar erkenn­bar und ob man ein Detail nun so oder so spielt, ändert wenig an der schö­nen Stim­mung am Tisch. Es wird nur etwas schwe­rer oder leich­ter – aber das betrifft alle Betei­lig­ten, da die Aus­la­ge immer für alle Spie­ler gilt. Ein wei­te­rer Kri­tik­punkt ist dem­nach viel­leicht noch die gerin­ge Inter­ak­ti­on. Aber die­sen Punkt sehe ich als nicht so gewich­tig an, denn das ist bei Roll-and-Wri­te-Spie­len eher der Nor­mal­fall.

Welcome to - Mini
die Mini-Aus­ga­be passt pro­blem­los in jede Tasche

Auf der SPIEL 2018 gab es übri­gens vom Ver­lag das Ange­bot, eine klei­ne Mini-Aus­ga­be von WELCOME TO… zu erwer­ben. Da konn­te ich natür­lich nicht wider­ste­hen. Denn meis­tens habe ich bei Rei­sen mit Platz­pro­ble­men zu kämp­fen. Oder aber ich neh­me ger­ne über­all ein klei­nes Spiel mit – man weiß ja nie, ob man nicht doch zum Spie­len kommt. Dafür ist die­se Mini-Aus­ga­be natür­lich opti­mal (beson­ders auch wegen des Solo-Modus). Wei­te­re Able­ger von WELCOME TO… konn­te man schon auf Kick­star­ter unter­stüt­zen. Da bin ich zwar nicht ein­ge­stie­gen, aber ich wer­de die im Auge behal­ten und mich mög­li­cher­wei­se damit auf der nächs­ten SPIEL aus­rüs­ten.

Übri­gens nicht wun­dern, wenn das Spiel teil­wei­se nur als WELCOME bezeich­net wird. Wahr­schein­lich war das sogar der offi­zi­el­le Ver­lags­ti­tel, der so bspw. auch auf der Web­site ver­wen­det wird. Aber alle Daten­ban­ken haben das Spiel nur als WELCOME TO… gelis­tet – und selbst auf der Pre-Order-E-Mail des Ver­la­ges wur­de der Titel dann so geschrie­ben. Wahr­schein­lich ist da ein klei­ner Selbst­läu­fer dar­aus gewor­den.

Welcome to - in work
(wo)men at work…

Titel Wel­co­me to…
Autor Benoit Tur­pin
Illus­tra­tio­nen Anne Heid­siek
Dau­er 30 Minu­ten
Spie­le­ran­zahl 1 bis 100 Spie­ler
Ziel­grup­pe anony­me Wür­fel­spie­ler auf Ent­zug
Ver­lag Blue Cocker Games
Jahr 2018

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