Ersteindruck: Century – Die Gewürzstraße

Century – Die Gewürzstraße von Emerson Matsuuchi – erschienen bei Abacusspiele

Century - Die Gewürzstraße - Box

Foto: Aba­cus­spie­le

Puh, irgend­wie habe ich mir die "Nach-Urlaubs­zeit" etwas stress­frei­er vor­ge­stellt. Okay, das war höchst wahr­schein­lich sehr naiv, aber manch­mal will man das auch sein. Jeden­falls ist jetzt gera­de so eine Zeit, in der man mich abends nicht mehr mit einem Stra­te­gie­ham­mer an den Spiel­tisch locken könn­te. Da muss schon eher "Schon­kost" her. Aller­dings soll­te die­se trotz­dem halb­wegs gut gewürzt sein, um mein Inter­es­se zu wecken. Kann das DIE GEWÜRZSTRASSE bie­ten?

The­ma... ist auch eher Schon­kost. Als Händ­ler im Ori­ent erwirbt und tauscht man Gewür­ze um die­se dann an sieg­punk­träch­ti­gen Orten abzu­ge­ben. All zu lan­ge soll­te man sich aber mit dem The­ma nicht auf­hal­ten – denn im Spiel kommt die­ses auch nur unter­ge­ord­net vor. So ist es auch nicht ver­wun­der­lich, wenn das glei­che Spiel aktu­ell zusätz­lich mit einem ganz ande­ren The­ma (Golems!) ver­öf­fent­licht wur­de

Century - Die Gewürzstraße - Detail-Aufträge

wun­der­schö­ne Illus­tra­tio­nen ergöt­zen die Augen

Illus­tra­tio­nen... sind von Fer­nan­da Suá­rez und eine ech­te Augen­wei­de. Hier lohnt sich näm­lich dann doch das The­ma "Händ­ler im Ori­ent", denn so bekommt man wun­der­schön illus­trier­te Gewürz­stra­ßen-Roman­tik zu sehen. Doch, doch, die Illus­tra­tio­nen sind wirk­lich sehr gelun­gen. Und da das Spiel nicht zu anspruchs­voll ist, benö­tigt man nur ganz wenig Sym­bo­le, die auch alle klar ver­ständ­lich sind.

Aus­stat­tung... ist eine ech­te Wucht! Neben den schön groß­for­ma­ti­gen Kar­ten sind vor allem die Metall­mün­zen und die schon in der Box vor­han­de­nen Gewürz­schäl­chen ein ech­ter Hin­gu­cker. Bei nähe­rer Betrach­tung sind es zwar nur sehr leich­te Plas­tik­schäl­chen (hier wäre Bam­bus irgend­wie noch stim­mungs­vol­ler gewe­sen), aller­dings ist das Meckern auf höchs­tem Niveau. Denn wann bekommt man schon ein­mal sol­che prak­ti­schen Auf­be­wah­rungs­mög­lich­kei­ten gleich mit­ge­lie­fert? Die Gewürz­scha­len fas­sen jeden­falls die dicken Holz­wür­fel, die die Gewür­ze dar­stel­len. Gar­niert wird das Gan­ze durch ein sehr ver­nünf­ti­ges Tief­zieh­teil, so dass die Kom­bi­na­ti­on Gra­fik und Aus­stat­tung schon sehr zu über­zeu­gen weiß!

Century - Die Gewürzstraße - Detail-Waren

die Aus­tat­tung ist top!

Ablauf... ist leicht zu ler­nen, denn es bestehen nur weni­ge ver­schie­de­ne Akti­ons­mög­lich­kei­ten. So kann man eine Händ­ler­kar­te aus­spie­len und damit ent­we­der neue Gewür­ze auf­neh­men oder bestehen­de gegen ande­re tau­schen. Die­se Akti­on nutzt man zum Groß­teil des Spie­les, wes­we­gen man eigent­lich stän­dig dabei ist, Holz­wür­fel hin und her zu schie­ben. Die ande­ren Mög­lich­kei­ten sind: durch die Abga­be von Gewür­zen neue Händ­ler­kar­ten (womit man mehr Mög­lich­kei­ten erhält) oder Sieg­punkt­kar­ten zu erwer­ben, über die man das Spiel am Ende gewinnt. Oder aber man nimmt bereits aus­ge­spiel­te Händ­ler­kar­ten wie­der auf die Hand.

Denn im Grun­de ist DIE GEWÜRZSTRASSE ein Deck­bu­l­i­ding-Spiel. Über die gekauf­ten Händ­ler­kar­ten stel­le man sich ein eige­nes Deck zusam­men, das man im wei­te­ren Ver­lauf aus­spielt. Die Beson­der­heit ist, dass man immer über alle Kar­ten ver­fügt – sofern man die­se noch nicht aus­ge­spielt hat. Somit wird auch die Spiel-Dyna­mik klar. Anfangs ver­sucht man eine Kar­ten-Maschi­ne auf­zu­bau­en, die man dann im Lau­fe des Spie­les arbei­ten lässt. Sobald man bei all der Tau­sche­rei alle Gewür­ze bei­sam­men hat, um eine Sieg­punkt­kar­te zu kau­fen, dann macht man das meist auch – und das Sam­meln von Gewür­zen beginnt von vor­ne. Dabei gilt eigent­lich nur zu beach­ten, dass man nie mehr als zehn Gewür­ze besit­zen kann.

Century - Die Gewürzstraße - Auslage

zen­tra­le Aus­la­ge mit ein­ge­bau­ter Eigen-Balan­ce-Siche­rung

Inter­ak­ti­on fin­det eigent­lich nur dadurch statt, dass die ande­ren Spie­ler aus­lie­gen­de Kar­ten vor einem weg­neh­men. Dabei fin­det ein klei­nes Beloh­nungs­sys­tem statt. Die ers­ten zwei Sieg­punkt­kar­ten der aus­lie­gen­den Rei­he wer­den mit Mün­zen bestückt, die zusätz­li­che Sieg­punk­te wert sind. Bei den Händ­ler­kar­ten ist die ers­te aus­lie­gen­de Kar­te kos­ten­frei. Will man sich Kar­ten von wei­ter hin­ten neh­men, dann muss man auf jede davor lie­gen­de Kar­te Gewürz­wür­fel able­gen – die dann natür­lich bei einem spä­te­ren Neh­men dem neu­en Besit­zer zur Ver­fü­gung ste­hen. Sprich: "schlech­te" Händ­ler­kar­ten wer­den mit der Zeit wert­vol­ler.

Century - Die Gewürzstraße - Spielerauslage

die eige­ne Kara­wa­ne mit dem Händ­ler­kar­ten-Deck

Die Chan­ce auf einen Zweit­ein­druck... ist eher gering. Mir per­sön­lich ist DIE GEWÜRZSTRASSE zu sehr redu­ziert auf den eigent­li­chen Mecha­nis­mus. Im Grun­de baut man sich anfangs schnell ein Deck auf und spielt die­ses dann recht grad­li­nig her­un­ter. Was mir fehlt sind Über­ra­schun­gen fern ab von der Fra­ge, wel­che Kar­ten denn nun in der Aus­la­ge auf­taucht. Bei SPLENDOR, was oft mit DIE GEWÜRZSTRASSE ver­gli­chen wird, ist es bspw. die Mög­lich­keit, Kar­ten aus der Aus­la­ge zu reser­vie­ren. Man ist als Spie­ler also der per­ma­nen­ten Bedro­hung aus­ge­setzt, dass man auf eine Kar­te spielt, die dann aber ohne Vor­war­nung von einem Mit­spie­ler weg­ge­nom­men wird. Sol­che Span­nungs­ele­men­te feh­len bei DIE GEWÜRZSTRASSE – auch, weil alle Infor­ma­tio­nen offen aus­lie­gen. Hier wür­de viel­leicht schon ein Sicht­schirm den gan­zen Spiel­ver­lauf span­nen­der gestal­ten. Oder aber nach Spiel­zeit gestaf­fel­te Händ­ler­kar­ten (ein A‑Stapel mit Ein­stiegs-Kar­ten, ein B‑Stapel mit wert­vol­le­ren Kar­ten, ein Super-C-Kar­ten-Sta­pel), der die Akti­on Händ­ler­kar­ten kau­fen auch lang­fris­tig attrak­tiv macht.

Century - Die Gewürzstraße - Boxinhalt

toll durch­dach­tes Box-Kon­zept!

So hat­te ich bei mei­nen weni­gen Par­ti­en das Gefühl, dass der anfangs Glück­li­che­re (durch eine vor­teil­haf­te Aus­wahl an Händ­ler­kar­ten) ver­hält­nis­mä­ßig leich­tes Spiel hat im Ver­gleich zu dem­je­ni­gen, bei dem zu Beginn die Händ­ler­kar­ten noch so gar nicht pas­sen wol­len. Das ist bei einer Spiel­zeit von nur 30 Minu­ten sicher­lich zu ver­kraf­ten – aber ich spie­le dann im Zwei­fels­fall lie­ber ein Spiel, dass mir einen höhe­ren spie­le­ri­schen Reiz bie­tet.

DIE GEWÜRZSTRASSE ist in mei­nen Augen ein per­fekt auf den Mecha­nis­mus her­un­ter­ge­bro­che­nes Spiel mit dem Pro­blem, dass bei die­ser Redu­zie­rung lei­der auch der Spiel­spaß ver­lo­ren gegan­gen ist. Fair­ness­hal­ber muss ich aber erwäh­nen, dass es bei uns in der Grup­pe bei eini­gen durch­aus ger­ne gespielt wird. Es ist eben eine Art Wohl­fühl­spiel, bei dem man gut sei­ne Aus­la­ge opti­mie­ren kann, ohne dass ein ande­rer einen stört. Mir ist das zu wenig bzw. ein­tö­nig. Ich will nicht anfangs ein paar Kar­ten erwer­ben und die­se dann ver­su­chen, im wei­te­ren Spiel­ver­lauf opti­mal aus­zu­spie­len.

Century - Die Gewürzstraße - Detail

blen­dend schö­nes Spiel?

Und noch eines: die Aus­stat­tung und die Illus­tra­tio­nen sind wirk­lich toll! Hier könn­ten bös­ar­ti­ge Zun­gen aber von einem "Blen­der" reden, denn das eigent­li­che Spiel dahin­ter ist doch eher gewöhn­lich. Aller­dings besteht noch die Hoff­nung, dass dies ledig­lich ein sanf­ter Ein­stieg in die CEN­TU­RY-Welt ist. Denn DIE GEWÜRZSTRASSE ist das ers­te Spiel einer ange­kün­dig­ten Trio­lo­gie. Die wei­te­ren CEN­TU­RY-Spie­le sol­len einer­seits eigen­stän­dig spiel­bar sein, ande­rer­seits aber auch in Kom­bi­na­tio­nen. Viel­leicht bekommt DIE GEWÜRZSTRASSE dann den nöti­gen Pfef­fer, der mir aktu­ell noch fehlt.

 

Titel Cen­tu­ry – Die Gewürz­stra­ße
Autor Emer­son Matsuuchi
Illus­tra­tio­nen Fer­nan­da Suá­rez
Dau­er 30 Minu­ten
Spie­le­ran­zahl 2 bis 5 Spie­ler
Ziel­grup­pe Fami­li­en­spiel
Ver­lag Aba­cus­spie­le / Plan B Games
Jahr 2017

 

Wich­ti­ger Hin­weis: Dies ist ein Erstein­druck nach weni­gen gespiel­ten Par­ti­en! Sehr sub­jek­tiv und durch­aus auch abhän­gig von Tages­lau­ne, Mit­spie­lern und sons­ti­gen Ein­flüs­sen. Bei grund­sätz­li­chem Inter­es­se emp­feh­le das Lesen "rich­ti­ger" Rezen­sio­nen oder noch bes­ser: aus­pro­bie­ren!

 

 

1 Kommentar zu “Ersteindruck: Century – Die Gewürzstraße

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