Ersteindruck: Photosynthesis

Photosynthesis von Hjalmar Hach – erschienen bei Blue Orange

Photosynthesis - Box

Foto: Blue Orange

Wenn man meine letzten Ersteindrücke so liest, kann einem ein komischer Verdacht aufkommen: dort werden nur Spiele besprochen, die so schlecht sind, dass sie keinen Zweiteindruck verdienen. Dem ist natürlich nicht so – zumindest nicht immer. Um also auch mal ein Gegenbeispiel zu bringen, stelle ich heute PHOTOSYNTHESIS vor.

Thema… wer wird „König der Lichtung“? Mehrere Baumarten ringen darum, auf einer Lichtung die größten Bäume wachsen zu lassen, um die umherziehende Sonne optimal ausnutzen zu können. Die Bäume im Schatten gehen dahingegen leer aus uns müssen warten, bis die großen Bäume am Ende ihrer Lebenszeit sind – wofür diese mit Punkten belohnt werden.

Photosynthesis - Detail

da versteckt sich doch ein Kaninchen im Unterholz

Illustrationen… sind von Sabrina Miramon und wunderschön. Die einzelnen Baumarten in den Spielerfarben sind toll gezeichnet und selbst die dazugehörigen Samen sind stimmig gestaltet. Darüber hinaus ist auch die Symbolsprache eindeutig und klar verständlich. Zusätzlich finden sich überall in den Illustrationen kleine Überraschungen. PHOTOSYNTHESIS ist somit eines meiner graphischen Höhepunkte des Jahrgangs. Es würde mich schon sehr wundern, wenn es nicht im Sommer beim Graf Ludo Gesprächsthema ist.

Ausstattung… besteht natürlich in erster Linie aus den vielen tollen 3D-Bäumen aus Pappe. Diese sind so ineinander verkeilt, dass sie stabil stehen und auch nicht auseinander fallen, wenn man sie hoch hebt. Aber auch die restliche Ausstattung ist gut gelungen. Die Spielertableaus sind hilfreich, da dort alle Möglichkeiten gekennzeichnet und gut dargestellt sind. Auch der Verlauf der Sonne mittels einer großen Pappschablone funktioniert sehr gut.

Photosynthesis - Tableau

Startausstattung des modernen Fortswirts

Ablauf… ist aufgrund des gewählten Themas schnell verinnerlicht. Die Währung von PHOTOSYNTHESIS sind sogenannte Lichtpunkte. Diese erhält man am Anfang der Runde während der „Sonnenscheinphase“. Alle Bäume, die Sonnenstrahlen abbekommen (weil sie nicht im Schatten anderer Bäume stehen) erhalten je nach Größe unterschiedliche Lichtpunkte. Diese werden in der folgenden Phase für die vier mögliche Aktionen verbraucht:

  1. man legt sich neue Samen oder Bäume von der Ablage in den eigenen Aktionsbereich
  2. Samen können aus diesem Aktionsbereich gepflanzt werden – natürlich nur in die Nähe bestehender Bäume (abhängig von deren Größe)
  3. man kann die Bäume wachsen lassen, in dem man sie gegen die nächst höhere Größe austauscht – dafür muss diese Baumgröße aber schon im eigenen Aktionsbereich bereit liegen
  4. hat ein Baum die größte Höhe erreicht, dann kann man ihn fällen und bekommt im Gegenzug Punktechips – deren Punktanzahl ist höher, je früher man das macht und je zentrierter der Baum stand

Wichtig ist: pro Spielzug darf man nur eine Aktion bezogen auf jedes Feld und jeden Baum ausführen. So darf ein Baum z.B. nicht zwei Samen aussäen oder erst wachsen und dann noch aussäen. Dementsprechend darf ein soeben eingepflanzter Samen auch nicht unmittelbar zu einem kleinen Baum heranwachsen.

Photosynthesis - Anfangsphase

der Anfang ist noch schön friedlich – aber dann…

Das Spiel endet nach drei vollen Runden (drei Tagen, da dann die Sonne dreimal komplett um die Lichtung gewandert ist). Ein Sonnenrundgang ist wiederum in sechs Unterabschnitte unterteilt, so dass insgesamt 18mal Lichtpunkte vergeben werden und die Spieler 18mal Aktionen ausführen können. Danach zählt man die erhaltenen Punkte durch die gefällten Bäume und noch ein paar Pünktchen, wenn man seine Lichtpunkte nicht vollständig verbraucht hat. Sieger ist natürlich derjenige, der die meisten Punkte besitzt.

Die Chance auf einen Zweiteindruck… ist sehr hoch. Da viele Spiele von Blue Orange in der Vergangenheit von Pegasus Spiele verlegt wurden, hatte ich mich auf der SPIEL in Essen beim Kauf zurückgehalten. Das war aber unnötig, da eine vollständige deutsche Regel beiliegt. Und da das Spielmaterial völlig sprachneutral ist, muss man also gar nicht auf einen Verleger aus Deutschland warten.

Allerdings muss man aufpassen und darf sich nicht blenden lassen. PHOTOSYNTHESIS sieht wunderschön aus. So bunt, so friedlich. Aber friedlich ist der Spielablauf dann nicht – sondern vielmehr knallhart. Denn es wird um jeden Sonnenstrahlen gerungen. Passt man einmal nicht auf, schon verschatten seine eigenen Bäume und man hat in den nächsten Runden kein Einkommen an Lichtpunkten. Besonders unachtsame Spieler können somit gegen Ende kaum noch etwas sinnvolles machen und müssen den anderen Spielern relativ tatenlos zusehen, wie diese ihre Bäume weiter aufforsten – womit die eigene Situation nicht besser wird.

Das Spiel folgt dabei einem eigenen Rhythmus – dem man sich aufgrund des Themas wunderbar hingeben kann. Am Anfang ist natürlich das Platzieren der Setzlinge wichtig. Am Ende ist diese Option nicht mehr zu gebrauchen, da fast nur die Punkte zählen, die man über das Fällen der großen Bäume bekommen hat. Das finden manche etwas unbefriedigend („Wie, es zählt wirklich nur das tote Holz?“), aber so ist es in der Forstwirtschaft. Darauf gilt es sich einzustellen und rechtzeitig den Wendepunkt im eigenen Spiel zu finden.

Photosynthesis - Wald

Vor lauter Wald sieht man die eigenen Bäume nicht.

Die Grafik und das Thema machen PHOTOSYNTHESIS zu einem außergewöhnlichen Spiel. In öffentlichen Runden ist das Spiel meist DER Hingucker. Alle sprechen einen darauf an und wollen am liebsten sofort selbst Bäume aussäen. Der Aufforderungscharakter ist somit sehr hoch. Dabei wird oftmals nicht beachtet, dass PHOTOSYNTHESIS im Kern ein abstraktes Spiel um Gebietskontrolle ist. Ganz wichtig sind die Platzierungen der eigenen Samen und die richtigen Entscheidungen beim Wachsen lassen. Dabei ist natürlich unbedingt der Gang der Sonne zu beachten. In meinen Augen ist PHOTOSYNTHESIS somit mitnichten ein Familienspiel, sondern eher im Bereich der Kennerspiele einzuordnen – insbesondere dann, wenn man die Fortgeschrittenenregeln spielt (die Aktionen „Einen Baum wachsen lassen“ oder „Einen Samen einpflanzen“ können nicht im Schatten eines anderen Baumes ausgeführt werden).

Trotz der augenscheinlichen Diskrepanz zwischen friedlicher Optik und umkämpften Spielverlauf hat mich PHOTOSYNTHESIS voll überzeugt. Ich genieße die Optik und erfreue mich an bösen Spielzügen.

Titel Photosynthesis
Autor Hjalmar Hach
Illustrationen Sabrina Miramon
Dauer 45 bis 60 Minuten
Spieleranzahl 2 bis 4 Spieler
Zielgruppe Kennerspiel
Verlag Blue Orange
Jahr 2017

 

Wichtiger Hinweis: Dies ist ein Ersteindruck nach wenigen gespielten Partien! Sehr subjektiv und durchaus auch abhängig von Tageslaune, Mitspielern und sonstigen Einflüssen. Bei grundsätzlichem Interesse empfehle das Lesen „richtiger“ Rezensionen oder noch besser: ausprobieren!

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