Marco Polo II – Im Auftrag des Khan von Daniele Tascini und Simone Luciani – erschienen im Hans im Glück Verlag
Klären wir das gleich zu Anfang: Nein, MARCO POLO II – IM AUFTRAG DES KHAN ist nicht bloß ein neu aufgelegtes MARCO POLO. Das erkennt man schließlich schon am Titel. Trotzdem reihe ich es auch unter die Rubrik frisch gestrichen ein, da einem so viel bekannt vor kommt – und auch weil der Spielplan nun wesentlich bunter ist.
Was bleibt unverändert? Die grundlegenden Regeln bleiben bestehen. Wir werfen unsere Würfel und setzten diese auf Aktionsfelder ein. Dabei bestimmt der Wert des Würfels die Güte der Aktion. Besetzte Felder können zwar ebenfalls benutzt werden, doch das kostet rares Geld. Während der Partie reisen wir durch die Gegend und bauen in Städten Kontore, damit wir dortige Vorteile nutzen können. Hauptsächlich machen wir aber über erfüllte Aufträge unsere Siegpunkte – es sei denn, wir haben einen außergewöhnlichen Charakter. Denn diese Charaktere sind das Himalaja-Salz in der Suppe. Sie verändern für die Mitspielenden teilweise elementar die Grundregeln und sorgen für unterschiedliche Spielweisen. Dabei bleibt ein weiteres Kennzeichen von MARCO POLO erhalten: nicht alle Charaktere sind in jedem Aufbau gleich stark. Es ist Teil der Spielstrategie, den besten Charakter für die aktuelle Aufstellung auszuwählen. Das ist durchaus beabsichtigt und kein Mangel. So gibt es Charaktere, die sich leichter spielen lassen als andere. Manche funktionieren besser im Spiel zu viert als im Spiel zu zwei. Aber genau dieses Erlernen der Feinheiten macht MARCO POLO grundsätzlich aus.

Unverändert ist auch der Grafikstil. Natürlich wurde alles neu von Dennis Lohausen illustriert. Aber trotzdem haben wir unverkennbar MARCO POLO vor uns liegen, was nicht nur durch die übernommenen Symbolsprache deutlich wird. Auch die Ausstattung (Spielfiguren, Tableaus und Waren) ist größtenteils identisch.
Was ist neu? Am auffälligsten war für mich anfangs die neue Warensorte. Denn nun ist auch Jade im Spiel, welche man vielerlei nutzen kann. Sowohl um Aufträge zu erfüllen wie auch zum Reisen benötigt man nun manchmal Jade. Allerdings kann man mit ihr auch die Neubeschaffung der anderen Waren effizienter durchführen. Diese ist ohnehin nun etwas anders geregelt und durch die wechselnden Jade-Aufwertungen auch deutlich dynamischer.

Doch es stecken noch viele andere neue Details in MARCO POLO II – IM AUFTRAG DES KHAN. Am wichtigsten ist in meinen Augen die Änderung, wie man an neue Aufträge kommt. Denn diese liegen nun nicht mehr in einem allgemeinen Pool, sondern in einzelnen Städten. Und um an diese gelangen zu können, muss man einen eigenen Kontor dort besitzen. Das bedeutet, dass man mindestens in eine solche Stadt reisen muss, um zukünftige Aufträge zu erhalten. Je mehr eigene Kontore man in solchen Auftragsstädten hat, umso mehr Auswahl hat man später. Das ist deswegen von Bedeutung, da man im ursprünglichen MARCO POLO durch viele Auftragserfüllungen gewinnen konnte ohne auch nur Venedig verlassen zu haben – was auch ich ein wenig widersprüchlich zum Spielthema empfand. Das ist nun in MARCO POLO II anders. Grundsätzlich gilt: wer nicht reist, der nicht gewinnt.
Das Reisen an sich ist nun flexibler geregelt und auch die Basiskosten sind günstiger. Letzteres wird aber oftmals durch höhere Streckenkosten kompensiert. Neu ist auch, dass manche Wege nur mit einem entsprechenden Siegel befahren werden können. Diese Siegel kommen recht unscheinbar daher, sind aber keinesfalls zu unterschätzen. Ich war oftmals dann erfolgreich, wenn ich mich ausreichend mit Siegel eingedeckt hatte. Denn diese helfen nicht nur beim Reisen, sondern sie erhöhen das dauerhafte Einkommen genauso wie manche Stadtboni. Zusätzlich werden Siegel oftmals auch bei den Zielkarten mit berücksichtigt.
Diese Zielkarten haben sich übrigens auch verändert. Nun werden nicht konkrete Städte vorgegeben, sondern Wappen von zu besuchenden Städten. Da mehrere Städte gleiche Wappen besitzen, besteht nun eine größere Flexibilität bei der Zielerfüllung. Zusätzlich wird man bei der Endabrechnung belohnt, wenn Kontore in unterschiedlichen Wappenstädte stehen.
Will man übrigens trotz all dieser Änderungen partout nicht reisen, dann kann man trotzdem in den Genuss von Stadtkarten kommen. Diese kann man normalerweise nur nutzen, wenn man in der entsprechenden Stadt einen Kontor gebaut hat. Nun stehen aber allen Mitspielenden zwei Stadtkarten zur einmaligen Nutzung zur Verfügung. Zusätzlich wechselt dieses Angebot in jeder Runde, so dass auch an dieser Stelle eine neue Dynamik ins Spiel kommt.
Wie gefällt mir der neue Anstrich? Besser als erwartet! Ich war anfangs sehr skeptisch, als ich den Spielplan das erste Mal sah. Dieser war nicht nur ungewohnt, sondern auch total unübersichtlich. Durch die neuen Elemente erhöhen sich die Optionen, die allerdings auch dargestellt werden müssen. Dementsprechend voll gestopft ist der Spielplan. Mir fehlte somit anfangs die vertraute Umgebung und ich musste mich überwinden, wirklich MARCO POLO II – IM AUFTRAG DES KHAN anstatt des ursprünglichen Originals auf den Tisch zu bringen.
Allerdings änderte sich das schnell. Denn MARCO POLO II macht eigentlich alles richtig: die Stärken bleiben bestehen und die Schwächen werden konsequent verbessert. So ist das Spielgefühl deutlich angenehmer als bei MARCO POLO I. Es wird weniger Druck ausgeübt, stattdessen werden einem Angebote gemacht. Dadurch erhöhen sich die Möglichkeiten und das Spiel wird noch ein wenig komplexer. Aus diesem Grund reihe ich MARCO POLO II nunmehr auch zu den Expertenspielen ein.
Aber das Spiel bietet nicht nur mehr Möglichkeiten, sondern es ist auch weniger starr. Bisher wurden zu Rundenbeginn lediglich die Aufträge ausgetauscht, was noch nicht mal immer auf Gegenliebe stieß (da man somit schwer passgenau für zukünftige Aufträge ansparen kann). Nun bleiben die Aufträge zwecks besserer Planung liegen und es ändern sich stattdessen die Warenveredlungen und die zwei offenen Stadtkarten. Vor allem diese zwei Stadtkarten erhöhen die Dynamik, da sich dadurch plötzlich ungeahnte Möglichkeiten ergeben können. Jedenfalls hat man nun das Gefühl, dass eine Partie mehr im Fluss ist. Demnach ist es auch nicht mehr ganz so wichtig, den Spielplan vor Beginn richtig "zu lesen". MARCO POLO II fühlt sich trotz der erhöhten Komplexität leichter an, da man insgesamt flexibler agieren kann.
Ich finde es auch gut, dass der Verlag mutig genug war, eine komplett neue Box auf den Markt zu bringen. Im Vorfeld wurde ausgiebig darüber diskutiert, ob MARCO POLO II lediglich eine Erweiterung werden soll oder eben ein eigenständiges Spiel – darüber gibt der Verlag auch gut selbst Auskunft. Für mich fühlt es sich ebenfalls wie ein eigenständiges Werk an, weswegen ich über die separate Box froh bin. So muss ich nicht hin und her sortieren und kann gezielt die gewünschte Version auf den Tisch packen. Außerdem wurde in diesem Zusammenhang auch das beiliegende Material noch unwesentlich aber entscheidend verbessert (die "großen" Waren sind nun deutlich größer).
So bleibt abschließend festzustellen, dass MARCO POLO II – IM AUFTRAG DES KHAN ein ohnehin schon gutes Spiel noch deutlich verbessert hat. Den umkämpften Platz im Regal wird IM AUFTRAG DES MARCO POLO zwar vorerst nicht verlieren, aber im Zweifelsfall müsste es eher weichen als sein äußerst gelungener Nachfolger.
| Titel | Marco Polo II – Im Auftrag des Khan |
| Autor | Daniele Tascini und Simone Luciani |
| Illustrationen | Dennis Lohausen |
| Dauer | 30 Minuten pro Spieler |
| Spieleranzahl | 2 bis 4 Spieler |
| Zielgruppe | Expertenspieler mit Würfelvorliebe |
| Verlag | Hans im Glück |
| Jahr | 2019 |
Ich bedanke mich bei Asmodee Germany als Vertriebspartner von Hans im Glück für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.



















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