EXIT – Das Spiel + Puzzle (Der verschollene Tempel und Der einsame Leuchtturm) von Inka und Markus Brand sowie Juliane Voorgang – erschienen im KOSMOS Verlag
Ich hätte ja gerne die Reaktionen der KOSMOS-Redaktion erlebt, als diese mitbekommen haben, wie sich Konkurrent Ravensburger geschickt den Exit-Begriff für ihre Puzzle einverleibt haben. Wenn diese Puzzle jedenfalls noch gut gewesen wären – aber so? Die Folge daraus ist aber der nun nur leicht sperrige Titel EXIT – DAS SPIEL + PUZZLE. Wer soll sich das merken? Wahrscheinlich wird dieser Titel im Handel für reichlich Verwirrung sorgen. Doch spätestens wenn man die Cover sieht, sollte sich diese Unsicherheit legen. Denn die neuen Boxen von EXIT – DAS SPIEL + PUZZLE sind doch deutlich als Bestandteil der Familie zu erkennen – welch Geistesblitz doch der Blitz war!
Bevor man EXIT – DAS SPIEL + PUZZLE auf den Tisch bringt, sollte man zur Abwechslung auch mal wieder die Anleitung zu Rate ziehen. Denn schon auf den ersten Blick fällt das Fehlen eines elementaren Elements der bisherigen EXIT-Boxen auf: es gibt zwar die Codierscheibe aber keinerlei Karten! Zusätzlich funktioniert die Codierscheibe im Detail anders als bisher. Denn nun muss man den dreistelligen Zahlencode einem farbigen Schloss zuordnen. Auf der Rückseite der Scheibe überprüft man dann, ob das entsprechende farbige Schloss im Sichtfenster zu sehen ist. Wenn die Schlösser übereinstimmen, dann gibt die Codierscheibe auf der Vorderseite einen Symbol-Code an, der auf die einzeln beiliegenden Rätsel-Umschläge verweist. Das Hilfesystem ist wieder dreistufig (zwei Hinweise und dann die Lösung), nun aber Bestandteil der Anleitung.


Natürlich sind in der Box auch eine Menge Puzzleteile. Insgesamt sind vier unterschiedliche Motive pro Box enthalten. Die entsprechenden Teile kommen in unterschiedlichen Tüten daher und haben auch verschiedene Rückseiten. Nach und nach puzzelt man dann ein Motiv, für das es übrigens keine Vorlage gibt. Aber so schwer sind die Motive nicht, das bekommt man ganz gut hin. Über die einzelnen Motive und den Rätsel-Umschlägen wird man dann durch die Geschichte geführt und es ist immer klar und deutlich, welche Schlossfarbe man nun "bearbeitet".

Exit – Das Spiel + Puzzle: Der verschollene Tempel
Auch die neuen Puzzle-Boxen sind in verschiedene Kategorien eingeteilt. Deswegen begannen wir zum Eingrooven mit der Einsteiger-Box DER VERSCHOLLENE TEMPEL.
Über die Geschichte breiten wir lieber den Mantel des Schweigens, denn diese ist recht banal und vorhersehbar. Aber das Hauptaugenmerk der EXIT-Boxen besteht schon seit jeher auf die kleinen Rätsel, die durch eine Geschichte lediglich zusammengefügt werden. So auch hier. Zumindest hat man durch das Thema schöne von Maximilian Schiller illustrierte Motive, die aber teilweise etwas zu dunkel geraten sind.
Die Rätsel sind dem Einsteigerlevel angemessen und binden manchmal auch die Puzzleteile ein. So ist das Puzzeln also nicht nur reiner Zeitvertreib, sondern elementarer Bestandteil zur Lösung einiger Rätsel. Apropos Zeitvertreib: durch das Puzzeln dauert so eine Box nun länger als die gewöhnlichen EXIT-Fälle. Wer also mit dem Anspruch rein geht, in einer Stunde fertig sein zu wollen, wird sich ziemlich gestresst fühlen. Ansonsten bietet DER VERSCHOLLENE TEMPEL genau das, was ich von einem EXIT-Puzzle erwartet habe.



Exit – Das Spiel + Puzzle: Der einsame Leuchtturm
DER EINSAME LEUCHTTURM hat eine fortgeschrittene Schwierigkeit, was man den Rätseln auch deutlich anmerkt. Hier standen wir manchmal anfangs ganz schön auf dem Schlauch und mussten dann auch das Hilfesystem verwenden. Insbesondere im Vergleich zum DER VERSCHOLLENE TEMPEL sind die Rätsel spürbar schwerer.
Das liegt auch daran, dass nun die einzelnen Motive miteinander korrespondieren – also überlegt euch schon mal ein System des Zwischenlagerns der einzelnen Puzzle. Bei DER VERSCHOLLENE TEMPEL konnte man ein Motiv puzzeln und wenn dort alle Rätsel gelöst waren, hätte man die Bilder auch wieder zurück in die Tüte schütten können. Bei DER EINSAME LEUCHTTURM wäre das fatal, weil man dann bestehende Motive notfalls nochmals puzzeln müsste. Wir waren zum Glück vorsichtig, so dass uns dieses Problem nicht betraf. Diese Vorsicht fußte übrigens darauf, dass man beim Puzzeln sich die einzelnen Teile recht genau anschaut. Dabei bekommt man Vorahnungen, dass diese oder jene Teile später noch wichtig werden. Das wertet das Puzzeln ungemein auf, da diese Aktivität schon aktiv zur späteren Lösung beiträgt. Denn ketzerisch könnte man ja auch meinen, dass einem einfach die Motive als Ausdruck zur Verfügung gestellt werden sollen und schon kann man die Rätsel lösen. Dem ist aber nicht so, da auch DER EINSAME LEUCHTTURM teilweise die Eigenarten eines Puzzles in die Rätsel mit einbaut.
Die einzelnen von Florian Biege illustrierten Motive sind übrigens wieder recht dunkel geraten, was auch an der nächtlichen Story liegt. Die ist zwar immer noch nicht gut, spielt aber etwas mehr mit dem typischen Escape-Zeitdruck. Trotzdem hoffe ich, dass spätere Boxen etwas mehr Farbe ins Spiel bringen.
Fazit
Über den Sinn und Zweck des Puzzelns kann man sich natürlich streiten. Wer wirklich nur schnell Rätsel lösen will, der ist wohl bei den konventionellen EXIT-Boxen besser aufgehoben. Mir persönlich hat der Puzzle-Anteil aber sehr gut gefallen. Er bringt Zeit zum Durchschnaufen und vielleicht auch den ein oder anderen "Kapitelmarker", wenn man das Rätseln mal unterbrechen muss. Allerdings mag ich Puzzeln ohnehin sehr gerne, da man dabei wunderbar entschleunigte Zeit miteinander verbringt. Ich bin jedenfalls froh um dieses Zusatzelement, zumal die immer noch im Mittelpunkt stehenden Rätsel glücklicherweise das von der Reihe gewohnt hohe Niveau halten können. Aus diesem Grund kann ich die beiden Boxen EXIT – DAS SPIEL + PUZZLE definitiv empfehlen.
Wenn ich schon beim Empfehlen und Puzzeln bin, habe ich noch einen kleinen Tipp für Eltern von etwas älteren Grundschulkindern. Die werden DIE SCHULE DER MAGISCHEN TIERE ohnehin schon kennen, da das ein tolle Buchreihe für Kinder dieses Alters sind. Für die jungen Fans hat der KOSMOS-Verlag einiges im Angebot – unter anderem auch das ein oder andere Story-Puzzle.
Story Puzzle – Die Schule der magischen Tiere: Endlich ausgegeistert
Ähnlich wie bei den Krimi-Puzzle der drei ??? wird den Kindern eine Geschichte erzählt, bei der man nach und nach kleine Rätsel lösen muss. Dafür wird den Kindern auch eine kleinen Spiegelfolie als Gimmick angeboten – wobei die allseits bekannte KOSMOS-UV-Lampe auch ihren Dienst erweisen würde. Denn wieder ist es so, dass das Puzzle im Dunkeln leuchtet. Da man aber meist tagsüber Puzzeln und Rätseln will, muss man sich etwas einfallen lassen, wie man die fluoreszierenden Teile zum Leuchten bringt.
Das Puzzle kommt sehr altersgerecht daher. Die einzelnen Teile sind entsprechend groß und eindeutig, so dass das Motiv keine all zu schwere Aufgabe darstellt. Die bekannten Illustrationen von Nina Dullek tun ihr Übriges, um sich in der bekannten Welt zurecht zu finden (Funfact am Rande: der uns Brettspielern bekannte Klemens Franz war für die Grafik verantwortlich).
Auch dieses STORY PUZZLE hat die Erwartungen erfüllt und die anderen werden sicherlich bald auch ausprobiert.

| Titel | EXIT – Das Spiel + Puzzle: Der verschollene Tempel EXIT – Das Spiel + Puzzle: Der einsame Leuchtturm |
| Autor | Inka und Markus Brand sowie Juliane Voorgang |
| Illustrationen | Maximilian Schiller bzw. Florian Biege |
| Dauer | ca. 60 bis 90 Minuten |
| Spieleranzahl | 1 bis 4 |
| Zielgruppe | rätselnde Puzzler |
| Verlag | KOSMOS |
| Jahr | 2020 |
Ich bedanke mich bei KOSMOS für die Bereitstellung zweier Rezensionsexemplare. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.












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