kritisch gespielt: 3 Secrets

3 Secrets von Martino Chiacchiera und Pierluca Zizzi erschienen bei Abacusspiele

3 Secrets - Box

Foto: Abacusspiele

Als ich die ersten Bilder von 3 SECRETS gesehen habe, musste ich sofort an den Film „Sin City“ denken (wohl auch deswegen, weil ich die dazugehörigen Comics nicht kenne): alles in schwarz-weiß und dann noch eine Farbe, die deutlich heraus knallt. Da es auch inhaltlich um Verbrechen geht, hätte man 3 SECRETS wohl auch „Sin Cards“ nennen können. Dann hätte aber der Bezug zu der 3 gefehlt.

Thema… die Spieler sind Detektive und versuchen, drei Geheimnisse einer Person zu entdecken. Hilfe bekommt man von einem verdeckten Ermittler, der die Geheimnisse kennt, sie aber nicht aussprechen darf (wahrscheinlich ist er böse verflucht). So müssen die Detektive nun den Ermittler befragen, der bestenfalls nur mit „Ja“ oder „Nein“ antworten soll. Allerdings ist die Zeit knapp: denn für die Auflösung stehen nur 15 Minuten zur Verfügung.

3 Secrets - Karten

mit gefallen die Illustrationen richtig gut

Illustrationen… sind von Werther Dell’Edera und gefallen mir persönlich richtig gut. Allerdings scheint das wieder Geschmackssache zu sein, da manche Mitspieler die Illustrationen mit „hässlich“ abtaten. Mmmh, muss jeder also selbst für sich beurteilen. Das Spiel mit den Farben ist jedoch nicht bloß eine Anlehnung an Frank Miller, sondern ergibt aus der Spielmechanik Sinn. Denn die farblich gekennzeichneten Details zeigen die drei Geheimnisse, die es zu erraten gilt. Schön dabei ist: die Farbe der Elemente gibt den Schwierigkeitsgrad der Karte an (von grün zu lila).

3 Secrets - Victor

den Text habe ich natürlich extra verfremdet, damit nichts verraten wird

Ausstattung… besteht aus 50 großformatigen Karten, die alle mindestens eine Person und ihr Umfeld zeigen. Geordnet sind die Fälle dann nach den Vornamen der Verdächtigten. Die Rückseite der Karten darf nur vom Spielleiter angesehen werden, da sich hierauf die Auflösungen und Hinweise befinden.

Zusätzlich wird auch eine dazugehörige App kostenfrei angeboten (bspw. bei Google play). Diese kann einerseits die Funktion eines Timers übernehmen, bietet darüber hinaus aber auch die Möglichkeit, mit einer stimmungsvollen Hintergrundmusik zu einem intensiveren Spielerlebnis beizutragen. Außerdem wird natürlich auch gut dokumentiert, welche Personen man schon gespielt hat. Allerdings sollte man schon einiges an freien Speicherplatz für die App haben.

3 Secrets - Jesse

Welche drei Geheimnisse verbirgt Jesse?

Ablauf… wie man es bspw. von BLACK STORIES kennt, sollen die Spieler eine geheimen Story aufdecken. Dafür dürfen sie einem Spielleiter Fragen stellen, der diese dann mit „Ja“, „Nein“, „Irrelevant“ oder auch „nicht ganz“ beantwortet. Bei 3 SECRETS ist allerdings die Story nicht das Entscheidende – viel mehr sollen die drei spezielle Geheimnisse richtig erraten werden, die auf der Karte gekennzeichnet sind. Aus diesem Grund dürfen die Spieler die Karte auch ganz genau ansehen.

Für jedes dieser drei Geheimnisse haben die Ratenden fünf Minuten Zeit. Der Spielleiter kann aber auch helfen und einen entsprechenden Hinweis für das gesuchte Geheimnis geben. Problem daran ist: die zur Verfügung stehende Zeit wird dann halbiert. Das Spiel ohne die App verändert etwas die Zeitnahme, da ansonsten das Halbieren schwer umgesetzt werden kann.

Ziel ist es natürlich, innerhalb der Zeit die drei Geheimnisse richtig zu erraten. Allerdings gibt die Regel vor, dass auch bei zwei erratenden Geheimnisse der Verbrecher noch gefasst wird.

3 Secrets - Screenshot Übersiicht

[App-Screenshot] größtenteils erfolgreich – es fühlte sich aber unbefriedigend an

Das gefällt mir nicht so gut: Die Qualität der einzelnen „Fälle“ ist sehr unterschiedlich – und das ist unabhängig von der Farbe (= Schwierigkeitsgrad). Manchmal sind die Geheimnisse derart banal, dass es langweilig ist. Viel öfter sind sie aber eher völlig abstrus, so dass sich kein wirkliches Aha-Erlebnis einstellt.

Das kommt auch daher, dass die umfassende Geschichte gar nicht erraten werden muss, sondern dass man sich nur auf die drei Geheimnisse konzentriert. Diese kann man vielleicht noch als Solitärereignis erraten (und somit die eigentliche Aufgabe lösen). Aber es fällt dann schwer, sie in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Das liegt nicht unbedingt an der Unfähigkeit der mitspielenden Ermittler. Vielmehr sind die auf den Karten beschrieben Geschichten meist so sehr an den Haaren herbei gezogen, dass es innerlich schmerzt. Im Vergleich zu BLACK STORIES fehlt den Fällen der Esprit (und teilweise auch der Humor).

3 Secrets - Screenshot Carlo

[App-Screenshot] ganz kurz lässt die App auch die Karte aufblitzen

Das gefällt mir gut: Wie schon oben beschrieben, gefällt mir die Grafik sehr gut. Dass man über das Visuelle nun die Geheimnisse erraten soll, finde ich einen tollen Ansatz. Man schaut sich die Karten in der Gruppe genaustens an und beginnt dann mit dem Assoziieren. Natürlich ist es so, dass je größer die Gruppe ist, um so mehr wird abgeschweift. Aber das macht auch den Reiz aus und erzeugt die entsprechenden Lacher in der Gruppe.

Die zugehörige App finde ich sehr hilfreich. Durch den Countdown entsteht ein schöner Druck auf das Rateteam. Auch die Halbierung der Zeit nach einem Hinweis ist in der App leicht möglich und gestattet den Mitspielern eine taktischere Herangehensweise als im Spiel ohne App. Aus diesem Grund empfehle ich, 3 SECRETS immer mit der App zu spielen.

Fazit: Alles in allem lässt mich 3 SECRETS mit dem Gefühl zurück, dass hier eine gute Grundidee vorliegt, die jedoch nicht überzeugend herausgearbeitet wurde. Mit richtig interessanten Fällen hätte das Spiel spannend und interessant sein können. So ist es aber eher eine vertane Chance, BLACK STORIES vom Thron zu stoßen.

Titel 3 Secrets
Autor Martino Chiacchiera & Pierluca Zizzi
Illustrationen Werther Dell’Edera
Dauer 15 Minuten
Spieleranzahl 2 bis 8 Spieler
Zielgruppe Rätselspiel
Verlag Abacusspiele
Jahr 2017

Ich bedanke mich bei Abacusspiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.

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