kritisch gespielt: Alles an Bord?!

Alles an Bord?! von Carlo A. Rossi – erschienen bei Abacusspiele

Alles An Bord - Box

Foto: Aba­cus­spie­le

Die Fra­ge, ob alles an Bord sei, ken­ne ich zu genü­ge. Denn so eine Abfahrt mit der vier­köp­fi­gen Fami­lie kann sich ger­ne mal ver­zö­gern, weil kurz­fris­tig noch an die­ses und jenes gedacht wer­den muss. Bis­her hat­te ich aller­dings wenig hin­ter­fragt, woher die­ser Aus­spruch kommt. Mitt­ler­wei­le weiß ich es dank ALLES AN BORD?! Aller­dings bedeu­tet das nicht, dass wir zukünf­tig zur Sicher­heit noch einen Papa­gei ein­pa­cken wer­den.

The­ma... als See­fah­rer bege­ben wir uns auf Ent­de­ckungs­rei­sen Vor der Rei­se gilt es sich aber plan­voll aus­zu­rüs­ten, denn schließ­lich kann man unter­wegs han­deln, ent­de­cken und Auf­trä­ge erfül­len – und muss sich gegen Pira­ten erweh­ren. Doof nur, dass Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de begrenzt sind und wir uns dabei in Kon­kur­renz zu den raff­gie­ri­gen Mit­spie­lern befin­den. Hier gilt es schnell zu sein.

Alles an Bord - Karten

alles klar ver­ständ­lich

Illus­tra­tio­nen... sind von Micha­el Men­zel und sind stim­mungs­voll ohne dabei über­la­den zu wir­ken. Alle Spiel­ele­men­te sind klar struk­tu­riert und gut zu erken­nen, da merk­lich auf Schnör­kel ver­zich­tet wur­de. Trotz­dem nimmt man die ein­zel­nen Ele­men­te nicht als lang­wei­lig wahr. Viel­mehr fühlt man sich nicht von der Gra­fik abge­lenkt und kann sich auf das Wesent­li­che kon­zen­trie­ren. Ein­mal mehr also eine über­zeu­gen­de (weil unauf­ge­reg­te) Arbeit von Micha­el Men­zel.

Alles an Bord - ausgerüstet

Alles an Bord? – Ich hof­fe schon!

Aus­stat­tung... am auf­fäl­ligs­ten sind sicher­lich die tol­len Schiffsta­bleaus. Die­se wei­sen Plät­ze für Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de und/oder Waren auf. Der Clou dar­an ist, dass man­che davon unter Deck gela­den wer­den, um sie somit vor den neu­gie­ri­gen Bli­cken der Mit­spie­ler zu schüt­zen. Dies wird bei ALLES AN BORD?! durch klei­ne inte­grier­te Sicht­schir­me mög­lich gemacht. Eigent­lich sol­len die­se auch län­ger hal­ten, ich baue sie aber immer wie­der ab und lege sie zusam­men mit dem Rest in die Box.

Ansons­ten sind ganz vie­le Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de auf klei­nen Papp­plätt­chen auf­ge­druckt und es gibt noch Mün­zen, Schatz­tru­hen und klei­ne bun­te Waren­säck­chen aus Holz. Nicht zu ver­ges­sen sind die Papa­gei­en sowie die Aben­teu­er­kar­ten, die sich in vier Kate­go­ri­en unter­tei­len las­sen (erkenn­bar an den far­bi­gen Rück­sei­ten): Ent­de­ckung, Han­del, Pira­ten und Auf­trä­ge.

Alles an Bord - Aufbau

eine neue Run­de(!) kann begin­nen

Ablauf... eine Par­tie ALLES AN BORD?! geht über zwei Run­den. Am Anfang jeder Run­de wer­den 13 Aben­teu­er­kar­ten mit einer vor­ge­schrie­be­nen Ver­tei­lung der ein­zel­nen Far­ben zusam­men gestellt, gemischt und offen im Kreis ver­teilt. In der Kreis­mit­te lie­gen dabei alle Aus­rüs­tungs­plätt­chen wild ver­teilt.

Nun grei­fen alle gleich­zei­tig nach den Aus­rüs­tungs­plätt­chen in der Mit­te und bestü­cken damit ihre Schif­fe. Dabei soll­te man sich an den offen aus­lie­gen­den Aben­teu­er­kar­ten ori­en­tie­ren. Sobald ein Spie­ler sein Schiff fer­tig bela­den hat, sam­melt er die Aben­teu­er­kar­ten ein und bil­det einen ver­deck­ten Sta­pel. Die rest­li­chen Spie­ler kön­nen dann aber noch in Ruhe ihre Schif­fe wei­ter bela­den. Es feh­len nun aller­dings die Ori­en­tie­rungs­hil­fen durch die offe­nen Kar­ten.

Alles an Bord - Spielsituation

was beim nächs­ten Pira­ten wohl gefor­dert wird?

In der dar­auf fol­gen­den Rei­se­pha­se, wer­den nun die Aben­teu­er­kar­ten erst gemischt und dann nach und nach aus­ge­wer­tet. Dabei tauscht man dann Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de gegen Waren bzw. Waren zu einem bes­se­ren Kurs in ande­re Waren. Pira­ten muss man durch die Abga­be von Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de besie­gen und erhält dann eine Beloh­nung. Kann man aller­dings nicht die dabei ein­ge­for­der­ten Gegen­stän­de abge­ben, ver­liert man einen Teil der eige­nen Waren bzw. Münzen.Spielerisch inter­es­sant ist dabei, dass man sich vor Auf­de­cken der Kar­te ent­schei­den muss, ob man den Kampf mit den Pira­ten auf­neh­men will oder nicht. Wohl­weis­lich hat man sich dabei für alle Fäl­le gerüs­tet.

Am Ende wer­den dann noch Waren gegen Mün­zen getauscht. Hat man dabei zehn Mün­zen, erwirbt man dafür auto­ma­tisch eine Schatz­kis­te, die auf dem Schiff unter­ge­bracht wer­den muss. Das ist durch­aus ent­schei­dend für die zwei­te Run­de, die ana­log zur ers­ten gespielt wer­den. Denn somit haben die füh­ren­den Spie­ler das Han­di­cap, dass Schatz­tru­hen schon Abla­ge­flä­chen auf dem eige­nen Schiff blo­ckie­ren. Der nach der ers­ten Run­de zurück lie­gen­de Spie­ler erhält übri­gens noch einen Papa­gei, den man spä­ter als Joker-Aus­rüs­tungs­ge­gen­stand ver­wen­den darf.

Eine Par­tie ALLES AN BORD?! gewinnt der Spie­ler, der am Ende das meis­te Geld besitzt. Für geüb­te Run­den gibt es noch eins-zwei klei­ne Vari­an­ten, die das Spiel­ge­fühl aber nicht erheb­lich ver­än­dern.

Das gefällt mir nicht so gut: Für mei­nen per­sön­li­chen Geschmack ist ALLES AN BORD?! zu leicht zu spie­len. Es besteht eine ziem­lich ein­deu­ti­ge Stra­te­gie, mit der man sicher hohe Gewin­ne ein­fährt. Dazu braucht es ledig­lich ein halb­wegs geschul­tes Gedächt­nis und die Kon­zen­tra­ti­on auf bestimm­te Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de. Durch die klei­nen Vari­an­ten kann die Aus­wahl ein wenig erschwert wer­den, nichts­des­to­trotz habe ich mich per­sön­lich sel­ten gefor­dert gefühlt (anders bspw. als bei einem GALAXY TRUCKER oder im Fami­li­en­spiel­be­reich einem MONDO). So gese­hen ist bei mir der Spiel­reiz eines zukünf­ti­gen Mit­spie­lens rela­tiv nied­rig.

Das klingt jetzt zuge­ge­be­ner­ma­ßen ziem­lich hart. So ist es aber gar nicht gemeint. Viel­mehr muss einem klar sein, wer die Ziel­grup­pe ist. Die­se setzt sich eher aus Fami­li­en zusam­men, die nur gele­gent­lich spie­len  – oder noch bes­ser aus Kin­der­grup­pen. Ist die Grup­pe dann halb­wegs homo­gen zusam­men­ge­setzt, dann funk­tio­niert ALLES AN BORD?! sehr gut. Sind aber geüb­te Spie­ler mit dabei, dann ist der Aus­gang einer Par­tie recht ein­deu­tig vor­her­seh­bar und kann bei den unge­üb­ten Spie­lern Frust erzeu­gen.

Das gefällt mir gut: Das Spiel­prin­zip ist ein­fach und schnell zu erler­nen. Ein­mal kurz erklärt, kann schon begon­nen wer­den und alle sind im Spiel invol­viert. Dabei ist Schnel­lig­keit nicht aus­schließ­lich für den Erfolg ver­ant­wort­lich. Das wur­de von vie­len als Vor­teil ange­se­hen, da somit auch Spie­ler ger­ne mit­spie­len, die sich nicht hetz­ten las­sen wol­len.

Alles an Bord - Handicap

mit so vie­len Tru­hen wird die nächs­te Run­de schwe­rer

Die Wie­der­ho­lung eines Durch­gangs emp­fin­de ich dabei nicht als auf­ge­setz­te oder drö­ge Wie­der­ho­lung, da nun ande­re Kar­ten aus­lie­gen und somit neue Anfor­de­run­gen bestehen (teil­wei­se mit der Ver­wechs­lungs­ge­fahr eines DEJA-VU). Auch der Aus­gleichs­me­cha­nis­mus mit den Schatz­kis­ten und dem Papa­gei gefällt mir gut, da die­ser dafür sorgt, dass die zwei­te Run­de nicht belang­los wird.

Ansons­ten macht das gemein­sa­me Grap­schen nach den Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­den natür­lich jede Men­ge Spaß. Ins­be­son­de­re Kin­der freu­en sich rie­sig, wenn sie einem ande­ren eine Kano­ne oder einen Matro­sen vor der Nase weg­schnap­pen. Noch spa­ßi­ger wird es, wenn alle Mit­spie­ler in die­ser Pha­se laut­stark ihre Erfol­ge bzw. Miss­erfol­ge kom­men­tie­ren (am bes­ten noch in Pirrrra­ten­sprr­ra­che). Das Prin­zip ist viel­leicht ein­fach und bekannt, aber es macht auch immer wie­der Spaß.

Sehr gut unter­stützt wird das Spiel­prin­zip von der guten Auf­ma­chung des Mate­ri­als. Hier ist einer­seits die Gra­fik von Micha­el Men­zel zu loben, aber auch der tol­le 3D-Auf­bau der Schif­fe mit dem Sicht­schirm. Die­ser ist mehr als nur ein Blick­fang. Er sorgt dafür, dass die Mit­spie­ler nicht ein­fach die Plätt­chen aus der Mit­te nach­zie­hen kön­nen, die der aktu­ell füh­ren­de Spie­ler eben­falls für sich gesam­melt hat.

Fazit: In homo­ge­nen Grup­pen von Gele­gen­heits­spie­lern ist ALLES AN BORD?! eine recht siche­re Bank. Alle füh­len sich gut unter­hal­ten und das Spiel trägt über die vol­le (kur­ze) Spiel­zeit. Durch die syn­chro­ne Spiel­wei­se tre­ten auch kei­ne War­te­pau­sen auf. Das Spiel­ge­fühl kippt aber dann, wenn erfah­re­ne Spie­ler an Bord sind, die recht schnell die Erfolgs­stra­te­gie erken­nen und kaum gefor­dert wer­den. Also Augen auf bei der Wahl der Mit­spie­ler.

Titel Alles an Bord?!
Autor Car­los A. Ros­si
Illus­tra­tio­nen Micha­el Men­zel
Dau­er 30 Minu­ten
Spie­le­ran­zahl 2 bis 4 Spie­ler
Ziel­grup­pe syn­chron­spie­len­de Fami­li­en­spie­ler
Ver­lag Aba­cus­spie­le
Jahr 2018

Ich bedan­ke mich bei Aba­cus­spie­le für die Bereit­stel­lung eines Rezen­si­ons­ex­em­plars. Ich bin mir sicher, dass durch die­se Bereit­stel­lung mei­ne Mei­nung nicht beein­flusst wur­de. Die Bespre­chung spie­gelt mei­ne gemach­te Erfah­rung wider.

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