kritisch gespielt: Bang! The Duel

Bang! The Duel von Emiliano Sciarra – erschienen bei Abacusspiele

Bang - The Duel - Box

Foto: Abacusspiele

Western als Thema eines Brettspiels fasziniert mich eigentlich immer. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ich gestern Abend beim Crowdfunding Projekt WESTERN LEGENDS eingestiegen bin. Genauso wenig verwunderlich ist es, dass mich die BANG!-Reihe begleitet. Insbesondere BANG! THE DICE GAME hat mich dabei absolut überzeugt. Problem daran ist: man muss schon mindestens zwei weitere Mitspieler für eine Würfel-Ballerei parat haben. Glücklicherweise gibt es nun mit BANG! THE DUEL eine Alternative, wenn es nur einen Mitspieler in den heimischen Saloon verschlagen hat.

Thema… ist etwas anders als bei den BANG! Spielen. Denn nun muss man natürlich nicht mehr herausfinden, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Diese Rollen sind bei BANG! THE DUEL klar vergeben. Auf der einen Seite steht der Sheriff, auf der anderen Seite der Bandit – und zwischen beiden fliegen nun die Kugeln. Klassischerweise und getreu dem Western-Motto „last man standing“ siegt derjenige, der am Ende noch Leben in sich hat.

Bang - The Duel - Charaktere

keine Frage: Sheriff oder Bandit – aber welchen Charakter haben sie?

Illustrationen… sind von Rossana Berretta, die mir ansonsten als Brettspiel-Illustratorin nicht bekannt ist. Ihre Arbeiten bei BANG! THE DUEL gefallen mir jedoch richtig gut, so dass ich gerne noch weitere von ihr bearbeitete Spiele sehen würde. Netter Fun-Fact: der ein oder andere Charakter hat meiner Meinung nach durchaus Ähnlichkeiten zu bekannten Western-Darstellern.

Ausstattung… besteht größtenteils aus Karten: ein Kartendeck mit Spielkarten für den Sheriff und eines für den Banditen. Zusätzlich sind noch Charakterkarten für beide Rollen in der Box und einige Pappteile (hauptsächlich Patronen, um die Lebenspunkte der einzelnen Charaktere anzuzeigen).

Bang - The Duel - Aufbau

Aug in Aug sitzt man sich gegenüber

Ablauf… ist anfangs ein wenig holprig, da nicht alle Details eingängig sind. Da helfen auch die Übersichtskarten ersteinmal wenig. Dabei ist das Prinzip recht einfach. Jeder Spieler besitzt zwei Charaktere mit individuellen Fähigkeiten. Davon wird einer als „aktiver Charakter“ (AC) bestimmt, während der andere nur der „unterstützende Charakter“ (UC) ist. Die jeweiligen ACs werden durch Pappaufsteller markiert – und dieser kann während eines Spielzugs zum anderen eigenen Charakter verschoben werden (so dass sie die Funktionen als AC und UC tauschen). Diese Unterscheidung ist wichtig, da nicht alle Karten für alle Charaktere gelten.

Der Spielzug ist einfach und meist recht schnell abgehandelt. Man zieht zwei Karten und spielt im folgendem Verlauf beliebig viele aus. Theoretisch kann man auch darauf verzichten, jedoch wird am Ende eines Zuges überprüft, wie viele Handkarten man besitzt und diese Anzahl in Relation zu den Lebenspunkten des AC gesetzt. Besitzt man mehr Karten als Lebenspunkte, dann muss man die überzählige Anzahl an Karten abwerfen.

Die Spielkarten wiederum unterscheiden sich in…

  • BANG!-Karten (fügen dem AC des Gegners direkt einen Schaden zu)
  • Ausrüstungskarten (verbessern den eigenen UC oder schwächen den AC des Gegners) und
  • Aktionskarten
Bang - The Duel - Übersichtskarten

für Anfänger nicht sehr eingängig – trotz Übersichtskarten

Dabei ist allerdings zu beachten, dass nicht alle Spielkarten für alle Charakterkarten zu benutzen sind. Das ist so ziemlich der schwierigste Teil von BANG! THE DUEL: zu verinnerlichen, welche Karte sich auf welche Charaktere bezieht. Zusätzlich gibt es dann noch so ein paar Sonderregeln, die den Einstig etwas erschweren. Ist diese Einstiegshürde umschifft, dann lässt sich das BANG! THE DUEL aber schnell spielen.

Jeder Spieler verfügt übrigens über vier Charaktere. Wer jetzt aufgepasst hat, wird sich wundern: Hä, wieso vier? Es sind doch nur zwei im Spiel. Richtig, allerdings sieht das Spielprinzip vor, dass nicht alle überleben werden. Sobald ein Charakter keine Lebenspunkte mehr besitzt (die sinnigerweise über die Patronen dargestellt werden), scheidet dieser Charakter aus dem Spiel aus und wird durch einen neuen ersetzt (es wird also mit zwei Nachrückern gespielt). Allerdings nimmt der ausgeschiedene Charakter alle seine Ausrüstungskarten mit in den Tod und sein Nachfolger muss sich erst neue beschaffen.

Gewonnen hat natürlich der Spieler, der am Ende des Duells noch Lebenspunkte besitzt – alles andere wäre auch eines Western-Spiels unwürdig.

Bang - The Duel - Aktionskarten

anfangs unterschiedliche Decks – am Ende können diese wild durchmischt werden

Noch eine Anmerkung zu den Spielkarten. Am Anfang besitzt jede Rolle ein eigenes Deck von 40 Karten. Diese werden nach dem Ausspielen auf eine gemeinsame Ablage geworfen. Ist das eigene Deck aufgebraucht, wird diese Ablage neu gemischt und fungiert dann als Nachziehstapel. So kann es möglich werden, dass der Bandit auf einmal Spielkarten auf die Hand bekommt, die ins ursprüngliche Sheriff-Deck gehören. Das ist aber kein Problem, da diese dann trotzdem ausgespielt werden können (in so einem Handgemenge geht es manchmal eben wild durcheinander).

Das gefällt mir nicht so gut: Der Spielablauf ist anfangs nicht sehr eingängig – und die wenig intuitiven Regeln machen es nicht einfacher. Die Regeln sind etwas kleinteilig und so vergisst man am Anfang gerne mal ein Detail. Vielleicht hätte dabei eine andere Benennung der aktiven und inaktiven Charaktere helfen können. Statt AC und UC hätte man vielleicht den UC besser als „in Deckung“ bezeichnen sollen. Dann wäre auch das Spielprinzip leichter verständlich. Denn wenn man in Deckung ist, hat man auch die Zeit, sich mit Ausrüstungsgegenständen zu versorgen – und kommt selbstverständlich nicht in die direkte Schusslinie (es sei denn, der Gegner besitzt das Zielfernrohr). Mit dem Pappaufsteller hätte man dann den inaktiven Charakter anzeigen und mit einem Fass oder etwas ähnlichen kennzeichnen können.

Ich führe keine Statistiken, aber gefühlt ist das Kartendeck des Sheriffs stärker. Das betrifft sowohl die Charaktere wie auch die einzelnen Spielkarten. Natürlich kann man die Meinung vertreten, dass das so schon in Ordnung sei, schließlich ist der Sheriff doch der „Gute“. Aber so ganz glücklich bin ich damit nicht. Vielleicht kommt dieses Gefühl aber nur durch unsere bevorzugte Spielweise und uns müsste mal ein Meister von BANG! THE DUEL, der dann den Banditen spielt, so richtig die Grenzen aufzeigen.

Bang - The Duel - Sheriff

ich mag das direkte Spielgefühl

Das gefällt mir gut: BANG! THE DUEL ist herrlich direkt. Es gibt es kein großes Abtasten, sondern immer schön direkt auf die Mütze. Wird das noch mit der richtigen Musik untermalt und fällt dann noch ein Bad Spencer oder Terence Hill Spruch, dann kommt Spaghetti-Western-Gefühl auf. „Nimm das, du Schurke!“ „Nix da, ich sitze hinter einem Fass!“ „Dann schmeiße ich dir eben die Klapperschlange vor die Füße!“

Einer richtigen Strategie kann man nicht folgen, ist man doch sehr von seinem Kartenglück abhängig. Aber ich glaube, dass das so auch gewollt ist. BANG! THE DUEL ist ein schnelles Gezocke, bei dem einer den kürzeren ziehen wird. Da finde ich es auch nicht schlimm, dass man nicht richtig seinen Charakter ausloten kann, da dieser mit Pech schnell gestorben ist. Aber dann kommt eben ein Nachfolger und hat hoffentlich mehr Glück. BANG! THE DUEL ist nicht fair und es gibt keine wirkliche Story-Entwicklung. Es ist vielmehr ein schneller Schlagabtausch vor dem Saloon. Das mögen andere vielleicht nicht, für mich ist es genau richtig. So ziehe ich es auch dem etwas komplexeren REVOLVER vor, das sicherlich mehr strategische Möglichkeiten bietet, mir aber dafür etwas zu verkopft daher kommt.

Bang - The Duel - Boxinhalt

sinnvolle Aufmachung und schöner Inhalt

Und wenn ich schon im Vergleich zum ebenfalls bekannten 2-Personen-Westernspiel REVOLVER bin: mir gefällt die Aufmachung von BANG! THE DUEL wesentlich besser. Die Charaktere sind stimmungsvoller gezeichnet, das Material ist etwas handlicher, die Box nicht so aufgeblasen und sinnvoll unterteilt. Natürlich ist das nur eine subjektive Einschätzung, da sich über Geschmack streiten lässt, aber bei uns wurde REVOLVER von BANG! THE DUEL verdrängt.

Zusätzlich gefällt mir die Idee gut, zwei anfangs getrennte Karten-Decks im Laufe der Partie zu einem zu vermischen. Das passt thematisch vielleicht besser zu einer Saloon-Raufferei als zu einem Duell, ist aber trotzdem nett. Vor allem als Bandit versucht man, schnell sein Deck wegzuspielen, damit man an die gefühlt besseren Karten des Sheriffs rankommt – um im diese dann um die Ohren zu hauen.

Bang - The Duel - Detail

für mich: Daumen hoch!

Fazit: Manchmal soll es schnell gehen und man will direkt zur Sache kommen. Die Kehle ist durstig und der Whisky wartet im Saloon. Da will man sich nicht mit langen und komplexen Strategien aufhalten, sondern sich zügig den Weg frei ballern. Dieses Gefühl gibt einem BANG! THE DUEL, so dass ich es als stimmungsvolles 2-Personen-Spiel schätzen gelernt habe. Man muss dafür aber die wenig intuitiven Regeln gut verinnerlichen, um den Nimm-das!-Spaß genießen zu können.

Titel Bang! The Duel
Autor Emiliano Sciarra
Illustrationen Rossana Berretta
Dauer 30 Minuten
Spieleranzahl 2 Spieler
Zielgruppe Liebhaber direkter Interaktion (Nimm-das-Spieler)
Verlag Abacusspiele
Jahr 2015

Ich bedanke mich bei Abacusspiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.

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