kritisch gespielt: Century – Eine neue Welt

Century – Eine neue Welt von Emerson Matsuuchi – erschienen bei Plan B Games

Century - Eine neue Welt - Box
Foto: Pega­sus Spie­le

Ich habe kei­ne Ahnung, war­um Tri­lo­gi­en so anzie­hend wir­ken. Hängt das alles mit Star Wars und Der Herr der Rin­ge zusam­men? Als Viel­le­ser von Fan­ta­sy-Roma­nen kommt man um Tri­lo­gi­en kaum her­um. Kein Wun­der, dass die­ses Phä­no­men auch in der Brett­spiel­welt zu fin­den ist. Ein Bei­spiel dafür ist die CENTURY-TRILOGIE, die nun mit EINE NEUE WELT ihr Ende fin­det. Oder kommt bald noch ein Pre­quel? Oder ein Solo-Spiel um einen tap­fe­ren Klein­bau­ern, der sich durch geschick­tes Tau­schen sei­ner Waren aus den dre­cki­gen Hin­ter­hö­fen bis zum luxu­riö­sen Groß­markt hoch arbei­tet? Wer weiß das schon...

The­ma... nach­dem unse­re Vor­fah­ren durch Kara­wa­nen und regen Schiffs­han­del reich gewor­den sind, wol­len wir nun end­lich unser eige­nes Geschäft auf­bau­en. Gut, dass es die­sen neu ent­deck­ten Kon­ti­nent im Wes­ten gibt, wo man noch ech­te Aben­teu­er erle­ben kann. Am Ran­de der Wild­nis gilt es nun mit den Urein­woh­nern Han­del zu trei­ben. Aber auch die neu­en Sied­ler sind dank­ba­re Kun­den für unser Geschäft. Da gilt es, die eige­nen Arbei­ter gut ein­zu­set­zen.

Century - Eine neue Welt - Karten
wie gewohnt tol­le Illus­tra­tio­nen

Illus­tra­tio­nen... sind natür­lich auch wie­der von Atha Kanaa­ni und Chris Quil­liams. Wie schon bei bei­den Vor­gän­gern kann ich dabei nur ins Schwär­men gera­ten. Die Illus­tra­tio­nen sind wun­der­schön und trotz­dem lei­det dar­un­ter nicht die Spiel­bar­keit, da die benut­ze Sym­bol­spra­che ein­deu­tig ist. Die hohe Erwar­tungs­hal­tung wird also voll erfüllt.

Century - Eine neue Welt - Ausstattung
Wor­an erkennt man CENTURY? Natür­lich an den Gewürz­scha­len!

Aus­stat­tung... greift natür­lich eben­falls die Stan­dards der ers­ten bei­den Tei­le auf. Die zu tau­schen­den Gewür­ze kom­men wie­der als dicke Holz­wür­fel daher, für die glück­li­cher­wei­se erneut eige­ne Auf­be­wah­rungs­scha­len bereit ste­hen. Die dop­pel­sei­tig bedruck­ten Spiel­pl­an­tei­le sind genau­so wie die Spie­ler­ta­bleaus dün­ne Papier­plä­ne. Die höl­zer­nen Arbei­ter kom­men zwar in den bekann­ten Far­ben daher, sind aber schon arg klein­wüch­sig. Das rest­li­che Mate­ri­al besteht aus ein­zel­nen Papp­chips, mit unter­schied­li­chen Funk­tio­nen. Einer­seits haben eini­ge Plätt­chen die Auf­ga­be, man­che Fel­der des Spiel­plans anfangs abzu­de­cken, ande­rer­seits gene­rie­ren in Spiel kom­men­de Wer­tungs­plätt­chen spä­ter Sieg­punk­te.

Century - Eine neue Welt - Spielplan
Eine neue Welt vol­ler Akti­ons­ein­setz­fel­der!

Ablauf... natür­lich wer­den auch bei EINE NEUE WELT kräf­tig Gewür­ze getauscht. Aller­dings ist im neu­en Teil wie­der eine kom­plett ande­re Spiel­me­cha­nik am Werk. Nach Deck­buil­ding (DIE GEWÜRZSTRASSE) und Pick-up and Deli­ver (FERNÖSTLICHE WUNDER) sind wir nun beim Worker Pla­ce­ment ange­kom­men. Man setzt somit sei­ne klei­nen Arbei­ter auf ein Feld, um dort ein­zel­ne Aktio­nen durch­zu­füh­ren. Lie­gen dort schon frem­de Arbei­ter, dann kön­nen die­se nach Hau­se geschickt wer­den – aller­dings muss dafür ein Arbei­ter mehr als anfangs vor­ge­ge­ben auf­ge­wen­det wer­den (GLÜCK AUF lässt grü­ßen). Hat man aller­dings zu wenig Arbei­ter in sei­nem Vor­rat, um eine gewünsch­te Akti­on durch­zu­füh­ren, muss man auf sei­nen Zug ver­zich­ten und statt­des­sen alle eige­nen Arbei­ter wie­der auf dem eige­nen Tableau zusam­men­füh­ren. Somit wer­den man­che Akti­ons­fel­der wie­der frei.

Die Aktio­nen beschrän­ken sich auf das Beschaf­fen und Auf­wer­te von Gewür­zen bzw. das Erfül­len von Ziel­kar­ten. Beim Erfül­len der Ziel­kar­ten erhält man auch die Wer­tungs­mar­ker und zusätz­li­che Modi­fi­ka­tio­nen, die eige­ne Aktio­nen ver­stär­ken bzw. zusätz­li­che Arbei­ter anheu­ern. Außer­dem kom­men somit nach und nach zusätz­li­che Ein­satz­fel­der ins Spiel, so dass die Aus­wahl immer grö­ßer wird. Nach acht erfüll­ten Ziel­kar­ten endet die Par­tie und es wird ein Sie­ger über Sieg­punk­te gesucht. Die­se set­zen sich aus den Punk­ten auf den Ziel­kar­ten sowie den ein­zel­nen Wer­tungs­plätt­chen zusam­men. Die Wer­tungs­plätt­chen beloh­nen wie­der­um bestimm­te gesam­mel­te Sym­bo­le oder aber auch vie­le frei­ge­schal­te­te Arbei­ter.

Century - Eine neue Welt - Spielerpläne
die aus­ge­leg­ten Spiel­plä­ne kön­nen zu einer Rutsch­par­tie ein­la­den

Das gefällt mir nicht so gut: Die Varia­ti­ons­mög­lich­kei­ten der ein­zel­nen Spiel­plä­ne gefällt mir schon sehr gut. Lei­der bin ich aber mit dem Mate­ri­al der Plä­ne als sol­ches unzu­frie­den. Denn es wer­den ledig­lich die­se vier dün­nen Tableaus neben­ein­an­der gelegt – ohne das die­se auf irgend­ei­ne Wei­se ver­bun­den wer­den. Die Kon­se­quenz ist leicht vor­stell­bar. Vor allem auf glat­ten Flä­chen kön­nen die ein­zel­nen Ele­men­te nun wäh­rend einer Par­tie fröh­lich hin und her rut­schen – was sie natür­lich auch machen. Hier hät­te ich mir schon ein wenig Pap­pe und damit ver­bun­den einen ver­nünf­ti­gen Puz­zle-Mecha­nis­mus gewünscht.

Century - Eine neue Welt - Größe Arbeiter
manch­mal kommt es eben doch auf die Grö­ße an

Auch nicht ganz glück­lich bin ich mit den doch sehr sehr klei­nen Arbei­ter­fi­gu­ren. Ich habe für das Foto als Ver­gleich ein 1‑Cent-Stück dane­ben gelegt, um deut­lich zu machen, wie klein die­se Figür­chen wirk­lich sind. Wären sie jeden­falls noch etwas brei­ter (der CARCASSONNE Meep­le lässt grü­ßen), dann könn­te man die Arbei­ter zumin­dest ver­nünf­tig anfas­sen. So ist das Gan­ze aber auch bei nor­mal gro­ßen Hän­den eine ziem­lich ner­vi­ge Fud­de­lei. Zumal die geleb­te Wirk­lich­keit ohne­hin anders aus­sieht als auf mei­nen Fotos. Da wer­den die Arbei­ter ger­ne wild auf den Ein­setz­fel­dern ver­teilt, so dass man auch trotz der gerin­gen Grö­ße kaum auf dem ers­ten Blick die Infor­ma­tio­nen dar­un­ter erken­nen kann. Letzt­end­lich schiebt man die Figu­ren auf einen Hau­fen oder sta­pelt sie – aber dann hät­te man auch gleich grö­ße­re und hand­li­che­re nut­zen kön­nen.

Wei­ter­hin fin­de ich es gezwun­gen, die Regel unbe­dingt auf eine dop­pelt bedruck­te Sei­te zu quet­schen. Ja, ich weiß, das gehört zum Kon­zept. Aber manch­mal benö­tigt man nun ein­mal mehr Platz. Bei EINE NEUE WELT umgeht man das Pro­blem damit, dass ein zusätz­li­ches Über­sichts­blatt bei­gelegt wird, auf dem die ein­zel­nen Sym­bo­le erklärt wer­den. Da man aber noch die Regel­blät­ter für die mög­li­chen Kom­bi­na­tio­nen mit FERNÖSTLICHE WUNDER und DIE GEWÜRZSTRASSE her­um­flie­gen hat, greift man garan­tiert bei Fra­gen immer zum fal­schen Regel­blatt. Da wäre eine gebun­de­ne Ansamm­lung wahr­schein­li­cher prak­ti­scher gewe­sen.

Übri­gens hat mich eine Kom­bi­na­ti­on der ein­zel­nen Regeln über­haupt nicht gereizt. Das Beson­de­re an der CEN­TU­RY-Rei­he ist in mei­nen Augen, dass sehr gut ein­zel­ne Mecha­nis­men her­un­ter gebro­chen wer­den und man dann ein schö­nes schlan­kes Spiel vor sich lie­gen hat. Aber durch die Kom­bi­na­ti­on der ein­zel­nen Tei­le geht genau die­se Schlank­heit ver­lo­ren. Manch einer wird die­sen zusätz­li­chen Schnör­kel mögen, mir ist der zu viel. Da spie­le ich lie­ber hin­ter­ein­an­der erst einen und dann einen ande­ren Teil von CENTURY, als dass ich bei­de mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren wür­de.

Spie­le­risch fin­de ich CENTURYEINE NEUE WELT als 2‑Per­so­nen-Spiel ein wenig zu fad. Auch wenn das Spiel durch­aus ein wenig den Auf­bau an die Spie­le­ran­zahl ska­liert, macht eine Par­tie mei­ner Mei­nung nach erst ab drei Per­so­nen rich­tig Spaß. Erst dann pas­siert etwas mehr auf dem Spiel­plan und man muss ent­spre­chend auf die Mit­spie­ler reagie­ren. Bei 2 Spie­lern ist mir zu wenig los. Damit hat EINE NEUE WELT ein ähn­li­ches Pro­blem wie FERNÖSTLICHE WUNDER.

Das gefällt mir gut: CENTURYEINE NEUE WELT ist ein wun­der­bar zugäng­li­ches Worker Pla­ce­ment Spiel. Bis­her war STONE AGE für mich immer das Mus­ter­bei­spiel, um Neu­lin­ge an die­sen Mecha­nis­mus her­an zu füh­ren. Mitt­ler­wei­le wür­de ich es dies auch mit EINE NEUE WELT ver­su­chen. Die ein­zel­nen Aktio­nen sind klar struk­tu­riert, das Spiel ist somit in fünf Minu­ten zu erklä­ren. Trotz­dem hat es eine ange­neh­me tak­ti­sche Spiel­tie­fe, da die ein­zel­nen Züge nicht tri­vi­al sind. Auch geht es nicht mehr vor­der­grün­dig nur dar­um, schnell Ziel­kar­ten zu erfül­len (auch wenn das hilf­reich ist) – es soll­ten schon die rich­ti­gen sein. Die­ses "rich­tig" defi­niert sich aber für jeden Spie­ler anders, so dass auch unter­schied­li­che Her­an­ge­hens­wei­sen not­wen­dig sind. Dies alles wird durch die klei­nen Wer­tungs­plätt­chen erzeugt, die man nach und nach erhält, wenn man eine Ziel­kar­te erfüllt. Dabei kom­men die­se Wer­tungs­plätt­chen anfangs so unschein­bar daher, haben aber doch eine gro­ße Wir­kung, da sie am Spie­len­de die ent­schei­den­den Unter­schie­de bei den Sieg­punk­ten erge­ben kön­nen. Anfangs nimmt man die nur so mit, wenn man sei­ne ers­te Ziel­kar­te erfüllt. Spä­ter rich­tet man die Ziel­kar­ten an die­se genom­me­nen Wer­tungs­plätt­chen aus. So ändert sich das Spiel­ge­fühl und stei­gert auch nach und nach die Span­nungs­kur­ve.

Century - Eine neue Welt - Spielertableau
alles so schön klar und struk­tu­riert

Aber nicht nur bei der Wer­tung muss man fle­xi­bel sein. Auch die ein­zel­nen Züge fol­gen nicht immer einem fes­ten Mus­ter. Denn durch die ein­fa­chen Knif­fe mit dem "Ver­drän­gen frem­der Arbei­ter" und dem "Aus­set­zen müs­sen", um an neue Arbei­ter her­an­zu­kom­men, wird eine hohe Dyna­mik und auch eine schö­ne indi­rek­te Inter­ak­ti­on erreicht. Denn man soll­te durch­aus auf die Mit­spie­ler ach­ten, schließ­lich bleibt EINE NEUE WELT ein Wett­ren­nen. Wird mein Vor­gän­ger nun mein anvi­sier­tes Feld beset­zen und habe ich dann noch genü­gen Arbei­ter, um die Arbei­ter dort zu ver­drän­gen? Oder soll­te ich nicht lie­ber noch eine Run­de war­ten, um weni­ger Arbei­ter zu benö­ti­gen? Denn in der nächs­ten Run­de muss der Feld­be­set­zer die­ses ohne­hin räu­men, da er kei­ne Arbei­ter mehr im Vor­rat hat. Doch kann ich mir über­haupt die­sen Tem­po­ver­lust leis­ten? Ist dann nicht viel­leicht mei­ne ins Auge gefass­te Ziel­kar­te von jeman­dem ande­ren genom­men wor­den? Aber wenn ich nicht war­te und das Feld beset­ze, bekommt der Mit­spie­ler sei­ne Arbei­ter wie­der und gewinnt selbst an Tem­po. Will ich das? Sol­che Fra­gen stellt man sich stän­dig und somit sind vie­le klei­ne Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Aller­dings artet das nor­ma­ler­wei­se nicht in Denk­or­gi­en aus, da die Optio­nen doch über­schau­bar sind.

Das Schöns­te an der CEN­TU­RY-Rei­he ist aber das posi­ti­ve Spiel­ge­fühl. Stän­dig wird man in sei­nen Zügen belohnt. Jede Akti­on, die ich mache, ver­bes­sert mei­nen Zustand. Ent­we­der bekom­me ich wert­vol­le­re Gewür­ze oder ich erfül­le Ziel­kar­ten. Das ist wohl­tu­end befrie­di­gend. Selbst wenn man am Ende ver­liert, hat man sich dau­ernd inner­lich auf die Schul­tern geklopft – schließ­lich wur­de man doch Stück für Stück immer bes­ser.

Auch wenn ich ein wenig das Mate­ri­al kri­ti­siert habe, im Gro­ßen und Gan­zen ist die Aus­stat­tung top. Die hand­li­chen Gewürz­wür­fel laden genau­so zum Spie­len ein wie die schö­nen Illus­tra­tio­nen und die stim­mi­gen Auf­be­wah­rungs­scha­len. Der Auf­bau ist sehr varia­bel, so dass sich immer neue Spiel­ver­läu­fe erge­ben – auch wenn der spie­le­ri­sche Rah­men glück­li­cher­wei­se über­schau­bar ist. So kann man Neu­lin­ge anlo­cken aber auch alte Hasen moti­vie­ren.

Century - Eine neue Welt - Detail
Kurz­fas­sung: schön und gut – was will man mehr?

Fazit: Als Kon­su­ment von Tri­lo­gi­en ver­gleicht man ger­ne die ein­zel­nen Tei­le unter­ein­an­der. So fin­de ich Star Wars V bes­ser als Star Wars VI – was aber nicht bedeu­ten soll, dass der sechs­te Teil ein schlech­ter Film ist. Und wie wür­de ich nun EINE NEUE WELT bei der CEN­TU­RY-Tri­lo­gie ein­rei­hen? Tat­säch­lich ist EINE NEUE WELT davon mein Favo­rit, was viel­leicht auch an mei­ner Vor­lie­be zu Worker Pla­ce­ment Spie­len liegt. Aber auch unab­hän­gig vom Mecha­nis­mus habe ich bei die­sem Teil gefühlt die größ­te spie­le­ri­sche Abwechs­lung. Die­se wird aller­dings nicht durch einen Wust an Regeln und Aktio­nen erreicht. Nein, EINE NEUE WELT ist ele­gant und über­haupt nicht über­frach­tet. Zudem ist es schnell gespielt und durch den Wett­lauf­cha­rak­ter auch schön span­nend.

Titel Cen­tu­ry – Eine neue Welt
Autor Emer­son Matsuuchi
Illus­tra­tio­nen Chris Quil­liams und Atha Kanaa­ni
Dau­er 30 bis 45 Minu­ten
Spie­le­ran­zahl 2 bis 4 Spie­ler
Ziel­grup­pe Fami­li­en­spie­ler
Ver­lag Plan B Games (im Ver­trieb von Pega­sus Spie­le)
Jahr 2019

Ich bedan­ke mich bei Pega­sus für die Bereit­stel­lung eines Rezen­si­ons­ex­em­plars. Ich bin mir sicher, dass durch die­se Bereit­stel­lung mei­ne Mei­nung nicht beein­flusst wur­de. Die Bespre­chung spie­gelt mei­ne gemach­te Erfah­rung wider.

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