kritisch gespielt: Clans of Caledonia

Clans of Caledonia von Juma Al-JouJou – erschienen bei Karma Games

Clans of Caledonia - Box

Foto: Karma Games

Zu Schottland habe ich durch einen äußerst einprägsamen Sommer-Urlaub einen sehr eigenen Bezug. Da ich mich ohnehin auf den britischen Inseln sehr wohl fühle und ich ein wenig mit der keltischen Kultur sympathisiere, bin ich Spielen mit einem derartigen Hintergrund immer sehr aufgeschlossen. Leider haben mich bisher die wenigsten begeistern können. Das hält mich aber nicht davon ab, es weiter zu versuchen. So war ich auch recht schnell bei der Kickstarter-Kampagne von CLANS OF CALEDONIA dabei. Bei solchen Crowdfunding-Projeken bin ich zwar meist sehr skeptisch. Aber in diesem Fall kann man nur resümieren: die Kampagne war vorbildlich geführt und das Ergebnis kann sich definitiv sehen lassen.

Clans of Caledonia - Handelsgüter

typische schottische Waren im Angebot

Thema… die Erkenntnis, dass Bananen ein begehrtes Importgut sind, wird immer gerne mit der Wiedervereinigung Deutschlands in Verbindung gebracht. Dabei war diese Frucht auch schon vorher in anderen Ländern sehr beliebt. Scheinbar auch in Schottland im 19. Jahrhundert. Denn als bedeutsamer Clan in Schottland sind wir ganz heiß darauf, neben Zuckerrohr und Baumwolle auch Bananen einführen zu können [Dieser einleitende Textteil ist größtenteils Humbug! Wie ich berechtigterweise im Kommentar hingewiesen wurde, werden nicht Bananen sondern Tabak eingeführt.] Damit man aber etwas zum Handeln hat, produzieren wir selbst Handelsgüter, die im Ausland begehrt sind: Wolle (passt), Käse (na ja), Brot (och nö) und natürlich Whisky (definitiv) – Milch sowie Lamm- und Rindfleisch lasse ich mal aus der Kommentierung draußen. Da deren Produktion Flächen in Anspruch nimmt, verteilen wir uns ausgiebig auf Schottlands Insel.

Clans of Caledonia - leeres Spielertableau

alles so schön eindeutig – und das ganz ohne Sprache

Illustrationen… sind von Klemens Franz – und selten habe ich eine bessere Arbeit von ihm gesehen! Über den Grafikstil lässt sich sicherlich immer ein wenig streiten. Mir gefällt bspw. der thematisch vergleichbare Stil bei ISLE OF SKYE nicht so sehr, während er mir hier nun bei CLANS OD CALEDONIA sehr zusagt. Was mich aber regelrecht begeistert ist die überragend gute Symbolsprache. Das Material kommt komplett sprachunabhängig daher und selten war es trotzdem so eindeutig zu handhaben.

Clans of Caledonia - volle Box

kompakt und wertig – nur bitte keine Erweiterung einplanen

Ausstattung… ist ganz schön kompakt. Ich weiß noch, wie überrascht ich war, als ich damals die doch recht kleine Box aus dem Versandkarton genommen habe. Nach den Bildern der Kickstarter-Kampagne hatte ich alles etwas größer vermutet. Doch nicht falsch verstehen: ich bin darüber sehr glücklich. Da ich (noch) keine Probleme mit kleinem Material habe und alles gut zu erkennen ist, weiß ich diese Kompaktheit zu schätzen. Denn so wird sowohl mein Spieleregal wie auch der Tisch nicht unnötig voll gestopft.

Clans of Caledonia - Münzen

ohne Moss nichts los (hier sieht man das Standard-Geld und die Kickstarter-Münzen)

Dabei kann sich die Ausstattung auch definitiv sehen lassen. Viele Holzteile, hochwertige Pappe, ein modularer Spielplan und weitere durchdachte Kleinigkeiten. Ich habe mir damals noch die zugehörigen Metallmünzen gegönnt, weil solche oftmals das Spielgefühl steigern – so auch hier. Ich liebe es einfach, wenn das Geld auch klimpert. Selbst Hand angelegt habe ich allerdings beim Nachziehbeutel für die Exportplättchen, den ich über ArtsCow bestellt habe.

Clans of Caledonia - Spielerhilfe

gute Spielerhilfe: der komplette Ablauf mit den möglichen Aktionen auf einen Blick!

Ablauf… in fünf Spielrunden haben die Spieler jeweils sieben Aktionsmöglichkeiten (die achte, das Passen, mal außen vorgelassen). Die meisten sind schnell abgehandelt, so dass die Spielzeit sich wirklich im Korridor von etwa 20 bis 30 Minuten pro Spieler einpendelt. Dabei geht es ganz klassisch zu. Man kann mit den einzelnen Waren Handel treiben, man kann Exportaufträge ergattern und diese später erfüllen, man kann seine Handlungsfähigkeiten erweitern und natürlich auch expandieren. Dazu werden dann die entsprechenden Holzteile vom eigenen Tableau genommen und auf dem Spielplan platziert – was eine Menge Geld kosten kann (nicht alle Bauplätze kosten gleich viel).

Clans of Caledonia - Wertungstableau

Über Exportaufträge werden Punkte gemacht – und ein paar weitere noch über Runden-Boni

Ohnehin ist Geld bei CLANS OF CALEDONIA ein wichtiges Gut – schließlich ist es ein astreines Wirtschaftsspiel. Dies macht sich vor allem am Spielende bemerkbar. Denn den Großteil der Punkte erzielt man über erfüllte Exportaufträge. Ein paar wenige Punkte kann man noch bei einer Gebietswertung erhalten und einige macht man während des Spiels, da am jeweiligen Rundenende weitere Siegpunkte für bestimmte Voraussetzungen  ausgeschüttet werden.

Am Ende einer Runde werden aber nicht nur diese Boni verteilt, sondern es findet auch immer eine Einkommensphase statt. Dann erhält man all die Grund-Rohstoffe, die man sich im Verlaufe des Spiels frei gespielt hat. Man schaut einfach auf sein Tableau und kann von dort ablesen, was man an Wolle, Milch, Getreide und auch Geld bekommt. Hat man übrigens die entsprechenden Produktionsbetriebe gebaut, dann kann man nun die Milch in Käse sowie das Getreide in Brot oder Whisky umwandeln. Es gilt also mal wieder, eine sinnvolle Produktionskette aufzubauen.

Clans of Caledonia - Spielplan

so kenne ich Schottland: viel Grün (und auch viel Wasser)

Gerne wird CLANS OF CALEDONIA mit TERRA MYSTICA verglichen, bzw. als eine Light-Version davon bezeichnet. Gründe für diesen Vergleich gibt es viele. Neben so ein paar Details wie Nachbarschafts-Boni oder Runden-Boni, ist auch der Grundaufbau durchaus vergleichbar. Nein, damit meine ich nicht die Sechseck-Felder und die Tableaus, auf denen Sachen frei geschaltet werden. Ich will viel eher darauf hinaus, dass jeder Spieler unterschiedliche Clans spielt – so wie es eben die verschiedenen Völker bei TERRA MYSTICA oder die Charaktere bei AUF DEN SPUREN VON MARCO POLO gibt. Allerdings sind die jeweiligen Eigenschaften nicht ganz so stark ausgeprägt. Man sollte diese sicherlich nicht ignorieren, allerdings bleibt die Grundausrichtung für alle gleich: Handel, Handel, Handel. Die Clans geben also keine eigenen Strategien vor, sie erleichtern nur manchen Weg.

Für manche reizvoll: man kann CLANS OF CALEDONIA auch solo spielen. Dafür gibt es dann ein paar Zufallselemente und man versucht eine gewisse Punktzahl zu erreichen. Darüber hinaus gibt es auch im Mehrpersonenspiel verschiedene Optionen, wie man die Partie gestalten will. So können bspw. die Importgüter am Spielende entweder immer gleich viel wert sein oder man will hier noch ein wenig komplexer spielen und gibt ihnen je nach erfüllten Aufträgen unterschiedliche Werte.

Clans of Caledonia - Export

ohne Exportaufträge wird es schwierig zu gewinnen

Das gefällt mir nicht so gut: CLANS OF CALEDONIA ist sehr geradlinig. Das ermöglicht zwar einerseits die relativ kurze Spielzeit, gibt aber auch wenig Raum für Experimente. Natürlich kann ich versuchen, ausschließlich auf die Runden-Boni zu spielen und dazu vielleicht noch die Gebietswertung zu gewinnen – nur wird man damit am Ende nicht gewinnen, wenn man nicht doch den ein oder anderen Auftrag erfüllt. Man kann das jetzt gut oder schlecht finden – mir ist nur wichtig, dass man es weiß.

Damit einher geht ein nicht unwesentlicher Glücksanteil, welche Exportaufträge nun ausliegen und welche nicht. Denn es kann frustrierend sein, wenn man seine ganze Produktion bspw. auf Käse auslegt, dann aber kaum Aufträge im Angebot ausliegen, die diesen benötigen. Natürlich kann man sich schon irgendwie helfen – aber das kostet dann Geld und Aktionen. Da kann man schon neidisch auf seine Mitspieler blicken, die vielleicht relativ mühelos die aktuellen Aufträge bedienen können. Aber so ist nicht nur das Spiel, sondern manchmal auch das Leben.

Die Innovationshöhe ist sicherlich nicht gerade die höchste. Es kommen einem viele Dinge vertraut bekannt vor. TERRA MYSTICA schimmert sicherlich am meisten durch und auch den Markt kennt man z.B. ganz gut aus NAVEGADOR. Allerdings sollte man bedenken: es gab schon bekanntere Autoren, die mit reichhaltigen Zitaten versucht haben, ein gutes Spiel zu entwickeln – und sie sind daran eher kläglich gescheitert. Das wiederum kann man Juma Al-JouJou meiner Meinung nach nicht attestieren. Denn CLANS OF CALEDONIA greift vielleicht mehr als andere Spiele bekannte Mechanismen auf, es ist aber trotzdem ein eigenständiges Spiel – und ein gutes darüber hinaus! Es ist vielleicht nicht der ganz große Wurf und es fesselt nicht emotional, aber im Bereich der Euro-Kennerspiele liegt es schon im oberen Bereich.

Clans of Caledonia - Clan McKenzie

singt: „I drink Whisky while I can, ´cause Whisky is the life of man“

Das gefällt mir gut: Bei meinen Kritikpunkten sprach ich die sehr eindeutige Strategie an. Das kann man als Schwachpunkt definieren. Allerdings darf man nicht den Fehler machen, dem Spiel nun eine Einseitigkeit zu attestieren. Denn auch wenn die eigentliche Strategie klar ist, so ist der Weg dorthin vielfältig. CLANS OF CALEDONIA besitzt nämlich durchaus eine hohe Variabilität. Das fängt bei den verschiedenen Clans an, die darüber hinaus auch noch zufällige Start-Ressourcen aufweisen. Mal beginnt der Whisky-Clan MacKenzie mit vorteilhaftem Weizen, mal eben nicht – und schon spielt sich dieser Clan etwas anders.

Darüber hinaus ist das Spielfeld modular und die Runden-Boni variieren im Wert aber auch im Zeitpunkt des Auftretens (bzw. es gibt eine größere Auswahl als Runden bestehen, so dass nicht immer die gleichen Boni auftreten). Zusätzlich gibt es unterschiedliche Hafen-Plättchen, die wiederum an verschiedenen Orten liegen können. Somit gleicht eben nicht jede Partie der anderen, sondern es treten immer wieder neue Konstellationen auf.

Auch wenn ich kein passionierter Solo-Spieler bin, so hat die vorliegende Variante trotzdem ihren Reiz. Darüber hinaus passt sich das Spiel ganz gut den verschiedenen Mitspieler-Anzahlen an. Es macht sowohl als Duell Spaß (dann ist der Spielplan eingeengt), wie auch im 4-Personen-Spiel. Dabei sollte man immer seine Mitspieler im Blick behalten. Welche Waren produzieren sie, damit ich vielleicht billiger über den Nachbarschaftsbonus an diese gelangen kann? Welche Waren müssen meine Mitspieler kaufen, wodurch der Marktpreis steigt und ich diese vielleicht teuer verkaufen kann? Welche „billigen“ Baufelder stehen mir zur Verfügung, wo kann ich also noch halbwegs preisgünstig expandieren? Neben dem Aufbau der eigenen Produktionskette sollte man also immer auch die Möglichkeiten seiner Nachbarn mit bedenken.

Clans of Caledonia - Clans

Clan MacDonals geht nicht leer aus – auch ohne Happy Meal

Ganz besonders gefällt mir die Liebe zum Detail. So besteht bspw. extra ein kleines Pappplättchen mit einer Personenabbildung für Clan MacDonald. Das Plättchen wird überhaupt nicht benötigt. Da aber alle anderen Clans auch eine Person mit ihren Clan-Farben haben, so fanden es die Macher nur richtig, dass Clan MacDonald nicht farbenlos bleibt. Solche Kleinigkeiten mag ich und zeigen mir, mit wie viel Herzblut gearbeitet wurde. Dieses spürt man bei CLANS OF CALEDONIA bei ganz vielen Sachen: tolle Ausstattung, schöne und sinnvolle Grafik, Kompaktheit des Materials sowie eine gute Spielregel. So vorbildlich wie die Kickstarter-Kampagne verlief, so liebevoll ist auch der Rest gestaltet.

Clans of Caledonia - DetailFazit: CLANS OF CALEDONIA kommt in seiner Kompaktheit etwas spröde daher. Auch die Geradlinigkeit des Spiels weckt jetzt keine Emotions-Ausbrüche. Trotzdem mag ich CLANS OF CALEDONIA sehr gerne. Mir gefällt die Klarheit und die liebevolle Ausstattung. Es muss nicht immer opulent und ausufernd sein, manchmal darf es auch eine gute Essenz sein. Denn genau das ist dieses Spiel in meinen Augen: bewährte Mechanismen auf das Wesentliche herunter gebrochen.

 

Titel Clans of Caledonia
Autor Juma Al-JouJou
Illustrationen Klemens Franz
Dauer 20 Minuten pro Spieler
Spieleranzahl 1 bis 4 Spieler
Zielgruppe Kennerspiel
Verlag Karma Games
Jahr 2017

PS: Wer übrigens auch die Kickstarter-Version besitzt und sich fragt, wie viel Geld man mit dem Bonus-Clan MacEwen machen kann: Aktuell sind es £9 beim Verkauf von Weizen, wenn man einen Hopfen-Auftrag erfüllt.

2 Gedanken zu “kritisch gespielt: Clans of Caledonia

  1. Anke

    Wieso heisst der Tabak bei Dir eigentlich dauernd Bananen 😉 ?
    Ansonsten mal wieder eine Rezension, die das Spielgefühl genau auf den Punkt bringt. 🙂

    Antworten
    1. Tobias Artikelautor

      Das liegt wohl daran, dass ich Nichtraucher bin und mit Tabak nichts anfangen kann.

      Aber das erklärt, warum ich mich so über die braunen Bananen gewundert habe… Ich verspreche, ab jetzt sage ich nur noch Banane … äh… Tabak!

      Antworten

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