kritisch gespielt: Copenhagen Roll and Write

Copenhagen Roll & Write von Daniel Skjold Pedersen und Asger Harding Granerud – erschienen bei Queen Games

kritisch gespielt: Copenhagen Roll and Write

Nach A folgt C oder? Denn lie­ber nun COPENHAGEN ROLL & WRITE als BOPENHAGENDAS GROSSE BOBBYCARRENNEN – wobei ich an so etwas auch Inter­es­se hät­te...

The­ma... ist wie beim gro­ßen Bru­der COPENHAGEN die Fas­sa­den­ge­stal­tung in der däni­schen Haupt­stadt. Mein ein­zi­ger Besuch dort war lei­der von so viel Regen geprägt, dass ich mich nicht an bun­te Fas­sa­den erin­nern kann. Aber wenn man den Bil­dern im Inter­net glau­ben darf, dann trifft das Cover schon ganz gut das dor­ti­ge Stadt­pan­ora­ma in Nyhavn.

Illus­tra­tio­nen… sind von Mar­kus Erdt und gefal­len mir recht gut. Es sind zwar nicht wirk­lich vie­le Illus­tra­tio­nen vor­han­den, aber trotz­dem sind dabei eini­ge lie­bens­wür­di­ge Details ver­steckt. Die Sym­bol­spra­che ist auch ein­deu­tig, so dass es nichts zu meckern gibt.

Copenhagen Roll-and-Write - Inhalt
zwei Blö­cke und fünf Wür­fel

Aus­stat­tung… COPENHAGEN ROLL & WRITE kommt im Ver­gleich zu vie­len ande­ren Gen­re-Ver­tre­tern recht groß­for­ma­tig daher. Lei­der wur­den trotz der volu­mi­nö­sen Ver­pa­ckung kei­ne Stif­te mit dazu gelegt. So sind ledig­lich zwei Blö­cke mit unter­schied­li­chen Zet­teln in der Box sowie 5 iden­ti­sche Farb­wür­fel.

Ablauf… über­haupt nicht erstaun­li­cher­wei­se wür­felt man als akti­ver Spie­ler mit allen 5 Wür­feln. Von die­sem Ergeb­nis sucht man sich nun eine Far­be aus und zählt die Anzahl der Wür­fel. Die­se Anzahl kom­bi­niert mit den ein­zel­nen Far­ben gibt vor, wel­ches Fas­sa­den-Fer­tig­teil man auf sei­nem Zet­tel ein­zeich­nen darf – Tetris lässt mal wie­der grü­ßen. Dabei steht aller­dings von den gro­ßen Fas­sa­den­tei­len (ab 4 Wür­feln auf­wärts) nur eine begrenz­te Aus­wahl zur Ver­fü­gung.

Aber auch die inak­ti­ven Mit­spie­len­den kön­nen am Wür­fel­wurf par­ti­zi­pie­ren. Denn vom übrig geblie­be­nen Rest kann sich nun eine Far­be aus­ge­sucht wer­den und man darf auf den ent­spre­chen­den eige­nen Leis­ten Kreuz um Kreuz mar­kie­ren. Die­se far­bi­gen Leis­ten schal­ten Fähig­kei­ten frei, die dann dann wie­der­um beim akti­ven Wür­feln Vor­tei­le bie­ten. Zusätz­lich erhält man für eine voll­stän­di­ge Leis­te Punk­te.

Copenhagen Roll-and-Write - Spielerbogen
lie­ber Krei­se als Kreu­ze

Ohne­hin ist COPENHAGEN ROLL & WRITE wie der gro­ße Bru­der COPENHAGEN ein Wett­ren­nen um Sieg­punk­te. Die­se erhält man haupt­säch­lich durch voll­stän­di­ge Rei­hen und Spal­ten. Dabei kommt noch ein klei­ner Kniff mit ins Spiel. Die ein­zel­nen Seg­men­te des Fas­sa­den­teils wer­den stan­dard­mä­ßig mit einem Kreis ver­se­hen (Fens­ter?) – bis auf eines, wel­ches mit einem Kreuz zu mar­kie­ren ist. Bei der Wer­tung wer­den dann die Punk­te ver­dop­pelt, wenn die Rei­he oder Spal­te ganz ohne Kreu­ze daher kommt. Zusätz­lich sind auch wie­der Wap­pen-Rei­hen und ‑Spal­ten vor­han­den, für die man einen Bonus kas­siert, wenn man die­se voll­stän­dig gefüllt hat.

Copenhagen Roll-and-Write - Detail
zu Copen­ha­gen gehö­ren auch Fahr­rä­der!

Das gefällt mir nicht so gut: Die Fähig­keits­leis­ten sind natür­lich eine fei­ne Sache, da man dadurch auch als inak­ti­ver Spie­ler immer ein­ge­bun­den ist. Aller­dings zeigt sich doch recht schnell, dass die­se Fähig­kei­ten unter­schied­lich stark sind. Mit ein wenig Spiel­erfah­rung wer­den eigent­lich immer die glei­chen Leis­ten nach oben gepusht, so dass die­ses Ele­ment im End­ef­fekt mehr Frei­hei­ten vor­gau­kelt als letzt­end­lich dahin­ter steckt.

Nach Öff­nen der Box war ich übri­gens ein klein wenig ent­täuscht über den Inhalt. Denn die opu­len­te Umver­pa­ckung hat mich etwas mehr erwar­ten las­sen. Das Mate­ri­al ist natür­lich funk­tio­nal völ­lig in Ord­nung. Aber schon das Feh­len von Stif­ten ist so nicht zu erwar­ten gewe­sen und immer wie­der ärger­lich bei einem Roll-and-Wri­te-Spiel. Zusätz­lich ist der Papier­ver­brauch ver­gleichs­wei­se hoch, da in jeder Par­tie auch der Ver­brauch der beson­de­ren Fas­sa­den­tei­le doku­men­tiert wer­den muss und jeweils noch ein extra Zet­tel im Ein­satz ist. Ins­be­son­de­re wegen die­ses Ele­ments hät­te ich mir eine Aus­stat­tung wie bspw. bei WÜRFELLAND gewünscht. Lami­nier­te Spiel­plä­ne und ver­nünf­ti­ge Foli­en­schrei­ber hät­ten COPENHAGEN ROLL & WRITE mei­ner Mei­nung nach sehr gut getan.

Copenhagen Roll-and-Write - Gemeinschaftsbogen
kom­mu­na­les Lager von Fas­sa­den­bau­tei­len

Das gefällt mir gut: Aller­dings ist genau die­ser zusätz­li­che Fas­sa­den­ze­tel als gemein­sa­mes Bau­la­ger ein sehr schö­nes Ele­ment. Denn dadurch wird der Wett­lauf­cha­rak­ter eines COPENHAGENS noch­mals ver­stärkt. So ist das lan­ge 5er-Bau­teil bspw. meist ziem­lich begehrt – aber eben nur ein­mal vor­han­den. Da kann es schon Sinn erge­ben, sich früh­zei­tig für die­ses in Posi­ti­on zu brin­gen. Oder aber man macht sich über die gel­be Fähig­keits­leis­te von die­ser Zugriffs­ein­schrän­kung unab­hän­gig.

Im End­ef­fekt ist natür­lich ein recht hoher Glücks­fak­tor vor­han­den – aber des­we­gen spielt man auch ein Wür­fel­spiel. Zumal man immer das Gefühl hat, aktiv Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Ver­su­che ich es über Schnel­lig­keit oder über kreis­rei­ne-Spal­ten und Rei­hen? Will ich lie­ber die rote Leis­te vor­an­trei­ben, um die Noch­mal-Wür­feln-Fähig­keit zu erlan­gen, oder doch lie­ber die lila Leis­te, mit der man ein zusätz­li­ches Seg­ment ver­baut? Das alles ist ver­packt in einem kna­ckig-kur­zen Roll-and-Wri­te-Spiel.

Natür­lich hät­te das Mate­ri­al auch in eine bekannt klei­ne Kar­ten­box gepasst. Aber es ist auch mal ganz ange­nehm, nicht mit zusam­men geknif­fe­nen Augen vor so einem Spiel­bo­gen sit­zen zu müs­sen und klei­ne Kreu­ze in klei­ne Käst­chen zu machen. Die Grö­ße der Zet­tel fühlt sich wie deka­den­ter Luxus an – und da gibt es schlim­me­re Gefüh­le, die Spie­le aus­lö­sen kön­nen. Ins­be­son­de­re älte­re Mit­spie­len­de haben sich an dem gewähl­tem For­mat sehr erfreut.

Fazit: Tetris und Roll-and-Wri­te pas­sen schon recht gut zusam­men. Nach der Ent­täu­schung mit BRIKKS war ich zwar erst etwas ernüch­tert, aber BLOXX! und SILVER & GOLD haben die­se Ein­schät­zung bewahr­hei­tet. COPENHAGEN ROLL & WRITE muss sich nicht hin­ter die­sen bei­den posi­ti­ven Bei­spie­len ver­ste­cken, sticht aller­dings auch nicht aus der Mas­se her­aus.

 

Titel Copen­ha­gen Roll & Wri­te
Autor Dani­el Skjold Peder­sen und Asger Har­ding Gra­ne­rud
Illus­tra­tio­nen Mar­kus Erdt
Dau­er ca. 20 bis 40 Minu­ten
Spie­le­ran­zahl 2 bis 4 Spie­ler
Ziel­grup­pe tetris­lie­ben­de Wür­fel­spie­ler
Ver­lag Queen Games
Jahr 2019

 

Ich bedan­ke mich bei Queen Games für die Bereit­stel­lung eines Rezen­si­ons­ex­em­plars. Ich bin mir sicher, dass durch die­se Bereit­stel­lung mei­ne Mei­nung nicht beein­flusst wur­de. Die Bespre­chung spie­gelt mei­ne gemach­te Erfah­rung wider.

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