kritisch gespielt: Cubitos

Cubitos von John D. Clair – erschienen bei Pegasus Spiele

Cubitos - Box
Foto: Pega­sus

Es gibt wun­der­schö­ne Cover, es gibt span­nen­de Cover, es gibt häss­li­che Cover und es gibt das Cover zu CUBITOS!

The­ma... es gibt the­ma­tisch dich­te Spie­le, es gibt ... ach, las­sen wir das. Ein ech­tes The­ma besitzt CUBITOS nicht. Aber es ist ein Renn­spiel, was somit schon The­ma genug ist. Wen inter­es­siert es also noch, war­um ein Affe, ein Schaf, ein Ele­fant und ein Löwe ein Wett­ren­nen aus­tra­gen? Sie tun es und wir fie­bern mit!

Illus­tra­tio­nen... stam­men von einem gan­zen Team (Banu Andaru, Feli­cia Cano, Jac­qui Davis, Kali Fitz­ge­rald und Ryan Iler). Auch wenn die Anzahl der ein­zel­nen Illus­tra­tio­nen über­schau­bar ist, spürt man doch die Lust der Betei­lig­ten, hier etwas Beson­de­res zu schaf­fen. Und das ist geglückt. Nicht bei allen Spie­len­den wird das Resul­tat ihrer Arbeit für vor­be­halt­lo­se Jubel­ari­en sor­gen, aber man kann schon fest­stel­len: CUBITOS hat das gewis­se Etwas!

Cubitos - Übersicht
im Zei­chen des Cubus

Aus­stat­tung... wie sich das bei die­sem Titel gehört, ste­hen Wür­fel im Mit­tel­punkt. 120 klei­ne Wür­fel in unter­schied­li­chen Far­ben und mit beson­de­ren Prä­gun­gen erin­nern an ROLL FOR THE GALAXY. Aller­dings fal­len einem bei CUBITOS noch viel mehr die Wür­fel-Auf­be­wah­rungs­bo­xen auf – zumin­dest dann, wenn man sie erfolg­reich zusam­men­ge­fal­tet hat. Viel­falt gibt es aber nicht nur bei den Wür­feln, son­dern auch bei den Kar­ten, die spä­ter die Bedeu­tung der ein­zel­nen Wür­fel­sym­bo­le defi­nie­ren. Zusätz­lich sind noch bestimm­te Papp-Plätt­chen, ein gro­ßer Start­spiel-Wür­fel, Team-Tableaus, Run­den­über­sich­ten, Spiel­fi­gu­ren, eine Fan­kur­ve und vor allem zwei gro­ße Spiel­plä­ne in der Box.

Pro Ren­nen kom­men alle Wür­fel zum Ein­satz. Man beginnt mit einer Grund­aus­rüs­tung von grau­en Start-Wür­feln, die ent­we­der Füße oder ein Geld­stück anzei­gen. Wie man es sich fast schon den­ken kann, darf man sich auf­grund die­ser Sym­bo­le fort­be­we­gen oder eben was kau­fen – näm­lich die ande­ren far­bi­gen Wür­fel. Die­se zei­gen neben den Grund­sym­bo­len wei­te­re Spe­zi­al­sym­bo­le an. Was die­se wie­der­um bedeu­ten, wird indi­vi­du­ell vor einem Ren­nen bestimmt. Aus die­sem Grund wird für jede Wür­fel­far­be eine eige­ne Kar­te aus­ge­sucht, die dann die Funk­ti­on die­ser Wür­fel beschreibt. Das ist so ähn­li­che wie bei den Zuta­ten­bü­chern von DIE QUACKSALBER VON QUEDLINBURG.

Cubitos - Aufbau
das Ren­nen kann beginnen!

Ablauf... anfangs einigt man sich auf eine Renn­stre­cke und wel­che Wür­fel-Kar­ten man benutzt. Die Anlei­tung gibt dazu auch Tipps, die man aber ger­ne auch igno­rie­ren kann. Danach wer­den die Spiel­fi­gu­ren auf die Start-Linie plat­ziert und das Ren­nen beginnt ... lang­sam, weil nun alles sehr peri­odisch abläuft.

Cubitos - Spielzug
immer nach Sche­ma Cubi­tos vorgehen

Denn alle Teil­neh­men­den wer­fen nun gleich­zei­tig in Push-Your-Luck-Manier ihre Wür­fel. Zei­gen die­se ein Sym­bol an, wer­den sie zur Sei­te gelegt und man darf mit dem Rest wei­ter wür­feln. Fabri­ziert man dann einen Fehl­wurf, weil kei­ne Sym­bo­le zu sehen sind, ist der eige­ne Spiel­zug größ­ten­teils vor­bei. Statt­des­sen darf sich nun nur noch eine zwei­te Renn­fi­gur auf der sepa­ra­ten Fan­kur­ve fort­be­we­gen, was mit einem klei­nen Trost-Bonus ver­bun­den ist. Das ver­sucht man aber meist zu ver­mei­den, denn der eigent­li­che Spiel­zug macht dann doch mehr Spaß. Hat man also recht­zei­tig gepasst oder nur Sym­bo­le gewür­felt, wer­den die­se nun aus­ge­wer­tet. Meis­tens darf man nun auf der Renn­stre­cke vor­rü­cken, auf der auch noch eini­ge Boni auf den Spiel­fel­dern vor­zu­fin­den sind. Aber man kann auch Wür­fel aus­tau­schen, bestehen­de abwer­fen, neu wür­feln usw. Am Ende kann man sich neue Wür­fel hin­zu kau­fen, so dass man effek­tiv ein eige­nes Würfel-"Deck" zusam­men­stellt. CUBITOS ist also wie­der mal ein Renn­spiel mit Deck­buil­ding-Ele­men­ten.

Dem­entspre­chend muss man sich auch immer gut über­le­gen, wel­che Wür­fel man in der aktu­el­len Run­de zum Ein­satz bringt. Denn es ist mit­nich­ten auto­ma­tisch so, dass man ein­fach alle zur Ver­fü­gung ste­hen­den Wür­fel benut­zen darf. Wobei zurück­lie­gen­de Per­so­nen noch einen Aus­gleich für ihre schlech­te Posi­ti­on bekom­men und unter Umstän­den zusätz­li­che Wür­fel benut­zen dürfen.

Cubitos - Anleitung
unglück­li­che Text­bo­xen bei viel vor­han­de­nen Freiräumen...

Das gefällt mir nicht so gut: Ich begin­ne sofort mit dem größ­ten Schwach­punkt: die Anlei­tung! Die macht es einen oft unnö­tig schwer, das eigent­lich strin­gen­te Vor­ge­hen ver­nünf­tig zu erfas­sen. Nach eini­gem Hin-und-Her-Geblät­ter fin­det man meist irgend­wo die Ant­wor­ten zu den auf­kom­men­den Fra­gen, aber bis dahin sucht man sich einen Wolf. Die Klein­tei­lig­keit der Regeln mit den vie­len Son­der­funk­tio­nen der ein­zel­nen Wür­fel macht die Ver­mitt­lung nicht ein­fa­cher. Aller­dings fin­de ich auch manch gewähl­ten Begriff nicht schlüs­sig. Vie­le Mit­spie­len­den hat­ten bspw. Pro­ble­me mit der Unter­schei­dung zwi­schen "Nach­schub" und "Bereit­schaft". Mit dem ers­ten Begriff wird der eige­ne Vor­rat beschrie­ben, aus dem man die Wür­fel nimmt, die man dann im akti­ven Bereich nutzt – was als Bereit­schaft titu­liert ist. Das ist in mei­nen Augen nicht wirk­lich intui­tiv zu erfas­sen. Es hat bspw. auch lan­ge gedau­ert, bis wir uns sicher waren, was genau nach einem Fehl­wurf gemacht wer­den darf und was nicht. Auch ist es unglück­lich, dass kein voll­stän­di­ges Glos­sar für alle Wür­fel-Kar­ten besteht, in dem dann die Funk­tio­nen genau erklärt wer­den. Nach Aus­sa­ge des Ver­la­ges hat dafür der zur Ver­fü­gung ste­hen­de Platz nicht aus­ge­reicht. Aber war­um muss dann gefühlt mit Schrift­grö­ße 20 gear­bei­tet wer­den? Hät­te man da nicht zusätz­li­chen Raum gewin­nen kön­nen? Oder aber dafür viel­leicht die Rück­sei­te der Zusam­men­fas­sung nut­zen kön­nen, die als ein­zel­nes Blatt bei­liegt, aber nur ein­sei­tig bedruckt ist?

Cubitos - Tableau
Wür­feln ohne Zuschau­er statt hei­ße Ren­nen fahren

In mei­nen Augen pas­sen die lan­gen Pau­sen zwi­schen den ein­zel­nen Bewe­gungs­schrit­ten nicht gut zu einem Renn­spiel. Da will ich eigent­lich eine Akti­on machen, die­se schnell abhan­deln und dann schau­en, was sich auf der Renn­stre­cke ver­än­dert hat. Bei CUBITOS ist das anders. Hier wür­felt jeder vor sich hin, bis alle mit die­ser Pha­se fer­tig sind. Nun wird noch die ein oder ande­re Aus­la­ge ver­gli­chen und dann kommt ein Ver­wal­tungs­akt, bei dem man hof­fent­lich auch sei­ne Figur vor­schie­ben darf. Das fühlt sich aber sel­ten als Höhe­punkt des Zuges an und somit kommt auch kein ech­tes Renn-Fee­ling auf. Der eigent­li­che Höhe­punkt ist das Wür­feln – und dabei ist man meist allei­ne, da die ande­ren simul­tan eben­falls wür­feln. Was dort genau für Dra­men pas­sie­ren, bekom­me ich somit meist gar nicht mit, da ich mich auf mei­ne Wür­fel kon­zen­trie­re. Die­ses Gefühl des Par­al­lel-Spie­lens kennt man von DIE QUACKSALBER VON QUEDLINBURG, bei CUBITOS stört mich das nun aber mehr. Im Ver­gleich zu vie­len ande­ren Renn­spie­len schwap­pen hier kaum Emo­tio­nen in der Grup­pe über. Es wird viel weni­ger kom­men­tiert und ganz sel­ten nur wirk­lich mitgefiebert.

Cubitos - clever
leich­ter zu öff­nen, als man glaubt

Die Idee mit den Boxen, um einer­seits das Mate­ri­al dort zu ver­stau­en und ande­rer­seits die­ses schön auf dem Tisch prä­sen­tie­ren zu kön­nen, ist an für sich gelun­gen. Man braucht aller­dings eine Wei­le, bis man die­se zusam­men gebaut und dann die Funk­ti­ons­wei­se ver­stan­den hat. Lei­der sind die Boxen nur in der Theo­rie so rich­tig prak­tisch. In der Wirk­lich­keit ver­stel­len Sie näm­lich oft­mals den Blick auf den Spiel­plan bzw. die aus­lie­gen­den Kar­ten. Die­se sind somit sel­ten von allen Betei­lig­ten pro­blem­los zu erken­nen. Des­we­gen sind wir nun auf (Visiten-)Kartenhalter umge­stie­gen, die wir so plat­ziert haben, dass alle auch einen guten Blick dar­auf haben.

Lei­der pas­sen die gefal­te­ten Boxen nicht in das bestehen­de Papp-Inlay hin­ein. Das hat schein­bar nur die Funk­ti­on, das gesam­te Spiel­ma­te­ri­al im Ursprungs­zu­stand bei­sam­men zu hal­ten. Ist alles aus­ge­pöb­belt und sind die Boxen gefal­tet, dann schmeißt man das Inlay am Bes­ten weg – es hat schlicht aus­ge­dient. Das schmerzt aller­dings schon ein wenig, da nicht viel gefehlt hät­te und man hät­te es wei­ter nut­zen kön­nen. In die­sem Detail wur­de somit schlicht­weg zu kurz gedacht oder ande­re Lösun­gen waren zu kostenintensiv.

Das gefällt mir gut: Der ganz gro­ße Plus­punkt von CUBITOS ist die hohe Vari­anz! Durch die unter­schied­li­chen Renn­stre­cken und die vie­len Funk­ti­ons­kar­ten sind unzäh­li­ge neue Kom­bi­na­tio­nen mög­lich. Schon die vier ein­zel­nen Renn­stre­cken füh­len sich deut­lich anders an. Mal gibt es mehr Eng­stel­len, mal mehr Abkür­zun­gen. Die ein­zel­nen Boni-Fel­der wol­len erkun­det wer­den und die Ide­al­li­nie ist zwar ange­ge­ben, muss aber nicht immer ide­al zur eige­nen Spiel­wei­se pas­sen. Denn auch die Funk­tio­nen der Son­der­wür­fel sind nicht nur halb­her­zi­ge Varia­tio­nen einer Grund­art, son­dern unter­schei­den sich teil­wei­se deut­lich von­ein­an­der. Mit die­sen Funk­tio­nen ver­än­dert sich dann die Her­an­ge­hens­wei­se. Mal ver­sucht man ein Ren­nen von vor­ne zu gewin­nen und zu blo­ckie­ren, manch­mal hofft man auf das über­ra­gen­de Come­back, mit dem kei­ner mehr gerech­net hat.

Vor allem wenn man sich die Auf­hol-Stra­te­gie auf die Fah­nen geschrie­ben hat, kann die Fan­kur­ve eine inter­es­san­te Opti­on dar­stel­len. Eigent­lich ist die­se nur ein Trost­pflas­ter, wenn man wie­der zu hoch gezockt hat. Mit der ein oder ande­ren Spe­zi­al­fä­hig­keit der Wür­fel, kann die­ses Trost­pflas­ter aber zum Doping mutie­ren. Es gab schon Par­tien, da habe ich für ungläu­bi­ges Stau­nen gesorgt, als ich unwi­der­steh­lich auf den letz­ten Metern an allen vor­bei geflo­gen bin. 

Cubitos - Trostrennen
die Fans kön­nen auch Ener­gie erzeugen

Dafür müs­sen einem zuge­ge­be­ner­ma­ßen aber die Wür­fel hold sein. Aber was soll man ande­res erwar­ten, wenn man ein Renn­spiel mit Wür­feln auf den Tisch bringt? Natür­lich darf ein sol­ches Spiel dann auch einen hohen Glücks­an­teil besit­zen. Das macht doch den spe­zi­el­len Reiz aus! Es sind zwar eine Viel­zahl von tak­ti­schen Ent­schei­dun­gen zu tref­fen und ein sinn­voll zusam­men­ge­stell­tes Würfel-"Deck" hat sicher­lich gro­ße Vor­tei­le. Aber wenn man die­se Wür­fel dann unglück­lich wirft, hat man trotz­dem das Nach­se­hen – und das ist in mei­nen Augen auch völ­lig in Ordnung.

Expli­zit loben möch­te ich übri­gens noch­mals den spe­zi­el­len Humor der Loka­li­sie­rung. Die Cover­ge­stal­tung hat es mir zwar schwer gemacht, mich inten­si­ver mit dem Spiel aus­ein­an­der­set­zen zu wol­len, aber spä­tes­tens als ich "Hand­käs mir Muckis" las, war es um mich gesche­hen. CUBITOS zeigt in sol­chen Momen­ten, dass es sich selbst nicht zu ernst nimmt. Aber das soll­te ohne­hin spä­tes­tens nach dem Betrach­ten des Cover klar gewor­den sein.

Cubitos - Führung
ver­rück­tes Rennen

Fazit: Wenn sich end­lich alle Mit­spie­len­den in CUBITOS zurecht gefun­den haben und regel­si­cher sind, dann kön­nen die Ren­nen eine Mords­gau­di sein. Aller­dings weni­ger durch die eigent­li­che Renn­at­mo­sphä­re, son­dern eher durch die vie­len Kurio­si­tä­ten. Als rei­ne Deck­bau getrie­be­nen Renn­spie­le gefal­len mit FLAMME ROUGE oder auch AUTOMOBILES deut­lich bes­ser. Aber manch­mal will man es nicht zu bier­ernst haben und dann kom­men mit Ver­gnü­gen Muti­ge Mass­dam­mer, Rama Lama und Pron­to Bron­to auf den Tisch.

TitelCubi­tos
AutorJohn D. Clair
Illus­tra­tio­nenBanu Andaru, Feli­cia Cano, Jac­qui Davis, Kali Fitz­ge­rald und Ryan Iler
Dau­er30 bis 60 Minuten 
Per­so­nen­an­zahl2 bis 4 Personen
Ziel­grup­pezocken­de Kennerspielrunden
Ver­lagPega­sus Spiele
Jahr2021
Hin­weisfür die Bespre­chung wur­de vom Ver­lag ein Rezen­si­ons­ex­em­plar zur Ver­fü­gung gestellt

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