kritisch gespielt: Deckscape – Raub in Venedig

Deckscape – Raub in Venedig von Martino Chiacchiera und Silvano Sorrentino – erschienen bei Abacusspiele

Deckscape – Raub in Venedig - Box

Foto: Abacusspiele

Nachdem wir erfolgreich getestet wurden und auch schon London gerettet haben, wartet nun ein neuer DECKSCAPE-Fall auf uns. Dieses Mal dürfen wir einen RAUB IN VENEDIG ausführen. Nur schade, dass dieser Fall noch nicht im letzten Sommer zur Verfügung stand, denn dann hätte ich ihn vielleicht auch vor Ort spielen können.

Thema… Überraschung: wir führen einen Raub in Venedig aus. Hätte keiner gedacht, oder? Allerdings sind wir keine elf unterschiedliche Spezialisten, sondern derer nur sechs. Gut, dass ich mich schon ausgiebig durch BURGLE BROS. in diesem Geschäft auskenne.

Illustrationen… sind wie schon bei den anderen beiden DECKSCAPE-Fällen von Alberto Bontempi. Wieder kann ich mich nur lobend über seine Arbeit äußern. Mir gefällt einfach der klare und deutliche Stil, bei dem gut die Stimmung der Story eingefangen wird.

Ausstattung… hat sich ebenfalls kaum verändert. In der Box liegen 60 großformatige und dicke Karten. Der ganze Stapel ist durchnummeriert, so dass man nach einem erfolgreichen Durchgang das Spiel wieder in seinen Ursprungszustand setzen kann. Darüber hinaus wird noch ein Stift benötigt und auch ein Notizzettel ist sehr zu empfehlen. Zusätzlich soll man eine Uhr in der Nähe haben haben, damit man später seine Leistung beurteilen kann und man mehr an die Exit-Räume erinnert wird. Aber wirklich notwendig ist die Uhr nicht (wäre aber mal ein netter Rätsel-Gag für eine Fortsetzung der Reihe).

Deckscape - Raub in Venedig

Wer bin ich und was kann ich?

Neu sind nun sechs unterschiedliche Charakter-Karten. Diese sind immer zwingend mit einzubeziehen. Sitzen also nicht genau sechs Mitspieler am Tisch, dann „spielt“ mindestens einer mit zwei Charakteren. Zusätzlich befindet sich auch noch ein kleiner Plan in der Box, der aber die Spieler nur kurz begleitet.

Ablauf… hier zitiere ich mich mal selbst, denn das DECKSCAPE-Prinzip bleibt auch bei RAUB IN VENEDIG erhalten: „Ab der Einführung wird man von Karte zu Karte geschickt. Erst wird der Ablauf erklärt, später kann man verschiedenen Handlungssträngen folgen. Auf den Karten befinden sich einerseits Rätsel, andererseits aber auch abgebildete „Gegenstände“, die man für die Auflösung der Rätsel benötigt. Der Handlungsstrang ist dabei größtenteils vorgegeben. Allerdings muss man schon aufpassen, dass man nicht vorschnell etwas auf den Ablagehaufen wirft.

Im Vergleich zu anderen Exit-Spielen stellt die Auflösung der Rätsel eine Besonderheit dar. Denn man hat nur einen Versuch. Entweder man hat das Rätsel richtig gelöst oder eben nicht. Die Auflösung steht meist auf der Kartenrückseite und man muss sich ein X notieren, wenn man das Rätsel falsch gelöst hat. Wenn man sich bei der Auflösung unsicher ist, kann man sich auch einen Hinweis anzeigen geben lassen. Aber mehr Hilfe gibt es nicht. Ein langsames Herantasten an die Lösungen ist demnach nicht möglich – „all in“ lautet das Motto.“

Das gefällt mir nicht so gut: Da sich im Ablauf kaum etwas ändert, bleiben auch die bisherigen Kritikpunkte der vorherigen DECKSCAPE-Fälle erhalten. Es muss den Mitspielern klar sein, dass keine schrittweise Annäherung an die Rätsel-Auflösungen möglich ist. Damit fallen die extremen Gefühlsschwankungen zwischen Euphorie und Enttäuschung weg, die man aus anderen EXIT-Spielen kennt. Denn dort ist es oft so, dass je kniffliger ein Rätsel ist, desto mehr freut man sich, wenn man nun die vermeintliche Lösung gefunden hat – und desto enttäuschter ist man, wenn man es doch nicht gelöst hat. Diese emotionalen Momente erlebt man nicht bei DECKSCAPE. Durch die direkte Lösung auf der Kartenrückseite wird man entweder in seiner Einschätzung bestätigt oder nicht. Das ist dann bei Fehlversuchen manchmal ärgerlich, weil man sich auf dem richtigen Weg befand aber vielleicht etwas zu unaufmerksam war. Man kann solche kleinen Konzentrationsfehler aber nicht mehr wett machen, weil es nur ein richtig oder falsch gibt – und nicht ein: du bist auf dem richtigen Weg.

Deckscape - Raub in Venedig - Flucht

die Karten werden interessant genutzt – jetzt nur nicht die Rückseite sehen!

Somit muss man auch besonders aufpassen, wie man die Karten benutzt, da man sich nur die Kartenvorderseiten ansehen darf. Am besten werden die Karten erst gar nicht vom Stapel herunter genommen (da dann schon die nächsten Karten darunter erscheinen). Aber viel zu gerne nimmt man eine Karte in die Hand, um sich ein Detail näher anzusehen. Sitzt dann ein Mitspieler gegenüber, kann dieser vielleicht die Lösung erkennen. Hier würde ich mir eine Art Kartenhülle mit einer schwarzen Rückseite wünschen. Will man das Rätsel genauer betrachten, wird es in die Hülle geschoben und kann dann problemlos hoch genommen und weiter gereicht werden. Aus diesem Grund würde ich ein Partie auch nicht mit sechs Personen spielen wollen. Dafür sind die Karten und der Text darauf zu klein, um diese auch aus größerer Entfernung auf dem Tisch liegend lesen zu können.

Im Vergleich zu DECKSCAPE – DAS SCHICKSAL VON LONDON empfanden wir nun bei RAUB IN VENEDIG die Rätsel wesentlich leichter. Vielleicht lag es daran, dass wir immer erfahrener werden oder aber diese Rätsel eher unsere Denkweise trafen. Wir sind jedenfalls ohne Hilfe durchgeeilt und lagen auch nur einmal daneben, weil wir etwas übersehen hatten.

Deckscape - Raub in Venedig - Humor

Ups – erwischt!

Das gefällt mir gut: Wieder überzeugte mich die Story sowie der eigene Humor. DECKSCAPE – RAUB IN VENEDIG besitzt eine angenehme Lockerheit, bei dem das Spiel und auch die Story nicht zu ernst genommen wird. Dieses Gefühl überträgt sich auch auf die Spieler. Hat man bei anderen Exit-Spielen das gewollte Gefühl, gehetzt zu werden, bin ich bei DECKSCAPE meist recht entspannt – und genieße es. Besonders gut gefällt mir, dass wieder alternative Story-Enden angeboten werden. Ohnehin ist die Rahmenhandlung gut gewählt und thematisch gut umgesetzt. Man sieht vor dem geistigen Auge einen typischen Heist-Film ablaufen – mit sich selbst in der Hauptrolle.

Bei diesem Kopfkino unterstützen einen die verschiedenen Charaktere. Diese sind natürlich bekannte Stereotypen, wie man sie sich so vorstellt – allerdings dankenswerterweise mit einem gleichen Anteil an Frauen und Männern. Zusätzlich sind auch alle Charaktere mit eigenem Spezialwissen und -können ausgestattet, um die auftretenden Rätsel zu lösen. Damit wird effektiv dafür gesorgt, dass kein Alphaspieler-Problem auftritt. Denn auch der größte Besserwisser muss mal zurückstecken, wenn er nicht das notwendige Spezialwissen hat. Mit den Charakteren wird also auch darauf hingearbeitet, dass sich alle als richtiges Team verstehen.

Ein letzter großer Vorteil der DECKSCAPE-Reihe hat sich auch nicht geändert: es muss nichts zerstört oder dauerhaft verändert werden. Bringt man am Ende einer Partie die Karten wieder in die richtige Reihenfolge, dann kann eine zweite Gruppe das gleiche Abenteuer erleben. Man muss also kein Wiederherstellungsset vorbereiten oder gar ein neues Exemplar kaufen. Auch benötigt man keine App, die das Spiel steuert (und einem mit älterer Hardware ähnlich alt aussehen lässt).

Deckscape - Raub in Venedig

immer gut, wenn man einen Plan hat

Fazit: Manche finden die DECKSCAPE-Reihe zu behäbig oder zu stromlinienhaft. Das kann man schon im Vergleich mit anderen Exit-Spielen so sehen, denn bei DECKSCAPE kann einem schon die besondere Spannung bzw. Hektik fehlen. Ich empfinde das aber anders. Ich mag die unaufgeregte Art von DECKSCAPE – RAUB IN VENEDIG und fühle mich bestens unterhalten. Ich freue mich an der gut umgesetzten Story und den kleinen Humor-Spitzen. Bitte also mit der Reihe weitermachen. Denn man hat das Gefühl, dass das funktionierende Prinzip immer weiter optimiert wird. Gerne dürfen dann die Rätsel auch wieder etwas kniffliger werden.

Titel Deckscape – Raub in Venedig
Autor Martino Chiacchiera & Silvano Sorrentino
Illustrationen Albero Bontempi
Dauer 45 bis 60 Minuten
Spieleranzahl 1 bis 6 Spieler
Zielgruppe unerfahrene Rätsellöser
Verlag Abacusspiele
Jahr 2018

Ich bedanke mich bei Abacusspiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.

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