kritisch gespielt: Diamant

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Diamant von Bruno Faidutti und Alan R. Moon – erschienen bei iello

Diamant - Box

Foto: iello

Bei manchen Spielen erkennt man die Notwendigkeit einer Neuauflage an den Marktpreisen für gebrauchte Spiele. DIAMANT wurde 2005 von Schmidt Spiele veröffentlicht, hielt sich aber nicht all zu lange auf dem Markt (zumindest gefühlt). Auch aufgrund der besonders schönen Ausstattung stiegen in den letzten Jahren die Gebrauchtpreise in beachtenswerte Höhen. So hatte ich das Spiel schon länger unter Beobachtung und freute mich dementsprechend sehr über die Neuauflage bei iello. Doch sieht das Spiel etwa nur gut aus? Kann man sich bei den namenhaften Autoren eigentlich nicht vorstellen…

Thema… wird durch die Cover-Gestaltung schon sehr deutlich herüber gebracht. Die Spieler sind eine Gruppe von Abenteurern, die in verlassenen Stollen nach Edelsteinen suchen. Dumm nur, dass in diesen Stollen allerlei Gefahren schlummern. Und so stellt sich immer die Frage: wäre es nicht sinnvoller langsam wieder zurück zu gehen? Aber wartet um die Ecke nicht der letzte große Schatz auf mich? Und wenn alle anderen zu feige sind, dann ist dieser vielleicht ganz für mich alleine… Ähnlich wie bei ESCAPE lohnt sich hier als Hintergrundmusik der Soundtrack zu Indiana Jones.

Diamant - Gänge geschlossen

trügerische Ruhe – Camp vor den noch geschlossenen Stollen

Grafik… ist von Paul Mafayon, der mir vorher eher durch seinen comichaften Stil aufgefallen ist (WELCOME TO THE DUNGEON, LOONEY QUEST oder auch SEASONS). Da ich aus den oben benannten Gründen die ursprüngliche Grafik nicht kenne, kann ich schlecht beide miteinander vergleichen. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass die neuen Grafiken den alten nicht gerecht werden. Mir gefallen die Illustrationen jedenfalls ausgesprochen gut und das Thema wird perfekt eingefangen. Viele schöne kleine Details lassen das Auge erfreuen.

Diamant - Ausrüstung

persönliche Ausrüstung – inklusive Entscheidungskarten, wo der weitere Weg hinführt.

Ausstattung… ist hochwertig. Neben den Stollenkarten sind natürlich vor allem die Edelsteine und die Truhen für acht mögliche Mitspieler hervorzuheben. In diese können die gesicherten Edelsteine verfrachtet werden – sofern sie nicht auseinander fallen. Hier haben ein paar Tropfen Sekundenkleber Wunder gewirkt, so dass nun alles fest zusammen bleibt.

Jeder Spiele erhält auch noch eine Holzfigur und zwei Entscheidungskarten. Ich war mir erst unsicher, wie die Holzfiguren vernünftig zu nutzen sind. Anfangs haben wir sie immer auf die aktuellen Stollenkarten gelegt. Das war uns aber auf Dauer zu nervig, so dass wir sie am Ende nur benutzt haben um anzuzeigen, wer schon wieder zurück ist im Camp. Alternativ kann man sie auch gut als Alternative zu den Entscheidungskarten nutzen. Statt mit diesen zu spielen, kann man die Holzfiguren auch in die Hand legen, um anzuzeigen, dass man noch im Gang aktiv sein möchte. Aaarggh, jetzt bin ich ja schon dabei, den Ablauf zu erklären…

Diamant - Runde

Stollen 3 wird erkundet – und zwei feige Mistpieler warten schon im Camp

Ablauf… ist sehr einfach. Vor jeder Runde entscheiden die Mitspieler, ob sie nun den aktuellen Gang weiter erkunden wollen oder ob sie lieber umdrehen und ins Camp zurückgehen. Wird weiter erkundet, dann deckt man die nächste Stollenkarte auf. Befinden sich darauf Rubine, dann wird die dort angegebene Anzahl durch die Anzahl der aktiven Abenteurer geteilt und an die Spieler verteilt. Ein eventuell übrig bleibender Rest verbleibt auf der Karte. ist die Karte dahingegen eine Gefahrenkarte, dann – oh Wunder – steigt die Gefahr im Stollen. Es bestehen fünf Gefahren (Spinnen, Riesenschlange, Feuer…) im Spiel – anfangs sind je drei Karten pro Gefahr im „Stollen-Talon“. Ungünstig für die Abenteurer wird es erst dann, wenn eine Gefahr zum zweiten Mal auftaucht. Dann lässt der Abenteurer nämlich alles stehen und liegen (und insbesondere fallen) und flüchtet aus dem Stollen. Alle bisher zugewiesenen Rubine gehen damit leider auch verloren und man steht am Ende der Runde mit leeren Händen draußen – ist aber vielleicht froh, dass man noch lebt.

Meist wird diese Flucht mit hämischen Kommentaren von den Mitspielern begleitet, die vorher schon feige umgedreht sind und im Camp warten. Deren Vorteil ist, dass sie beim freiwilligen Verlassen des Stollens alle bisher zugewiesenen Edelsteine sichern können (in die Truhe legen). Zusätzlich können diese Spieler beim koordinierten Verlassen auch bisher noch auf dem Boden liegende Edelsteine einsammeln (zur Not muss man die auch nochmals teilen, wenn mehrere Mitspieler gleichzeitig zurück gehen). Liegt auf dem Rückweg noch eine Reliquienkarte und ist man alleine unterwegs, dann wird diese auch eingesammelt (ist am Ende 5 oder 10 Rubine wert).

Da fünf Stollen vorhanden sind, wird dieser Spielverlauf fünfmal durchgespielt. Wird eine Gefahr durch eine zweite Karte ausgelöst, dann wird diese Karte aus dem Spiel entfernt (die Wahrscheinlichkeit dieser Gefahr sinkt demnach). Am Ende zählt man die erbeuteten Edelsteine und Sieger ist natürlich derjenige, der die meisten eingesammelt hat..

Das gefällt mir nicht so gut:  Ich finde das Handling mit den Entscheidungskarten etwas unpraktisch. Meistens benutzt man doch die „Weitergehen-Karte“. Damit die Mitspieler das aber nicht erkennen, mischt man zur Show seine Karten wie wild – um dann aus Unachtsamkeit vielleicht doch die falsche zu legen (ist mir zwei-dreimal im Eifer des Gefechts passiert). Mittlerweile machen wir es so, wie in der ursprünglichen Version empfohlen: wir nehmen bei der Abfrage ob mutig oder feige die eigenen Holzfiguren in die Hand, wenn wir weitergehen wollen. Kehren wir um, dann ist die Hand eben leer. Funktioniert einfach besser.

Das gefällt mir gut: DIAMANT ist sicherlich nicht der Strategiehammer des Jahres. Ehrlicherweise ist es sogar ganz schön seicht, denn im Endeffekt muss man lediglich entscheiden, ob man nun weitergehen oder umkehren will. Bei dieser Entscheidungsfindung ist natürlich ein wenig die aktuelle Auslage zu beachten, aber im Endeffekt ist es Glück oder Pech. Und natürlich entscheide ich mich eigentlich immer falsch. Bin ich zu feige, räumen meine Mitspieler noch mächtig ab im aktuellen Stollen. Bin ich zu mutig (bzw. bekomme ich den Rachen nicht voll genug), dann kommt recht schnell die zweite Gefahrenkarte und ich renne belämmert aus dem Stollen. Mit der richtigen Gruppe macht das Spiel aber großen Spaß. Das Prinzip trägt natürlich nur maximal eine halbe Stunde, aber mehr sehen die Autoren auch nicht vor. In dieser Zeit können die Emotionen richtig schön hochkochen und es kann ausgiebig gezockt werden.

Fazit: DIAMANT füllt für mich eine schöne Lücke: es ist ein Spiel, was man in kurzer Zeit mit mehreren Personen spielen kann. Perfekt also, um bei einem Spieletreff als Opener auf den Tisch zu kommen und damit Nachzüglern noch eine Chance zu geben, in andere Partien einzusteigen. Die wundervolle Gestaltung trägt ungemein zum Spielspaß bei, so dass ich DIAMANT uneingeschränkt als flottes und leichtes Zockerspiel in größeren Runden empfehlen kann.

Titel Diamant
Autor Bruno Faidutti und Alan R. Moon
Illustrationen Paul Mafayon
Dauer 20 bis 40 Minuten
Spieleranzahl 3 bis 8 Spieler
Zielgruppe Familienspiel, Funspiel
Verlag iello
Jahr 2016

3 Gedanken zu “kritisch gespielt: Diamant

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