Fleet: The Dice Game von Ben Pinchback und Matt Riddle – erschienen bei Skellig Games
So, gleich muss ich die Einleitung für FLEET: THE DICE GAME schreiben. Mir fällt dummerweise nur nichts Geistreiches, Witziges oder auch Banales ein. Schon wieder einen Covid-19-Bezug machen? Nee, das Thema nervt doch mittlerweile und außerdem versteht das in zwei Jahren ohnehin niemand mehr (und schließlich schreibe ich für die Ewigkeit). Mmmh, was soll ich machen? Ich glaube, ich such mir mal bei Spotify den Score für The Perfect Storm raus und lass mich dann treiben...
Thema... Wie auch das Cover, erzählt uns der einleitende Text der Anleitung ausführlich von den Gefahren des Meeres in der Nähe der malerischen Ridback Bay. Während furchtsame Fischdampfer kehrt machen, steuern wir noch todesmutig in das Auge eines aufziehenden Sturms. Im Spiel selbst merkt man davon dann aber nichts. Denn eigentlich geht es darum, Stück für Stück eine Flotte aufzubauen, verschiedene Lizenzen zu erlangen und gaaaanz viel Fisch einzufangen. Das Wetter spielt dabei überhaupt keine Rolle – es sei denn, Tiefdruckgebiete beeinflussen heutzutage einzelne Würfelergebnisse. Ich habe in der letzten Zeit zwar viel von der Wissenschaft gelernt, aber diese Erkenntnis wäre mir neu.
Illustrationen… sind von Marius Janusonis und Nolan Nasser und hätten gerne ein größeres Format verdient gehabt. Aber aufgrund des nachvollziehbaren Formats kommen die einzelnen Illustrationen leider kaum zur Geltung. Schade, denn die grafische Gestaltung kommt in meinen Augen sehr charmant daher, zumal nicht die üblichen Sehgewohnheiten bedient werden.
Ausstattung… wie man es sich bei dem Titel fast schon denken kann, ist FLEET: THE DICE GAME ein weiteres Roll-and-Write-Spiel. Entsprechend klassisch ist auch die Ausstattung. Allerdings wird man beim Öffnen der Box ein klein wenig überrascht: es gibt mit Bootswürfeln und Stadtwürfeln zwei verschiedene Würfeltypen sowie auch zwei unterschiedliche Spielbögen. Wobei das nur die halbe Wahrheit ist. Denn eigentlich ist es ein großer Spielbogen, der auf zwei Hälften aufgeteilt wurde. Zusätzlich befindet sich in der Box noch ein hölzerner Startspielermarker sowie drei kleine Holzkuben für das Solo-Spiel.
Ablauf… steht im Zeichen des Kreuzes – denn davon man macht schon eine ganze Menge innerhalb der zehn zu spielenden Runden. Diese Runden sind in zwei Haupt-Phasen unterteilt. Erst kümmert man sich um seine unterschiedlichen Fischerboote und passende Lizenzen, die Boni und Siegpunkte frei schalten. Nachdem man Einkommen erhalten hat, verbessert man noch die Infrastruktur am Hafen oder investiert in weitere Boote. Zwischen diesen beiden Phasen wird in den geraden Runden auch noch kräftig gefischt.
Aufgrund dieser zwei Phasen gibt es auch unterschiedliche Würfel, die im entsprechenden Abschnitt zum Einsatz kommen. Die Nutzung der Würfel kennt man ein wenig aus LA GRANJA: NO SIESTA. Denn aus einer gemeinsamen Würfelauslage wird nach und nach ein Würfel genommen, bis nur noch einer übrig bleibt. Dieser steht dann allen gemeinsam zur Verfügung.
Für das Solo-Spiel stehen dann noch unterschiedlichen Holzkuben zur Verfügung, die anzeigen, an welchen Orten ein imaginäre Gegner Ankreuzmöglichkeiten wegschnappt. Am Ende gibt eine Punktskala Auskunft über die eigene Leistung.
Das gefällt mir nicht so gut: Der Verwaltungsaufwand bei FLEET: THE DICE GAME ist schon enorm. Während einer Partie markiert man meist deutlich mehr als 100 Kreuze. Da fällt es manchmal schwer, den Überblick zu behalten. Habe ich schon das Extrakreuz für die Schwertfisch-Lizenz gemacht? Habe ich daran gedacht, dass ich eine zusätzliche Münze anstreichen darf, weil ich nun ein neues Schiff erhalten habe? Zusätzlich können immer mal wieder kleine Kettenzüge entstehen, die ebenfalls dafür sorgen, dass man gerne das ein oder andere Kreuzchen vergisst.
Besonders hakelig wird dieser Verwaltungsaufwand im Solospiel. Da habe ich es mir angewöhnt mit zwei Stiftfarben zu spielen, damit ich noch halbwegs den Überblick behalte. Aber auch an das Weiterziehen der kleinen Holzkuben muss gedacht werden. Insgesamt hat mich das Solospiel nicht abgeholt. Da spiele ich doch lieber andere Roll-and-Write-Spiele, die mit weniger Aufwand schneller gespielt sind.
Ein wenig wundert man sich übrigens über Aussparungen im Inlay. In diese könnten wunderbar Stifte passen – die dem Spiel aber nicht beiliegen. Dafür hätte man damals bei der Crowdfunding-Kampagne mitmachen müssen, um bei der Deluxe-Ausgabe (!) passende Kugelschreiber zu bekommen. In der Standardausgabe reicht es leider noch nicht einmal für Bleistifte. So schön die kleinen Holzmarker für das Solo-Spiel sind. In meinen Augen hätte ich dafür auch mit Pappplättchen leben können, wenn dafür zumindest Stifte im Spiel wären. Denn ohne diese kann man FLEET: THE DICE GAME nun einmal nicht spielen. In dieser Hinsicht sind mir die Prioritäten falsch gesetzt. Und wer wirklich sein Spiel deluxe-mäßig aufpimpen will, der kann einen passenden Würfelturm bei Eagle-Gryphon Games kaufen.
Das gefällt mir gut: Meiner Meinung nach kann man FLEET: THE DICE GAME sehr gut mit LA GRANJA: NO SIESTA vergleichen – und das liegt nicht am fast deckungsgleichen Würfelmechanismus. In beiden Spielen kann man unterschiedliche Strategien wählen und hat dadurch einiges zu entdecken. Bei FLEET: THE DICE GAME ist diese Varianz sogar noch deutlich ausgeprägter. So muss man sich nicht nur entscheiden, welche Gebäude man an der Anlegestelle bauen oder auf welche Boote man sich beim Hafen konzentrieren will. Schon die Spezialisierung auf die Meeresbewohner beim Fischen will gut überlegt sein. Denn diese haben alle lukrative Lizenzen im Angebot, die man gerne nutzen will. Und selbst dabei stellt sich wiederkehrend die Frage: soll ich jetzt meine Kreuze in eine neue Lizenz investieren oder lieber in ein neues Boot, damit dieses später gefüllt werden kann. Bei FLEET: THE DICE GAME sind somit dauerhaft viele kleine Entscheidungen zu treffen und keine Partie gleicht einer anderen. Denn schließlich sind da noch die Würfel. Da kann man sich noch so schöne Strategie zurecht legen, fallen die Würfel nicht wie gewollt, dann sollte man schleunigst die Strategie anpassen.
Aber nicht immer sind auch die Würfel am eigenen Leid schuld. Denn natürlich fischen auch die lieben Mitspielenden im selben Gewässer wie wir und achten tunlichst darauf, keine guten Vorlagen liegen zu lassen. Der vom Prinzip sehr einfach gehaltene Würfelmechanismus sorgt somit für einiges an Interaktion. Denn warum sollte ich meinem Mitspieler einen Dorsch-Würfel überlassen, wenn ich den von mir benötigten Auster-Würfel am Ende der Auswahlphase ohnehin nutzen kann? Ja, auch die Fischerei ist kein gemeinsames Zuckerschlecken.
Apropos Dorsch- und Auster-Würfel: ja, das Thema ist erst einmal ungewöhnlich und natürlich in gewisser Weise auch aufgesetzt. Aber trotzdem trägt es! Die einzelnen Verzahnungen werden darüber erklärbar, so dass die Einstiegshürde überschaubar ist. Ich würde FLEET: THE DICE GAME eher als Kennerspiel denn als Familienspiel einordnen, weil es so viel zu beachten gibt. Aber die Komplexität erfolgt eher aus den einzelnen Zusammenhängen und nicht durch komplizierte Regeln.
Auch wenn ich ein wenig das fehlende Material kritisiert habe, so kann ich das vorhandene durchaus loben. Die Würfel sind nicht nur lediglich bedruckt, sondern auch geprägt. Außerdem liegen sie gut in der Hand und fühlen sich wertig an. Die Spielbögen sind dankenswerterweise doppelseitig bedruckt und die Größe ist auch gut gewählt. Ja, die einzelnen Elemente sind vielleicht etwas klein geraten, aber auf zwei nebeneinander liegende DIN A4-Bögen hätte ich auch keine Lust. Auch die kleinen Holzkuben für das Solospiel haben das gewisse Etwas.
Fazit: FLEET: THE DICE GAME kommt zwar mit einem bekannten Würfelmechanismus daher, hat dafür aber ein viel frischeres Thema. Die Kompaktheit des Materials kann allerdings täuschen: aufgrund der vielen zu treffenden Entscheidungen ist es eher kein schnelles Spielchen für Zwischendurch, sondern man sollte schon in das Spiel eintauchen, um es genießen zu können.
| Titel | Fleet: The Dice Game |
| Autor | Ben Pinchback und Matt Riddle |
| Illustrationen | Marius Janusonis und Nolan Nasser |
| Dauer | ca. 30 bis 45 Minuten |
| Spieleranzahl | 1 bis 4 Spieler |
| Zielgruppe | würfelfreudige Kennerspieler |
| Verlag | Skellig Games |
| Jahr | 2020 |
Ich bedanke mich bei Skellig Games für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Dieses beinhaltete die englische Originalausgabe von Eagle-Gryphon Games sowie eine erste Rohfassung der deutschen Anleitung. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.















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