kritisch gespielt: Halt mal kurz

Halt mal kurz von Marc-Uwe Kling – erschienen im KOSMOS Verlag

Cover Halt mal kurz

Foto: KOSMOS

„Das ist kein Glücksspiel“ sagt das Känguru immer und immer wieder – dabei bezieht es sich auf die andauernden Schnick-Schnack-Schnuck-Duelle, die in der Känguru-Triologie von Marc-Uwe-Kling für die Nachwelt festgehalten sind.

Wahrscheinlich würde das Känguru selbiges auch über dieses Kartenspiel sagen – und nicht nur deshalb, weil Schnick-Schnack-Schnuck ein wesentliches Element von HALT MAL KURZ ist. Da ich die Känguru-Trilologie als Hörbucher konsumiert habe (die sind übrigens eine ganz dicke Empfehlung wert), habe ich während des Spielens ohnehin dauernd die imaginäre, leicht nasale Stimme des Kängurus im Ohr. Dabei ertappe ich mich, wie ich leise vor mich hingluckse, wenn ich die ein oder andere Karte auf die Hand bekomme („das steht auf meiner Not-To-Do-Liste“). Ich muss also gleich zu Beginn feststellen, dass ich nicht ganz objektiv bin, wenn ich über dieses kleine Kartenspiel schreibe…

Thema… hat MAU MAU oder UNO ein Thema? Wenn ja, dann ist es deckungsgleich mit dem Thema von HALT MAL KURZ. Denn ohne den kreativen Gestaltungsprozess von Marc-Uwe Kling klein reden zu wollen: HALT MAL KURZ ist nichts anderes als eine MAU MAU Variante.

Grafik… ist von Roman Klein und hat einen schönen eigenen Stil.

Halt mal kurz - Razupaltuff

Razupaltuff ist nun einmal Razupaltuff! Alles klar?

Ausstattung… ist wenig überraschend überschaubar, da es eben ein Kartenspiel ist. Allerdings kann ich diesen Punkt dazu nutzen, kurz über die verschiedenen Karten zu schreiben. Es gibt Karten der Kategorie „witzig“ (roter Hintergrund) und „nicht witzig“ (blauer Hintergrund). Außerdem haben alle Karten zusätzlich eines von drei Symbolen (Känguru, Kleinkünstler und Pinguin), die manchmal etwas schwer zu erkennen sind. Zu guter Letzt gibt es noch zweimal die Razupaltuff-Karte, die … äh .. jetzt wird es schwierig… die eine ganz besondere Karte ist. Man kann diese Karte nämlich nicht abwerfen, sondern muss sie über Sonderaktionen loswerden. Hier wird also schon der besondere Humor des Spiels deutlich. Wer mehr über Razupaltuff wissen möchte, dem sei das Känguru-Chroniken-Wiki ans Herz gelegt.

Halt mal kurz - Schnick-Schnack-Schnuck

„Das ist kein Glücksspiel“

Ablauf… ist natürlich wie bei MAU MAU. Es werden Karten in die Mitte abgelegt und wer keine Karte mehr auf der Hand hat, der hat gewonnen. Besitzer der Razupaltuff-Karte haben es also schon einmal schwer.

Allerdings gibt es auf jeder Karte eine Sonderfunktion, die immer sofort ausgeführt werden muss. Über diese Funktionen wird man meist effektiver die Karten los. Und da HALT MAL KURZ eben kein Glücksspiel ist, ist bspw. Schnick-Schnack-Schnuck eine solche Funktion, um Karten loszuwerden.

Halt mal kurz - Nazis vs. Polizei

Nur Feinheiten lassen die Polizei von Nazis unterscheiden…

Wie auch die Bücher, lässt einem das Kartenspiel die politische Gesinnung des Autors durchaus spüren. So sollen Nazis gehauen werden (der langsamste Spieler bekommt zur Strafe eine Karte). Allerdings sehen die Polizei-Karten den Nazi-Karten sehr sehr ähnlich (ein Schelm, wer Böses dabei denkt). Und wer auf eine Polizei-Karte haut, der bekommt ebenfalls eine Strafkarte.

Das gefällt mir nicht so gut:  Ein solches Funspiel kann man nicht vernünftig bewerten. Die Razupaltuff-Karte ist natürlich schreiend unfair, aber genau das macht den Witz doch aus. Die Frage ist somit: wie lange hält dieser Witz an? Dauernd kann man HALT MAL KURZ sicherlich nicht spielen.

Auch frage ich mich, wie Spieler, die das Känguru überhaupt nicht kennen, auf dieses Spiel reagieren. Die wenigen meiner Mitspieler, auf die das zutraf, reagierten durchaus positiv auf das Spiel. Aber wie bewertet das ein Otto-Normalverbraucher? Den Amazon-Berwertungen nach jedenfalls überraschend positiv. Es ist aber sicherlich eine gewisse Gradwanderung.

Halt mal kurz - Regel

tolles Regelkonzept: Geschichte im Stil der Bücher, Regeln „im Klartext“ und überragendes Video

Das gefällt mir gut: Natürlich ist es von Vorteil, wenn man über die Art Humor eines Marc-Uwe Klings lachen kann. Ist das der Fall, dann wird man prächtig für kurze Zeit unterhalten. Die Fans sicherlich noch ein wenig mehr, da hier einige Anspielungen zu den Büchern bestehen.

Ganz objektiv gesehen ist das Regelkonzept aber klasse. Denn es bestehen mehrere Wege, wie die Regeln erklärt werden. Einerseits ganz klassisch als Regeln „im Klartext“ – das geht recht schnell. Schöner ist aber der vorher aufgeführt „Nicht-Klartext“. Denn hier werden die Regeln als klassische Kämguru-Geschichte mit den typischen Protagonisten Krapotke, Friedrich-Wilhelm, Herta, Marc-Uwe und natürlich dem Känguru erzählt. Und wer diese Geschichte nicht selbst lesen will, der kann sich auch gerne das Ganze als Video ansehen (das habe ich schon vor einem Jahr hier auf meinen Blog vorgestellt). Ebenfalls ist natürlich die eigene Website zum Spiel (inklusive FAQ) positiv zu erwähnen.

Halt mal kurz - witzig

Kurzfazit: witzig

Fazit: Witzig oder nicht witzig? Das ist hier die Frage! Für meinen Teil kann ich ganz klar antworten: witzig! Nicht immer und zu jeder Zeit, aber gerne immer mal wieder – insbesondere zur Auflockerung. Da habe ich schon viel schlechtere Spiele zu erfolgreichen lustigen Büchern gespielt (z.B. die DER DATIV IST DEM GENITIV SEIN TOD Spiele). Ansonsten lebt ein solches Spiel natürlich von den Mitspielern.

 

4 Gedanken zu “kritisch gespielt: Halt mal kurz

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