kritisch gespielt: High Risk

High Risk von Trevor Benjamin und Brett J. Gilbert – erschienen bei iello

High Risk - Cover
Foto: Hut­ter Tra­de

Eines der bekann­tes­ten (und auch bes­ten) Push-Your-Luck-Spie­le ist CAN'T STOP von Sid Jack­son. Aller­dings bit­te nur in der Ver­si­on spie­len, in der Berg­stei­ger ver­su­chen die Gip­fel zu erklim­men. Der unsäg­li­che Ver­such, das Spiel als abs­trak­tes Wür­fel­spiel zu eta­blie­ren, ist glück­li­cher­wei­se kra­chend geschei­tert – zurecht! Wer jeden­falls mit die­sem Klas­si­ker ver­traut ist, der wird sich bei HIGH RISK schnell hei­misch füh­len. Denn auch in die­sem Mini-Spiel soll­te man eine Men­ge Wür­fel­glück mit im Gepäck haben, wenn es hin­auf zum Gip­fel geht.

The­ma... Berg­stei­gen. Muss ich noch mehr sagen?

Illus­tra­tio­nen… sind von Biboun und gefal­len mir wie­der ein­mal rich­tig gut. Allein schon die Cover-Gestal­tung fin­de ich geni­al, aber auch der Spiel­plan ist ein­fach schön. Da nicht mehr Kom­po­nen­ten bestehen, bin ich also rund­um zufrie­den.

High Risk - Inhalt
ziem­lich kom­pak­te Box mit anspre­chen­dem Inhalt

Aus­stat­tung… ist über­schau­bar, was bei einem selbst dekla­rier­ten Mini-Spiel aber auch nicht ver­wun­dert. 6 Wür­fel, 16 Holz­fi­gu­ren und ein aus­klapp­ba­rer Spiel­plan. Das ist alles, mehr braucht es auch nicht.

High Risk - Aufstieg
ganz schon was los im Berg

Ablauf… in typi­scher Push-Your-Luck-Mar­nier wür­felt man so lan­ge Wür­fel, bis man frei­wil­lig auf­hört oder aber der aktu­el­le Wurf nur aus Blitz-Sym­bo­le­nen besteht. Ist letz­te­res der Fall, ist der Spiel­zug been­det und der am höchs­ten posi­tio­nier­te eige­ne Berg­stei­ger fällt auf ein frei­es Feld unter ihm zurück (bzw. in ein Basis­la­ger). Ansons­ten bewegt man einen eige­nen Berg­stei­ger um so vie­le Fel­der nach oben wie Berg­sym­bo­le gewür­felt wur­den. Steht auf dem Ziel­feld schon ein ande­rer Berg­stei­ger, wird die­ser bis zum nächs­ten frei­en Feld unter­halb ver­setzt. Hat man das Glück, dass alle Wür­fel­sei­ten nur Ber­ge und Wol­ken zei­gen, darf man noch­mals einen wei­te­ren Spiel­zug aus­füh­ren. Ziel ist es selbst­re­dend, alle eige­nen Berg­stei­ger auf den Gip­fel zu brin­gen.

Das gefällt mir nicht so gut: Die zu tref­fen­den Ent­schei­dun­gen sind eher tri­via­ler Natur, was aber bei einem so klei­nen Spiel nicht als Man­gel ange­se­hen wer­den muss. Aller­dings darf man dann kri­tisch hin­ter­fra­gen, ob nicht das fal­sche Ziel­pu­bli­kum ange­spro­chen wird. Den meis­ten Spaß mit HIGH RISK hat­te Grup­pen, bei denen Kin­der in der Über­zahl waren. Des­we­gen stel­le ich die The­se auf, dass HIGH RISK viel­leicht bes­ser als Kin­der­spiel kon­zi­piert wor­den wäre. Erwach­se­ne erwar­ten bei der vor­han­de­nen Auf­ma­chung viel­leicht mehr Spiel als HIGH RISK bie­ten kann und will.

High Risk - Start
tol­le Aus­stat­tung – aber der Spiel­plan fällt dabei deut­lich ab

Die Aus­stat­tung ist für so ein Mini-Spiel erstaun­lich hoch­wer­tig. Schö­ne the­men­ge­rech­te Holz­fi­gu­ren und gepräg­te Wür­fel hät­te ich so nicht unbe­dingt in der Box erwar­tet. Da kann der Spiel­plan dum­mer­wei­se aber über­haupt nicht mit­hal­ten. Nach dem Auf­fal­ten liegt er nicht wirk­lich plan auf dem Tisch und man hat immer Angst, dass die Figu­ren umfal­len. Bei die­sem Detail hät­te ich somit lie­ber eine ande­re Lösung gese­hen. War­um besteht der Plan bspw. nicht aus vier Puz­zle­tei­le, die dann auch noch in dicke­rer Pap­pe daher gekom­men wären?

Das gefällt mir gut: Man könn­te HIGH RISK pro­blem­los als Pro­dukt einer Fin­ger­übung bezeich­nen, wel­ches inner­halb einer Mit­tags­pau­se auf einem Autoren­treff ent­stan­den ist (womit dann viel­leicht auch die Co-Autoren­schaft erklärt wäre). Denn wirk­lich viel Fleisch bringt HIGH RISK nicht mit. Aller­dings ver­gisst man dann mei­ner Mei­nung nach eine wich­ti­ge Sache: HIGH RISK kann rich­tig Lau­ne machen! Denn ich habe beob­ach­tet, dass durch die Kür­ze des Spiels auch die Risi­ko­be­reit­schaft steigt – womit dann Spiel­zü­ge erlebt wer­den, die man für unmög­lich hält.

Vom Prin­zip ist alles klar. Man wür­felt so lan­ge, bis etwa noch zwei Wür­fel übrig sind und bewegt dann sei­nen Berg­stei­ger ent­spre­chend vor. Mit ein wenig Zufall hat man es vor­her schon ver­sem­melt oder aber eben das Glück, noch einen wei­te­ren Spiel­zug machen zu dür­fen. Wenn HIGH RISK so gespielt wird, ist es recht belang­los und unin­ter­es­sant. Aller­dings habe ich die Erfah­rung gemacht, dass viel lie­ber bis aufs Äußers­te gezockt wird. Frei nach dem Mot­to: ich kann ja sowie­so nur einen Platz nach unten fal­len, was soll mir schon pas­sie­ren? Meist pas­siert das Offen­sicht­li­che: man steigt kon­ti­nu­ier­lich nach unten ab. Es gibt aber auch Situa­tio­nen, wo unmög­lich erschei­nen­de Spiel­ver­läu­fe statt­fin­den. Da schafft es ein Spie­ler dann doch, drei­mal am Stück einen zusätz­li­chen Spiel­zug machen zu dür­fen und rauscht mit sei­nen Berg­stei­gern wie in D-Zug zum Gip­fel. Das Hal­lo am Spiel­tisch kann man sich vor­stel­len.

Auch so klei­ne Ele­men­te wie das Ver­drän­gen von ande­ren Berg­stei­gern und die Basis­la­ger sind eher gewöhn­lich, funk­tio­nie­ren aber in der Gesamt­heit sehr gut. Es kom­men nun ein­mal Emo­tio­nen auf, wenn ein Berg­stei­ger drei Fel­der nach unten gereicht wird, weil dazwi­schen alle Plät­ze mit ande­ren Figu­ren belegt sind. Wird dann noch ein wenig Trash Talk betrie­ben, hat man mit HIGH RISK eine schö­ne Zeit – und dar­auf kommt es mir am Spiel­tisch an.

High Risk - Detail
immer wie­der ger­ne

Fazit: Braucht die Spie­le­welt eine Light-Ver­si­on von CAN'T STOP? Nicht unbe­dingt. Aber wenn eine sol­che schon ein­mal besteht, kann sie auch pro­blem­los genutzt wer­den. Als schnel­ler Fül­ler kam ins­be­son­de­re in Kin­der­run­den HIGH RISK immer sehr gut an und es ging dann hoch her – so sehr, dass es sel­ten beim Fül­len blieb und man auf ein­mal ganz schön viel Zeit mit die­sem Mini-Spiel ver­bracht hat.

 

Titel High Risk
Autor Tre­vor Ben­ja­min und Brett J. Gil­bert
Illus­tra­tio­nen Biboun
Dau­er ca. 15 Minu­ten
Spie­le­ran­zahl 2 bis 4 Spie­ler
Ziel­grup­pe zocken­de Fami­li­en­spie­ler
Ver­lag iel­lo (im Ver­trieb von Hut­ter Tra­de)
Jahr 2019

 

Ich bedan­ke mich bei Hut­ter Tra­de als deut­schen Ver­triebs­part­ner von iel­lo für die Bereit­stel­lung eines Rezen­si­ons­ex­em­plars. Ich bin mir sicher, dass durch die­se Bereit­stel­lung mei­ne Mei­nung nicht beein­flusst wur­de. Die Bespre­chung spie­gelt mei­ne gemach­te Erfah­rung wider.

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