Mag-O-Mag von Benjamin und Klaus Teuber – erschienen im KOSMOS Verlag

Über den Sinn und Unsinn mancher Spieletitel habe ich schon das ein oder andere mal philosophiert. Was allerdings der tiefere Sinn von MAG-O-MAG sein soll, habe ich immer noch nicht verstanden. Stehe ich derart auf dem Schlauch, dass ich da ein Wortspiel übersehe? Ja, ein Magnet ist ein zentrales Spielelement. Und nun? Oder ist der Titel etwa eine Anspielung auf "magic" oder "magnifique"? Ich verstehe den Titel einfach nicht...
Thema... folgt den berühmten Werbekampagnen: "nimm 3 und zahl nur 1!" Denn MAG-O-MAG ist eher eine Art Spielesammlung, da gleich drei unterschiedliche Spiele in der Box sind. So können wir gemeinsam eine Runde Golf spielen, wir können aber auch eine Autorallye fahren oder uns als Jäger und Sammler während der Steinzeit betätigen.

Illustrationen... sind von der Fiore GmbH und überzeugen wieder durch Klarheit und spritziger Gestaltung. Ich finde es schon ein wenig schade, dass man nie so genau weiß, wer federführend bei den jeweiligen Projekten der Fiore GmbH ist. Aber es spricht wohl für die dortige gute Teamarbeit, dass keiner in den Vordergrund gestellt wird. Auf alle Fälle lassen sich die Ergebnisse wieder sehen.
Was mir allerdings überhaupt nicht gefällt ist die Cover-Gestaltung. Diese Muster-Familie am unteren linken Eck hätte nicht sein müssen. So etwas kann man vor mir aus bei Anzeigen oder Werbeinformationen machen – aber auf einem Cover sehe ich so etwas nicht gerne und finde es eher abschreckend.

Ausstattung... am auffälligsten sind natürlich die verschiedenen Spielpläne und die große einfarbige Rückwand. Damit diese Elemente vertikal zwischen die Spieler gestellt werden können, liegt in der Box ein massiver Standfuß, der später auch als Auffangschale fungieren kann. Nicht fehlen darf natürlich der Magnet, wobei das eher ein Paar ist und dabei zwischen Führungsmagnet und Laufmagnet zu unterscheiden ist.
Für die einzelnen Spiele sind nun noch Pappplättchen, Punktechips und Markierungssteinchen enthalten. Außerdem sind noch vier Holzscheiben in den Spielerfarben vorhanden, damit man im Spielverlauf weiß, wer welche Farbe und somit in welcher Rolle an der Reihe ist. Leider nicht im Spiel enthalten sind ein Wertungsblock und ein Stift (aber so etwas hat man meist griffbereit in der Nähe liegen). Zusätzlich benötigt man manchmal noch eine Stopp-Uhr – oder aber man benutzt die KOSMOS Erklär-App. Diese bietet nicht nur entsprechende Timer und Wertungshilfen an, sondern erklärt auch die Regeln anhand von Animationen.

Ablauf... ist natürlich je nach Spiel unterschiedlich. Gemein haben alle Spiele, dass immer zwei Spieler aktiv sind. Einer (der "Fahrer") führt den Führungsmagneten, während ihm der andere aktive Mitspieler Hinweise gibt, was er denn zu tun hat. Der Fahrer sieht nämlich nichts außer eine gelb-orangenen Tafel – den eigentlichen Spielplan mit dem Laufmagneten sieht nur der Erklärer. Die restlichen Spieler können Verwaltungsaufgaben übernehmen (mitzählen, Zeit stoppen usw.), so dass auch sie involviert sind. Es kann sowohl kooperativ wie auch kompetitiv gespielt werden. Dabei werden die Teams innerhalb einer Partie immer neu zusammen gestellt, so dass am Ende jeder mal mit jedem gespielt hat und dabei jeder gefahren ist und erklärt hat. Entgegen der Angabe auf der Spielbox liegen sogar auch Regeln für 2‑Personen-Spiele bei.
Die gute Anleitung empfiehlt, mit dem Golf-Spiel zu beginnen, damit man ein Gefühl für das Spielmaterial bekommt – ganz ohne Zeitnot. Beim Golfen ist neben der ohnehin notwendigen Geschicklichkeit auch ein gutes Einschätzen von Entfernungen hilfreich. Denn der Erklärer gibt mithilfe eines kleinen Golfschlägers vor, in welchem Winkel und wie lange der Fahrer den Magneten in eine Richtung bewegen soll. Ziel ist es natürlich, mit so wenig geradlinigen Zügen wie möglich, den Spielball (= der Laufmagnet) in das Zielloch einzulochen.
Das Dschungelrennen ist das gewöhnlichste Spiel von MAG-O-MAG. Denn hier muss auf Zeit versucht werden, einen engen Parcours fehlerfrei zu überwinden. Einfache Regeln und kaum Material machen dieses Rennen nicht nur thematisch zum am schnellsten gespielten Spiel in der Box.

Im Gegensatz dazu ist das Steinzeitsammler-Spiel sicherlich das "Schwergewicht" von MAG-O-MAG. Es vereint neben Schnelligkeit und Geschicklichkeit auch taktische Elemente sowie eine kleine Zockerei am Ende einer Spielrunde. Der Spielplan zeigt verschiedene Wege aber vor allem auch Sammelstellen. Berührt der Laufmagnet diese, dann werden entsprechende Rohstoffe bereit gelegt. Nach einer vorher definierten Zeit wird dann geschaut, welche Rohstoffe der Erklärer eingesammelt hat – allerdings muss er dafür einige als "Lohn" an den Fahrer abgeben (und eine ausgeklügelte Regel sorgt dafür, dass dieser nicht zu schlecht bei weg kommt). Nachdem so jeder einen Sammelgang durchgeführt hat, kommt eine abschließende Bauphase. In dieser können die Spieler ihre Rohstoffe benutzen, um siegpunktträchtige Gegenstände zu erschaffen. Da man allerdings nur sieben der fünfzehn möglichen Gegenstände bauen kann, gibt es dabei eine kleine Zockerei: will ich meine Rohstoffe schon früh ausgeben, oder hoffe ich darauf, diese zu einem späteren Zeitpunkt für einen wertvolleren Gegenstand benutzen zu können? Da man nur eine bestimmte Anzahl an Rohstoffen in die nächste Runde mitnehmen kann (abhängig von der eigenen Gesamtplatzierung), sollte man nicht zu knausrig sein.
Das gefällt mir nicht so gut: Das Material ist an für sich gut und wertig. Etwas aufpassen muss man mit den Winkelstücken in den Ecken, die die Spielpläne fixieren. Gerade jüngere Kinder werden bei der Montage etwas ungeduldig und stecken diese dann nicht ganz so präzise ein, wie sich das der Verlag wohl wünscht. Die Folge können etwas ausgefranste Ecken sein. Materialbedingt biegt sich auch die Rückwand etwas durch – vor allem, wenn man die Konstruktion länger aufgebaut hat. Dann wird die Führung des Magnetes – insbesondere am äußeren Rand – etwas unpräzise. Da damit allerdings jeder Spieler zurecht kommen muss, ist das mehr ein Handicap denn ein Mangel.

Der Team-Gedanke ist gut durchdacht. Jeder muss mal fahren und jeder muss mal erklären. Allerdings kommt es dann auch vor, dass die Erwachsenen unter sich sind – und wenn diese sich nicht all zu doof anstellen, dann sind sie meist erfolgreicher als die (vor allem jüngeren) Kinder. Ähnliche "Probleme" habe ich neulich auch beim Kinderspiel KULLERHEXE erlebt. Deswegen empfehle ich, dass die Gruppe am besten halbwegs homogen ist. Oder aber, es wird kooperativ gespielt. Dann können auch schon problemlos Kinder mitspielen, die jünger sind als die empfohlenen 8 Jahre. Dabei ist dann schön zu beobachten, wie schnell diese sich in das Spiel einfinden. Wird erst wild gestikuliert und wenig gesprochen, so entwickelt sich schnell eine erfolgreiche gemeinsame "Sprache".
Von den drei beiliegenden Spielplänen (und damit auch Spielen) gefällt mir das Dschungelrennen am wenigsten. Das ist mir ein wenig zu simpel und wohl auch zu stressig. Es hat zwar schon seinen Reiz, weil es schnell und unkompliziert ist. Trotzdem wurde es bei uns in den Gruppen am wenigsten gespielt – was vielleicht aber auch an den beiden anderen Spielplänen liegt.

Das gefällt mir gut: Eigentlich könnte ich mich kurz fassen und bloß sagen: MAG-O-MAG macht Spaß! Das ist natürlich alles andere als fundiert, so dass ich im folgenden versuche, dass ein wenig aufzuschlüsseln.
Das Spielprinzip ist nicht wirklich neu – schon bei MINO & TAURI oder auch FLUCH DER MUMIE hatte man ein Spielbrett vertikal zwischen zwei Seiten aufzubauen und mit Magneten darauf gespielt. So finde ich es auch gut, dass man sich nicht zu sehr auf dieses Prinzip verlässt. Wäre nur das "Dschungelrennen" im Spiel, dann hätte MAG-O-MAG zu wenig neues zu bieten. Durch die beiden anderen Spiele wird jedoch ein Mehrwert erreicht.

Beim Golfen ist es faszinierend zu beobachten, wie sehr doch manchmal der Blickwinkel entscheidend ist. Hier wird gut das Einschätzen von Entfernungen in das Spiel eingebaut. An dieser Variante mag ich die Ruhe und die Spannung, die sich auch aus dieser Ruhe ergibt. Sind die anderen beiden Spiele eher von Hektik geprägt (schnell etwas in der Zeit zu schaffen), so geht es wie im richtigen Leben beim Golfen um Präzision. Und nichts ist befriedigender, als das erlösende "Plopp" beim Einlochen zu hören.
Bei den Steinzeitsammlern ist das ausgeklügelte System des Rohstoffteilens das prägende Element. Hier kann gut taktisch gespielt werden, denn jeder versucht natürlich, das Maximum für sich selbst heraus zu holen. Allerdings wird das Ganze durch die Zockerei am Ende wohltuend aufgelockert, so dass das Spiel eben nicht durch die Sammelphase entschieden wird. Hier können sich noch manche Wendungen ergeben, die dann natürlich die notwendigen Emotionen ins Spiel bringen – die aber auch vorher schon gegeben sind.
Denn selbst wenn man gerade nicht aktiv ist, so wird meistens mit den anderen mitgefiebert. Kann das andere Team die Zeit unterbieten? Sammeln die jetzt mehr Rohstoffe als ich? Wie viele Schläge brauchen die anderen beim Golfen? Mit MAG-O-MAG liegt ein schönes Familienspiel vor, dass keinen ausschließt und alle gemeinsam mit nimmt – auch in den kompetitiven Varianten.

Man sollte sich auch nicht von der sehr ausführlichen Regel abschrecken lassen. Diese ist klar und gut strukturiert – und sie beschreibt eben auch drei Spiele. Zusätzlich ist auch die App durchaus empfehlenswert, wenn man nicht so gerne Regeln liest (als stimmungsvoller Timer übrigens auch).
Fazit: MAG-O-MAG fliegt in der Wahrnehmung etwas unter dem Radar. Vielleicht liegt es am wenig auffordernden Cover, weswegen es recht wenig Beachtung erfährt. Auch ich war anfangs etwas skeptisch – doch vor allem beim Spielen mit Kindern ist diese Skepsis schnell verflogen. Doch auch reine Erwachsenengruppen können mit MAG-O-MAG ihren Spaß haben, wenn das Spiel nicht bierernst genommen wird und die einzelnen Runden entsprechend kommentiert werden.
| Titel | Mag-O-Mag |
| Autor | Benjamin und Klaus Teuber |
| Illustrationen | Fiore GmbH |
| Dauer | 20 bis 40 Minuten |
| Spieleranzahl | 2 bis 4 Spieler (auch wenn auf der Box nur 3 bis 4 Spieler steht) |
| Zielgruppe | Familienspiel |
| Verlag | KOSMOS |
| Jahr | 2017 |
Ich bedanke mich bei KOSMOS für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.















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