kritisch gespielt: Mein Traumhaus – Familienbesuch

Mein Traumhaus: Familienbesuch von Klemens Kalicki – erschienen bei Pegasus Spiele

Mein Traumhaus - Familienbesuch - Cover

Foto: Pegasus Spiele

Sodele, nachdem ich nun viel Zeit und Energie in die Hintergrund-Architektur des Blogs gesteckt habe (ich sage nur DSGVO), freue ich mich, nun meine beschränkten Kapazitäten wieder in Inhalte stecken zu können. Dabei ist das Stichwort Architektur ein gute Überleitung. Als wir vor ein paar Jahren unser Haus planten, hatten wir das Thema Familienbesuch intensiv bedacht. Aus diesem Grund kann ich die Nöte der FAMILIENBESUCH-Erweiterung zu MEIN TRAUMHAUS sehr gut nachvollziehen.

Thema… wie auch im Basisspiel, richtet man seinen frisch erstellten Rohbau ein. Dazu gibt es neue schöne Räume und Dekorationen. Hinzu kommen nun aber noch vorgegebene persönliche Vorlieben. Außerdem ist auch Airbnb in der Spielewelt angekommen. Denn es stehen nun potenzielle Übernachtungsgäste zu Besuch – auch wenn diese fürs Finanzamt schnell als Familienbesuch deklariert werden.

Mein Traumhaus - Familienbesuch - Spieler5

Die Ritterrüstung steht ab dem 5. Spieler zur Verfügung

Illustrationen… sind wieder von Bartłomiej Kordowski und weiterhin herzallerliebst. Man darf sich von der Gestaltung des Covers nur nicht abschrecken lassen. Die Spielkarten und auch die Deko-Gegenstände strotzen wieder vor vielen lieben Details. Da verbringt man gerne das Warten auf seinen Spielzug mit dem Betrachten der eigenen Auslage und erfreut sich an dem ein oder anderen Gag. Völlig zurecht war MEIN TRAUMHAUS im letzten Jahr für den Graf Ludo nominiert. Und die FAMILIENBESUCH-Erweiterung steht dem in keinster Weise nach.

Ausstattung… besteht hauptsächlich aus dem Spielmaterial (Karten, Deko-Plättchen, Haustableaus und zusätzliche Spielpläne) für den fünften und sechsten Spieler. Damit kann MEIN TRAUMHAUS auch mit Familienbesuch der Großeltern gespielt werden.

Zusätzlich sind nun aber auch noch Karten für zwei Module in der Box: einerseits die Familienkarten, andererseits noch Baupläne. Abgerundet wird die Ausstattung mit einem erweiterten Block für die Endabrechnung.

Ablauf… am grundsätzlichen Ablauf ändert sich nichts. Weiterhin wird eine Raumkarte mit einer Spezialkarte genommen und auf das Tableaus abgelegt. Auch die Rundenanzahl und die Boni bleiben unverändert. Weitere Abwechslung ergibt sich aus neuen Räumen, Helfern und Werkzeugen.

Optional hinzu kommen dann die Module. Diese beinhalten folgende Neuerungen:

Mein Traumhaus - Familienbesuch - Baupläne

Die Baupläne sorgen dafür, dass man Pläne macht.

Modul 1 bringt verschiedene Baupläne ins Spiel. Man erhält zwei davon auf die Hand: einen einfach zu erfüllenden und einen schwer zu erfüllenden. Allerdings kann man am Spielende nur einen davon werten lassen, weswegen es sich lohnt, sich schon anfangs ein paar Gedanken über die Umsetzung zu machen. Die Baupläne geben dabei konkrete Vorgaben zur Ausgestaltung des Hauses (bspw. eine bestimmte Anzahl an Zimmer pro Stockwerk). Der schwerer zu erfüllende Auftrag wird am Ende natürlich mit mehr Siegpunkten belohnt als der leichtere Auftrag.

Familienbesuch - Familienkarten

Wer freut sich nicht über Familienbesuch – zumindest dann, wenn man sich diesen aussuchen kann!

Modul 2 führt dahingegen den Namen gebenden Familienbesuch ein. Dabei werden doppelt so viele Familienkarten wie Mitspieler teilnehmen offen ausgelegt. Diese Karten zeigen bestimmte Vorlieben der Besucher für zusammenhängende Räume im Stockwerk (die Großeltern wollen bspw. ein Bad neben dem Wohnzimmer). Sobald man eine Vorgabe erfüllt, kann man sich die entsprechende Besucherkarte nehmen und wird später mit zusätzlichen Siegpunkten belohnt. Allerdings gibt es die Einschränkung, dass pro Stockwerk nur eine Familienkarte genutzt werden kann.

Zusätzlich bietet die Regel nun noch eine Solo-Variante an.

Mein Traumhaus - Familienbesuch - Spielpläne

Mehr Spalten = mehr Zeit zum Grübeln.

Das gefällt mir nicht so gut: Mehr Mitspieler bedeutet natürlich mehr Wartezeit – das liegt in der Natur der Dinge. Dieser Kompromiss muss geschlossen werden. Allerdings verträgt das luftig-leichte Spielprinzip von MEIN TRAUMHAUS definitiv keine Grübler am Tisch. Wer wirklich meint, alles genaustens abwägen zu müssen, der sollte bitte an keiner vollen Runde teilnehmen.

Ansonsten nimmt der Konkurrenzkampf zu. Damit steigt auch der Glücksanteil. Bei ungünstigen Raum- und Dächerverteilungen sind bei voller Spieleranzahl mehr Härten zu ertragen. Die Startspieler-Karte wird somit noch interessanter und kann im Extremfall für lange Zeit nicht wechseln, was ich immer als ein etwas ungünstiges Spielelement empfinde (wobei das bei MEIN TRAUMHAUS nicht zu ausgeprägt ist). Dieser steigende Glücksanteil ist etwas konträr zu den Modulen, da diese doch ein Mehr an Taktik einfordern. Wir spielten deswegen am Ende selten in Vollbesetzung mit den Modulen. Diese kamen eher dann zum Einsatz, wenn wir mit weniger Spielern (und dadurch mehr Einfluss) am Tisch saßen.

Mein Traumhaus - Familienbesuch - Spieler6

verschiedene Träume werden wahr: der Ponyhof für die Tochter, die Dartscheibe für den Papa

Dann noch ein paar redaktionelle Kleinigkeiten. Ich finde es schade, dass nun auf den neuen Deko-Plättchen keine Siegpunkte aufgedruckt sind (anders als bei den Plättchen des Grundspiels). So muss man zwingend die entsprechende Sonderkarte aufheben, damit man sich bei der Endabrechnung den entsprechenden Wert notieren kann. Eine weitere Kleinigkeit fiel mir bei den Helferkarten auf. Wenn dort eine Frau abgebildet ist, dann finde ich die männliche Bezeichnung (bspw. „Ingenieur“) darunter störend.

Ach so, zum Solo-Spiel kann ich nicht viel sagen. Ich habe es mal ausprobiert, es hat mich aber nicht nachhaltig gefesselt. Allerdings bin ich auch nicht der Typ für solche Solo-Highscore-Jagden. Schön ist sicherlich, dass die Möglichkeit dafür gegeben wird. Ich nutze diese eher aus Prinzip nicht.

Mein Traumhaus - Familienbesuch - Block

stilecht ist der Wertungsblock natürlich nur mit dem Bleistift aus dem Baumarkt

Das gefällt mir gut: Die Module machen eine Partie etwas taktischer. Durch die Bauaufträge bekommt man nun Vorgaben, die das eigene Spiel beeinflussen. Allerdings sind diese auch nicht so punkteträchtig, dass sie ein absolutes Muss darstellen. Trotzdem entstehen daraus immer wieder schöne kleine Entscheidungsdilemma, was das Spielen interessant macht. Bei den Besuchern belebt dahingegen die Konkurrenz-Situation das Geschehen. Auch hier sind neue Entscheidungen notwendig. Soll man sich jetzt wirklich das Bad holen, um sich den Besucher zu sichern? Damit würde aber der Ausbau des Wohnzimmers unmöglich…

Gut gefallen mir auch die neuen Spezialkarten und Einrichtungsgegenstände – und das nicht nur, weil endlich auch eine Dartscheibe im Spiel ist. Durch die Möglichkeit der Kombination mit dem Grundspiel wird nun auch eine größere Abwechslung erreicht, was dem Spiel gut tut.

Mein Traumhaus - Familienbesuch - Haustableau

ein fertiges Haus mit Räumen nur aus der Erweiterung

Großer Trumpf bleibt natürlich die tolle Gestaltung. Für mich lebt MEIN TRAUMHAUS von seiner tollen thematischen Umsetzung und damit der spielerischen Leichtigkeit. Das Gewinnen steht meist nicht an erster Stelle, vielmehr erfreut man sich an den einzelnen Häusern. Weiterhin werden die einzelnen Einrichtungen gerne nach einer Partie intensiv betrachtet und kommentiert. Dabei werden immer wieder neue kleine Details bemerkt. Auch der lustige Tie-Breaker (die Anzahl der sichtbaren Kinder) sorgt immer wieder für ein aufmerksames Betrachten der einzelnen Karten. Wobei wir uns immer noch die Frage stellen, ob das Alien-Kind wie ein menschliches Kind gezählt wird, oder nicht. 😉  Und endlich wird das soziale Gewissen befriedet und ich habe die Solarmodule auf dem Dach.

Fazit: Die FAMILIENBESUCH-Erweiterung wertet MEIN TRAUMHAUS deutlich auf. Dabei ist das Basisspiel auch so schon ein sehr gutes Familienspiel. Durch die Erweiterung können nun aber noch weitere Familienmitglieder mitspielen, was durchaus seine Berechtigung hat. Die Module verändern das Spiel nur unwesentlich, bringen aber ein Mehr an Taktik aber vor allem auch an Abwechslung.

Titel Mein Traumhaus: Familienbesuch
Autor Klemens Kalicki
Illustrationen Bartłomiej Kordowski
Dauer 30-60 Minuten
Spieleranzahl 1 bis 4 Spieler
Zielgruppe entspannte Familienspieler
Verlag Pegasus
Jahr 2018

 

Ich bedanke mich bei Pegasus für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.

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