kritisch gespielt: Mindbug

Mindbug von Skaff Elias, Richard Garfield, Marvin Hegen und Christian Kudahl – erschienen bei Nerdlab Games

Mindbug - Box
Foto: Nerd­lab Games

Ich habe mir mal den Spaß erlaubt, den Begriff Mind­bug in das ein oder ande­re Über­set­zungs-Tool ein­zu­ge­ben. Die schöns­te dort ange­bo­te­ne Wort­krea­ti­on war "Gedan­ken­wan­ze". Da das gleich­na­mi­ge Spiel bis­her nur als Art Test­ver­si­on für die ange­kün­dig­te Crowd­fun­ding-Akti­on auf den Markt gekom­men ist, besteht somit noch die Chan­ce, dass wäh­rend der Finan­zie­rungs-Kam­pa­gne eine deut­sche Ver­si­on ent­ste­hen wird. Wel­chen Titel ich mir für eine sol­che wün­sche, soll­te nun klar sein... 

The­ma... gibt es kei­nes. Viel­mehr herrscht das Mot­to vor: immer fes­te druff!

Illus­tra­tio­nen… stam­men von Denis Mar­ty­nets, von dem ich zuge­ge­be­ner­ma­ßen vor­her noch nicht viel gehört bzw. gese­hen habe. Erst bei der Recher­che habe ich dann fest­stel­len müs­sen, dass das haupt­säch­lich an mei­nem Unwis­sen lag. Die Illus­tra­tio­nen zu MINDBUG sind jeden­falls frisch, ver­spielt und vor allem humorvoll.

Aus­stat­tung… in der hand­li­chen Box befin­den sich "nur" 52 Kar­ten und ein klei­nes Regel­heft. Das kann sich viel­leicht in der anste­hen­den Crowd­fun­ding-Kam­pa­gne noch ändern. Aber wirk­lich mehr braucht es gar nicht. Vier die­ser 52 Kar­ten ste­chen übri­gens ein wenig her­aus, da die­se die Namen geben­den Mind­bugs darstellen.

Mindbug - Übersicht
ein klas­si­sches Kar­ten­deck war­tet auf uns

Ablauf… MINDBUG ist ein 2‑Per­so­nen-Spiel, das gewon­nen wird, wenn die ande­re Sei­ten über kein Leben mehr ver­fügt. Mecha­nisch spielt man Kar­ten aus und lässt die­se spä­ter angrei­fen – das ein oder ande­re Tra­ding Card Spiel lässt grü­ßen. Damit habe ich auch schon zwei der drei mög­li­chen Aktio­nen vor­ge­stellt. Die drit­te Akti­on kann man ledig­lich zwei­mal in einer Par­tie durch­füh­ren: durch das Abge­ben einer Mind­bug-Kar­te kann ich die gera­de eben aus­ge­spiel­te geg­ne­ri­sche Kar­te okku­pie­ren und in mei­ne Aus­la­ge über­füh­ren – und natür­lich auch deren mög­li­chen Effekt sofort nut­zen. Über sol­che Effek­te ver­fü­gen eigent­lich alle Kar­ten. Zusätz­lich besit­zen alle Kar­ten noch einen Stär­ke­wert, der bei den Angrif­fen wich­tig ist. Denn nur wenn man gleich stark ist, kann man nor­ma­ler­wei­se ohne Scha­den blo­cken. Kann oder will eine Kar­te dahin­ge­gen bei einem Angriff nicht geblockt wer­den, hat man der Gegen­sei­te ein Leben abgezogen.

Das Beson­de­re an MINDBUG ist: man hat pro Par­tie nur zehn Akti­ons-Kar­ten zur Ver­fü­gung und man muss kei­ne Res­sour­cen anspa­ren, um die­se aus­spie­len bzw. anwen­den zu kön­nen. Fünf Kar­ten hält man zu Beginn auf der Hand, die wei­te­ren kom­men nach und nach als Nach­zieh­kar­te in die eige­ne Aus­wahl. Wenn man alle aus­ge­spielt hat, dann kann man nur noch hof­fen, dass man damit erfolg­reich ist.

Mindbug - Keywords
ich brau­che ande­re Key­words für mein Hirn

Das gefällt mir nicht so gut: Da ich bis­her eher nicht so ger­ne MAGIC: THE GATHERING und Kon­sor­ten gespielt habe, frem­del ich immer noch ein wenig mit den Schlüs­sel­be­grif­fen auf den ein­zel­nen Kar­ten. Mir wol­len die ein­fach nicht ins Hirn! So schaue ich also stän­dig nach, was nun fre­zy oder tough bedeu­tet. Das liegt sicher­lich auch an mei­ner feh­len­den Fremd­spra­chen­kom­pe­tenz, weil sol­che Begrif­fe bei mir ein­fach nicht in Blut über­ge­hen wol­len. Die Anlei­tung hat die­se Begrif­fe glück­li­cher­wei­se schon auf der letz­ten Sei­te über­sicht­lich dar­ge­stellt. Noch schö­ner hät­te ich es aber gefun­den, wenn die­se Infos für jede Par­tei als eige­ne Über­sichts­kar­te zur Ver­fü­gung stün­den. Viel­leicht wäre das eine Opti­on für die Rück­sei­te der Mindbug-Karten...

Oder man opfert tat­säch­lich von der klas­si­schen 52er-Anzahl zwei Kar­ten und druckt eine sol­che Über­sichts­kar­te, über die dann auch die aktu­el­le Lebens­an­zei­ge dar­ge­stellt wird. Aktu­ell soll man dafür die nicht im Spiel befind­li­chen Kar­ten nut­zen. Also legt man sich anfangs noch drei umge­dreh­te Lebens-Kar­ten in die eige­ne Aus­la­ge. Aber ich habe dann oft fest­ge­stellt, dass im Eifer der Gefechts Ver­wir­rung ent­steht. Was ist jetzt mein Nach­zieh­sta­pel, mein Abla­ge­sta­pel und mein Lebens­an­zei­ge-Sta­pel? Die Pro­fis haben dafür natür­lich Wür­fel an der Hand – aller­dings pas­sen die lei­der nicht in die knapp bemes­se­ne Kar­ten­box. Somit hät­te ich mir also eine Art sepa­ra­ten Lebens­an­zei­ger gewünscht, auch wenn des­we­gen das Kar­ten­an­ge­bot um zwei Kar­ten redu­ziert wer­den muss.

Mindbug - Handkarten
schwe­re Entscheidung

Das gefällt mir gut: MINDBUG kon­zen­triert sich auf das Wesent­li­che. Da muss man nicht erst die­se Kar­te besit­zen, um jene aus­spie­len zu dür­fen. Oder erst sound­so viel Zeug ange­sam­melt haben, um einen Effekt zu nut­zen. Nein, gefällt mir die Kar­te, dann kann ich sie sofort aus­spie­len und bes­ten­falls nut­zen. Und das Fie­se ist: alle Kar­ten gefal­len! Denn alle Kar­ten sind auf ihre spe­zi­el­le Art stark. Somit fühlt sich auch jede ein­zel­ne Ent­schei­dung bedeu­tend an. MINDBUG besitzt kei­nen Leer­lauf, kei­ne Vor­be­rei­tungs­pha­se. Von Anfang an ist man voll im Spiel drin und ganz sel­ten dau­ert ein Duell mehr als 15 oder gar 20 Minuten.

Weil jede Kar­te auf ihre eige­ne Art und Wei­se stark ist, habe ich auch noch nicht die­se eine Kil­ler-Kom­bi­na­ti­on gefun­den. Aber selbst wenn es die­se geben soll­te, dann sind da auch noch die Mind­bug-Kar­ten, mit der ich die­se spren­gen kann. Die Mind­bug-Kar­ten brin­gen ohne­hin erst die rich­ti­ge Wür­ze ins Spiel. Denn dau­ernd fragt man sich, ob ich es mir jetzt schon erlau­ben kann, die­se zu spie­len. Denn wenn ich früh mei­ne bei­den Mind­bug-Kar­ten nut­ze, feh­len sie mir viel­leicht hin­ten her­aus und ich kann mich nicht mehr gegen eine geg­ne­ri­sche Kar­te weh­ren. Wenn ich aber zu lan­ge war­te, dann ist das Spiel viel­leicht schon zu Ende oder aber mein Gegen­über hat gar kei­ne Kar­ten mehr zum Aus­spie­len. Stän­dig ist man also am abwä­gen, wann man am sinn­volls­ten die­se super­mäch­ti­gen Mind­bug-Kar­ten nut­zen soll.

Als wei­te­re gro­ße Stär­ke emp­fin­de ich auch, dass man sich kein Deck zusam­men bau­en bzw. den Über­blick über zig Kar­ten behal­ten muss. Das Spiel geht sofort los und alle haben die glei­chen Chan­cen. Wer wel­che Kar­te erhält, ist nicht klar. Man hat einen Über­blick, was man machen kann und was nicht. Mit der Zeit kennt man logi­scher­wei­se die mög­li­chen Bedro­hun­gen – aber man weiß nie, ob die­se über­haupt im Spiel sind. Natür­lich gibt es somit auch mal eine glück­li­che­re bzw. unglück­li­che­re Ver­tei­lung. Aber das liegt dann am Zufall und nicht dar­an, wie stark im Vor­feld ein Deck ist oder nicht.

Mindbug - Illustrationen
Haudrauf mit Augenzwinkern

Neben der Spiel­me­cha­nik gefällt mir auch die Gestal­tung gut. Ja, die Stär­ke­wer­te könn­ten ger­ne auf bei­de Sei­ten der Kar­te erschei­nen, so dass man die Kar­ten auch von links nach rechts auf­fä­chern kann. Aber da man sich meist die Tex­te der Kar­ten anschau­en muss, geht man die Kar­ten ohne­hin nach­ein­an­der ein­zeln durch. Somit kann ich über die­sen klei­nen gra­fi­schen Man­gel pro­blem­los hin­weg­se­hen. Statt­des­sen genie­ße ich viel lie­ber die ein­zel­nen Illus­tra­tio­nen. Dort sind schon eini­ge wit­zi­ge Ideen umge­setzt. Außer­dem wird dadurch eine Leich­tig­keit ver­mit­telt, die dem Spiel gut tut. Alles ist mit einem Augen­zwin­kern ver­se­hen und ich fin­de es wohl­tu­end, dass mich kei­ne schwer­mü­ti­gen Magi­er son­dern statt­des­sen ver­ein­sam­te Yeti oder Tiger-Eich­hörn­chen angreifen.

Fazit: MINDBUG ist ein per­fek­tes Spiel für die (Schul-)Pause. Es wird nur ein schma­les Deck benö­tigt, dass in jede Hosen­ta­sche passt. Die Regeln sind schnell ver­stan­den und auf unnüt­zes Geplän­kel wird ver­zich­tet – man will schließ­lich kei­ne Zeit ver­schen­ken. Hach, hät­te es das schon in mei­ner Jugend gegeben...

TitelMind­bug
AutorSkaff Eli­as, Richard Gar­field, Mar­vin Hegen und Chris­ti­an Kudahl 
Illus­tra­tio­nenDenis Mar­ty­nets
Dau­er15 bis 25 Minuten 
Per­so­nen­an­zahl2 Per­so­nen
Ziel­grup­peKar­ten um die Ohren hau­en­de Duellanten
Ver­lagNerd­lab Games
Jahr2021
Hin­weisfür die Bespre­chung wur­de vom Ver­lag ein Rezen­si­ons­ex­em­plar zur Ver­fü­gung gestellt

1 Kommentar zu “kritisch gespielt: Mindbug

  1. Marvin

    Dan­ke für das Review. Der Mind­bug freut sich, dass es gefal­len hat. Über die Lebens­an­zei­ge haben wir uns tat­säch­lich lan­ge Gedan­ken gemacht. Aber alle Vari­an­ten, die rein auf Kar­ten beru­hen, brin­gen irgend­wel­che Nach­tei­le mit sich (Bei­spiel: Zwei Kar­ten über­ein­an­der, die man ver­schiebt um die aktu­el­len Leben anzu­zei­gen. Die­se kön­nen auch mal schnell ver­rut­schen). Des­halb haben wir uns letzt­end­lich dazu ent­schie­den 3 Kar­ten vom nicht benutz­ten Sta­pel zu nut­zen und die­se quer zu legen um Ver­wechs­lun­gen mit dem Nach­zieh­sta­pel zu ver­mei­den. Aber ich gebe dir recht: Wür­fel sind dafür am bes­ten geeignet.

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