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Okiya von Bruno Cathala – erschienen bei Pegasus Spiele

Okiya - Box
Foto: Pega­sus

Gefühlt kommt die 2‑Per­so­nen-Spie­le-Rei­he bei Pega­sus nicht rich­tig in Fahrt. Das liegt viel­leicht auch dar­an, dass ein ein­heit­li­ches Kon­zept fehlt. Die Schach­tel­grö­ßen unter­schei­den sich und es fehlt ein mar­kan­tes Wie­der­erken­nungs­merk­mal spe­zi­ell für 2‑Per­so­nen-Spie­le. Selbst auf der Web­site von Pega­sus sind die 2‑Per­so­nen-Spie­le nicht geson­dert auf­ge­führt, son­dern lau­fen ein­fach so mit. Die­ses etwas stief­müt­ter­li­che Dasein ist scha­de, denn die bis­he­ri­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen müs­sen sich wahr­lich nicht grä­men und dürf­ten mei­ner Mei­nung nach ger­ne etwas offen­si­ver zur Schau gestellt wer­den. Nach­dem mich im letz­ten Jahr sowohl BRAVE RATS wie auch RAPTOR über­zeugt haben, war ich sehr auf das dies­jäh­ri­ge 2‑Per­so­nen-Spiel gespannt – und war dann über­rascht, dass es mit OKIYA ein altes Jac­ta­lea-Spiel wur­de. Es wur­de aber auch Zeit, dass die­se etwas mehr ins Licht der Öffent­lich­keit gebracht werden.

The­ma... ist kom­plett auf­ge­setzt, denn im Grun­de ist OKIYA ein abs­trak­tes Spiel. Der Fla­vour-Text erzählt jeden­falls etwas von zwei kon­kur­rie­ren­den Oki­yas (laut Wiki­pe­dia ein Wohn­haus einer Gemein­schaft von Gei­shas), die um die Gunst des Kai­sers rin­gen. Was dies mit dem Spiel zu tun haben soll, erschließt sich dar­aus aber auch nicht. So gibt das gewähl­te (Nicht-)Thema aber jeden­falls dem Illus­tra­tor eine Rich­tung vor.

Okiya - Collage
schö­ne Illus­tra­tio­nen – dafür also auch das Thema

Illus­tra­tio­nen... sind von Cyril Bou­quet und fan­gen stim­mig den asia­ti­schen Flair ein. Scha­de fin­de ich nur, dass aus­ge­rech­net die Gei­sha, die am euro­pä­ischs­ten aus­sieht, für die Cover-Gestal­tung benutzt wurde.

Aus­stat­tung... besteht aus 32 qua­dra­ti­schen Spiel­kar­ten. 16 davon sind Gar­ten­kar­ten, auf denen jeweils zwei Moti­ve abge­bil­det sind (bspw. Vögel, Wol­ken, Son­ne). Aller­dings sind immer unter­schied­li­che Motiv-Kom­bi­na­tio­nen dar­ge­stellt. Die ande­ren 16 Kar­ten unter­tei­len sich in zwei Sät­zen Gei­sha-Kar­ten, wovon einer jeweils den Mit­spie­lern am Anfang aus­ge­hän­digt wird.

Zusätz­lich lie­gen noch die ein paar klei­ne Holz­blu­men bei, wenn man ein Par­tie über meh­re­re "Gewinn­sät­ze" spie­len will. Die­se Holz­tei­le sind für mich mitt­ler­wei­le ein klei­nes Erken­nungs­merk­mal von Pega­sus bei die­ser Box­grö­ße (BRAVE RATS, LOVE LETTER, TIDES OF TIME...). Aller­dings muss man kri­tisch anmer­ken, dass immer noch eine Men­ge Luft in der klei­nen Box ist. Es hät­te auch eine wesent­lich kom­pak­te­re Box sein kön­nen (wie bspw. bei GAME OVER).

Okiya - Aufbau
Start mit 4×4 Gartenkarten

Ablauf... die 16 Gar­ten­kar­ten wer­den gemischt und in einem 4×4 Ras­ter aus­ge­legt. Der Start­spie­ler ersetzt nun eine der Rand­kar­ten mit einer eige­nen Gei­sha-Kar­te. Die ersetz­te Gar­ten­kar­te wird dann offen auf einen Abla­ge­sta­pel gelegt – denn nun kommt der Clou:

Die­se aus­sor­tier­te Gar­ten­kar­te legt fest, wel­che Gar­ten­kar­ten im fol­gen­dem vom Mit­spie­ler aus­ge­wählt wer­den darf. Denn die nächs­te Gar­ten­kar­te muss eines der bei­den Moti­ve von der eben abge­leg­ten Kar­te auf­wei­sen! Zeig­te die ers­te Kar­te also eine Son­ne und eine Iris, dann muss auf der nächs­ten Kar­te also ent­we­der auch eine Son­ne oder eine Iris dar­ge­stellt sein.

Spiel­ziel ist es nun, entweder:

  • eine hori­zon­ta­le, ver­ti­ka­le oder dia­go­na­le Rei­he aus vier eige­nen Gei­sha-Kar­ten zu bil­den (das gute alte VIER GEWINNT grüßt)
  • ein Qua­drat aus 2×2 Gei­sha-Kar­ten zu bilden
  • dafür zu sor­gen, dass der Mit­spie­ler kei­ne Gar­ten­kar­te wäh­len kann (er wird also ausgeblockt)

Das war es schon. Gespielt wird ent­we­der eine Run­de oder man spielt über meh­re­re Gewinnsätze.

Das gefällt mir nicht so gut: So stim­mungs­voll die Illus­tra­tio­nen auch sein mögen, sie sind lei­der in Tei­len unprak­tisch. Denn man­che Moti­ve wer­den unter­schied­lich auf den Kar­ten dar­ge­stellt. Ich bin jetzt kein Orni­tho­lo­ge, um die abge­bil­de­ten Vögel beim Namen nen­nen zu kön­nen. Stö­rend ist aber, dass auf den Kar­ten ver­schie­de­ne Arten als Sinn­bild für ein Motiv abge­bil­det sind (mal eine Art Rei­her, mal eine Art Schwal­be). So ist man ins­be­son­de­re anfangs unsi­cher und sucht unnö­tig nach pas­sen­den Gar­ten­kar­ten. Das hät­te mit einer ein­deu­ti­ge­ren Motiv­spra­che bes­ser gelöst wer­den kön­nen. Aus­se­hen steht somit lei­der vor Funktion.

Okiya - Geishas

Das gefällt mir gut: Das VIER GEWINNT Prin­zip kennt jeder. Der Vor­ga­be-Mecha­nis­mus ist auch schnell ver­in­ner­licht und somit ist OKIYA in zwei Minu­ten erklärt. Ein leich­ter Ein­stieg ist also defi­ni­tiv gege­ben. Wie bei VIER GEWINNT kön­nen somit auch Kin­der OKIYA spie­len – aller­dings haben die­se dann sel­ten eine Chan­ce gegen Erwach­se­ne. Denn man soll­te trotz der mini­ma­lis­ti­schen Auf­ma­chung die Spiel­tie­fe dahin­ter nicht unter­schät­zen. Ohne ein gewis­ses Maß an Vor­aus­pla­nung ist man bei OKIYA chancenlos.

Da ich Bauch­spie­ler bin und größ­ten­teils auch nur mit sol­chen spie­le, arte­te OKIYA bis­her nie in Denk­or­gi­en aus. Wahr­schein­lich wäre das mög­lich, da alle Infor­ma­tio­nen offen aus­lie­gen und sich vie­les vor­aus berech­nen lässt. Auf­grund der luf­tig leich­ten Auf­ma­chung, wur­de bei und aber eher der schnel­le Schlag­ab­tausch gesucht: erst am Ende der Par­tie wur­de dann inten­si­ver über die mög­li­chen Optio­nen nach­ge­dacht. Somit hat­ten die Par­tien ein hohes Tem­po. Und genau damit kann OKIYA bei mir auch punk­ten. Es ist eine trick­rei­che und schnel­le Abwand­lung zu VIER GEWINNT.

Fazit: OKIYA ist ein schnel­les abs­trak­tes 2‑Per­so­nen-Spiel mit einem ein­fa­chen und ver­trau­ten Mecha­nis­mus. Es spielt in einer Liga mit dem von mir eben­falls geschätz­ten Jac­ta­lea-Spiel BUTTON UP! von Bru­no Catha­la. Bei­des sind kurz­wei­li­ge abs­trak­te Spie­le, die man immer mal zwi­schen­durch ein­schie­ben kann und mich durch ihre Ele­ganz erfreu­en. Wer mehr Tie­fe will, dem emp­feh­le ich KAMISADO.

TitelOki­ya
AutorBru­no Cathala
Illus­tra­tio­nenCyril Bou­quet
Dau­er10 bis 20 Minuten
Spie­ler­an­zahl2 Spie­ler
Ziel­grup­peFami­li­en­spiel
Ver­lagPega­sus Spiele
Jahr2017

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