kritisch gespielt: Outback

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Outback von Michael Kiesling – erschienen bei Huch!

Outback - Cover

Foto: Huch!

Lei­der war ich noch nie im aus­tra­li­schen Out­back – was auch dar­an liegt, dass ich noch nie in Aus­tra­li­en war. Das ist näm­lich lei­der alles ande­re als mal so eben so zu errei­chen. Scha­de, denn der Reiz ist aus­ge­spro­chen groß, die­ses Land näher zu erkun­den. Vor­erst gilt es aber, erst die Kin­der groß wer­den zu las­sen – und viel­leicht klappt es dann irgend­wann ein­mal. Vor­her wer­de ich Aus­tra­li­en also nur spie­le­risch erle­ben kön­nen und in mei­nen Vor­ur­tei­len kle­ben blei­ben. Die­se wer­den jeden­falls mit OUTBACK bes­tens bedient: Land­ro­ver, Kän­gu­rus, Wara­ne – gibt es dort etwa noch etwas ande­res?

The­ma… na ja, irgend­et­was mit Aus­tra­li­en halt. Was genau, habe ich aber nicht ver­stan­den. Egal, OUTBACK ist nicht das ers­te Wür­fel­spiel, was auch ohne The­ma funk­tio­niert. Das The­ma gibt aber eine gute Vor­la­ge für die…

Outback - Tableaus

net­te Spie­le­rei in den obe­ren lin­ken Ecken

Illus­tra­tio­nen… von Claus Ste­phan und Mar­tin Hoff­mann. Auf den ers­ten Blick war ich etwas über­for­dert und dach­te, dass man die ein­zel­nen Tie­re bes­ser durch deut­li­che­re Hin­ter­grund­far­ben kenn­zeich­nen müss­te. Die­ses Gefühl hat sich aber sehr schnell gelegt und war im End­ef­fekt unbe­grün­det. Man kann die ein­zel­nen Ele­men­te schon sehr gut von­ein­an­der unter­schei­den (sofern sie nicht zu klein sind). Beson­ders gut gefal­len haben mir wie­der so klei­ne Spie­le­rei­en, wie die unter­schied­lich gestal­te­ten Spie­ler­ta­bleaus. Für das eigent­li­che Spiel unwich­tig – aber eben schön.

Outback-Detail

man ach­te auf das Num­mern­schild

Aus­stat­tung… setzt lei­der die fal­schen Prio­ri­tä­ten. Auf­fäl­lig ist bspw. der tol­le Land­ro­ver, den man aus Pap­pe zusam­men set­zen kann. Ein schö­ner Eye­cat­cher, aller­dings ohne wirk­li­che Funk­ti­on. Dage­gen wäre nichts ein­zu­wen­den, wenn nicht statt­des­sen die Punk­te­an­zei­ger so fit­ze­lig klein gera­ten wären, dass man sie kaum fas­sen kann. Zusätz­lich nei­gen die Spie­ler­ta­bleaus zum ver­rut­schen, so dass die dane­ben lie­gen­den Anzei­gern nicht ihre Funk­ti­on erfül­len. Die Wür­fel sind zwar schön gestal­tet, aller­dings nicht von höchs­ter Qua­li­tät.

Sehr prak­tisch ist dahin­ge­gen der bei­gefüg­te Beu­tel. In die­sem ver­schwin­den die Tier-Papp­plätt­chen von guter Qua­li­tät. Noch zu erwäh­nen sind die beid­sei­tig bedruck­ten Spie­ler­ta­bleaus. Die eine Sei­te ist für das Grund­spiel gedacht, die ande­re Sei­te für die soge­nann­te "Plus-Vari­an­te" (für die­se gibt es auch noch ande­re Bonus­plätt­chen als im Grund­spiel).

Outback - Start

noch ist das OUTBACK ganz jung­fräu­lich

Ablauf… erin­nert stark an eine auf­ge­motz­te KNIF­FEL-Vari­an­te. Ist man an der Rei­he wirft man mit sechs Wür­feln. Das gan­ze kann man drei­mal machen und dabei belie­big Wür­fel raus­le­gen bzw. wie­der mit­wür­feln. Am Ende kann man sich je nach gewür­fel­ter Anzahl Tie­re vom Jeep neh­men und die­se auf dem eige­nen Tableau plat­zie­ren. Aller­dings nicht ein­fach irgend­wo, son­dern es gibt da eine wich­ti­ge Regel. Auf dem Tableau sind die ein­zel­nen Rei­hen mit Zah­len ver­se­hen (von 2 bis 6). Um ein Tier in die 4er-Rei­he legen zu kön­nen, müs­sen die Wür­fel auch vier­mal das Tier zei­gen (wobei es auch ein hilf­rei­ches Joker-Sym­bol pro Wür­fel gibt).

Outback - Zwischenstand

jetzt am bes­ten ein 6er-Kän­gu­ru

Nach dem Plat­zie­ren der Tier-Plätt­chen wird eine Wer­tung aus­ge­löst. Dabei schaut man zuerst, wie­vie­le Plätt­chen die­ser Tier­art nun zusam­men­hän­gen. Ein ein­zel­nes Tier ist eine 1er-Grup­pe. Legt man aber das Plätt­chen an schon aus­lie­gen­den Tie­ren an, so kann die Grup­pe auch deut­lich grö­ßer sein. Schließ­lich erhält man dann immer so vie­le Punk­te, wie sie der Anzahl der Tie­re in die­ser Grup­pe ent­spricht. Im Grund­spiel bekommt man zusätz­lich ein­ma­lig noch ein paar Bonus­punk­te, wenn man das drit­te Tier­plätt­chen einer Art legt.

Die­se Punk­te mar­kiert man nun mit den ent­spre­chen­den Punkt­an­zei­gern der jewei­li­gen Tie­re. Dabei ver­setzt man die Anzei­ger an der ent­spre­chen­den Leis­te. Der Clou dar­an ist, dass die Leis­te um die Ecke führt. Am Spie­len­de zäh­len auf der lin­ken Leis­te nur die drei unters­ten Tie­re wäh­rend oben immer alle Tie­re zäh­len.

Das Spiel endet, wenn ein Spie­ler sein kom­plet­tes Tableau mit Plätt­chen belegt hat. Konn­te man in einer Run­de übri­gens kein Tier vom Jeep neh­men, dann legt man das Plätt­chen falsch her­um aus. Für die­se Dür­re-Plätt­chen gibt es dann am Ende noch Minus­punk­te.

Outback - Highscore

wenn es mal läuft, kann man auch High­scores kna­cken

Die Plus-Vari­an­te erwei­tert das Grund­spiel um einen zusätz­li­chen Wür­fel. Zudem gibt es nun wesent­lich mehr freie Fel­der auf dem Spie­ler­ta­bleau (unter ande­rem eines in einer neu­en 7er-Rei­he). Auch die Bonus­plätt­chen wer­den nun anders ver­teilt. Die­se lie­gen nun in der Mit­te aus und wer­den nur ein­ma­lig an den Spie­ler ver­ge­ben, der die Vor­aus­set­zung zuerst erfüllt. Zusätz­lich gibt es noch alter­na­ti­ve Minus-Wer­tun­gen für die Dür­re-Plätt­chen.

Outback - Wirklichkeit

War­um liegt hier kein Koa­la in der Aus­wahl?

Das gefällt mir nicht so gut: Mir ist der eige­ne Ein­fluss zu nied­rig. Fast die gan­ze Zeit habe ich das Gefühl, dass ich vom Spiel gespielt wer­de – und nicht, dass ich aktiv ein Spiel spie­le. Okay, dass die Wür­fel nicht unbe­dingt so fal­len, wie ich das will – das ist der Grund­cha­rak­ter eines Wür­fel­spiels. Aber bei OUTBACK müs­sen nicht nur die Wür­fel rich­tig fal­len, son­dern es müs­sen auch noch die rich­ti­gen Tie­re aus dem Beu­tel gezo­gen wer­den. Was bringt es mir fünf Koa­las zu wür­feln (die ich auch drin­gend bräuch­te), wenn in die­ser Run­de gar kein Koa­la im Ange­bot ist? Das ist frus­trie­rend! Selbst bei KNIFFEL habe ich mehr eige­nen Ein­fluss, da ich selbst aktiv über die Wür­fel­er­geb­nis­se bestim­men kann und nicht von einem wei­te­ren Nach­zieh­glück abhän­gig bin.

Outback - Mangel

ein Ver­rut­schen des Tableaus pas­siert lei­der viel zu oft

Ein wei­te­res Pro­blem sind die Punk­te­an­zei­ger, die man seit­lich von der Leis­te ablegt. Die­se sind einer­seits viel zu klein und fum­me­lig gera­ten. Ande­rer­seits sind sie auch total unprak­tisch. Eigent­lich bei jeder Par­tie ist es min­des­tens einem Mit­spie­ler pas­siert, dass sich das Tableau ver­scho­ben hat und man dann nicht mehr sicher war, wo nun genau die Punk­te­an­zei­ger gele­gen haben. So nett die­se Idee vom Grund­satz her ist, so man­gel­haft ist die prak­ti­sche Umset­zung. Da wären ver­schie­den far­bi­ge Holz­qua­der wesent­lich prak­ti­scher in allen Berei­chen gewe­sen.

Bezüg­lich der Punk­te gibt es noch ein gro­ßes Pro­blem: die Spiel­re­gel ist nicht ein­deu­tig. Es wird nicht deut­lich genug geklärt, was eigent­lich pas­siert, wenn eine Mul­de schon besetzt ist. Wird die­se über­sprun­gen? Wird die­se mit­ge­zählt? Oder kön­nen gar zwei Punk­te­an­zei­ger an der sel­ben Mul­de lie­gen? Die Regel klärt das nicht nicht auf. Auch ande­re Regel­de­tails sind nicht deut­lich genug her­aus­ge­ar­bei­tet. Hier hät­te ich mir mehr Sorg­falt bei der Erstel­lung der Spiel­re­gel gewünscht.

Outback - Würfelabnutzungen

lei­der nut­zen sich die Wür­fel recht schnell ab

Ein wei­te­rer nega­ti­ver Punkt ist die Qua­li­tät der Wür­fel. Die­se sind näm­lich ledig­lich bedruckt und zei­gen schon nach kur­zer Zeit (etwa 10 Par­ti­en) deut­li­che Abnut­zungs­er­schei­nun­gen. Die Tie­re las­sen sich schon noch erken­nen – schön aus­se­hen ist aber etwas ande­res.

Die Plus-Vari­an­te von OUTBACK gefällt mir auf­grund der gemein­sa­men Bonus-Plätt­chen bes­ser als das Grund­spiel. Aller­dings hat sie den gro­ßen Makel, dass dann die ein­zel­nen Par­ti­en zu lan­ge dau­ern. Man hat zwar einen Wür­fel mehr zur Aus­wahl, muss dafür aber auch 21 Tier­plätt­chen auf dem Tableau able­gen (statt 15 im Grund­spiel). Damit erhöht sich die Spiel­zeit erheb­lich – mehr als es dem Spiel gut tut.

Das Grund­spiel geht zwar schnel­ler, aller­dings ist OUTBACK in der Ver­si­on eher ein Mul­ti-Soli­tär-Spiel. Die erfolg­brin­gen­de Stra­te­gie ist recht ein­deu­tig und dann kommt es nur noch dar­auf an, dass die Rah­men­be­din­gun­gen stim­men und man rich­tig wür­felt. Das ist mir auf Dau­er doch zu wenig.

Outback - Ideal

Wäre doch immer so ein Ange­bot vor­han­den.

Das gefällt mir gut: Die Wer­tung mit der Posi­ti­on der Punk­te­an­zei­ger fin­de ich sehr tri­cky. Man muss sich schon gut über­le­gen, wann man wel­che Tie­re bewegt oder bes­ser ste­hen lässt. Kurz vor dem Abkni­cken kön­nen die­se näm­lich mehr Punk­te brin­gen, als auf der obe­ren Wer­tungs­leis­te. Aller­dings muss man auch Tie­re nach oben brin­gen, weil sie ansons­ten auch nichts wert sind. Die­se Idee gefällt mir rich­tig gut. Sehr ger­ne mehr davon – aber bit­te mit einem inter­es­san­te­ren Spiel drum­her­um.

Fazit: Die ers­ten eins-zwei Par­ti­en hat mit OUTBACK rich­tig gro­ßen Spaß berei­tet. Lei­der stell­te sich auf Dau­er eine eben­so gro­ße Ernüch­te­rung ein. Unab­hän­gig von der unein­deu­ti­gen Regel und der unglück­li­chen Aus­stat­tung hat man bei OUTBACK vor allem spie­le­risch zu wenig Ein­fluss. So spie­le ich doch vie­le ande­re Wür­fel­spie­le lie­ber. Scha­de, denn OUTBACK sah anfangs so schön ein­la­dend aus.

Titel Out­back
Autor Micha­el Kies­ling
Illus­tra­tio­nen Claus Ste­phan und Mar­tin Hoff­mann
Dau­er 30 bis 45 Minu­ten (bis 60 Minu­ten in der Plus-Vari­an­te)
Spie­le­ran­zahl 2 bis 4 Spie­ler
Ziel­grup­pe Wür­fel lie­ben­de Fami­li­en­spie­ler
Ver­lag Huch!
Jahr 2018

Ich bedan­ke mich bei Huch! für die Bereit­stel­lung eines Rezen­si­ons­ex­em­plars. Ich bin mir sicher, dass durch die­se Bereit­stel­lung mei­ne Mei­nung nicht beein­flusst wur­de. Die Bespre­chung spie­gelt mei­ne gemach­te Erfah­rung wider.

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