Star Wars: Outer Rim von Corey Konieczka und Tony Fanchi – erschienen bei Fantasy Flight Games
Es soll ja tatsächlich Menschen geben, die eher an das Fliegende Spaghettimonster glauben als an die Macht. Kann ich nicht nachvollziehen, aber ich bin zum Glück tolerant. Solche Menschen wissen bestimmt auch nichts mit dem Begriff "Outer Rim" anzufangen. Zum Glück gibt es digitale Nachschlagewerke (in diesem Fall Jedipedia), die helfen können:
"Der Äußere Rand, häufig auch als Outer Rim bezeichnet, ist die äußerste der sieben Hauptregionen der Galaxis. Obwohl auch jeder Sektor des Äußeren Randes im Galaktischen Senat vertreten wurde, erfuhren auf einigen Welten des Äußeren Randes die Gesetze der Galaktischen Republik keine Beachtung. Der Äußere Rand wurde mehrfach in Richtung des Wilden Raums erweitert. "
Thema... In diesem Outer Rim sind Gesetzte also eher etwas wie Handlungsempfehlungen, weswegen sie eine untergeordnete Rolle spielen. Hier lassen sich also noch echte Abenteuer erleben: illegale Frachten transportieren, Kopfgeldjäger-Aufträge erfüllen, mal einen kleinen Raub ausführen – so etwas halt. Dabei gilt es, die vier großen Player vor Ort (das Imperium, die Rebellen, die Hutts und die Syndikate) gegenseitig auszuspielen und sich selbst schadlos zu halten. Dabei wird Prestige gesammelt, um später in den dreckigen Bars den richtigen Macker spielen zu können.
Illustrationen... sind von einem unüberschaubaren Pool an Illustratorinnen und Illustratoren erstellt. Allen gemein ist, dass sie wunderbar den Look der Star Wars Welt getroffen haben. Man erkennt bekannte aber auch neue Gesichter. Bei den alten Bekannten erkennt man deutöich an ihrem "jugendlichen" Aussehen, in welcher Zeit OUTER RIM spielt – und wird ein wenig wehmütig. Denn das ist die Zeit, als Star Wars Filme noch gut waren.
Ausstattung... die gut gefüllte Box kommt reichlich unsortiert daher, da keinerlei Hilfsmittel zum Verstauen des Materials beiliegt. Nachdem man sich also einen Überblick verschafft hat, sollte man selbst in Zipp-Tüten oder Sortierboxen investieren, damit man später noch alles auseinander halten kann. Das ist vor allem bei den Karten wichtig, da diese eine zentrale Rolle bei OUTER RIM spielen. So gibt es Begegnungskarten für die ganzen Orte des Outer Rim, die auf den sechs Spielplanteilen zu einem Halbkreis zusammengepuzzelt werden. Zusätzlich sind aber auch Marktkarten und Datenbankkarten in der Box. Letztere sind durchnummeriert und helfen dabei, die einzelnen Geschichten zu erzählen.
Ansonsten liegen noch vier Schifftableaus, 12 Schiffbögen, einige Schaden‑, Kontakt- und Patrouillenmarker, Charakteraufsteller, tolle Credit-Marker sowie natürlich die berühmt-berüchtigten Star Wars Würfel in der Box.
Ablauf... ist so übersichtlich, dass er auf eine Kartenseite zusammengefasst werden kann. Im Endeffekt macht man nichts anders, als durch die Gegend zu fliegen und Jobs oder Frachtaufträge zu erfüllen. Im Kern ist OUTER RIM somit ein Pick-up and Deliver Spiel.
Allerdings passiert so einiges auf dem Weg dorthin. Man begegnet nicht immer freundlich gesinnten Leuten und muss sich mit diesen auseinander setzen. Dafür zieht man vor Ort entweder eine Begegnungskarte oder handelt einen dortigen Kontaktmarker ab. In diesem Zusammenhang kann es auch wichtig sein, welchen Ruf man bei den einzelnen Fraktionen hat. Dieser Ruf wird auch wichtig, wenn man auf Patrouillen der Fraktionen stößt. Hat man nämlich einen schlechten Ruf, muss man gegen diese kämpfen. Auch aus diesem Grund versucht man, sein Schiff mit neuen Crewmitgliedern, Ausrüstungen und Modifikationen aufzubessern. Diese Verbesserungen benötigt man auch, um einzelne Aufträge zu erfüllen. Denn dabei muss man oftmals Proben auf bestimmte Fähigkeiten ablegen, so dass es hilft, wenn man breit gefächerte Eigenschaften aufweisen kann.
Ziel des Spiels ist es, durch solche Aktionen sein Prestige zu steigern. Das gelingt auch darüber, dass man seine persönlichen Ziele bzw. die Ziele des eigenen Schiffs erfüllt. Hier kommen nun die einzelnen auszuwählenden Charaktere ins Spiel, die zusammen mit den Kompetenzproben ganz leichtes Rollenspiel-Gefühl aufkommen lassen.
Das gefällt mir nicht so gut: Genügend Prestige aufzubauen, benötigt schon im realen Leben viel Zeit. Auch bei OUTER RIM ist das leider nicht anders und die einzelnen Partien haben oftmals den Makel, dass sie sich zu lange anfühlen. Oder anders ausgedrückt: in der Spielzeit passiert zu wenig abwechselndes. Man fliegt ein wenig durch die Gegend und handelt dann seinen überschaubaren Aktionsrahmen ab. Insbesondere die Anfangsphase dauert zu lange und wenn man dann richtig in der Partie drin ist, hat man das Gefühl, schon alles interessante gemacht zu haben.
Um Kopfgeldaufträge vernünftig abhandeln zu können, muss man erst einmal wissen, wo sich die entsprechenden Personen befinden. Die sind aber anfangs alle verdeckt. So nimmt man sich trotzdem einen entsprechenden Auftrag um dann nach und nach die Planeten nach dieser Person abzusuchen. Mit ein wenig Glück liegt diese Person dann direkt in meiner Nähe. Mit Pech aber am anderen Ende des Halbkreises. Während dieser Suche kann ich mir dann ansehen, wie sich der Ruhm meiner Mitspielenden unaufholbar mehrt. Will man sich dahingegen auf die Jobs konzentrieren, sollte man erst einmal seine Fähigkeiten verbessern. Denn die meisten Jobs erfordern doch einige Kompetenzen und da wäre es fahrlässig, sich nicht gut ausgerüstet diesen Aufgaben zu stellen. Entsprechend zäh beginnt OUTER RIM. Jeder will am Anfang kleine Aufträge abhandeln, um recht schnell das anfängliche Standard-Schiff durch neue Schiffe zu ersetzen. Diese haben neben eigenen Modifikationen auch mehr Platz für weitere Crew-Mitglieder und Verbesserungen. Erst nachdem sich jeder halbwegs gut ausgerüstet sieht, beginnen die eigentlich spannenden Abläufe bei OUTER RIM – nur ist bis dahin schon einige (meist zu viel) Zeit vergangen.
So ist auch der Markt recht träge. In diesem liegen immer 6 Karten offen aus. Pro Runde kann man dort eine Karte kaufen. Ist man mit der Auswahl nicht zufrieden, kann man auch eine Karte ablegen und auf eine bessere hoffen. Aber so richtig dynamisch ist das Ganze nicht. Noch ärgerlicher ist es, wenn man auf eine Karte hinspielt und diese dann eher aus Unwissenheit als durch böse Absicht von einer anderen Person abgeworfen wird. Mir ist da etwas zu viel Zufall im Spiel – immer vor dem Hintergrund, der doch recht langen Spielzeit. Zusätzlich hat man recht schnell das Gefühl, alle Karten schon einmal gesehen zu haben. OUTER RIM schreit geradezu nach neuen Begegnungskarten und Kontaktmarkern. So ist es nicht verwunderlich, dass schon eine erste Erweiterung angekündigt ist – und diese wird sicherlich nicht die letzte sein.
Das Material ist übrigens größtenteils okay. Die Qualität der Karten könnte besser sein und an das fehlende Sortiermaterial hat man sich leider bei Spielen von Fantasy Flight Games gewöhnt. Ärgerlich ist da eher, dass die gut gemeinten doppellagigen Spielertableaus die Angewohnheit haben, an den Rändern abzustehen. Die Konsequenz ist, dass diese sich wie wild drehen können. Das ist auch deswegen unpraktisch, weil die darunter zu schiebenden Karten dadurch nicht besser geordnet sind als vorher. Aber dem wird man schon irgendwie her. Was man allerdings nicht unterschätzen sollte, ist der doch recht hohe Platzbedarf. Schon für den Spielplan wird einiger Raum benötigt. Aber auch die Spielertableaus mit den voluminösen Schiffsplänen sind nicht weniger ausufernd konzipiert.
Das Konzept von Fantasy Flight Games mit den zwei Anleitungen ist mittlerweile bekannt. Ich fremdel damit aber immer noch. Meiner Meinung nach hätte man die Anleitung noch deutlich kürzer fassen können, um daraus eine Los-Spiel-Regel zu machen. Aktuell ist die Anleitung aber doch sehr umfangreich und man weiß dann bei Regelfragen nicht, ob man nun in dieser suchen soll oder doch lieber im Referenzhandbuch. Weil das so ist, hätte man dann auch gleich beide Hefte in eines vereinigen können. Aber sehen wir es positiv: so hat man zusätzlichen Raum geschaffen, um zwei tolle Raumschiffe mit tollen Illustrationen zu würdigen. Ist ja auch was!
Das gefällt mir gut: OUTER RIM lebt nicht von der Spielmechanik, sondern vom Spielgefühl, das von den Spielern erschaffen werden kann. Spielen alle nur mechanisch ihren Stiefel herunter, dann ist OUTER RIM recht schnell langweilig. Sind aber alle Beteiligten bereit, sich ein wenig darüber hinaus zu öffnen und etwas ins Rollenspielhafte überzugehen, dann weiß OUTER RIM zu überzeugen. Dann sind die Aufträge nicht mehr ein reines Abhandeln von Würfelproben, sondern nun werden Abenteuer erlebt. Machen wir es kurz: OUTER RIM ist ein Sandbox-Spiel. In diesem Spiel geht es darum, die Äußeren Welten des Star Wars Universums zu entdecken und mit Leben zu befüllen – und nicht darum, taktische Spielzüge auszutüfteln und mit hoher Siegpunktzahl die Mitspielenden zu demütigen.
Prinzipiell wird den Spielenden mit der Anleitung nur eine Handlungshilfe mitgeben. Das Motto dabei lautet: Mach, was auch immer Du machen willst. Allerdings kann ich dazu nur einen Rat geben. Nehmt dabei nicht immer den einfachsten Weg, um sicher Prestigepunkte zu generieren. Die wahren erlebten Geschichten, die sich ins Gedächtnis einbrennen, sind die, bei denen man sich hoffnungslos verloren fühlte und nur noch auf diesen einen Würfelwurf hoffen konnte.

Manch Mitspielende störten sich daran, dass man nur die Hälfte der Personen kennen würde. Da ich kein eingefleischter Star Wars Fan bin, kann ich nicht nachvollziehen, wer nun wie bekannt ist. Neben den Filmfiguren habe ich aber auch noch andere Charaktere wieder erkannt, die ich aus gelesenen Star Wars Büchern kenne (wie bspw. Großadmiral Thrawn). Ich finde es sogar besser, dass nun neue Charaktere ins Spiel kommen. Natürlich macht es Spaß, als Han Solo darauf hinzuspielen, den Millennium Falke zu ergattern und sich dann auch noch Chewbacca als Crew-Mitglied zu sichern. Aber in gewisser Weise schränkt das auch ein, weil man nicht bereit ist, neue Abenteuer zu erleben. Mit den mir unbekannten Charakteren bin ich aber freier unterwegs. So bin ich also schon sehr froh über die große Auswahl und den mir vielen neuen Gesichtern.
Ein weiterer Anreiz zum rollenspielhaften Spiel wird dadurch vorgegeben, dass die Anleitung eindeutig dazu auffordert, mit den Mitspielenden zu handeln – über alles und jeden. "Gib mir mal 2000 Credits, dann werde ich im nächsten Zug das machen."... "Ups, sorry, ich muss jetzt doch in die andere Richtung fliegen. Aber danke für die 2000 Credits, davon kann ich mir nun diesen Flitzer kaufen. Ach, du wolltest den auch haben? Schon schade, dass es den nur einmal gibt!". Da können sich Freundschaften fürs Leben bilden!
Wegen solch fehlender Situationen müsste ich nun eigentlich das mit angebotene Automa-Deck für das Solo-Spiel als unnötig abkanzeln. Allerdings muss ich schon anerkennen, dass diese "KI", die sinnigerweise mit einem Droiden als Kartenrückseite daher kommt, durchaus ihre eigenen Reize hat. Natürlich fehlen einem die hämischen Kommentar, wenn der eigene Würfelwurf verpatzt wird, aber ich habe schon wesentlich schlechtere Solo-Umsetzungen auf den Tisch gebracht.
Fazit: OUTER RIM ist ähnlich wie WESTERN LEGENDS ein Spiel, dass man zwar um des Gewinnen willens spielen kann, dann aber wohl recht wenig Spaß erleben wird. Wesentlich besser wird es, wenn man es aus der Freude heraus spielt, etwas zu erleben. Dann kann es großartige Momente erzeugen. Mir ist es am Ende egal, ob ich nun 12 oder 10 Prestigepunkte gemacht habe, wenn ich sagen kann: hey, ich habe Han Solo den Millenium Falken bei einer Sabbac-Partie abgenommen! Um das zu erleben, gilt es aber Zeit mitzubringen. Das ist wie damals beim Rollenspiel: wer nur auf den schnellen Erfolg aus ist, wird keinen Spaß erleben.
| Titel | Star Wars: Outer Rim |
| Autor | Corey Konieczka und Tony Fanchi |
| Illustrationen | viele (etwa 50 Illustratoren) |
| Dauer | 120 bis 180 Minuten |
| Spieleranzahl | 1 bis 4 Spieler |
| Zielgruppe | Familienspieler mit Herz für Schurken |
| Verlag | Fantasy Flight Games (Asmodee Germany) |
| Jahr | 2019 |
Ich bedanke mich bei Asmodee Germany als deutschen Vertriebspartner von Fantasy Flight Games für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.
























Sehr nette Rezi. Gibt genau meine Meinung wieder.
Finde die Website überhaupt insgesamt hübsch gemacht.