kritisch gespielt: Wettlauf nach El Dorado

Wettlauf nach El Dorado von Reiner Knizia erschienen bei Ravensburger

Wettlauf nach El Dorado - Box

Foto: Ravensburger

Wer meinen Blog ein wenig verfolgt, der weiß, dass ich Deckbau-Spiele sehr gerne mag. Da die meisten davon einen Wettlaufcharakter haben, ist es nur konsequent, diesen Mechanismus auch thematisch mit einem Wettrennen zu verknüpfen – AUTOMOBILES hat das beim Bag-Building schon vorgemacht. Und wenn sich nun ein Grandseigneur der Autorenzunft diesem Projekt widmet, dann sollte man schon mal genauer hinsehen…

Thema… als wagemutige Schatzsucher schicken die Spieler ihre Expeditionen in den tiefsten Dschungel Südamerikas, wo das sagenumwobene El Dorado liegen soll. Als vorausplanender Chef wird dabei nicht nur die perfekte Route geplant, sondern auch das Team verstärkt und in nützliche Ausrüstung investiert. Da aber auch andere Expeditionen mit dem gleichen Ziel am Start sind, entwickelt sich ein wahrer Wettlauf zu den wertvollen Schätzen. Das ganze hätte jetzt eine PR-Abteilung wohl auch nicht besser formulieren können.

Wettlauf nach El Dorado - Detail

Knizia und Vohwinkel entführen uns in den Dschungel

Illustrationen… sind von Franz Vohwinkel und passen perfekt zum Thema. Die Teammitglieder sind schön illustriert und die Symbole auch eindeutig. Die Boxgestaltung und die sechseckigen Landschaften lassen zudem Erinnerungen an TIKAL aufkommen. Wer war da nochmals der zuständige Illustrator? Ach ja, ein gewisser Herr Vohwinkel…

Ausstattung… besteht natürlich aus vielen Karten, die immer alle im Spiel sind. Allerdings sind diese erstaunlich klein und pro Kartentyp erstaunlich wenig – zumindest im Vergleich zu anderen Deckbau-Spielen. Die Größe der Karten ist schon nachvollziehbar gewählt, denn durch die großflächigen Geländetafeln ist der Platzbedarf auf dem Tisch nicht zu unterschätzen. Diese Geländetafeln sind doppelseitig bedruckt, so dass immer unterschiedliche Landschaftsfelder zu sehen sind. Für den Übergang zwischen den Geländetafeln sind auch noch Blockaden im Spiel enthalten. Zusätzlich sind noch Höhlen-Plättchen für eine Variante im Spiel.

Wettlauf nach El Dorado - Spielertableau

Einsatzzentrale von Team Blau

Jeder Spieler erhält ein Basis-Kartendeck aus acht Karten sowie ein sehr übersichtliches Spielertableau, auf dem vorbildlich der Ablauf eines Spielzugs aufgezeigt wird. Von den zwei Holzfiguren wird im eigentlichen Spiel nur eine benötigt. Lediglich in der 2-Personen-Variante werden beide in den Dschungel geschickt.

Ablauf… zu Beginn wird sich auf eine Strecke geeinigt. Die Spielregel gibt dazu Tipps für einfache und schwierige Parcours – aber es können natürlich auch eigene Strecken kreiert werden. Zusätzlich wird dann noch der Markt aufgebaut. Dieser besteht aus allen Expeditionskarten (jeweils 3 pro Kartentyp). Dabei werden vorgegebene sechs Karten auf der Markttafel abgelegt – nur diese Karten sind anfangs zu erwerben. Die weiteren Karten sind noch Reserve.

Wettlauf nach El Dorado - leichter Kurs

für Einsteiger empfiehlt sich ein leichter Kurs

Ist man am Zug, kann man seine vier Handkarten nach Belieben einsetzen. Meist wird man sie für Bewegungen nutzen. Die jeweiligen Karten geben über die Anzahl der Symbole an, wie weit man im Dschungel ziehen kann. Dabei können nicht mehrere Karten kombiniert werden, um auf ein Landschaftsfeld zu ziehen (das haben wir anfangs sogar falsch gespielt, was dann aber das Rennen tatsächlich etwas zu einfach machte). Was aber sehr wohl funktioniert, ist übrig gebliebene Stärke weiter zu nutzen. Hat man also eine 5er-Machete gespielt, dann kann man mit dieser zuerst ein 3er-Macheten-Feld betreten und anschließend noch zwei 1er-Macheten-Felder. Manche Landschaftsfelder kann man durch eine beliebige Anzahl an Karten betreten und bei anderen können sogar Karten aus der Hand entsorgt werden.

Der anführende Spieler hat noch die ehrenvolle Aufgabe, die Blockaden zwischen den Geländetafeln aufzuheben. Dafür muss er davor stehen bleiben und dann die abgebildete Stärke erfüllen. Wenn möglich, kann er dann auch gleich noch weiterlaufen. Blockaden bremsen also den Führenden etwas aus. Sie werden aber auch ganz gerne eingesammelt, denn bei Spielende lösen sie eventuell eintretende Gleichstände auf.

Wettlauf nach El Dorado - Markt

im tiefen Dschungel ist der Markt naturgemäß beschränkter als bei perfekter Infrarstruktur

Statt sich zu bewegen, kann man aber auch pro Zug eine neue Karten auf dem Markt erwerben. Zur Auswahl stehen dabei Karten, die einem dauerhaft Vorteile bringen oder nur einmal eingesetzt werden können (und dann natürlich um so stärker sind). Hilfreich beim Kauf sind die Karten, auf denen entsprechende Münzen abgebildet sind. Aber auch alle anderen Karten besitzen den Gegenwert einer halben Münze und können zum Kauf benutzt werden – und hier sind natürlich Kombinationen von Karten möglich. Zur Auswahl stehen dabei allerdings nur die sechs Karten auf der Markttafel. Erst wenn einer dieser Stapel leer gekauft ist, entscheidet der nachfolgende Spieler, wie dieser freie Platz aufgefüllt wird. Das geschieht durch den Kauf einer Karte aus der Reserve, da die restlichen Karten dieses Stapels sofort auf den freien Platz der Markttafel gelegt werden.

Der Wettlauf endet sobald eine Spieler eines der 3 Zielfelder erreicht. Die laufende Runde wird noch zu Ende gespielt, so dass alle Spieler gleich oft an die Reihe kommen. Hat ein Spieler danach als einziger El Dorado erreicht, gewinnt er das Spiel. Erreichen in der letzten Runde aber mehrere Spieler das Zielfeld, dann gewinnt derjenige, der im Spielverlauf die meisten Blockaden eingesammelt hat. Herrscht auch hierbei Gleichstand, gewinnt der Spieler, der die Blockade mit der höchsten Zahl eingesammelt hat.

In der beiliegenden Höhlen-Variante werden auf bestimmte Gebirgsfelder verdeckt die Höhlenplättchen abgelegt. Immer wenn man mit einer Bewegung an einer solchen Höhle endet, darf man sich eines dieser Plättchen nehmen (wobei entlang „schleichen“ nicht gilt). Diese Plättchen verschaffen Vorteile und man darf sie dann zusätzlich zu einem beliebigen Zeitpunkt einsetzen.

Das gefällt mir nicht so gut: Bei mir hat sich manchmal das Gefühl eingestellt, dass meine Züge so klar und eindeutig waren, dass man nicht wirklich etwas abwägen musste. So richtig reizvoll wird es eigentlich nur dann, wenn man viel Geld auf der Hand hat und man diese Karten auch zum Weiterziehen nutzen kann. Denn dann muss man sich entscheiden, ob man weiterziehen oder seine Hand verbessern will. Insbesondere bei den schwereren Strecken ist hierbei die erfolgreiche Strategie nicht eindeutig.

Ärgerlich wird es, wenn man mit seinen vier Karten nichts machen kann. Wenn diese also nicht zum Weiterziehen reichen und auch keine Karten mehr zum Kauf ausliegen, die nur zwei Münzen kosten. Ich selbst habe damit weniger ein Problem, denn so etwas kann bei einem Deckbuilder schon einmal passieren. Meinen Mitspielern ist das dann aber übel aufgestoßen. Allerdings muss man dazu sagen, dass diese Situationen eher selten auftreten (und das auch nur in längeren Spielen).

Wettlauf nach El Dorado - Höhlen

der Schlapphut ist toll – die Höhlen gefallen mir nicht so gut

Zu guter Letzt ist WETTLAUF NACH EL DORADO natürlich sehr glückslastig. Meist sind die einzelnen Partien sehr knapp und am Ende entscheidet dann eher eine glücklichere Kartenverteilung als eine vermeintlich besser gewählte „Strategie“. Damit kann ich bei der kurzen Spieldauer und dem spannenden Verlauf ganz gut leben. Haarig wird es allerdings durch die beigefügte Variante mit den Höhlen-Plättchen. Diese vergrößern die Glückslastigkeit ungemein, denn die Stärke dieser Plättchen unterscheiden sich schon arg. Im besten Fall kann man eine Blockade brechen indem man einfach eine Figur überholen kann, im schlechtesten Fall bekommt man eine Machete. Das ist mir zu unausgeglichen – insbesondere deswegen, weil die Plättchen verdeckt gezogen werden. Manche bekommen zufällig ein starkes Plättchen, weil ihr Weg ohnehin an einer Höhle vorbei führt. Manche machen extra Umwege, um dann mit mehr oder weniger leeren Händen dazustehen. Aus diesem Grund spielen wir jedenfalls nicht mehr mit dieser Variante.

Wettlauf nach El Dorado - schwerer Kurs

Profis spielen natürlich die knackigen Kurse

Das gefällt mir gut: WETTLAUF NACH EL DORADO ist fast immer sehr spannend, weil die Spieler oftmals gleichauf sind. Somit können Emotionen entstehen. Denn nichts ist ärgerlicher als eine Blockade vor meiner Nase – bzw. nichts ist schöner, als meine Mitspieler mal so richtig schön auszubremsen. Der Wettlaufcharakter kommt also voll zum Tragen! Hier sind natürlich die Blockaden das Salz in der Suppe. Den einerseits bremsen sie den Führenden aus, andererseits sind sie aber auch Tie-Breaker bei Gleichständen am Ende. Man wird also vielleicht belohnt, wenn man den Weg frei macht – man kann aber auch genau die Zeit verlieren, die am Ende zum Sieg nötig wäre. Ein wirklich sehr schönes Spiel-Element!

Durch die überschaubare Kartenanzahl ist der Einstieg leicht. Die Grundregeln sind schnell erklärt und die guten Spielertableaus helfen auch sehr. Der beschränkte Markt lässt keine Grübelorgien entstehen, so dass man nicht nur schnell beginnen kann, sondern genauso schnell auch spielen kann.

Die Variabilität der Geländepläne ist natürlich ein großes Plus. Ich bin jetzt nicht mehr so in der Stochastik geübt, um auszurechnen, wie viele unterschiedliche Rennstrecken möglich sind. Aber eines ist klar: es sind viele! Selbst ohne eine Varianz an Kartentypen (wie man sie von anderen Deckbau-Spielen kennt – und die man sich gut als mögliche Erweiterung vorstellen kann), ist damit immer noch Abwechslung garantiert. Außerdem kann man die Rennstrecken je nach Gruppe anders aufbauen. Mit Einsteigern (und wenig frusttoleranten Menschen) spielt man leichte Strecken. Später kann man dann den Schwierigkeitsgrad nach oben erhöhen.

Wettlauf nach El Dorado - Detail II

tolle 2-Personen-Variante!

Sehr gut gefallen hat mir auch die 2-Personen-Variante. In dieser zieht jeder Spieler zwei seiner Figuren durch den Dschungel. Somit ergeben sich auch neue taktische Möglichkeiten. Will ich lieber beide Figuren zusammenhalten, oder presche ich mit einer voraus und die andere soll meinen Mitspieler ausblocken. Allerdings bin ich dann weniger flexibel im Endspiel. Doch, doch, das macht richtig Spaß!

Hervorheben möchte ich auch nochmals die gute grafische Gestaltung. Trotz der Symbollastigkeit ist alles frisch und ansprechend. Höhepunkt dabei ist natürlich der Indiana Jones Schlapphut für den Startspieler – wobei der wohl in Kürze von einer entsprechenden Lego-Minifigur ersetzt wird.

Wettlauf nach El Dorado - Detail III

stimmungsvoll und knackig – jederzeit gerne wieder

Fazit: WETTLAUF NACH EL DORADO macht vieles richtig, was ich von einem guten Familienspiel erwarte. Es ist schnell erklärt und schnell gespielt. Es ist nicht trivial, sondern man muss viele kleine Entscheidungen treffen – auch wenn diese manchmal natürlich auf der Hand liegen. Schlussendlich ist es auch spannend, so dass alle bis zum Teilnehmer mit fiebern. Hier hat Reiner Knizia wieder einen großen Wurf gelandet und perfekt den Wettlaufcharakter von Deckbau-Spielen in ein einsteigerfreundliches Spiel gepackt.

Titel Wettlauf nah El Dorado
Autor Reiner Knizia
Illustrationen Franz Vohwinkel
Dauer 30 bis 45 Minuten
Spieleranzahl 2 bis 4 Spieler
Zielgruppe Familienspiel
Verlag Ravensburger
Jahr 2017

 

Ich bedanke mich bei Ravensburger für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.

Ein Gedanke zu “kritisch gespielt: Wettlauf nach El Dorado

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