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kritisch gespielt: My Island

My Island von Reiner Knizia – erschienen im KOSMOS Verlag

My Island - Box
Bild: KOSMOS Verlag

Ich bin gespannt, ob MY ISLAND nur der zwei­te Teil einer wei­te­ren Lega­cy-Tri­lo­gie sein wird. Nach MY CITY, nun MY ISLAND und dann ent­we­der MY CONTINET oder MY PLANET? Mal abwar­ten, was pas­sie­ren wird...

The­ma... Der Ein­stieg ist ähn­lich wie bei MY CITY: nach einer lan­gen Rei­se errei­chen wir eine uns unbe­kann­te ... Insel. Da wir anschei­nend unter Amne­sie lei­den, ent­de­cken wir die­se immer und immer wie­der neu – aller­dings bekom­men wir dabei auch immer wie­der neue Din­ge zu sehen. Aber viel­leicht lei­den wir gar nicht an Amne­sie, son­dern erle­ben die­se Insel ledig­lich in unter­schied­li­chen Par­al­lel-Dimen­sio­nen. Das klingt ein wenig abge­dreht? Kei­ne Angst, das ist nicht abge­dreh­ter als die Hin­ter­grund­ge­schich­te, die uns MY ISLAND in acht Kapi­teln erzählt.

Illus­tra­tio­nen… sind erneut von Micha­el Men­zel und in bekann­ter Qua­li­tät. Die Cover­ge­stal­tung nimmt Ele­men­te von MY CITY auf – und so kön­nen wir schon auf den ers­ten Blick erken­nen, dass wir uns im Spiel mit Dop­pel-Hex­fel­dern aus­ein­an­der­set­zen müssen.

My Island - Puzzle-Plättchen
die Plätt­chen der Begierde

Aus­stat­tung… ist auf­ge­teilt in das Start-Mate­ri­al und zusätz­li­che acht Umschlä­ge mit wei­te­ren Inhal­ten. Das Start-Mate­ri­al umfasst dabei einen per­sön­li­chen Spiel­plan und eine glei­chen Satz an Doppel‑, Tri­pel- und Qua­dru­pel-Hex­fel­dern. Die­se fin­den sich zusätz­lich ein­zeln auch auf den Spiel­kar­ten wie­der. Die per­sön­li­chen Spiel­plä­ne sind übri­gens beid­sei­tig bedruckt, was es uns ermög­licht, auf der einen Sei­te die Lega­cy-Kam­pa­gne zu spie­len und auf der ande­ren Sei­te ein "ewi­ges Spiel".

Für die Lega­cy-Kam­pa­gne sind zusätz­lich noch die Kapi­tel-Umschlä­ge not­wen­dig. Die­se beinhal­ten jeweils neu­es Spiel­ma­te­ri­al sowie ein Regel­blatt, ein paar Auf­kle­ber und eine Wer­tungs­über­sicht für die ein­zel­nen Partien. 

My Island - Start Legacy
die­se jung­fräu­li­che Insel will gefüllt werden

Ablauf… Zu Beginn einer Par­tie legen sich alle ihre Land­schafts­plätt­chen zurecht und dann wird eine Kar­te auf­ge­deckt. Die­se zeigt jeweils ein spe­zi­el­les Plätt­chen, was nun alle aus ihrem Fun­dus suchen und dann auf ihren Plan legen. Nach und nach ent­steht somit puz­zle-artig eine zusam­men­hän­gen­de Land­schaft. Am Ende der Par­tie sind alle Kar­ten auf­ge­deckt und die ein­zel­nen Inseln wer­den nach unter­schied­li­chen Aspek­ten gewer­tet. Bevor es dann mit der Kam­pa­gne wei­ter­geht, kön­nen wir uns mög­li­cher­wei­se Erfol­ge mar­kie­ren und dür­fen meist noch den ein oder ande­ren Sti­cker auf unser Tableau kleben.

Nach und nach kom­men über die ein­zel­ne Kapi­tel neue Regeln bzw Ände­run­gen hin­zu. So wer­den 24 Par­tien inner­halb der Kam­pa­gne gespielt und am Ende ver­gleicht man die ein­ge­sam­mel­ten Erfol­ge, die ober­halb der Tableaus mar­kiert wer­den. Doch Obacht, denn so viel sei ver­ra­ten: bei MY ISLAND kön­nen die­se teil­wei­se auch wie­der ver­lo­ren gehen. 

My Island - Umschläge
Was dort wohl drin ist?

Das gefällt mir nicht so gut: MY ISLAND steht in der Tra­di­ti­on von MY CITY. Des­halb wun­dert es nicht, dass mich wei­ter­hin Aspek­te stö­ren, die mich schon bei MY CITY nicht über­zeugt haben. Das beginnt mit der demo­ti­vie­ren­den End­wer­tung. Denn auch bei MY ISLAND geht eine Sche­re auf, wie ich es schon öfters bei MY CITY erlebt habe. Natür­lich wur­den Din­ge ein­ge­baut, die dem ent­ge­gen­wir­ken sol­len. Wie­der gibt es Bonus- und Malus-Auf­kle­ber und zusätz­lich kann ich Erfol­ge nun auch wie­der ver­lie­ren. Es bleibt aber dabei: wenn es mal läuft, dann läuft es. Durch mei­ne Erfah­run­gen mit MY CITY habe ich jedes Mal vor einer neu­en Par­tie abge­wo­gen, durch wel­che Sachen ich wohl die meis­ten Erfah­rungs­punk­te bekom­me. Ich habe mich dann auf die­se Punk­te kon­zen­triert und ande­re Aspek­te ver­nach­läs­sigt – und mir dabei früh­zei­tig in der Kam­pa­gne einen sehr hohen Vor­sprung auf­ge­baut, der sehr bald nicht mehr auf­ge­holt wer­den konn­te. Das war ein klei­ner Stim­mungs­kil­ler. Ich fra­ge mich wei­ter­hin, ob eine sol­ches Kam­pa­gnen­spiel wirk­lich die­se fina­le End­wer­tung benö­tigt. Mei­ner Mei­nung nach wür­de es aus­rei­chen, über die unter­schied­li­chen Lega­cy-Ele­men­te für die Mit­spie­len­den die jeweils nächs­te Par­tie leich­ter oder schwie­ri­ger zu gestal­ten, damit dar­über ein Aus­gleich und eine Ent­wick­lung statt­fin­det. Und wenn unbe­dingt mit End­punk­ten gear­bei­tet wer­den soll, dann aber bit­te mit gehei­men, wie es aktu­ell ZUG UM ZUG LEGACY macht. Dann weiß ich nur noch grob, wo ich in der Gesamt­ab­rech­nung ste­he. Wäh­rend der Kam­pa­gne kann ich mich aber bes­ser von die­ser fina­len Wer­tung frei machen und die ein­zel­nen Par­tien als sol­che erle­ben. Am Ende kann ich dann immer noch die Punkt­wer­tun­gen ver­glei­chen, wenn mir das wich­tig ist.

My Island - Endpunkte
nicht wirk­lich moti­vie­rend, wenn der Abstand zu groß wird

Ein wei­te­rer bekann­te Kri­tik­punkt ist die wenig über­zeu­gen­de Rah­men­hand­lung. Wie­der wird nicht erklärt, war­um ich jedes Mal von vor­ne anfan­ge, die Insel zu erkun­den. Statt­des­sen wird eine fort­lau­fen­de Geschich­te erzählt, die bes­ten­falls ein mit­lei­di­ges Schmun­zeln aus­löst. Viel häu­fi­ger wird die­se aber wohl kom­plett igno­riert wer­den – und damit macht man wenig falsch. In den sel­tens­ten Fäl­len erklärt die Geschich­te sinn­voll, war­um nun die­se oder jene Regel neu ein­ge­führt wird. Ich kon­zen­trie­re ich mich daher also lie­ber auf die eigent­li­che Erklä­rung der neu­en Regeln und blen­de den the­ma­ti­schen Klim­bim aus. Doch durch das Feh­len einer über­zeu­gen­den erzähl­ten Geschich­te beraubt sich MY ISLAND einer gro­ßen Stär­ke des Legacy-Prinzips.

Die ein­zel­nen Land­schafts­plätt­chen sind durch die neue For­men und die far­ben­fro­he­re Gestal­tung schlech­ter unter­ein­an­der zu unter­schei­den. Im Gegen­satz zu MY CITY ist es somit öfters pas­siert, dass wir das fal­sche Plätt­chen ein­bau­en woll­ten. Manch­mal ist es nicht beim Wol­len geblie­ben und erst zu einem spä­te­ren Zeit­punkt haben wir dann fest­stel­len müs­sen, dass uns ein Feh­ler unter­lau­fen ist. MY ISLAND macht in die­sem Punkt den glei­chen Feh­ler wie aktu­ell auch DORFROMANTIK- DAS DUELL. Es ist mir unver­ständ­lich, war­um die Plätt­chen nicht durch­num­me­riert sind. KARUBA hat doch bspw. schon vor fast 10 Jah­ren vor­ge­macht, wie das bes­ser geht.

Unge­fähr ab der Mit­te der Kam­pa­gne wan­delt sich die Cha­rak­te­ris­tik der gestell­ten Auf­ga­ben. Bis dahin war ich mit MY ISLAND sehr glück­lich. Aber die Ände­run­gen im zwei­ten Teil haben uns dann deut­lich weni­ger gefal­len, zumal damit auch eine deut­lich höhe­re Kom­ple­xi­tät ein­her geht. Immer mehr Regeln sind zu beach­ten und es geht ein wenig die Fluf­fig­keit der ers­ten Kapi­tel ver­lo­ren – wes­we­gen ich das Spiel letzt­lich auch als Ken­ner­spiel ein­ord­ne. Allei­ne schon aus der Not­wen­dig­keit her­aus, nun län­ger nach­den­ken zu müs­sen, wur­de die Spiel­zeit für die ein­zel­nen Par­tien län­ger und län­ger. Es wur­den ver­mehrt Denk­pau­sen ein­ge­for­dert, weil dies und jenes in Ruhe geplant wer­den woll­te. Auch die­ser Aspekt sorg­te dafür, dass bei uns gegen Ende der Kam­pa­gne die Luft etwas her­aus war. 

Das gefällt mir gut: Ich weiß nicht, ob es an den neu­en For­men oder an dem Mehr an unter­schied­li­chen Land­schafts­ty­pen liegt? Jeden­falls mach­te mir das Puz­zeln bei MY ISLAND mehr Spaß als bei MY CITY. Mög­li­cher­wei­se liegt das dar­an, dass ich etwas mehr Frei­hei­ten hat­te, weil öfters die glei­che Form mög­lich war. Dadurch konn­te ich mit mehr Optio­nen pla­nen und war nicht zu sehr von genau die­sem einen benö­tig­ten Plätt­chen abhängig.

My Island - Spielkarten
ste­hen immer alle zur Verfügung

Ein wei­te­rer Vor­teil ist, dass nun in einer Par­tie nicht immer eine Kar­te zufäl­lig ent­sorgt wird. Die­ses Ele­ment hat mich manch­mal bei MY CITY in den Wahn­sinn getrie­ben, weil mei­ne Pla­nung sich manch­mal auf die­ses eine Plätt­chen stüt­ze, wel­ches dann zufäl­lig eli­mi­niert wur­de. So viel sei ver­ra­ten: das pas­siert bei MY ISLAND nicht – und das emp­fin­de ich als Wohl­tat. Natür­lich fällt dadurch viel­leicht ein span­nungs­stei­gern­des Ele­ment weg. Aber die­ses hat nun ein­mal auch sehr den Frust stei­gern können. 

Im Ver­gleich zu MY CITY besit­zen die Auf­ga­ben in MY ISLAND nun auch weni­ger einen Wett­lauf­cha­rak­ter. Bei MY CITY kam es öfters vor, dass ich belohnt wur­de, wenn ich irgend­wo schnel­ler als die ande­ren war. Das ist bei MY ISLAND weni­ger aus­ge­prägt. Statt­des­sen gilt es nun, bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen zu erfül­len, für die wir einen bestimm­ten Zeit­raum zur Ver­fü­gung haben. Man könn­te jetzt bemän­geln, dass somit die Inter­ak­ti­on dar­un­ter lei­det. Aber bei einem Puz­zle-Spiel ist Inter­ak­ti­on ein Aspekt, den ich nicht unbe­dingt erwar­te. Mir geht es bei die­ser Art Spiel oft­mals mehr dar­um, dass ich ein für mich befrie­den­des Ergeb­nis erzie­le. Das schafft MY ISLAND durch die­se zu erfül­len­den Zwi­schen­auf­ga­ben sehr gut. Ich habe ein fes­tes Ziel, was ich zu errei­chen ver­su­che. Was die ande­ren machen, ist für mich und mei­nem Tun­nel­blick erst mal gar nicht so wich­tig. Das dau­ern­de Über­prü­fen der ande­ren Tableaus bei MY CITY hat mich da eher gestresst. Bei MY ISLAND kann ich mehr mei­ne eige­nen Zie­le ver­fol­gen – und das fühlt sich sehr befrie­di­gend an.

My Island - Start ewiges Spiel
die "ewi­ge" Insel war­tet auf uns

Wie auch bei MY CITY möch­te ich die Arbeit des Ver­la­ges loben. Die Auf­be­rei­tung der ein­zel­nen Regeln ist vor­bild­lich und die Hand­ha­bung der ver­schie­de­nen Ele­men­te ist klar und deut­lich. Wenn etwas unklar war, dann lag das eher an uns und der etwas chao­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on der Regel­blät­ter. Hat­ten wir dort wie­der die rich­ti­ge Ord­nung drin, waren die auf­kom­men­den Fra­gen ver­pufft. Löb­lich ist auch, dass durch das Spie­len der Kam­pa­gne das Spiel nicht ent­sorgt wer­den muss, son­dern auch wie­der ein "ewi­ges" Spiel vor­han­den ist. Des­sen Sze­na­rio ist jetzt viel­leicht nicht mein Lieb­lings-Sze­na­rio aus der Kam­pa­gne, aber es spie­gelt trotz­dem gut die Anfor­de­run­gen von MY ISLAND wider.

Fazit: MY ISLAND setzt das Erfolgs­re­zept von MY CITY fort: über acht Kapi­tel wer­den die unter­schied­lichs­ten Auf­ga­ben für das Puz­zeln von Hex-Fel­dern auf­ge­zeigt und durch­ge­spielt. Durch die stei­gen­den Kom­ple­xi­tät geht am Ende aller­dings etwas die anfäng­li­che Fluf­fig­keit ver­lo­ren. Trotz­dem bie­tet MY ISLAND eine span­nen­de Ent­wick­lung und ich bin gespannt, ob uns noch ein drit­ter Teil die­ser Rei­he beglü­cken wird.

Titel My Island
AutorRei­ner Knizia
Illus­tra­tio­nenMicha­el Menzel
Dau­er30 – 60 Minu­ten pro Durchgang
Per­so­nen­an­zahl2 bis 4 Personen
Ziel­grup­pepuz­zeln­de Kennerspielrunden
Ver­lagKOSMOS Ver­lag
Jahr2023
Hin­weisVie­len Dank an den Ver­lag für die Bereit­stel­lung
eines Rezen­si­ons­exem­plars!

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