Speed-Dating: Der Fluch der Sphinx, Draftosaurus, 5211 und Skyjo

Speed-Dating: Der Fluch der Sphinx, Draftosaurus, 5211 und Skyjo

Dann will ich mal der Wor­te Taten fol­gen las­sen! Da es beim Speed-Dating auf jede Sekun­de ankom­men kann, möch­te ich mich gar nicht mit einer lan­gen Ein­lei­tung auf­hal­ten. Trotz­dem habe ich mal gelernt, dass man in einer Ein­füh­rung einen klei­nen Über­blick über das Kom­men­de geben soll. Mein heu­ti­ger Imbiss-Bericht han­delt von einem Rät­sel-Spiel in der Wüs­te Ägyp­tens (DECKSCAPE: DER FLUCH DER SPHINX) und geht dann über einen Dino-Frei­zeit­park (DRAFTOSAURUS) hin zu zwei abs­trak­ten und durch­aus far­ben­fro­hen Spie­len (5211 und SKYJO). Ich hof­fe, die ange­streb­te Kür­ze und auch Wür­ze reicht. Mal schau­en, ob ich in Zukunft noch mehr nach­pfef­fern muss.

Deckscape: Der Fluch der Sphinx von Martino Chiacchiera und Silvano Sorrentino  erschienen bei Abacusspiele

Deckscape - Der Fluch der Sphinx - Box
Foto: Aba­cus­spie­le

Von Kar­te zu Kar­ten rät­seln wir uns durch eine Pyra­mi­de – immer auf der Flucht vor einer erweck­ten Mumie, die über­haupt nicht freund­lich gesinnt aus­sieht. Um ein direk­tes Zusam­men­tref­fen zu ver­mei­den, hetz­ten wir also auf der Flucht durch ver­schie­de­ne Räu­me. Dum­mer­wei­se sind aber die Durch­gän­ge meist durch Rät­sel ver­schlos­sen, die wir somit vor­her lösen müs­sen.

Mecha­nisch folgt das Gesche­hen wie­der den typi­schen DECK­SCAPE-Regeln. Hat man beim ledig­lich ein­ma­li­gen Ver­such eine fal­sche Ant­wort gege­ben, muss man sich nun aber kein Kreuz notie­ren, son­dern die Mumie kommt statt­des­sen ein Stück näher. Hat sie einen erreicht, haben wir ver­lo­ren und sind ver­flucht. Somit spielt man also nicht nur gegen die Zeit, son­dern auch gegen einen fik­ti­ven Geg­ner.

Scha­de nur, dass die Rät­sel auf sehr unter­schied­li­chem Niveau daher kom­men. Bei der ein oder ande­ren Auf­ga­be fan­den wir alter­na­ti­ve Lösun­gen sin­ni­ger bzw. der Weg zur Auf­lö­sung war uns doch etwas zu sehr an den Haa­ren her­bei gezo­gen (wobei die Lösung trotz­dem stim­mig war). Außer­dem hat­ten wir ein wenig das Gefühl, dass die­ses Mal kei­ne ech­ten Über­ra­schun­gen in der Box waren. Es gab kein zusätz­li­ches Mate­ri­al in Form eines Plans oder ande­rer Hilfs­mit­tel. Außer­dem kamen uns die Rät­sel­for­men alle ziem­lich ver­traut vor. Trotz­dem haben wir uns wie­der ein­mal gut unter­hal­ten gefühlt – was maß­geb­lich auch an der Mumie lag. Die­se erzeugt ein stim­mi­ges Ver­fol­gungs­ge­fühl, was natür­lich sehr gut zu einem Exit-Spiel passt. Zusätz­lich ersetzt sie die etwas frag­wür­di­gen Malus-Kreu­ze und erzeugt ein posi­ti­ve­res Spiel­ge­fühl. Denn nun müs­sen zusätz­li­che klei­ne Rät­sel gelöst wer­den, die letzt­lich wie­der Zeit kos­ten (der wah­re Geg­ner in einem Exit-Spiel).

DER FLUCH DER SPHINX erfin­det das Exit-Gen­re nicht neu und ist somit eine klas­si­sche Fort­set­zung eines gewohn­ten Sys­tems. Wer mit dem DECK­SCAPE-Sys­tem nichts anfan­gen kann, der wird durch DER FLUCH DER SPHINX nicht bekehrt, denn die bekann­ten Vor- und Nach­tei­le blei­ben erhal­ten. Für die Fans der Serie ist es aber ein schö­ner wei­te­rer Teil, der den Hun­ger nach neu­en Sze­na­ri­en auf­recht erhält.


Draftosaurus von Antoine Bauza, Corentin Lebrat, Ludovic Maublanc und Théo Rivière  erschienen bei Board Game Box

Draftosaurus - Box
Foto: Board Game Box

Nicht weni­ger gefähr­lich ist DRAFTOSAURUS – zumin­dest wenn man sich das Cover­bild ver­ge­gen­wär­tigt. Denn ich weiß nicht, ob ich wirk­lich einen sol­chen Dino-Park besu­chen wür­de, bei dem ein T‑Rex so nahe an mich her­an käme.

Aber DRAFTOSAURUS spielt sich alles ande­re als bedroh­lich. Wie der Name es schon ver­mu­ten lässt, wer­den in die­sem Draf­ting-Spiel näm­lich flei­ßig Sachen wei­ter­ge­ben: in die­sem Fall wun­der­bar hand­li­che klei­ne Holz-Dinos. Aus einem viel zu klei­nen Sack zieht man 6 die­ser Figu­ren her­aus, behält eine, legt die­se auf sei­nem Tableau ab und gibt den Rest an den Nach­barn wei­ter. Dies macht man so oft, bis die Hand leer ist. Danach wie­der­holt man das Pro­ce­de­re ein wei­te­res mal und schon ist die Par­tie been­det. Somit weist das eige­ne Tableau schluss­end­lich 12 Dino­sau­ri­er auf und es wer­den Punk­te ver­teilt. Das Tableau stellt dabei einen Park mit ver­schie­de­nen Gehe­gen dar und jedes die­ser Gehe­ge wird nun etwas anders gewer­tet. Das Gan­ze ist aber so ein­fach gehal­ten, dass die Ein­stiegs­hür­de sehr gering ist.

Somit spielt sich DRAFTOSAURUS auch recht gefäl­lig. Aller­dings weist es dabei wenig Höhen und Tie­fen auf. Bei den ers­ten Par­ti­en ist man noch ganz begeis­tert, wie schön fluffig das Spiel ist. Aber je öfter man es spielt, um so belang­lo­ser wird es. Da kön­nen dann auch die tol­len Holz­fi­gu­ren und die anspre­chen­den Illus­tra­tio­nen von Jia­hui Eva Gao und Vipin Alex Jacob nichts mehr ret­ten: das Spiel fühlt sich recht schnell aus­ge­spielt an. Ja, man kann das Tableau umdre­hen und hat nun ande­re klei­ne Wer­tun­gen zu berück­sich­ti­gen. Aber mehr Fleisch bekommt DRAFTOSAURUS somit auch nicht. Das Spiel wirkt wie eine Fin­ger­übung in einem Autoren-Semi­nar, was aber rich­tig hübsch auf­be­rei­tet wur­de. Kurz­zei­tig wuss­te es zu begeis­tern, aber die­ser Spaß hielt nicht nach­hal­tig an.


5211 von Tsuyoshi Hashiguchi  erschienen bei Next Move Games

5211 - Box
Foto: Pega­sus Spie­le

Inwie­weit 5211 eben­falls hübsch auf­ge­macht ist, dar­über strei­ten sich die Geis­ter. Das hal­te ich aber prin­zi­pi­ell für ein gutes Zei­chen. Zei­gen sol­che Dis­kus­sio­nen doch, dass die Macher von 5211 eine muti­ge Gestal­tung gewählt haben. Aller­dings ist Mut nicht alles! Die Spiel­bar­keit soll­te dar­un­ter nicht lei­den, was aber bei 5211 dum­mer­wei­se der Fall ist. Denn befreun­de­te Farb­fehl­sich­ti­ge konn­ten eine Par­tie nicht ohne Hil­fe der Nach­barn spie­len. Die ein­zel­nen Far­ben waren kaum zu unter­schei­den und die eigen­wil­li­ge Gestal­tung der Kar­ten war auch kei­ne ech­te Hil­fe, da man eben nicht auf dem ers­ten Blick die Unter­schie­de erken­nen kann. Für mich ist die­se Art der Gestal­tung von Chris Quil­liams somit lei­der nicht mehr als ein net­ter Ver­such, der aber nicht gelun­gen ist.

Das Gan­ze trifft unglück­li­cher­wei­se auch auf das Spiel an sich zu. Bei 5211 steckt der Spiel­ab­lauf schon im Namen. Von 5 Hand­kar­ten spielt man erst 2 Kar­ten aus, dann 1 und schluss­end­lich noch 1. Somit hat dann jeder vier Kar­ten vor sich aus­lie­gen. Davon zäh­len dann die Wer­te der far­bi­gen Kar­te als Plus­punk­te, wenn sie zu der Far­be gehö­ren, die am häu­figs­ten aus­ge­spielt wur­de. Aller­dings darf die­se Far­be auch nicht zu oft aus­lie­gen, denn dann wird die­se Far­be ein­fach igno­riert. Glei­ches Schick­sal ereilt einem auch dann, wenn Far­ben gleich oft aus­ge­spielt wur­den.

Die Spie­ler tak­tie­ren und bluf­fen somit also beim gestü­ckel­ten Aus­spie­len der Kar­ten. Dabei ver­sucht man natür­lich immer, die Mit­spie­ler auf bestimm­te Fähr­ten zu locken. Aller­dings ist man dabei ziem­lich auf das Glück ange­wie­sen, über­haupt eine ver­nünf­ti­ge Aus­wahl auf der Hand zu haben. Feh­len einem die ent­spre­chen­den Kar­ten, fühlt man sich gespielt. Alles in allem hat man somit kaum Ein­fluss und 5211 ver­sinkt in gewis­ser Belang­lo­sig­keit. Das kann einer ent­spann­ten Run­de trotz­dem Spaß berei­ten, aber so rich­tig ist bei mir der Fun­ke nicht über­ge­sprun­gen.


Skyjo von Alexander Bernhardt  erschienen bei Magilano

Skyjo - Box
Foto: Magila­no

In gewis­ser Wei­se könn­te man SKYJO auch Belang­lo­sig­keit vor­wer­fen. Denn im End­ef­fekt hängt fast alles vom Kar­ten­glück ab und die Ent­schei­dungs­tie­fe ist auch nicht sehr aus­ge­prägt. Trotz­dem fühlt sich SKYJO anders an – viel­leicht auch des­we­gen, weil ich bei die­ser Ent­schei­dung nicht von mei­nen Mit­spie­lern abhän­gig bin. Ich bin also mei­nes Glü­ckes Schmied.

Um was geht es bei SKYJO? Alle haben eine Kar­ten-Aus­la­ge von 4×3 Kar­ten vor sich aus­lie­gen, bei denen zwei Kar­ten schon auf­ge­deckt sind. Da alle zu sehen­den Wer­te Minus­punk­te sind, freut man sich dabei über nied­ri­ge Wer­te (oder gar wel­che mit einem Minus­zei­chen davor). Nach und nach wer­den die­se Kar­ten auf­ge­deckt. Bin ich am Zug, dann neh­me ich mir die obers­te Kar­te vom Able­ge­sta­pel oder zie­he eine Kar­te vom Nach­zieh­sta­pel. Danach muss ich mich ent­schei­den, ob ich die­se behal­ten will und gegen eine Kar­te mei­nes Ras­ters aus­tau­sche. Oder aber ich wer­fe die gezo­ge­ne Kar­te ab, muss dann aber eine ver­deck­te Kar­te mei­nes Ras­ters auf­de­cken. Das macht man so lan­ge, bis bei einer Per­son alle Kar­ten offen lie­gen.

Skyjo - Auslage
auch sehr bunt – aber klar und deut­lich kon­zi­piert (sowohl in der Optik wie auch der Mecha­nik)

Die­se Mecha­nik kennt man aus der guten alten BIBERBANDE oder auch von CABO. Der Vor­teil an SKYJO ist aber, dass nicht mehr Regeln dazu kom­men. Es gibt also kei­ne Son­der­kar­ten oder ähn­li­ches. Ledig­lich zwei Knif­fe sind noch zu berück­sich­ti­gen. Soll­te eine Spal­te aus den glei­chen Kar­ten bestehen, kann ich die­se kom­plett zur Sei­te legen. Zusätz­lich soll­te die Per­son, die die Run­de been­det, am Ende auch die wenigs­ten Punk­te haben. Ist dies nicht der Fall, wird ansons­ten der Punk­te­wert ver­dop­pelt. Mehr ist es nicht, so dass sich auch kei­ner über­for­dert fühlt.

Mit SKYJO habe ich somit in vie­len gemisch­ten Grup­pen sehr ent­spann­te Par­ti­en gespielt. Auch selbst­er­nann­te Nicht-Spie­ler haben sich auf SKYJO ein­ge­las­sen und waren recht schnell Feu­er und Flam­me. Denn das Spiel hat vie­le klei­ne emo­tio­na­le Höhe­punk­te. Da nimmt man sich fett grin­send die 0 vom Abla­ge­sta­pel, die dort jemand flu­chend beim Aus­tau­schen depo­nie­ren muss­te – um dann aber selbst beim Aus­tau­schen eine bis­her nicht umge­dreh­te ‑2 abzu­wer­fen. Oder es kommt beim fina­len Auf­de­cken nicht bekann­ter Kar­ten zu gro­ßen Über­ra­schun­gen.

SKYJO ist somit eine ech­te Emp­feh­lung für Genera­tio­nen über­grei­fen­des Spie­len oder auch für eine ent­spann­te Run­de nach einem anstren­gen­dem Tag. Es ist schon erstaun­lich, wie die­ses Spiel im Eigen­ver­lag und fern­ab der bekann­ten Ver­tiebs­we­ge so ein Erfolg wer­den konn­te. Aber Qua­li­tät setzt sich eben durch!

 


Ich bedan­ke mich bei Aba­cus­spie­le und Pega­sus Spie­le (als deut­scher Ver­triebs­part­ner von Next Move Games) für die Bereit­stel­lung von Rezen­si­ons­ex­em­pla­ren. Ich bin mir sicher, dass durch die­se Bereit­stel­lung mei­ne Mei­nung nicht beein­flusst wur­de. Die Bespre­chung spie­gelt mei­ne gemach­te Erfah­rung wider.

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