Speed-Dating: Ganz schön clever Challenges, Dizzle Level 5 – 8, Qwixx on Board und Letter Jam

Speed-Dating: Ganz schön clever Challenges, Dizzle Level 5 – 8, Qwixx on Board und Letter Jam

Vielfraß Speed-Dating
Na, wie wär's mit uns zwei?

In den aktu­el­len Zei­ten hat man es mit dem Daten nicht so ein­fach. Ich hade­re zwar ger­ne mit der etwas gestie­ge­nen Belas­tung zu Hau­se, aber in Wirk­lich­keit bin ich doch sehr froh, nicht allei­ne sein zu müs­sen und mei­ne Lie­ben um mich zu haben. Wer aber trotz Kon­takt­ver­bot nicht auf das Daten ver­zich­ten will, dem kann ich nun ein paar Kan­di­da­ten zum Ken­nen­ler­nen vor­stel­len. Heu­te in der Show dabei zwei beson­de­re Her­aus­for­de­run­gen (GANZ SCHÖN CLEVER und DOPPELT SO CLEVER Chal­len­ges), neue Level für eines mei­ner liebs­ten Roll-and-Wri­te-Spie­le (DIZZLE LEVEL 5 – 8), ein Wür­fel­spiel auf Abwe­gen (QWIXX ON BOARD) sowie Wör­ter­mar­me­la­de (LETTER JAM).


Ganz schön clever Challenge 1 & Doppelt so clever Challenge 1 von Wolfgang Warsch – erschienen bei Schmidt Spiele

Ganz schön clever Challenges - Cover
Foto: Schmidt Spie­le

Als GANZ SCHÖN CLEVER auf den Markt kam, mau­ser­te es sich in kur­zer Zeit zu einem klei­nen Hype. Ganz vie­le Social-Media-affi­ne Men­schen berich­te­ten von ihren Spiel­erleb­nis­sen – und dabei ins­be­son­de­re von den Ergeb­nis­sen, die man als Solo-Spie­ler in der ent­spre­chen­den App erzielt hat­te. Denn die­se besaß schein­bar ein gewis­ses Sucht­po­ten­ti­al. Mit viel Übung kam man lang­sam aber sicher zu einer opti­ma­len Spiel­wei­se. Die­ser Erkennt­nis­ge­winn hat­te aller­dings den Nach­teil, dass die anfäng­li­che Begeis­te­rung abebb­te, da man nun glaub­te, den Weg der Weis­heit gefun­den zu haben.

Dem­entspre­chend groß war die Freu­de, als schon nach kur­zer Zeit mit DOPPELT SO CLEVER ein Nach­fol­ger vor­ge­stellt wur­de. Aller­dings ging es zumin­dest mir so, dass der Titel nicht ganz der Wahr­heit ent­sprach. Ich fand die­sen Able­ger – vor allem mit ein wenig Abstand – eigent­lich nur halb so cle­ver. Aber was soll­te man tun, wenn man trotz­dem wei­te­re Her­aus­for­de­run­gen für GANZ SCHÖN CLEVER such­te?

Die Ant­wort kam letz­ten Herbst auf den Markt: es gibt nun Chal­len­ges! Die App-Besit­zer ken­nen die­se schon, aber nun kön­nen sich auch ana­log Spie­len­de durch Zusatz­blö­cke neu­en Her­aus­for­de­run­gen hin­ge­ben. Und die haben es durch­aus in sich. Denn nun müs­sen gewohn­te Pfa­de ver­las­sen und neue Stra­te­gien geübt wer­den. Auf ein­mal sind in der oran­ge­nen Zei­le die mathe­ma­ti­schen Vor­zei­chen zu beach­ten, was der gewür­fel­ten 1 eine ganz neue Bedeu­tung gibt. In der lila Leis­te haben sich eben­falls die Vor­zei­chen geän­dert, was wie­der­um Rück­fra­gen bezüg­lich der Regel her­vor­ge­ru­fen hat. Doch allen sei gesagt: die lila 6 geht immer und fun­giert als Neu­be­ginn!

Bei DOPPELT SO CLEVER hat man nun in der grü­nen Rei­he mehr Frei­hei­ten, da man nun die Wer­te nicht mehr von links nach rechts ein­tra­gen muss. Außer­dem haben sich die Mög­lich­kei­ten im grau­en und gel­ben Spiel­be­reich erhöht.

In den ganz gro­ßen Flow, wie bei der Neu­erschei­nung von GANZ SCHÖN CLEVER, bin ich aller­dings mit die­sen Chal­len­ges nicht mehr gekom­men. Trotz­dem sind die­se Zusatz­blö­cke ein schö­nes Ange­bot für etwas mehr Abwechs­lung. Oder noch bes­ser: die obli­ga­to­ri­sche Revan­che wird nun zur Her­aus­for­de­rung!


Dizzle Level 5 – 8 von Ralf zur Linde – erschienen bei Schmidt Spiele

Dizzle Level 5-8 - Cover
Foto: Schmidt Spie­le

Die Ände­run­gen bei den GANZ SCHÖN CLEVER Chal­len­ges sind eher über­schau­ba­rer Natur. Ganz ande­res sieht das bei den Levels 5 – 8 für DIZZLE aus. Nun kommt uns auf ein­mal ein Vul­kan in die Que­re und es müs­sen sogar Schie­nen ver­legt anstatt Kreu­ze mar­kiert wer­den (oder waren das bis­her sowie­so Andre­as­kreu­ze?).

DIZZLE hat­te durch sei­ne Sym­bo­le schon immer etwas von einem Com­pu­ter-Spiel. Da ein Bom­be, da ein mie­ser Hau­fen – das war alles so sinn­bild­lich, dass man sofort deren Funk­ti­ons­wei­se ver­stand. Des­we­gen ist es auch nur kon­se­quent, von Levels zu spre­chen und nicht von Chal­len­ges. Deng­li­sche ich eigent­lich zu viel?

Auf jeden Fall kom­men nun also in den Levels 5 – 8 auch ganz neue Spiel­ele­men­te hin­zu. Die Levels 5 und 6 kom­men noch mit bekann­ten Sym­bo­len daher, die dafür aber äußerst gehäuft auf­tre­ten. Wem bis­her also zu wenig Bom­ben auf dem Spiel­feld her­um­la­gen, der kann nun für hei­ße Stim­mung sor­gen. Heiß wird es auch in Level 7, da nun ein Vul­kan aus­bricht der lang­sam und ste­tig Spiel­fel­der über­nimmt und somit die Aus­wahl klei­ner wer­den lässt. Da kann es schon ein­mal pas­sie­ren, dass ein anvi­sier­ter Weg auf ein­mal nicht mehr pas­sier­bar ist. Noch bes­ser gefällt mir aber Level 8, bei dem nun Eisen­bahn­glei­se ver­legt wer­den. Dadurch erhält DIZZLE einen ganz neu­en Cha­rak­ter. Denn nun will man nicht mehr nur Fel­der bele­gen, son­dern man macht sich auch Gedan­ken dar­über, wie dort die Glei­se ange­ord­net wer­den sol­len. Wo soll eine Kur­ve plat­ziert wer­den und wo lie­ber eine Gera­de? Trotz­dem bleibt die Leich­tig­keit des Wür­fel-Aus­wahl-Mecha­nis­mus vor­han­den. Somit gefällt mir DIZZLE als Eisen­bahn­spiel sogar bes­ser als RAILROAD INK.

Die neu­en Level haben es mir also sehr ange­tan und sor­gen dafür, dass ich immer noch ger­ne und oft DIZZLE spie­le. Ich bin defi­ni­tiv bereit, noch mehr Mün­zen für wei­te­re Levels nach zu wer­fen.

Dizzle Level 5-8 - Blätter
wie bei Gum­mi­bär­chen: ich weiß nicht, wel­che Far­be ich lie­ber mag

Qwixx on Board von Steffen Benndorf  – erschienen im Nürnberger-Spielkarten-Verlag

Qwixx-on-Board - Box
Foto: Nürn­ber­ger-Spiel­kar­ten-Ver­lag

Was hat man bei QWIXX bis­her ver­misst? Bestimmt kein zusätz­li­ches Spiel­brett. So war ich doch sehr skep­tisch, als ich die Ankün­di­gung zu QWIXX ON BOARD las. Denn bis­her haben mich sol­che auf­ge­motz­ten Brett­spiel­adap­tio­nen bekann­ter Wür­fel- und Kar­ten­spie­len sel­ten über­zeugt. Also kata­pul­tiert sich QWIXX ON BOARD eben­so raus, wie die legen­dä­re Erwei­te­rung zu CARCASSONNE?

Nein! So viel sei schon ein­mal ver­ra­ten. Denn QWIXX ON BOARD will sich nicht grö­ßer machen als es ist. Das Brett kommt eher mini­ma­lis­tisch daher, so dass die gesam­te Schach­tel nur unwe­sent­lich grö­ßer ist als die des Kar­ten­spiels. Dar­in ent­hal­ten sind die bekann­ten Wür­fel, ein etwas erwei­ter­ter Block, das Spiel­brett und vier Spiel­fi­gu­ren – mehr ist es nicht. Auch die neu­en Regeln sind schlank. Denn zum bekann­ten Ablauf kommt nun ledig­lich eine neue Opti­on hin­zu. Man darf am Ende des eige­nen Spiel­zugs auf dem Brett noch bis zu fünf Fel­der weit lau­fen. Auf dem Brett sind bekann­te Farb-Zah­len­wert-Kom­bi­na­tio­nen abge­bil­det, die man nach bekann­ten Regeln auf sei­nem Block ankreu­zen darf, wenn man die­ses Feld betritt. Da aller­dings jedes Feld nur von einem Pöp­pel besetzt wer­den kann, kommt nun tat­säch­lich noch etwas Inter­ak­ti­on zwi­schen den Spie­len­den auf.

Ins­ge­samt wird QWIXX durch die Brett-Optio­nen etwas plan­ba­rer und somit auch etwas tak­ti­scher. Fehl­wür­fe las­sen sich bes­ser ver­mei­den, was Vor­tei­le (man ärgert sich sel­te­ner) aber auch Nach­tei­le hat (man emp­fin­det weni­ger Scha­den­freu­de). Ins­ge­samt kann man mit QWIXX ON BOARD aber nichts falsch machen. Das tol­le Spiel­ge­fühl bleibt erhal­ten und das Spiel­brett stellt haupt­säch­lich eine Erwei­te­rungs­op­ti­on dar, wenn man mal etwas Abwechs­lung benö­tigt. Denn durch die Gestal­tung des neu­en Blo­ckes kann man auch ganz auf die Hin­zu­nah­me des Bretts ver­zich­ten und statt­des­sen das Stan­dard-QWI­XX spie­len. Schön wäre aber noch ein Feld auf dem Block gewe­sen, auf dem man sei­ne Spiel­fi­gu­ren­far­be ein­trägt. Denn bei uns gab es öfters mal wäh­rend des Spiel Ver­wechs­lun­gen, da man sich die Far­ben auf­grund der eher unge­wöhn­li­chen Vor­auswahl schlecht mer­ken kann.


Letter Jam von Ondra Skoupý – erschienen bei Czech Games Edition (HeidelBÄR Games)

Letter Jam - Box3D
Foto: Hei­del­BÄR Games

Ich gebe zu: bei mir hat es etwas län­ger gedau­ert, bis ich den Witz mit den Früch­ten und dem Spiel­ti­tel ver­stan­den habe. Aber die­ses Gefühl "auf dem Schlauch zu ste­hen" hat man bei LETTER JAM öfters.

Die­ses spe­zi­el­le Gefühl fing bei man­chen Mit­spie­len­den schon bei der Erklä­rung der Regeln an. Denn ohne eine Pro­berun­de ist der Ablauf oft­mals schwer zu ver­ste­hen. Ich ver­su­che es trotz­dem mal mit wenig Wor­ten. LETTER JAM ist ein koope­ra­ti­ves Wort­spiel. Alle bekom­men vom Nach­barn aus­ge­such­te Kar­ten in die Hand gedrückt, die man sich aller­dings nicht anse­hen darf. Auf jeder Kar­te ist ein Buch­sta­be zu sehen und alle Kar­ten zusam­men sol­len ein Wort erge­ben. Ziel des Spiels ist es, dass man nach und nach sei­ne eige­nen Buch­sta­ben errät. Dafür wer­den die­se so auf­ge­stellt, dass die Mit­spie­len­den den Buch­sta­ben sehen, wäh­rend man selbst nur die Rück­sei­te der Kar­te vor Augen hat (HANABI lässt grü­ßen). Nun beginnt die gro­ße Grü­be­lei. Denn Run­de für Run­de ver­su­chen alle aus den zu sehen­den Buch­sta­ben Wör­ter zu bil­den – am bes­ten so, dass alle aus­lie­gen­den Buch­sta­ben auch benutzt wer­den. Zur Not gibt es aber auch einen Joker und zusätz­li­che Buch­sta­ben, wenn man mit weni­ger als 6 Per­so­nen spielt. Nach­dem man sei­ne Tipp grob umschrie­ben hat und sich die Grup­pe danach auf einen aktu­el­ler Tipp­ge­ber geei­nigt hat, mar­kiert die­ser nun das Wort mit­tels der fruch­ti­gen Zah­len­chips. Denn die­se zei­gen die Posi­ti­on der benut­zen Buch­sta­ben im nicht näher erläu­ter­ten Hin­w­eis­wort an. Somit bekommt man Hin­wei­se, wel­cher eige­ner Buch­sta­be vor einem aus­liegt. Wenn man nun glaubt, den eige­nen Buch­sta­ben erra­ten zu haben, legt man die­sen zur Sei­te und prä­sen­tiert den nächs­ten. Die­ses Pro­ze­de­re macht man über meh­re­re Run­den und ver­sucht dabei nach und nach ein­zel­ne Buch­sta­ben zu ermit­teln. Über ein unnö­ti­ges aber eben­falls gra­fisch wit­zig umge­setz­tes Sys­tem mit einer Blü­te wird sicher­ge­stellt, dass alle Mit­spie­len­den Tipps abge­ben müs­sen. Ganz an Ende soll­te man sei­ne Kar­ten so anord­nen, dass dar­aus ein Wort ent­steht – und dabei kön­nen schon sehr wit­zi­ge Situa­tio­nen ent­ste­hen.

Ver­wirrt? Das ging man­chen Mit­spie­len­den eben­so. Ins­be­son­de­re das Sys­tem mit der Blü­te hat mehr Fra­ge­zei­chen pro­du­ziert als man­che Wort­krea­ti­on. Aber auch das rich­ti­ge Anord­nen der Zah­len­chips hat man­che über­for­dert. LETTER JAM ist somit sicher­lich kein Spiel für jeder­mann. Es ist anstren­gend und for­dernd und wird von man­chen wie anstren­gen­de Arbeit emp­fun­den. Für Lieb­ha­ber von Wort­spie­len ist es dahin­ge­gen aber ein tol­les Rät­sel-Spiel, bei dem viel Krea­ti­vi­tät gefor­dert wird.

Für mich ist LETTER JAM des­we­gen ein Spiel, dass ich nicht mit jeder Grup­pe spie­len mag. Es soll­ten schon alle am Tisch Spaß an Wort­spie­le­rei­en haben, denn ansons­ten funk­tio­niert das koope­ra­ti­ve Ele­ment nicht. Außer­dem soll­te man auch auf­pas­sen, dass man die Tipps gut ver­teilt. Einer­seits natür­lich zwi­schen den Mit­spie­len­den, aber ande­rer­seits auch, was die jewei­li­ge Buch­sta­ben­ver­tei­lun­gen betrifft. Muss jemand dau­ernd den Anfangs­buch­sta­ben erra­ten, dann wird es die Per­son schwer haben. Ob das gesuch­te Wort nun Non­ne, Son­ne, Ton­ne oder Won­ne lau­te­te, kann man nur her­aus­fin­den, wenn man noch wei­te­re Tipps erhält. Ich bin kein Sprach­wis­sen­schaft­ler, aber ich habe das Gefühl, dass die deut­sche Spra­che für ein sol­ches Spiel beson­ders schwer ist, da doch vie­le Dopp­lun­gen ent­ste­hen. Genau­so wenig kann ich beur­tei­len, ob die ein­zel­nen Buch­sta­ben von der Häu­fig­keit gut ver­teilt sind. Wie so oft hat man beim mit­fie­bern­den Spie­len das Gefühl, dass es einen nun beson­ders hart getrof­fen hat. Aber eine gewis­se Frust­to­le­ranz ist schon von­nö­ten. Lie­gen nur Kon­so­nan­ten aus, dann wird es wirk­lich schwer (auch mit Joker). Anders­her­um kann es aber auch zu einer Über­flu­tung von Voka­len kom­men, was min­des­tens genau­so ungüns­tig ist. Irgend­wie hät­te ich mir hier ger­ne noch ein Sys­tem gewünscht, was hier ein siche­re­re Ver­tei­lung bewirkt hät­te. Viel­leicht durch einen Zusatz­buch­sta­ben, der immer ein Vokal ist und einen, der immer ein Kon­so­nant ist.

Trotz­dem weiß mich LETTER JAM zu fan­gen, weil es mich her­aus­for­dert – und ich end­lich ein­mal eines mei­nes Lieb­lings­wör­ter ein­bau­en konn­te: Moon­boots­boom! Aller­dings ist es trotz koope­ra­ti­vem Modus und mög­li­cher Groß­grup­pen­stär­ke sicher­lich kein Par­ty­spiel. Im Ver­gleich zu CODENAMES ist es nicht nur etwas anspruchs­vol­ler, son­dern noch­mals ein Stück ruhi­ger.


Ich bedan­ke mich bei Schmidt Spie­le und dem Nürn­ber­ger-Spiel­kar­ten-Ver­lag für die Bereit­stel­lung von Rezen­si­ons­ex­em­pla­ren. Ich bin mir sicher, dass durch die­se Bereit­stel­lung mei­ne Mei­nung nicht beein­flusst wur­de. Die Bespre­chung spie­gelt mei­ne gemach­te Erfah­rung wider.

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