Top-Liste – Wetter in Spielen

Top5-Wetter

meine Top-5 Spiele mit Wetterbezug

Ich mag es sehr gerne, wenn sich Spielmechaniken durch einen thematischen Bezug selbst erklären. Spiele müssen für mich kein Abbild der Wirklichkeit aufweisen (das wären dann eher Simulationen), aber eine sinnvolle Themenumsetzung macht nicht nur das Erlernen der Regel leichter, sondern fördert meist auch das Eintauchen in die Spielewelt. Ein gutes Beispiel dafür ist das Wetter. Denn das Wetter in Spielen kann vielfach Einfluss auf die dortigen Entscheidungen ausüben. Kein Wunder, schließlich gibt es genügend Literatur darüber, wie das Wetter den Lauf der Geschichte bestimmt hat. Da kann es doch auch gerne das ein oder andere Brettspiel entscheiden.

Die Idee einer entsprechenden Top-Liste trage ich schon länger in mir herum. Wie mir die MUWINs zeigten, ist das aber keine sehr exklusive Idee. Kurz hatte ich überlegt, ob eine weitere Top-Liste zu diesem Thema überhaupt noch Sinn ergibt. Da sich meine Top-Spiele aber doch ziemlich von denen der MUWINs unterscheiden, ist sie somit eher ein sinnvolle Ergänzung als ein schnödes Wiederholen. Hier nun also meine entsprechende Top-Liste zum Wetter in Spielen  :

  1. DAS TIEFE LAND von Claudia und Ralf Partenheimer (erschienen bei Feuerland Spiele)
  2. BRETAGNE von Marco Pozzi (erschienen bei Placentia Games)
  3. NIAGARA von Thomas Liesching (erschienen bei Zoch)
  4. SNOWBLIND von Simon McGregor (erschienen bei Pleasant Company Games)
  5. LAND UNTER von Stefan Dorra (aktuell im Nürnberger-Spielkarten-Verlag)

 

Das Tiefe Land - Box

Foto: Feuerland Spiele

DAS TIEFE LAND hat mich nachhaltig überrascht. Beim Betrachten des Materials und Lesen der Regel dachte ich erst, dass dies ein weiteres von Uwe Rosenberg inspiriertes Worker-Placement-Spiel mit Tierzucht sei. Zu 90 Prozent stimmt das auch. Allerdings machen die restlichen 10 Prozent einen Riesenunterschied. Denn bei diesen 10 Prozent geht es um die Frage: hält der Deich oder hält er nicht? Dabei kann schon ein hölzernes Wassersteinchen den Unterschied zwischen glorreichem Sieg und vernichtender Niederlage liegen. Ein Wasserstein lediglich! Dementsprechend gespannt schaut man auch auf die finalen Wetterkarten. Aber das Spiel ist noch gemeiner: denn die Interessen können grundsätzlich verschieden sein. Die einen Spieler wollen, dass der Deich hält – andere sehnen aber nichts lieber herbei. Dadurch wird eine besondere Dynamik erzeugt, die man so anfangs gar nicht erwartet. Ein Hoch also auf dir restlichen 10 Prozent!

 

Bretagne - Spiel von Marco Pozzi

Foto: Placentia Games

Statt BRETAGNE könnte hier auch ziemlich gleichberechtigt SNOWDONIA genannt werden. Beide Spiele sind sich in vielerlei Hinsicht ähnlich. Ich habe mich letztendlich für BRETAGNE entschieden, da es etwas spröder als SNOWDONIA ist und somit besser zur Top-Listen-Thematik passt. Außerdem bin ich emotional mehr mit der Bretagne verhaftet als mit Wales und grafisch gefällt es mir auch besser. In beiden Spielen wird jedenfalls die Ingenieurskunst gefeiert (was ich natürlich super finde). Und in beiden Spielen zeigt sich, dass es sich bei schlechtem Wetter schwieriger bauen lässt als bei gutem Wetter. Klingt banal, macht aber bei beiden Spielen den besonderen Reiz aus.

 

Niagara - Box

Foto: Zoch Verlag

NIAGARA ist wohl nicht ohne Grund immer noch ein häufig gespieltes Spiel auf öffentlichen Veranstaltungen und gemischten Spieletreffs. Viele sind der Meinung, dass dies am überragenden Material liegt. Stimmt in gewisser Weise auch. Aber das Material wäre langweilig, wenn nicht diese fiese Regenwolke im Spiel gäbe. Wann wird diese von wem gespielt? Kann ich mich noch an den Rand des Wasserfalls wagen oder wird der Fluss aufgrund der heftigen Regenfälle zu reißend, so dass es mein Kanu in den Abgrund stürzt? Die Beeinflussung der Fließgeschwindigkeit des Flusses macht NIAGARA so reizvoll. Da diese aktiv durch eine Wetterbeeinflussung bestimmt werden kann, hat NIAGARA ganz sicher einen Platz in dieser Liste verdient (und auch wahrscheinlich in einer Top-Liste der Spiel-des-Jahres-Preisträger).

 

snowblind - cover

Foto: Pleasant Company Games

Nachdem ich bisher nur den Regen als tragendes Wetterereignis berücksichtigt habe, kommt nun also der Schnee ins Spiel – und das erbarmungslose Eis sowie die klirrende Kälte. Denn wenn man bei SNOWBLIND erfolgreich sein will, dann muss man diese extremen Wetterverhältnisse beherrschen. Allerdings sollte man wohl (wie auch im realen Leben) ehrlich zu sich selbst sein – ohne eine Menge Glück wird man nicht Erster werden. Ob das Rennen zum Pol wirklich so eine Zockerei war, wie es das Spiel vorgibt, kann ich nicht beurteilen. Aber die überragenden Illustrationen lassen einen schon ziemlich mitbibbern bei diesem Spiel. Und nicht nur die Würfel bringen ein Glückselement ins Spiel, sondern eben auch die berüchtigten Wetterkarten. Wenn man nämlich Pech hat, tritt der polare Winter viel früher ein, als man das geplant hat.

 

Land unter - Box

Foto: Nürnberger-Spielkarten-Verlag

LAND UNTER ist dahingegen ein ganz anderer spielerischer Vertreter. Dieses Kartenspiel hat schon manchen Verlag als Heimat gehabt (und auch schon ein anderes Thema). Im Mittelpunkt steht die Schadenfreude, wenn die Mitspieler abzusaufen drohen. Schön, wer dann genügend Rettungsringe noch zur Verfügung hat. Vielleicht verklärt mich mein nostalgischer Blick, aber LAND UNTER ist schon eines meiner liebsten Kartenspiele. Besonders reizvoll daran finde ich, dass jeder auch mal mit den Karten seiner Mitspieler sein Glück versuchen muss. Die Ausrede, dass das eigene Blatt so schlecht war, greift dann nämlich kaum noch.

 


Wie immer standen auch noch andere Spiele zur Auswahl. LES POILUS war noch ein heißer Kandidat (wie sehr habe ich dort die Regenkarten gehasst) oder auch ganz aktuell FLAMME ROUGE: METEO, was mich wiederum an manches Regenrennen bei FORMULA DE erinnert. Außerdem bin ich mir sicher, dass in Zukunft noch einige andere Spiele mit dem Wetter spielen werden. Denn wie im richtigen Leben kann man sich nie dem Wetter entziehen.

2 Gedanken zu “Top-Liste – Wetter in Spielen

  1. Oliver

    „K2“, „Robinson Crusoe“, „Summit“ und „Snowdonia“ wären noch heiße Kandidaten in Sachen Witterung…

    Antworten
    1. Tobias Artikelautor

      Das stimmt! K2 mag ich auch sehr gerne (müsste ich sogar hier im Blog mal geschrieben habe). Dort ist das Wetter aber glücklicherweise „planbarer“, so dass es weniger emotional zur Sache geht. Aber ganz sicher ein tolles Spiel. SNOWDONIA habe ich oben als Alternative zu BRETAGNE genannt – und auch das wird immer wieder gerne gespielt (zumal ich das ein oder andere Szenario besitze und es somit zu einem perfekten Urlaubsspiel wird). Mit ROBINSON CRUSOE bin ich damals nicht richtig „warm“ geworden. Das war mir ein wenig zu kompliziert für das gebotene. Hier hätte ich gerne mehr Flair und weniger Mechanik gehabt – aber Geschmäcker sind verschieden. SUMMIT kenne ich nicht. In welche Richtung geht das?

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere