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Lost in Fuseta von Gil Ribeiro

zuletzt gelesen: Lost in Fuseta von Gil Ribeiro (alias Holger Karsten Schmidt)

Habe ich schon ein­mal erzählt, wie glück­lich ich mit mei­nen E‑Book-Rea­der bin? Neben vie­len prak­ti­schen Klei­nig­kei­ten beim Lesen, kann ich dadurch näm­lich auch schnell und unkom­pli­ziert an neu­en Lese­stoff kom­men. Denn mal wie­der habe ich ler­nen müs­sen, dass nicht alle Situa­tio­nen plan­bar sind – und dabei kann mir schnel­ler der Lese­stoff aus­ge­hen, als mir das lieb ist. In einer sol­chen Situa­ti­on habe ich vir­tu­ell zu LOST IN FUSETA gegrif­fen. Ich habe gar nicht viel von dem Buch erwar­tet. Ich brauch­te nur schnell etwas zu lesen und der Unter­ti­tel der Cover­ge­stal­tung ("ein Por­tu­gal-Kri­mi") ver­sprach mit eine leich­te Lek­tü­re, auf die ich gera­de Lust hat­te. Die posi­ti­ven Erin­ne­run­gen an den Por­tu­gal-Urlaub im vor­letz­ten Som­mer taten ihr übri­ges – und viel­leicht weiß die­se Rei­he ähn­lich zu über­zeu­gen wie die Dupin-Roma­ne.

Aller­dings ist bei LOST IN FUSETA der Ton ein ande­rer. Wenn tri­via­le ZDF-Sonn­tag­abends-Stim­mung gewünscht ist, dann ist das sicher­lich das fal­sche Buch. Denn auch wenn manch­mal schwär­me­risch die Land­schaft und die Kuli­na­rik gewür­digt wer­den (schließ­lich ist ein [hier eine belieb­te Feri­en­ge­gend einsetzen]-Roman), so bie­tet der Kri­mi doch erfreu­li­cher­wei­se eini­ge graue Zwi­schen­tö­ne, die sich so gar nicht erwar­tet habe. Ein Grund dafür ist der Hin­ter­grund des Kri­mi­nal­falls, ein ande­rer sicher­lich die Haupt­fi­gur: Lean­der Lost ist nicht nur ein deut­scher Haupt­kom­mis­sar, der auf­grund eines euro­päi­schen Aus­tausch­pro­gramms nun Teil eine por­tu­gie­si­schen Grup­pe von Poli­zis­ten ist. Er lei­det zusätz­lich unter dem Asper­ger-Syn­drom. Anfangs fand ich die­se Zuspit­zung ein wenig gezwun­gen, da dadurch wie­der mit dem Bild des über­kor­rek­tem Deut­schen als Fremd­kör­per im Aus­land gespielt wird (wel­ches z.B. wun­der­bar in der Serie Die Mal­lor­ca Files auf­ge­bro­chen wird). Aller­dings erge­ben sich somit durch­aus inter­es­san­te Denk­an­stö­ße, die vor allem auch durch die wei­te­ren Cha­rak­te­re erzeugt wer­den, die alle eine ange­neh­me Tie­fe besit­zen. Zu guter Letzt blitzt rela­tiv schnell auch das Kön­nen von Autor Hol­ger Kars­ten Schmidt (der für LOST IN FUSETA das Pseud­onym Gil Ribei­ro nutz­te). Denn wie man es von einem viel­fach aus­ge­zeich­ne­ten Dreh­buch-Autoren erwar­ten kann: es wird sehr viel Stim­mung über die Dia­lo­ge geschaffen.

Ich sag Ihnen was, eigent­lich woll­te ich Sie belü­gen. Ich woll­te Sie belü­gen, aber ich habe die Erfah­rung gemacht, dass das viel weni­ger not­wen­dig ist, als man es gemein­hin annimmt.

Gil Ribei­ro ali­as Hol­ger Kars­ten Schmidt – Lost in Fuse­ta S. 334 (E‑Book)
Lost in Fuseta - Cover
Bild: Kie­pen­heu­er & Witsch GmbH

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