zuletzt gelesen: TYLL von Daniel Kehlmann
Natürlich habe auch ich DIE VERMESSUNG DER WELT von Daniel Kehlmann gelesen – schließlich ist es immer noch der meistverkaufte deutsche Roman seit Patrick Süskinds PARFUM. Aber so richtig begeistern konnte mich das Buch damals nicht. Vielleicht sollte ich es aber noch einmal lesen – manche Geschichten entwickeln ihre Wirksamkeit erst bei Wiederholungen. Ein Grund, warum ich mich vielleicht noch einmal an DIE VERMESSUNG DER WELT setzen würde, ist TYLL. Denn dieser Roman hat mich fasziniert. Ich kann gar nicht so recht beschreiben, warum eigentlich. Denn eigentlich beschreibt Kehlmann nur einzelne Szenen, die chronologisch auch völlig ungeordnet sind. Und eigentlich schreibt Kehlmann auch gar nicht so sehr über Till Eulenspiegel, sondern mehr über den Dreißigjährigen Krieg und Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz.
Aber wie es auch Till Eulenspiegel geschafft haben muss, Menschen in seinen Bann zu ziehen, gelingt es Kehlmann mit seiner sprachlichen Brillanz gegen die eigentliche Erwartung an einen historischen Roman anzuschreiben. Der Inhalt ist gut recherchiert – allerdings tritt er in den Hintergrund gegenüber der Lust des Fabulierens. Einen roten Faden sucht man vergeblich. Wenn wir uns davon aber frei machen, dann bekommen wir grandios ein Bild der damaligen Zeit vor Augen geführt. Und wie sich die Schauplätze und Protagonisten ändern, wechselt dabei auch immer der Stil der Sprache. Somit bleibt das Buch lebendig und wir genießen die bunte Abfolge der einzelnen Szenen. Diese sind mal grausam, mal lustig und mal traurig – und immer voller Leben!
Er habe ja nicht wissen können, schrieb der dicke Graf in seiner in den frühen Jahren des achtzehnten Jahrhunderts verfassten Lebensbeschreibung, als er schon ein sehr alter Mann war, geplagt von Gicht, Syphilis sowie der Quecksilbervergiftung, die ihm die Behandlung der Syphilis eingetragen hatte, er habe ja nicht wissen können, was ihn erwarte, als Seine Majestät ihn im letzten Jahr des Krieges ausgeschickt habe, den berühmten Spaßmacher zu finden.
Daniel Kehlmann – Tyll, S. 101 (E‑Book)









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