Dewan von Johannes Goupy und Yoann Leuet – erschienen bei den Space Cowboys
Wenn ich die Wikipedia-Artikel zum Oberhaus und zum Unterhaus des malaysischen Parlament richtig deute, dann kann "Dewan" in der malaysischen Jawi-Sprache mit "Halle" übersetzt werden. Das passt besser als erwartet. Denn auch wenn uns die blumige thematische Einkleidung zu anderen Assoziationen führen will: im Endeffekt geht es um Macht und Häuser. Also durchaus nicht unpassend, dieser Titel.
Thema: Der Klappentext trägt wieder dick auf. Kostprobe gefällig? Bitte schön
In DEWAN begibst du dich auf eine epische Reise durch unberührte Natur, auf der du dein Volk mit kluger Planung und taktischem Gespür zum Erfolg führst. Ob in den eisigen Höhen der Berge, in dichten Wäldern oder trockenen Wüsten – jede Region birgt neue Herausforderungen, aber auch reiche Belohnungen für die Mutigen.
Im Endeffekt breiten wir uns auf einem Spielplan mit unseren Häusern aus und versuchen darüber Bedingungen von Aufgaben zu erfüllen. Aber das so zu beschreiben, wäre wohl zu profan. Und wenn dieses Verhalten mit einem realen Thema verknüpft worden wäre, schwänge am Ende wieder die Kolonialmus-Keule durch die sogenannten Sozialen Medien. Kein Wunder, dass sich lieber wieder in ein Fantasy-Thema geflüchtet wird.
Illustrationen: Auf der anderen Seite wurde somit Arthus Pilorget die Gelegenheit gegeben, seine Fantasie auszuleben und wundervolle Illustrationen zu schaffen. Glücklicherweise wurde dabei das Grafikdesign nicht außer Acht gelassen, sodass keine unnötigen Symbol-Hürden aufgebaut wurden.
Ausstattung: Der Inhalt der Box ist eine Augenweide: Schön geformte Holzteile, dicke Pappe, doppellagige Tableaus, hilfreiche Szenariotafeln usw. – und das alles auch noch vernünftig sortiert. Das ist vorbildlich! Zusätzlich ist der spätere Spielplan modular, da dieser zu Beginn zufällig mithilfe der einzelnen Terraintafeln zusammengelegt wird. Dabei helfen die durchdachten Kanten, dass kaum etwas auf dem Tisch verrutscht.
Als weiteres Bonbon sind drei Erweiterungsmodule mit zusätzlichem Material enthalten. Auf einmal hat ein Lava spukender Vulkan seinen Auftritt oder wir müssen uns mit einer Flut auseinandersetzen.
Ablauf: Es werden Erinnerungen an ZUG UM ZUG wach, denn unser Tun ist ähnlich. Entweder wir nehmen uns zwei benachbarte Terrainkarten aus der offenen Auslage oder wir nutzen diese, um eine Hütte zu platzieren. Dafür müssen wir anfallende Wegekosten mit passenden Karten bezahlen. Gemeinerweise darf auf jedem Feld nur eine Hütte stehen. Dankenswerterweise dürfen wir aber Felder überqueren, die von fremden Hütten besetzt sind. Dort wird sich dann gefreut, erhalten diese doch die bezahlte Karte als Wegezoll.
Das machen wir hauptsächlich, um Zielplättchen zu erfüllen. Davon haben wir uns anfangs eines aus einer offenen Auslage genommen. Drei weitere erhalten wir im Laufe der Partie, wenn wir unsere dritte, fünfte und siebte Hütte platziert haben. Die Zielplättchen geben vor, in welchen Gebieten unsere Hütten stehen sollen. Dafür werden wir am Ende mit Punkten belohnt. Solche erhalten wir auch für zusammenhängende Hüttenketten, eingesammelte Beeren und geschürte Feuer.
Die zusätzlichen Szenarien ändern nur wenig. Meist wird der Spielplan im Laufe der Partie enger und die Endwertung ändert sich etwas. Darüber hinaus ist auch eine Teamvariante für die Vollbesetzung möglich, die dem Spiel einen leicht anderen Charakter gibt.
Das gefällt mir nicht so gut: DEWAN bietet den ein oder anderen Fallstrick. Der kleinste ist, dass nur zwei nebeneinander liegende Karten aufgenommen werden dürfen. Dazu muss man sich nur anfangs den Mund fusselig reden; nach einer gewissen Zeit wird das dann verinnerlicht. Schwieriger ist das nachhaltige Verstehen, dass für die Aufgabenerfüllung lediglich unterschiedliche Gebiete herangezogen werden. Wenn also drei meiner Hütten im gleichen Waldgebiet stehen, dann habe ich damit trotzdem erst eine entsprechende Bedingung der geforderten Ziele erfüllt. Um das notwendige Verständnis dafür zu entwickeln, sind die Symbole auf benachbarten Feldern mit unterschiedlichem Terrain und die von dem eigentlichen Grundsatz abweichende Regel zum Nehmen der Beeren nicht hilfreich.
Unterschiedliche Zielkarten haftet immer der Vorwurf an, dass diese sehr zufällig verteilt sein können. Mal habe ich das Glück, dass eine zu nehmende Karte direkt schon erfüllt ist, ein anderes Mal passen alle ausliegenden Karten so überhaupt nicht zu meinem bisherigen Spiel. Bei DEWAN fällt das vielleicht deswegen etwas mehr ins Gewicht, weil ich nur vier dieser Karten nehmen kann. Zusätzlich kann ich nicht für eine neue Auslage sorgen und in gewisser Weise ist auch der Zeitpunkt vorgegeben. Auch bei der offenen Auslage der Terrainkarten kann es passieren, dass gewisse Durststrecken überwunden werden müssen. Somit hat DEWAN bei aller notwendiger Vorausplanung immer den Schuss Unsicherheit mit dabei, ob später auch die passenden Karten erscheinen.
Das gefällt mir gut: Obacht, nicht von der harmonischen Optik täuschen lassen: DEWAN ist ein interaktives Hauen und Stechen um die besten Plätze im gemeinsamen Territorium. Wir müssen aufpassen, dass uns wichtige Standorte nicht weggeschnappt werden. Dabei ertappen wir uns allzu oft, dass wir die Reichweite der Mitspielenden unterschätzen und ein sicher geglaubtes Terrain auf einmal besetzt ist. Dabei zieht der Spannungsbogen kontinuierlich an, weil freie Plätze immer knapper werden. Anfangs sitzen wir noch recht unbedrängt alleine in unserem Eck – aber das ändert sich schnell.
Glücklicherweise ist DEWAN gütig genug, dass nicht alles von der Erfüllung von Plan A abhängt. Denn als Belohnung für das Errichten der vierten, sechsten und achten Hütte dürfen wir noch eine Karte von unserer Hand unter das eigene Tableau schieben. Dort schaut dann noch der untere Teil der Karte heraus und das somit zu sehende Terrain gilt als von uns besetzt – inklusive abgebildeter Symbole. Diese zusätzliche Abzweigung gibt Sicherheit für die eigene Planung. Sie verlangt aber auch ein gutes Handkartenmanagement. Denn nichts ist ärgerlicher als eine Hütte zu setzen und dann keine vernünftige Karte zum Herunterschieben zu haben.
DEWAN ist ein schnelles Spiel. Schon die ersten Entscheidungen sind relevant. Einmal zu oft unmotiviert nachgezogen zu haben, kann am Ende richtig wehtun. Denn dieses tritt oftmals gefühlt zu plötzlich ein. Ich habe noch diese oder jene Ziele und schon baut eine andere Person ihre neunte Hütte und die Partie ist vorbei. So muss ich also immer im Blick haben, wie weit die anderen sind, was sich noch für mich lohnt. Dabei kann ich bewusst Risiken eingehen oder auf Nummer sicher gehen. Ganz selten mache ich einen Zug, von dem ich das Gefühl habe, dass er eigentlich egal ist. Somit besitzt DEWAN eine spielerische Tiefe, die jedoch nicht durch aufgeblähte Komplexität erzeugt wird, sondern durch das miteinander Ringen um die lukrativsten Plätze. Das Spiel hat keinen Schnörkel zu viel und ist somit äußerst elegant.
Wenn wir allerdings Lust auf ein wenig Ausschmückung haben, können wir eines der zusätzlich angebotenen Szenarien spielen. Diese erzeugen eine zusätzliche Varianz, die ich gar nicht bräuchte, aber dennoch gerne annehme.
Fazit: DEWAN vereint viele Sachen, die ich an Spielen mag: relevante Interaktion, dichtes Spielgeschehen und überzeugendes Material. Zusätzlich weiß es auch in Sachen Vielfalt zu überzeugen. Aufgrund der überschaubaren Spielzeit habe ich deswegen auch kein Problem mit der erhöhten Zufallskomponente der offenen Auslagen.
| Titel | Dewan |
|---|---|
| Autoren | Johannes Goupy und Yoann Leuet |
| Illustrationen | Arthus Pilorget |
| Dauer | 45 bis 60 Minuten |
| Personenanzahl | 2 bis 4 Personen |
| Alter | 10+ |
| Zielgruppe | Gebiet besetzende Kennerspielrunden |
| Verlag | Space Cowboys |
| Jahr | 2025 |
| Hinweis | Vielen Dank an den Vertrieb Asmodee Germany für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars! |

















Kommentar hinzufügen