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Top-Liste: positive Überraschungen auf der SPIEL 2026 in Essen

SPIEL Top5

Machen wir es kurz: Erfah­rungs­ge­mäß wer­den kei­ne Ein­lei­tun­gen gele­sen. Ins­be­son­de­re nicht von Top-Lis­ten. War­um also hier vie­le Wor­te ver­schwen­den, wenn doch sowie­so gleich nach unten gescrollt wird? Natür­lich hat man das Bedürf­nis, sich erklä­ren zu wol­len. Ein­zu­ord­nen, dass es mir nicht dar­um geht, Hypes nach­zu­spü­ren. Oder klar­zu­ma­chen, dass die­se Top-Lis­te zwangs­läu­fig Erst­ein­schät­zun­gen sind. Denn die Erfah­rung der letz­ten Jah­re zeigt, dass eini­ge Spie­le einer sol­chen Top-Lis­te nach­hal­tig zu über­zeu­gen wis­sen und man­che den guten Erst­ein­druck lei­der nicht bestä­ti­gen kön­nen. Das gilt es nun her­aus­zu­fin­den. Will aber kei­ner lesen. Schließ­lich geht es hier um mei­ne Über­ra­schun­gen auf der SPIEL 2026 und nicht um mei­ne Befind­lich­kei­ten als Kri­ti­ker. Also gut, ich beu­ge mich. Vor­hang auf:


DROPS OF EVIL von Hjalmar Hach und Lorenzo Silva (erschienen bei Horrible Guild)

Drops of Evil - Box
Bild: Hor­ri­ble Guild

In den letz­ten Jah­ren konn­ten wir den Trend beob­ach­ten, dass immer mehr Spie­le sich von dem Kon­zept eines gemein­sa­men Spiel­plans lösen und statt­des­sen die eige­nen Aus­la­gen bzw. Tableaus im Mit­tel­punkt ste­hen. Die­se puz­zeln wir voll, spie­len uns dort Boni frei und defi­nie­ren dort die fina­len Wer­tungs­be­din­gun­gen. All das macht auch DROPS OF EVIL. Trotz­dem habe ich das Spiel vor allem als inter­ak­ti­ves Worker-Pla­ce­ment Spiel wahr­ge­nom­men. Denn die Trop­fen, die wir spä­ter in unse­re Aus­la­ge plat­zie­ren, müs­sen wir uns erst ein­mal von einem gemein­sa­men Spiel­plan nehmen.

Dabei ste­hen uns tie­ri­sche Hel­fer zur Ver­fü­gung, die nach und nach akti­viert wird. So schnappt sich die Krä­he einen ein­zi­gen Trop­fen, der Frosch aber gleich vier angren­zen­de – wenn dort denn noch wel­che vor­han­den sind. Denn bevor der Frosch aktiv wird, räumt erst die Krä­he und dann die Kat­ze ab. Mit ein wenig Pech bzw. nicht gön­nen­den Mit­spie­len­den bleibt für den Frosch gar nicht mehr so viel übrig. Die­se Ein­setz­pha­se ist das Herz­stück von DROPS OF EVIL. Im wei­te­ren Ver­lauf puz­zeln wir simul­tan die gewon­ne­nen Trop­fen und erhal­te­nen Trost-Wür­mer in unse­re Auslage.

DROPS OF EVIL ist ein stän­di­ges Abwä­gen und Tak­tie­ren. Wel­ches Tier set­ze ich wann auf dem Spiel­plan ein? Womit gebe ich Vor­la­gen? Womit mache ich mich angreif­bar? Zusätz­lich kom­men noch mäch­ti­ge Son­der­fä­hig­kei­ten dazu, um die wir uns eben­falls bal­gen. Abge­run­det wird die­ses spie­le­ri­sches Hau­en und Ste­chen durch die wun­der­vol­len Illus­tra­tio­nen eines Weber­son Sant­ia­go. Ich war­te nun jeden­falls sehn­süch­tig auf eine deut­sche Ausgabe!

Drops of Evil
Edle Trop­fen run­den den Abend ab!

LIGHTNING TRAIN von Paul Dennen (erschienen bei Dire Wolf / Asmodee)

Lightning Train - Box
Bild: Asmo­dee

Mit LIGTHNING TRAIN ste­he ich jetzt schon auf Kriegs­fuß, da ich mich dau­ernd ver­tip­pe. Aber glück­li­cher­wei­se schreckt mich das nicht nach­hal­tig ab. Und in die­sem Blog ste­hen Spie­le im Mit­tel­punkt und nicht mei­ne Pro­ble­me mit der eng­li­schen Sprache.

LIGTHNING TRAIN steht stell­ver­tre­tend für die vie­len Pick-up and Deli­ver Spie­le, die ich freu­di­gen Auges in Essen ent­deckt habe. Ich mag die­ses Gen­re. Noch mehr mag aber ich Bag-Buil­ding! Und stellt euch vor: Was ver­eint LIGTHNING TRAIN? Rich­tig! Wir zie­hen aus unse­rem Sack Akti­ons­plätt­chen und kön­nen mit die­sen ent­we­der Schie­nen und Bahn­hö­fe errich­ten, Waren trans­por­tie­ren oder aber neue Akti­ons­plätt­chen kau­fen. Dabei wird der Sack immer erst dann wie­der gefüllt, wenn die­ser voll­stän­dig leer ist. Natür­lich hät­te man die­se Mecha­ni­ken wahr­schein­lich genau­so gut mir Kar­ten orga­ni­sie­ren kön­nen, aber so ein Säck­chen bie­tet doch gleich ein zusätz­li­ches hap­ti­sches Erlebnis. 

Optisch ist das Erleb­nis dahin­ge­gen nicht wirk­lich berau­schend. In die­ser Hin­sicht hat mir z.B. RAILROAD BOOM deut­lich bes­ser gefal­len. Oder auch MINECART TOWN. All die­se Spie­le haben einen Eisen­bahn­kon­text. Wir bau­en Stre­cken und lie­fern Waren ab – und gehen dabei völ­lig unter­schied­lich vor. Alle haben einen sehr guten Erst­ein­druck hin­ter­las­sen. Die nächs­ten Wochen müs­sen ent­schei­den, wel­ches am Ende die Nase vorn hat.

Lightning Train
Go West!

NACHT IM ZOO von Tomáš Holek (erschienen bei Albi / Asmodee)

Nacht im Zoo - Cover
Bild: Albi

Ich habe es schon all mei­nen Mit­spie­len­den erzählt, war­um also nicht auch euch? The­ma­tisch erin­nert mich das Spiel an das groß­ar­ti­ge Kin­der­buch GUTE NACHT, GORILLA! von Peg­gy Rath­mann, dass uns und unse­re Kin­der eini­ge Jah­re beglei­tet hat. Auch in NACHT IM ZOO wol­len wir am Ende wie­der alle Tie­re in ihrem Gehe­ge wis­sen. Aller­dings bewe­gen sich die Tie­re unter­schied­lich und haben bestimm­te Vor­lie­ben, auf dir wir zu ach­ten haben.

Spiel­me­cha­nisch ist das neus­te Werk von Shoo­ting­star Tomáš Holek ein Lege­spiel. Wir neh­men uns auf einer offe­nen Aus­la­ge Land­schafts­plätt­chen mit ver­knüpf­ten Aktio­nen und decken damit unse­ren Spiel­plan ab. Dort sind eben­falls teil­wei­se Aktio­nen abge­bil­det, die wir durch das Abde­cken aus­lö­sen. Über kurz­wei­li­gen drei Run­den müs­sen wir eini­ge Beson­der­hei­ten beach­ten, sodass unser Tun alles ande­re als belang­los ist. Dabei wer­den wir beglei­tet von wun­der­schö­nen Illus­tra­tio­nen von Tere­za Kovandová.

NACHT IM ZOO war schon ein klei­ner Geheim­tipp auf der Ber­lin Con. Des­we­gen über­rascht es wenig, dass der tsche­chi­sche Ver­lag Albi dafür einen deut­schen Ver­trieb gefun­den hat. Sehr wohl über­rascht es, dass die­ser Asmo­dee heißt. Ich glau­be, dort haben sie ein gutes Näs­chen gehabt.

Nacht im Zoo
Holt mich rein!

FADENFROH von Jordy Adan und Alexander Pfister (erschienen bei 1 More Time Games / Asmodee)

Fadenfroh - Box
Bild: Asmo­dee

Auch wenn sich das Wort­spiel anbie­tet: FADENFROH ist gar nicht so far­ben­froh, wie es sein könn­te. Aller­dings sind wir über jeden Faden froh – zumin­dest über die Spulen.

In die­sem Gemein­schafts­werk von Jor­dy Adan und Alex­an­der Pfis­ter stel­len wir uns drei Kar­ten­rei­hen zusam­men, die am Ende einer jeden Run­de gewer­tet wer­den. Wie wir es von Jor­dy Adans Hit DER KARTOGRAPH ken­nen, ändern sich die Wer­tungs­vor­ga­ben aller­dings über die ein­zel­nen Run­den hin­weg. Neu ist jedoch, dass wir am Ende noch­mals eine ver­gan­ge­ne Wer­tung zusätz­lich akti­vie­ren kön­nen. Das ist eine schö­ne klei­ne Neue­rung, weil somit noch mehr das Dilem­ma erzeugt wird, auf nichts ver­zich­ten zu wol­len. Denn ganz oft müs­sen wir bei FARBENFROH Sym­bo­le über­de­cken, die wir für die ein oder ande­re Wer­tung ganz gut gebrau­chen könnten.

An die­sem Spiel gefällt mir ins­be­son­de­re das The­ma. Mir sind Gobe­lin-Sti­cke­rei­en lie­ber als Goblins.

Fadenfroh
Ich habe schon die Delu­xe-Vari­an­te vor Augen.

AMAROK von Charlène Chaps (erschienen bei Subverti / Huch!)

Amarok - Box
Bild: Huch!

Ich gebe es zu: bis­her habe ich den Begriff "Ama­rok" nur mit einem Pick­up von Volks­wa­gen in Ver­bin­dung gebracht. Eine kur­ze Recher­che brach­te mich aber schnell in die mytho­lo­gi­sche Welt der Eski­mo (und genau­so schnell konn­te ich recher­chie­ren, dass der Begriff Eski­mo zwar kon­tro­vers ist, aber trotz­dem noch sei­ne Berech­ti­gung hat). Denn dort besitzt ein rie­si­ger Wolf die­ses Namen. Und wenn ich mir die Cover­ge­stal­tung anschaue, dann geht es in dem Spiel eher um die­sen Wolf als um einen Pickup.

Wobei eigent­lich jedes The­ma auf­ge­setzt wirkt. Denn AMAROK ist ein kna­cki­ges Kar­ten­spiel in der Tra­di­ti­on eines LOVE LETTERS. Wir legen ledig­lich zwei Kar­ten aus und ver­glei­chen dann die Sum­me unse­rer aus­ge­spiel­ten Karen­wer­te. Ent­we­der gewinnt die höchs­te Sum­me oder die nied­rigs­te – oder schon vor­her die Per­son, die zwei Her­zen aus­ge­spielt hat. Dabei sind noch ein paar Beson­der­hei­ten zu beach­ten, die alle dafür sor­gen, dass die­ses Aus­spie­len dau­ernd und immer kom­men­tiert wird. 

End­lich mal wie­der ein Kar­ten­spiel mit inno­va­ti­ven Ideen! Ich bin mir sicher, von AMAROK wird man auch fern­ab von Auto­zeit­schrif­ten hören.

Amarok
wenig Kar­ten – viel Spiel!

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