The Key – Raub in der Cliffrock Villa und Mord im Oakdale Club von Thomas Sing – erschienen bei HABA
Wie oft habe ich mich schon auf die Suche nach meinem Schlüssel gemacht! Schon als Kind habe ich dieses ganz besondere Talent entwickelt, Schlüssel erfolgreich zu verlegen. Damit habe ich meine Eltern oftmals ziemlich in Verzweiflung getrieben. Aber ich habe dadurch auch Deduktion gelernt. Durch die harte Schule habe ich verstanden, begangene Wege zu rekonstruieren und mehr oder weniger erfolgreich zu suchen. Fähigkeiten, die auch bei THE KEY gebraucht werden.
Thema... zwei unterschiedliche Fälle stehen für unser Ermittlerteam bereit. Im etwas leichteren wurde in der Kunstausstellung der berühmten Cliffrock Villa eine Raubserie durchgeführt. Ganze dreimal wurde dort durch unterschiedliche Täter unerlaubterweise zugegriffen. Ebenfalls dreimal ist im Oakdale Golfclub ein Verbrechen begangen worden. Denn im Umfeld einer großen Party mussten drei Personen ihr Leben lassen. In beiden Szenarien gilt es nun über spezielle Hinweise zu ermitteln, wer wann wo war.
Illustrationen… stammen von Timo Grubing , der schon öfters für HABA aktiv war und auch viele Kinder- und Jugendbücher illustriert. Die Gestaltung kommt somit recht routiniert daher und alle Aspekte sind klar und deutlich zu erkennen. Mir persönlich fehlt nur etwas die besondere Note. Ich kann das gar nicht genauer benennen, aber beim Betrachten der Illustrationen habe ich ein wenig das Gefühl, alles schon tausendmal gesehen zu haben. Man sollte es aber positiv ausdrücken: der gewählte Illustrationsstil ordnet sich der Funktion unter. Somit werden Ablenkungen vermieden und es bauen sich keine unnötigen Hürden auf.
Ausstattung… besteht hauptsächlich aus Karten, die auf der einen Seite einen Farbcode enthalten und auf der anderen Seite Informationen zu den Kriminalfällen preis geben. Damit man sich zielgerichtet Notizen machen kann, erhalten alle Ermittelnden einen Sichtschirm. Dieser zeigt alle möglichen Informationen und die daraus resultierenden Kombinationen. Da der Sichtschirm aus einer Art Folie besteht, kann man die gesammelten Informationen dort sofort mit den beiliegenden abwischbaren Stiften notieren. Eine wichtige Hilfe sind dabei die Ermittlungsakten, die Merkmale zu den Verdächtigen zusammengetragen haben.
Natürlich sind auch Schlüssel bei THE KEY enthalten. Diese kommen, ganz der Firmenphilosophie entsprechend, aus buntem Holz daher. Und sie haben auch eine Aufgabe. Denn man steckt diese am Ende in das Lösungstableau, um sich von der Richtigkeit der eigenen Ermittlungsergebnisse überzeugen zu können.
Ablauf… zu Anfang einigt man sich auf eine der neun möglichen Schlüssel-Farben. Dann raffen nun zeitgleich alle Mitspielenden aus einem gemeinsamen Haufen einzelne Karten, deren Farbcode die Farbe des ausgewählten Schlüssels zeigen. Neben den Farben kann man auch noch erkennen, auf welche Aspekte sich die Karte beziehen wird (also bspw. ob damit der Täter genauer zuzuordnen ist oder ein Zusammenhang zwischen Zeitpunkt und Beute hergestellt wird). Die Karten haben dabei unterschiedliche Wertigkeiten. Je höher der Wert ist, desto eindeutiger sind die Hinweise.
Die Hinweise sind dann Querbezüge, bei denen man nach und nach gewisse Informationen ausschließen bzw. eindeutig zuordnen kann. Oder aber man muss nun die Ermittlungsakte zur Hand nehmen und dort gewisse Übereinstimmungen suchen, womit man wiederum genauere Informationen zu den einzelnen Verdächtigen erhält.

Haben alle Mitspielenden über die Kartendeduktion für jede Tat eindeutig die einzelnen Umstände ermittelt, besitzen nun alle einen Zahlencode, der über den Sichtschirm generiert wird. Dieser Code wird benötigt, um mithilfe des farbigen Schlüssels und des Lösungstableaus zu überprüfen, ob man die richtige Lösung ermittelt hat.
Erst jetzt kommt es zur finalen Abrechnung. Denn es gewinnt nicht automatisch die Person, die am schnellsten die Lösung ermittelt hat. Vielmehr werden nun alle Kartenwerte addiert, die man im Spielverlauf gesammelt hat (die schnellste Person darf vorher noch als Bonus eine Karte abwerfen). Wer nun die geringste Summe aufweist, hat THE KEY gewonnen.
Das gefällt mir nicht so gut: THE KEY ist zwangsläufig recht solitär. Nicht ohne Grund kann man das Spiel problemlos solo spielen. Es tritt einzig dann Interaktion auf, wenn man den Mitspielenden Karten vor der Nase wegnimmt – was natürlich nicht unbedingt die geselligste Interaktion ist. In diesem Zusammenhang haben sich manch Mitspielende eine Unart angewöhnt, die nicht schön war. Denn auch wenn die Anleitung vorgibt, dass man sich eine Karte nimmt, diese dann auswertet und erst dann wieder eine neue Karte aussucht, kamen manche Spitzfindige auf die glorreiche Idee, erst einmal Karten zu sammeln und diese dann nach und nach auszuwerten. Da man selbst mit anderen Sachen beschäftigt ist, bekommt man diese besondere Art der Regelauslegung nicht sofort mit. Ähnlich ist es natürlich mit dem regelwidrigen Zurücklegen von Karten. Somit können manche Ermittler auf die Idee kommen, selbst nicht immer ein Glanzlicht an Moral zu sein.
Bei RAUB IN DER CLIFFROCK VILLA hatten wir anfangs ein Problem mit den Hinweisen zur Kleidung bei der Flucht. Wir haben ein wenig gebraucht, bis wir verstanden haben, dass damit der Taucheranzug und der Anzug des Gleitschirmfliegers gemeint waren und nicht etwa die Anziehsachen der Verdächtigen auf deren Fotos. So waren wir einige Zeit der Meinung, dass manche Karten falsche Hinweise geben. Im Endeffekt war es aber unser Fehler.
Nicht unterschätzen sollte man übrigens das Anziehen des Schwierigkeitsgrades zwischen den beiden Fällen. Bei RAUB IN DER CLIFFROCK VILLA müssen lediglich drei Kategorien abgehandelt werden, beim MORD IM OAKDALE CLUB sind es schon vier – was natürlich deutlich mehr Kombinationen zulässt. Aber auch die Art der Aufgaben sind nun denklastiger. So müssen z.B. Fahrzeiten addiert werden, was für manche jüngeren Kinder schon ein Problem darstellt. Somit sollte man mit älteren Grundschulkindern definitiv erst zum RAUB IN DER CLIFFROCK VILLA greifen und erst danach den nächsten Schwierigkeitsgrad angehen. So recht kann ich mir übrigens einen schweren Schwierigkeitsgrad nicht mehr im Familenspielsegment vorstellen. Deswegen frage ich mich auch, warum die Skala eine solche Dreistufigkeit eingeführt hat. Aber vielleicht schätze ich das auch nur falsch ein. Die aktuell neue Box (SABOTAGE IM LUCKY LAMA LAND) ist jedenfalls wieder ein Einsteigerfall.
Das gefällt mir gut: Auch wenn Schnelligkeit ein wenig belohnt wird, so ist diese doch nicht immer entscheidend. Das kommt vor allem den Jüngeren zu Gute. Denn diese haben durchaus eine echte Chance auch gegen Erwachsene zu gewinnen. Im Endeffekt ist Effizienz wichtiger als Schnelligkeit – und auch Glück spielt eine Rolle, was aber in diesem Fall dem Spiel gut tut. Denn so kann es natürlich passieren, dass ich Karten ziehe, damit aber Informationen erhalte, die ich gar nicht mehr benötige. Der Hinweis ist dann zwar gut gemeint, bringt mich aber nicht weiter und erhöht nur meine Endsumme. Darüber ärgere ich mich natürlich entsprechend, so dass auch Emotionen ins Spiel kommen. Meine Tochter wiederum ist vielleicht langsamer als ich, hat aber mehr Glück beim Karten nachziehen und ist somit letztendlich effizienter – und gewinnt dann sogar. Selten habe ich es erlebt, das ein solches Deduktionsspiel somit für eine echte Chancengleichheit sorgt. Natürlich gewinnt wohl ein Großteil der Partien die Person, die dabei planvoller zu Werke geht. Aber das ist nicht selbstverständlich und es passieren Überraschungen. Ohnehin ist das Gewinnen aber auch nicht das Wichtigste. Selbst wenn man am Ende weniger Punkte hat, kann man sich immer noch darüber freuen, wenn man die richtige Lösung hatte. Das Gewinnen ist nur das i‑Tüpfelchen, belohnt fühlt man sich schon vorher.
Zusätzlich ist neben der Deduktion auch noch eine genaue Beobachtungsgabe gefordert. Die Einbeziehung der Ermittlungsakten, bei der man Karten genau betrachten und bspw. eine Farbsequenz richtig zuordnen muss, lockern das deduktive Spielprinzip schön auf. Wer darin seine Stärken sieht, kann vermehrt diese Karten auswählen. Wer liebe Zusammenhänge findet, kann diese Karten auslassen.
Das alles kommt beim RAUB IN DER CLIFFROCK VILLA mit einer sehr moderaten Spielzeit von etwa 15 bis 20 Minuten daher. Somit ist schnell mal eine Partie THE KEY gespielt – und oftmals folgt gleich noch eine zweite Partie hinterher. Die Fälle beim MORD IM OAKDALE CLUB dauern etwas länger und fühlen sich entsprechend etwas anstrengender an, weswegen danach seltener eine direkte Wiederholung gefordert wird. Aber auch hier ist man maximal etwa 30 Minuten mit Tüfteln am Werk.
Man muss sich übrigens keine Sorgen bezüglich der Wiederspielbarkeit machen. Man spielt zwar immer die gleichen Fälle, aber durch die unterschiedlichen Schlüsselfarben kommt es immer wieder zu anderen Kombinationen. Aufgrund der Ähnlichkeit der Informationen verliert man dabei ganz schnell die Erinnerung, wie denn nun die Lösung im schwarzen und wie im blauen Fall war. Man muss also nur darauf achten, dass man nicht die gleichen Farben hintereinander spielt.
Nochmals explizit loben will ich die tolle Ausstattung. Die beschreibbaren Sichtschirme sind perfekt gestaltet, um die Informationen zu bündeln. Das Aha-Erlebnis mit den bunten Schlüsseln und dem Lösungstableau ist immer wieder spannend. Auch unterscheiden sich die einzelnen Aufgaben bei beiden Boxen. Beim MORD IM OAKDALE CLUB muss auch mal gerechnet werden während beim RAUB IN DER CLIFFROCK VILLA eine gute visuelle Zuordnung hilfreich ist. Beide Fälle unterscheiden sich deutlich voneinander, so dass auch beide ihre Daseinsberechtigung haben.
Fazit: Ich finde es faszinierend, wie gut THE KEY einerseits als kompetitives Deduktionsspiel funktioniert, aber andererseits auch als Generationen übergreifendes Familienspiel. Wer Lust am Rätseln und Ermitteln hat, kommt voll auf seine Kosten und muss sich dabei weder abhetzen noch grämen, wenn man am Ende nicht gewonnen hat. Mich hat dieses Spielkonzept auf alle Fälle überzeugt und ich bin nun gespannt, wer die neue SABOTAGE IM LUCKY LAMA LAND zu verantworten hat.
| Titel | The Key – Raub in der Cliffrock Villa / The Key – Mord im Oakdale Club |
|---|---|
| Autor | Thomas Sing |
| Illustrationen | Timo Grubing |
| Dauer | 15 bis 20 Minuten |
| Personenanzahl | 1 bis 4 Personen |
| Zielgruppe | kombinierende Familienspielrunden |
| Verlag | HABA |
| Jahr | 2020 |
| Hinweis | für die Besprechung wurde vom Verlag ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt |


















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