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Fazit zur SPIEL 2026 in Essen

SPIEL Fazit

Wie hat­te ich im letz­ten Jahr mein Fazit begon­nen? "Jedes Jahr fällt es mir schwe­rer, ein Fazit zur zurück­lie­gen­den SPIEL zu schrei­ben. Haupt­säch­lich habe ich das Gefühl, mich dabei zu wie­der­ho­len." An die­sem Gedan­ken hat sich wenig geän­dert. Aller­dings sind mir doch ein paar Sachen auf­ge­fal­len, die ich als selbst­er­nann­ter Chro­nist ger­ne fest­ge­hal­ten sehe. Die lau­ni­gen Anek­do­ten und lus­ti­gen Zwi­schen­fäl­le kom­men bestimmt in den nächs­ten Pod­cast­fol­gen zur Spra­che, an die­ser Stel­le möch­te ich ger­ne wie­der Grund­sätz­li­ches los­wer­den. Fan­gen wir also an mit mei­nem Fazit zur SPIEL 2026 in Essen ...

Rekorde

Spiel26 - Banner
Bot­schaf­ter Peter Mohr­bach begrüßt uns

Wie es zu erwar­ten war, wur­de ein neu­er Besu­cher­re­kord auf­ge­stellt. Das war abseh­bar, schließ­lich waren schon vor Beginn die drei ers­ten Tage aus­ver­kauft. Am Sonn­tag­mit­tag kam dann die Mel­dung, dass auch an die­sem Tag alle Tickets gebucht wur­den. Am Ende ste­hen somit 230.000 Besu­che­rin­nen und Besu­cher und der wer­be­wirk­sa­me Cla­im "welt­größ­te Brett­spiel­mes­se". Die­ses Mehr an Men­schen wur­de maß­geb­lich dadurch erreicht, dass nun auf­grund der mit genutz­ten Hal­le 8 zusätz­li­che Flä­che geschaf­fen wur­de, die dann wie­der­um erlaub­te, mehr Ein­tritts­kar­ten zu verkaufen.

Im letz­ten Jahr hat­te ich die Ver­mu­tung geäu­ßert, dass auf­grund der not­wen­di­gen Vor­pla­nung beim Ticket­kauf Spon­tan­be­su­che der "Mug­gel" weg­fal­len wür­den und wir ver­mehrt Hob­by-Spie­len­de auf dem Gelän­de sehen wer­den. Die­se Mei­nung ver­tre­te ich auch wei­ter­hin – und sehe dabei auch immer noch kein Pro­blem. Eine Mes­se darf gezielt die eige­nen Inter­es­sen­grup­pen anspre­chen! Für Spie­le-Mug­gel sprie­ßen alter­na­ti­ve Ange­bo­te sehr erfolg­reich aus dem Boden – und schon ist für die­se Per­so­nen die Saat gelegt, im nächs­ten Jahr auch Ziel­grup­pe der Mes­se zu sein. Aus die­sem Grund gehe ich davon aus, dass die Nach­fra­ge nach Tickets unge­bro­chen bleibt. Wenn, ja wenn nicht zu sehr an der Preis­spi­ra­le gedreht wird. Es ist für jedes Wirt­schafts­un­ter­neh­men ein Geschenk, wenn die Nach­fra­ge so hoch ist. Da kann schon der Ver­su­chung erle­gen wer­den, mit wenig Auf­wand einen grö­ße­ren Gewinn zu erzie­len. Ich bin in die­ser Hin­sicht gespannt, was pas­sie­ren wird. Unab­hän­gig von die­ser Aus­gangs­la­ge steht für mich außer Fra­ge, dass der Ein­tritt teu­rer wird. In vie­ler­lei Hin­sicht stei­gen die Kos­ten und das muss auf­ge­fan­gen wer­den. Doch wie hoch ist ange­mes­sen und wird von der kri­ti­schen Mas­se mitgetragen?

Auch aus ande­rer Per­spek­ti­ve muss sich die Mes­se­lei­tung über­le­gen, wie mit der erhöh­ten Nach­fra­ge umge­gan­gen wird. Denn es wol­len nicht nur mehr Besu­chen­de auf die Mes­se, auch die Nach­fra­ge von Sei­ten der Ver­la­ge ist höher als das Ange­bot. Kein Wun­der, dass nach Wachstum­po­ten­zia­len gefragt wird. Dies­be­züg­lich bie­tet das Mes­se­ge­län­de wenig. Die unter­ir­di­sche Hal­le 1A ist noch in der Hin­ter­hand (und könn­te the­ma­tisch mit Dun­ge­on Craw­lern gefüllt wer­den), aber mehr Mög­lich­kei­ten drän­gen sich kaum auf. Die benach­bar­te Gru­ga­hal­le war schon Aus­weich­ort für die Neu­hei­ten­schau und soll bestimmt wei­ter als Son­der­flä­che für zusätz­li­che Aktio­nen blei­ben. Quo vadis?

Stadt Essen als zusätzliche Spielfläche

Ein mög­li­cher Aus­weg kön­nen Alter­na­ti­ven in der Stadt sein. Schon seit jeher besteht der Wunsch, dass auch über die Öff­nungs­zei­ten der Mes­se Ange­bo­te zum Spie­len bestehen. Vor allem Men­schen von wei­ter weg wün­schen sich mehr Pro­gramm jen­seits der 19:00 Uhr Mar­ke, wenn in Deutsch­land ger­ne mal die Bür­ger­stei­ge hoch­ge­klappt wer­den. Vor ein paar Jah­ren wur­den dafür das Kon­zept der Games Night aus­pro­biert, wel­ches sich aller­dings nicht eta­bliert hat. Ich kann schon ver­ste­hen, dass die Mes­se­lei­tung es ganz ger­ne sieht, wenn in den Hal­len auch mal Ruhe­pau­sen bestehen. Denn man soll­te nicht ver­ach­ten, wie viel Rum­mel im Hin­ter­grund herrscht und so braucht es auch mal ruhi­ge­re Pha­sen ohne all­zu viel Publi­kum. Des­we­gen unter­stüt­ze ich das Ansin­nen, mehr "offi­zi­el­le" Ver­an­stal­tun­gen in der Stadt statt­fin­den zu las­sen. Gespielt wur­de in den vie­len Hotels und Restau­rants schon immer. Aber nun wur­de erst­mals zusam­men mit der Stadt Essen das Gemein­schafts­pro­jekt „Essen spielt!“ ins Leben geru­fen. An drei Aben­den wur­den an beson­de­ren Orten Spiele­mög­lich­kei­ten ange­bo­ten. Zusätz­lich gab es mit der erwor­be­nen Ein­tritts­kar­te Rabat­ten für wei­te­re Attrak­tio­nen in der Stadt. Die­se enge­re Ver­zah­nung soll­te wei­ter vor­an­ge­trie­ben wer­den. Denn "Essen" ist doch ohne­hin schon ein syn­onym für die Mes­se, also darf die Stadt als sol­che ger­ne noch mehr ein­ge­bun­den wer­den. Die­ses Jahr wur­de ein guter Anfang gemacht – ganz unab­hän­gig vom kuli­na­ri­schen i‑Tüpfelchen. Denn mit dem "Gin & Win" wur­de ein spe­zi­ell kre­ierter Cock­tail ins Leben geru­fen, der in vie­len Bars und Hotels in der Stadt ange­bo­ten wur­de und viel­leicht auch fach­frem­de Men­schen mit der SPIEL in Berüh­rung brachte.

Erlebniswelten

Ins­be­son­de­re Asmo­dee benutzt ger­ne das etwas abge­dro­sche­ne Bild, für die Men­schen "Erleb­nis­wel­ten" schaf­fen zu wol­len. Das klingt oft­mals nicht grund­los nach Mar­ke­ting­sprech. Aller­dings muss ich aner­ken­nen, dass Asmo­dee eini­ges dafür tut, die­sen Anspruch auch mit Leben zu fül­len. Die von Asmo­dee bespiel­ten Flä­chen erfreu­ten das Auge. Mal sit­zen wir vor einer Hob­bit­höh­le, mal in einem Zug oder an einem über­di­men­sio­nier­ten Tisch. Auch außer­halb der eige­nen Flä­chen hat Asmo­dee mit mobi­len Trupps für Auf­merk­sam­keit gesorgt. Doch die Mes­se wird nicht allei­ne von Asmo­dee bespielt. In Hal­le 5 sorg­te ein Nach­bau der Enter­pri­se für einen tol­len Aus­blick über den Mes­se­tru­bel und auch ande­re Stän­de boten Schau­wer­te. Mir ist schon bewusst, dass dies alles Geld kos­tet, wel­ches vor allem klei­ne­re Ver­la­ge kaum zur Ver­fü­gung steht. Aller­dings wer­ten sol­che Beson­der­hei­ten das Mes­se­er­leb­nis deut­lich auf. Ger­ne darf der eige­ne Mes­se­auf­tritt also noch ver­spiel­ter gedacht werden.

Trend verpennt?

Offen­sicht­lich bleibt der Trend an Natur­the­men – ger­ne noch kom­bi­niert mit anthro­po­mor­phen Tie­re. Einer­seits bin ich davon gelang­weilt, ande­rer­seits aber auch nicht der­art genervt, dass ich dar­um einen gro­ßen Bogen machen wür­de. Trotz­dem freue ich mich, wenn ande­re Spie­le kon­kre­te­re The­men anbie­ten – und davon gibt es glück­li­cher­wei­se eine Men­ge. Schließ­lich war die SPIEL 26 bekannt­lich eine Mes­se der Rekor­de, was sich auch in der Zahl der Neu­erschei­nun­gen wider­spie­gel­te. Und damit ein­her­geht auch eine aus­rei­chen­de Themen-Vielfalt.

Wei­ter­hin blei­ben 2‑Per­so­nen-Spie­le beliebt und jeder Ver­lag, der etwas auf sich hält, hat min­des­tens ein Stich­spiel unter sei­nen Neu­hei­ten. Da kann man dann schon mal durch­ein­an­der kom­men, wie ich beim Erklä­ren fest­stel­len muss­te. Ohne­hin ist es manch­mal erschre­ckend, wenn man in einer Anlei­tung so ziem­lich das Glei­che liest, was man in der Anlei­tung des Spiels davor gera­de schon gele­sen hat. Das mag aber auch Zufall oder ein per­sön­li­ches Pro­blem sein. Erfreu­li­cher­wei­se habe ich in die­sem Jahr ganz vie­le Trans­port­spie­le wahr­neh­men dür­fen. Ich wür­de nicht so weit gehen, dar­aus einen Trend zu pos­tu­lie­ren. Es zeigt aber, dass trotz unbe­streit­ba­rer Trends wei­ter­hin eine gro­ße Band­brei­te besteht. Zusätz­lich ist es fas­zi­nie­rend zu sehen, wie all die­se Trans­port­spie­le sich dann noch unter­schei­den. Das eine nutzt Ver­stei­ge­run­gen, das ande­re einen Bag Buil­ding Mecha­nis­mus, das drit­te hat eine ganz ein­fa­che Akti­ons­wahl. Für jeden Geschmack wird etwas geboten.

Das trifft auch über die Brett­spie­le hin­aus zu. Die SPIEL bie­tet näm­lich noch mehr: Table­top, Sam­mel­kar­ten, Rol­len­spiel usw. In die­sen Berei­chen ken­ne ich mich kaum aus. Aber ich freue mich, dass die­se Spiel­ar­ten auf der SPIEL ver­tre­ten sind – zumal auch dort offen­sicht­lich Inter­es­se erzeugt wur­de. Denn ich hat­te schon das Gefühl, dass alle Hal­len gut besucht waren (die Händ­ler­be­rei­che ein­mal außen vor gelas­sen, die aber eine bran­chen­in­ter­ne Berech­ti­gung haben).

Außenwirkung

Design Festival Cannes
Maud Chal­mels Gestal­tung für das Fes­ti­val Inter­na­tio­nal des Jeux in Cannes

Nach­dem ich mich die letz­ten bei­den Jah­re von den "Gesich­tern der Spiel" nicht all­zu gut ver­tre­ten gefühlt habe, kann ich mich dies­be­züg­lich kaum vali­de äußern. Bot­schaf­ter Peter Mohr­ba­cher habe ich nur auf der anfäng­li­chen Pres­se­kon­fe­renz wahr­ge­nom­men. Ich erken­ne somit das Pro­blem, dass eine nach außen unschein­ba­re Per­son mit sich bringt. Bleibt die Fra­ge, wozu es die­ses "Gesicht der Mes­se" braucht, gibt es doch schon das erfolg­rei­che Mas­kott­chen. Und außer­dem konn­te mir noch nie­mand die Fra­ge beant­wor­ten, was eigent­lich der Wür­fel in der Hand des "Engels" anzeigt? Aber unab­hän­gig von die­ser Fra­ge, ärgert es mich, dass die SPIEL zwar einen berühm­ten Illus­tra­tor als Bot­schaf­ter gewinnt, in mei­nen Augen aber selbst zu wenig Gewicht auf moder­ne Illus­tra­tio­nen legt. Ich schaue da nei­disch nach Frank­reich. Das Fes­ti­val des Jeux in Can­nes hat zum 40. Jubi­lä­um einen Gestal­tungs­wett­be­werb aus­ge­ru­fen, bei dem vie­le Grö­ßen der Sze­ne teil­ge­nom­men haben (u.a. Miguel Coim­bra, Pierô so wie die Sie­ge­rin Maud Chal­mel). Die ein­ge­reich­ten Ent­wür­fe waren alle toll bis phä­no­me­nal. Solch einen fri­schen Wind wür­de ich mir auch ger­ne für die SPIEL wünschen!

Auftreten

Spiel26 - Quartett
live auf der Bühne

Span­nend war mein Erleb­nis auf der Büh­ne in Hal­le 4. Dort nah­men wir live eine Fol­ge unse­re Pod­casts Das spie­le­ri­sche Quar­tett auf. Lei­der war die Zeit so knapp, dass wir kein Fra­ge-Ant­wort-Run­de mit dem Audi­to­ri­um durch­füh­ren konn­ten. Viel­leicht klappt das im nächs­ten Jahr. Ansons­ten habe ich zuge­ge­be­ner­ma­ßen von der Büh­ne wenig mit­be­kom­men, da ich fast nur unter­wegs war. Aber ich habe mir vor­ge­nom­men, den ein oder ande­ren Vor­trag nach­träg­lich anzusehen.

Wiedervorlage

Schon all die Jah­re mache ich mir den Spaß, über das Essen in Essen und die Ver­kehrs­si­tua­ti­on zu reden. Da hal­te ich mich die­ses Jahr aber zurück. Baum­striet­zel sind immer noch nicht wie­der im Ange­bot und ver­gleich­ba­re High­lights habe ich nicht wahr­ge­nom­men. Ich war ledig­lich ver­wun­dert, das klei­ne Bröt­chen anschei­nend nicht mehr so genannt wer­den. Und ver­kehr­lich sind mir nur die Fol­gen der bei­den Sturm­näch­te auf­ge­fal­len, sodass ich mir Gum­mi­stie­fel gewünscht hät­te. Ich bin aller­dings auch abseits der U‑Bahn-Rou­te mit dem Lini­en­bus unter­wegs gewesen.

Abschluss

Zum Abschluss ende ich wie im letz­ten Jahr: Ich dan­ke allen Betei­lig­ten von Her­zen! Der Mes­se­lei­tung, den Ver­la­gen, den tol­len Erklärbär:innen und den vie­len ver­nünf­ti­gen Men­schen, die ins­ge­samt eine ein­zig­ar­ti­ge, gelas­se­ne Stim­mung erzeugt haben. Danke!

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