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kritisch gespielt: Flying Kiwis

Flying Kiwis von Marco Teubner und Frank Bebenroth – erschienen bei Huch & Friends

Flying Kiwis - Cover
Foto: Huch & Friends

"Mit Essen spielt man nicht!" Die­sen Satz haben wir wohl alle schon ein­mal gehört. Und da ich nun auch Erzie­hungs­be­rech­tig­ter bin, ertap­pe ich mich selbst manch­mal dabei, die­sen Satz zu benut­zen. Nur gut, dass bei FLYING KIWIS kei­ne ech­ten Kiwis durch die Gegend geschos­sen wer­den – es sind ledig­lich die neu­see­län­di­schen Vögel damit gemeint. 😯
Wie mich Wiki­pe­dia aber auf­klärt, kön­nen die­se Kiwis gar nicht selbst flie­gen. Wie gut, dass wir Spie­ler mit­hil­fe von Abschuss­ram­pen nach­hel­fen können.

The­ma... auch die Autoren haben bei Wiki­pe­dia nach­ge­schaut und wis­sen des­we­gen, dass Kiwis nicht flie­gen kön­nen. Was aber machen, wenn man etwas von der Welt sehen will? Genau, man beschließt, sich in einen Früch­te­trans­port ein­zu­schmug­geln. Also ab in die Kiwi­kis­te und schau­en, wohin die­se ver­schickt wird. Mei­ne Mei­nung dazu: geni­al! Hier wird wirk­lich eine lus­ti­ge Geschich­te erzählt, die wun­der­bar die Mecha­nik des Spiels unter­stützt. War­um nicht öfters so?

Gra­fik... ist von Frank Beben­roth, der schon bei DRECKSAU wun­der­bar sein eige­nes Spiel illus­triert hat. Auch hier gefal­len einem die vie­len klei­nen Gags. Alles ist wun­der­bar stim­mig (selbst die Außen­ge­stal­tung des Spielkartons).

Flying Kiwis - Rampenkonstruktion
Count­down läuft...

Aus­stat­tung... neben dem der tol­le gestal­te­ten Box fal­len einem natür­lich sofort die Abschuss­ram­pen auf. Die­se müs­sen nur ein­mal zusam­men­ge­baut wer­den und sind erfreu­lich robust. Die Abschuss­vor­rich­tung geschieht über ein han­dels­üb­li­ches Haar­gum­mi. Bis­her haben die­se kei­ne Abnut­zungs­er­schei­nun­gen gezeigt – und wenn doch, dann lie­ßen sie sich sicher­lich leicht erset­zen. Aller­dings sor­gen die­se Abschuss­ram­pen auch für einen klei­nen Nach­teil: das Ziel­ras­ter muss zu Beginn jeder Par­tie zusam­men­ge­steckt wer­den. Für Erwach­se­ne natür­lich kein Pro­blem, für fünf­jäh­ri­ge Kin­der aber durch­aus. Die Kiwis selbst sind run­de Papp­schei­ben aus dicker Pap­pe – mit erstaun­lich aus­ge­präg­ten Flugeigenschaften.

Auch noch erwäh­nens­wert: die gut struk­tu­rier­te Spiel­re­gel kommt in sie­ben Spra­chen daher. Wer also ein­mal eine Regel in Schwe­disch lesen will, der hat hier nun end­lich die Gele­gen­heit dazu.

Flying Kiwis - Wertung
ein paar Kiwis haben sich schon in der Kis­te eingefunden

Ablauf... kann man sich leicht den­ken: die Kiwis müs­sen in die Kis­te! Die Regel sieht erschwe­rend vor, dass alle Spie­ler gleich­zei­tig spie­len. Im Ergeb­nis kommt es meist zu einem wil­den Tohu­wa­bo­hu, weil auf ein­mal eine Men­ge Papp­schei­ben durch die Gegend flie­gen – ein Grund, war­um wir das Spiel fast aus­schließ­lich auf dem Boden spie­len (wie wohl fast alle Kin­der­spie­le zu Hause).

Gewon­nen hat der Spie­ler, der zuerst vier sei­ner Kiwis als Qua­drat in den Fächern die Box plat­ziert hat. Aber natür­lich müs­sen die­se vier Kiwis sicht­bar sein. Wird ein eige­ner Kiwi von einem ande­ren über­deckt, dann hat man Pech gehabt.

Soll­te es nie­mand geschafft haben, ein Qua­drat aus sei­nen Kiwis zu bil­den, dann wer­den nun die Kiwis aus den Fächern ein­ge­sam­melt. Dabei bekommt der Spie­ler alle Kiwis aus dem Fach, wo sein Kiwi zu sehen ist (man bekommt also auch frem­de Schei­ben). Der­je­ni­ge, der nun die meis­ten Schei­ben hat, ist der Gewinner.

Flying Kiwis - Aufbauaufgabe
für klei­ne Kin­der eine schwe­re Auf­ga­be: das Git­ter­netz zusam­men zu bauen

Das gefällt mir nicht so gut: Wie schon bei der Aus­stat­tung beschrie­ben, ist es ungüns­tig, dass zu Spiel­be­ginn noch das Git­ter­netz zusam­men gebaut wer­den muss. Das ver­hin­dert lei­der, dass klei­ne­re Kin­der das Spiel selbst­stän­dig spie­len kön­nen, da jemand zum Auf­bau benö­tigt wird. Erfah­rungs­ge­mäß wird dann lei­der lie­ber etwas ande­res gespielt. Ist ein Erwach­se­ner jedoch in der Nähe, dann ist die Hür­de umschifft. Rein von den moto­ri­schen Anfor­de­run­gen kön­nen näm­lich auch schon jün­ge­re Kin­der (als die vom Ver­lag ange­ge­be­ne 5jährigen) das Spiel spielen.

Aller­dings ist zu beach­ten, dass der Spiel­spaß wesent­lich grö­ßer ist, wenn die Grup­pe halb­wegs homo­gen ist. Durch das gleich­zei­ti­ge Spie­len sind moto­risch höher ent­wi­ckel­te Kin­der natür­lich stark im Vor­teil, weil sie viel schnel­ler die Bewe­gungs­ab­läu­fe durch­füh­ren kön­nen. Wir spie­len des­we­gen bei gemisch­ten Zusam­men­set­zun­gen lie­ber so, dass abwech­selnd nach­ein­an­der geschos­sen wird. Das ist dann vor allem für die jün­ge­ren Kin­der stress­frei­er – und im Ide­al­fall erhöht es auch die Span­nung (alle schau­en dem viel­leicht ent­schei­den­dem Flug zu).

Flying Kiwis - Sieg
Aus! Aus! Aus! – Aus! – Das Spiel ist aus! – Magen­ta ist Weltmeister!

Ein wei­te­res Pro­blem beim gleich­zei­ti­gen Spie­len sind die unter­schied­li­chen Sieg­be­din­gun­gen. Merkt man, dass man das Qua­drat nicht schnell hin­be­kommt, dann lohnt es sich, sich zurück­zu­hal­ten und lie­ber als Letz­tes sei­ne Schei­ben ins Git­ter­netz flie­gen zu las­sen. Denn wenn mei­ne Schei­ben oben lie­gen, dann erhal­te ich auch die abge­deck­ten Schei­ben dar­un­ter und habe somit eine gute Chan­ce das Spiel zu gewin­nen. Den­ken so aller­dings alle Spie­ler, dann ent­steht ein Patt und kei­ner will mehr sei­ne Kiwis flie­gen las­sen. Das ist natür­lich unbe­frie­di­gend. Auch die­se Pro­ble­ma­tik lässt sich durch abwech­seln­des Abschie­ßen umge­hen. Man hat dann aller­dings nicht mehr das leicht chao­ti­sche Funspiel.

Flying Kiwis - Flutschrampe
mei­ne Lieb­lings­ram­pe, weil gut geölt!

Das gefällt mir gut: Die Abschuss­ram­pe ist ein­fach eine klas­se Sache! Mir macht es unwahr­schein­lich viel Spaß, damit die Kiwis durch die Gegend zu schie­ßen. Mit ein wenig Übung gelingt das sogar erstaun­lich gezielt und man kann sich an die eigent­li­che Auf­ga­be machen. Und ist man noch in der Übungs­pha­se, dann las­sen sich auch die Regeln ganz gut dem eige­nen Kön­nen anpas­sen. So haben wir am Anfang die Qua­drat-Regel nicht zu ernst genom­men. Man konn­te somit auch gewin­nen, wenn man vier Kiwis irgend­wie mit­ein­an­der ver­bun­den hat­te oder wenn man es schaff­te, vier eige­ne Kiwis in einem Fach auf­ein­an­der zu stapeln.

Aber auch außer­halb des eigent­li­chen Spiel lädt das sehr schö­ne Mate­ri­al zum Spie­len ein. In Kin­der­zim­mern lie­gen oft­mals eini­ge Sachen auf dem Boden und es ist span­nend zu beob­ach­ten, was sich alles mit­tels Abschuss­vor­rich­tung durch die Luft flie­gen las­sen lässt. Ich plä­die­re sowie­so dafür, Spiel­ma­te­ri­al auch ein­mal zweckzuentfremden. 😛

Fazit: FLYING KIWIS steht in der guten alten Tra­di­ti­on der HÜTCHENSPIELE, die ich schon als Kind in der Spie­le­samm­lung mei­ner Groß­el­tern gespielt habe. Sel­ten aller­dings wur­de ein sol­ches Spiel the­ma­tisch schö­ner ein­ge­klei­det. Ich per­sön­lich bevor­zu­ge im Zwei­fel zwar die KISSENSCHLACHT, aber das sind letzt­lich Nuan­cen. Spaß macht FLYING KIWIS auf alle Fäl­le und das Mate­ri­al ist top!

 

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