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Dito! von Martin Ang – erschienen bei Game Factory

Dito - Box
Bild: Game Factory

Ganz ent­ge­gen mei­ner Gewohn­heit begin­ne ich mit einem Zitat. Der fran­zö­si­sche Mora­list und Essay­ist Joseph Jou­bert mein­te einst: "Nichts wirkt so ein­tö­nig wie stän­di­ge Zustim­mung." Der gute Mann hat nie­mals DITO! gespielt und dabei die unheim­li­che Freu­de der Über­ein­stim­mung gefühlt.

The­ma: Auch wenn das Cover Ufo, Taco, Spie­gelei und die mitt­ler­wei­le obli­ga­to­ri­sche Gum­mi­en­te erschei­nen lässt: Ein The­ma besitzt DITO! nicht. Wir ver­su­chen ledig­lich, so vie­le gemein­sa­me Asso­zia­tio­nen wie mög­lich mit den Mit­spie­len­den zu errei­chen. Doch kom­men wir noch­mals auf die Cover­ge­stal­tung zurück. Ich fin­de dabei span­nend, dass auf dem Cover der Ursprungs­ver­si­on JINXO über­haupt kei­ne Gum­mi­en­te erscheint. Ist die­se also eine Beson­der­heit des deut­schen Markt­um­felds? Oder ein inof­fi­zi­el­ler Glücks­brin­ger für außer­ge­wöhn­li­che Spiele?

Illus­tra­tio­nen: Auf­grund der feh­len­den the­ma­ti­schen Ein­bet­tung beschrän­ken sich die Illus­tra­tio­nen des Untai Stu­dio auf beglei­ten­des Bei­werk. Dabei ver­strö­men die Tableaus aber eine anspre­chen­de Popig­keit, sodass kei­ne Asso­zia­tio­nen zu einem lang­wei­li­gen 3*3‑Excel-Raster aufkommen.

Dito - Ausstattung
mehr Mate­ri­al braucht es nicht

Aus­stat­tung: Das Herz­stück von DITO! sind 200 Kate­go­rie­kar­ten, die uns jeweils zwei "Fra­gen" prä­sen­tie­ren. Zum Fest­hal­ten der dar­auf­fol­gen­den Ant­wor­ten erhal­ten wir alle ein eige­nes Tableau. Den bei­gefüg­ten stan­dar­di­sier­ten Abwisch-Stif­ten wird aller­dings nur ansatz­wei­se ver­traut. Um spä­ter schnel­ler die Tableaus wie­der benutz­bar machen zu kön­nen, sind näm­lich zusätz­lich noch klei­ne Wisch­lap­pen beigelegt.

Ablauf: Eine Par­tie DITO! wird über drei Run­den gespielt. Dabei ist jede Run­de in zwei Pha­sen unter­teilt. In der ers­ten Pha­se fül­len wir krea­tiv unse­re Ras­ter. Eine Per­son wählt eine Kate­go­rie aus und wir schrei­ben nun geheim drei Ant­wor­ten zu die­ser Kate­go­rie in Ant­wort­fel­der unse­rer Wahl auf unse­re Tableaus. Das machen wir ins­ge­samt drei­mal, sodass dann unser Ras­ter mit neun Ant­wor­ten beschrie­ben ist.

Dito - Raster
manch­mal schnel­ler vor­bei als erhofft

Danach folgt die zwei­te Pha­se, die Auf­lö­sung. Reih­um wählt eine Per­son eine ihrer neun Ant­wor­ten aus und liest die­se laut vor. Haben meh­re­re Per­so­nen die glei­che Ant­wort auf­ge­schrie­ben, krei­sen sie sich die­se auf ihren Tableaus ein. Hat nur eine ein­zi­ge ande­re Per­son die Ant­wort eben­falls, dann wird zusätz­lich noch der "Best-Fri­ends-Fore­ver-Stern" mar­kiert. Und habe ich eine Ant­wort genannt, die nie­mand sonst auch notiert hat, dann muss ich mei­nen Begriff durch­strei­chen. Das machen wir so lan­ge, bis eine Per­son nur noch umkreis­te oder durch­ge­kreuz­te Ant­wor­ten auf ihrem Spie­ler­ta­bleau hat. Danach wer­ten wir unse­re Ant­wor­ten, wobei ich für voll­stän­di­ge Bin­go-Rei­hen noch zusätz­li­che Punk­te erhalten.

Dito - Grundsatz
pas­sen­der Grundsatz

Das gefällt mir nicht so gut: Wie immer bei die­ser Art Spiel gilt es, als Grup­pe die auf­tre­ten­den Grenz­be­rei­che zu defi­nie­ren. Wel­che zwei Begrif­fe sind noch eine Über­ein­stim­mung und wel­che nicht mehr? Die Anlei­tung gibt dazu gute Bei­spie­le und den wei­sen Rat, dass wir bestimmt ver­nünf­tig genug sind, dabei eine gemein­sa­me Linie zu fin­den. Aller­dings kann der Weg zu die­ser Linie holp­rig sein und dabei die Punk­te­wer­tung etwas aus­he­beln. Die­se ist dar­auf aus­ge­legt, dass wir nur dann "eben­so!" rufen, wenn eine Über­ein­stim­mung vor­han­den ist. Wenn ich aber unsi­cher bin, ob mein Wort nun eine Über­ein­stim­mung ist oder nicht, müss­te ich mich eigent­lich zurück­hal­ten. Oft­mals kann ich das aber nicht und posau­ne mein Wort her­aus. Wird dann fest­ge­legt, dass die­ser Begriff kei­ne Über­ein­stim­mung ist, habe ich aller­dings schon eine mei­ner Ant­wor­ten offen gelegt, auch wenn ich noch gar nicht an der Rei­he war – mit den ent­spre­chen­den Reak­tio­nen mei­ner Mit­spie­len­den. Die­se beein­flus­sen dann die Ent­schei­dung, wel­che Begriff als nächs­tes genannt werden.

Bei den abwisch­ba­ren Tableaus ist Vor­sicht gebo­ten. Ganz all­ge­mein kann es immer schnell pas­sie­ren, dass wir Sachen ver­schmie­ren. Das ist meis­tens nur ärger­lich und kein wirk­li­ches Pro­blem. DITO! poten­ziert aller­dings die­ses Ärger­nis, weil die Punk­te der vor­an­ge­gan­ge­nen Run­den auf dem Tableau doku­men­tiert wer­den. Ich habe öfters beob­ach­ten müs­sen, dass die ergat­ter­ten Sieg­punk­te Opfer der Weg­wi­sch­ak­ti­on zwi­schen den ein­zel­nen Run­den wur­den. Für Grup­pen, denen der Punk­te­wett­streit wich­tig ist, kann es sich dem­nach loh­nen, eine unbe­nutz­te Tafel als Auf­schreib­hil­fe für die Zwi­schen­wer­tun­gen zu nutzen.

Dito - Fragen
die Fra­gen­qua­li­tät ist hoch!

Das gefällt mir gut: Was macht DITO! so beson­ders? Auf dem Markt tum­meln sich schon eine Viel­zahl von Asso­zia­ti­ons­spie­le. Die meis­ten davon wer­den im Gegen­satz zu DITO! koope­ra­tiv gespielt und besit­zen somit ein gänz­lich ande­res Spiel­ge­fühl. Die kom­pe­ti­ti­ven Titel (wie z. B. STELLA und HERDENTIER oder aktu­ell GREEN TEAM WINS und TIC TAC TOP) haben mich dahin­ge­gen sel­ten über­zeugt. Teils weil die Wer­tung unnö­tig kom­pli­ziert ist, teils weil die Fra­gen­qua­li­tät nicht gut ist. Bei bei­den Aspek­ten über­zeugt hin­ge­gen DITO! Vie­le Fra­gen sind hin­ter­sin­ni­ger als anfangs erwar­tet – ins­be­son­de­re in Rück­kopp­lung mit der Wer­tung. Einer­seits möch­te ich ger­ne Über­ein­stim­mun­gen mit der Grup­pe haben. Ande­rer­seits freue ich mich noch mehr, wenn ledig­lich nur eine ande­re Per­son so denkt wie ich. Dem­nach schrei­be ich viel­leicht nicht das Offen­sicht­li­che auf, son­dern auch mal etwas Abwe­gi­ges und hof­fe dar­auf, dass eine ande­re Per­son genau­so denkt wie ich. Nicht sel­ten höre ich bei der Auf­lö­sung ein "Oh, super Ant­wort – habe ich aber nicht!", weil ich wahr­schein­lich das Um-die-Ecke-Den­ken wie­der über­reizt habe.

Ein wei­te­rer Clou ist das Bin­go-Kon­zept des Ras­ters. Es macht einen Unter­schied, ob ich einen Begriff rechts oben plat­zie­re oder links unten. Somit schät­ze ich beim Auf­schrei­ben schon der Erfolgs­aus­sich­ten ab – und erhö­he damit die Fall­hö­he des Schei­terns! Denn auf ein­mal fin­det sich die sicher geglaub­te Ant­wort doch nicht auf den ande­ren Tableaus, dafür aber der Ver­zweif­lungs­be­griff, der nur notiert wur­de, damit die ande­ren nicht so lan­ge war­ten müssen.

Zusätz­lich sorgt die­ser Bin­go-Aspekt auch für span­nen­de Ansa­gen. Denn es ist kei­nes­wegs gesi­chert, dass ich auch alle mei­ne Begrif­fe nen­nen kann. Das erzeugt ein reiz­vol­les Ent­schei­dungs­di­lem­ma. Soll ich nun den Begriff nen­nen, mit dem ich viel­leicht eine Bin­go-Rei­he voll­stän­dig mache oder lie­ber den, von dem ich glau­be, dass er eine Über­ein­stim­mung erzeugt?

So dis­zi­pli­niert wir wäh­rend der Run­den still sein soll­ten, so sehr platzt es am Ende einer Run­de aus uns her­aus. Dann offen­ba­ren wir die noch nicht genann­ten Wör­ter und ärgern uns viel­leicht, war­um wir die­se nicht vor­her in den Ring gewor­fen haben. Oft­mals tau­schen wir uns auch noch über die Fra­ge­stel­lung an sich aus. Spin­nen ein wenig her­um und kom­men­tie­ren die Ant­wor­ten. Dabei ver­bin­det uns trotz des eigent­lich kom­pe­ti­ti­ven Cha­rak­ters das Miteinander!

Fazit: DITO! besitzt eine ein­fa­che Grund­for­mel: Nur mit­hil­fe der Ande­ren kann ich selbst erfolg­reich sein. Oft­mals steht dabei jedoch der Spaß am Fin­den der Gemein­sam­kei­ten im Vor­der­grund und die fina­le Abrech­nung ist eher ein Neben­pro­dukt. Trotz­dem setzt das Spiel durch sei­nen kom­pe­ti­ti­ven Cha­rak­ter einen beson­de­ren Akzent im Gen­re der Assoziationsspiele.

TitelDito!
AutorMar­tin Ang
Illus­tra­tio­nenUntai Stu­dio
Dau­er30 Minu­ten
Per­so­nen­an­zahl3 bis 7 Personen
Alter10+
Ziel­grup­peasso­zi­ie­ren­de Familienspielrunden
Ver­lagGame Fac­to­ry
Jahr2026
Hin­weisVie­len Dank an den Ver­lag für die Bereit­stel­lung
eines Rezen­si­ons­exem­plars!

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