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Got Five! von Yoann Levet – erschienen bei Blue Orange

Got Five - Box
Bild: Asmo­dee

Ich gehö­re zur Gene­ra­ti­on, die den Aus­ruf "Fünf ist trümpf" mit einer Comic-Figur namens Rolf asso­zi­iert. Statt vier­stel­li­ge Post­leit­zah­len muss­ten wir uns auf ein­mal fünf Zif­fern mer­ken – und dann auch noch unter­schied­li­che für die glei­che Stadt! Ich habe das dump­fe Gefühl, eine der­ar­ti­ge zusätz­li­che Denk­leis­tung wür­de heut­zu­ta­ge nie­man­dem mehr zuge­mu­tet wer­den. So hilft es, die grau­en Zel­len ander­wei­tig zu trai­nie­ren, wofür sich unter ande­rem GOT FIVE! anbietet.

The­ma: Gibt es kei­nes, braucht es keines!

Illus­tra­tio­nen: Mathieu Clauss und Simon Douchy zei­gen wir­kungs­voll, dass auch abs­trak­te Spie­le durch ihr Äuße­res beein­dru­cken kön­nen. Ein Augen­paar auf der Rück­sei­te von bun­ten Zah­len­stei­nen – mehr wird nicht benö­tigt, um uns ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Got Five - Material
tol­ler Look trifft über­zeu­gen­de Funktionalität

Aus­stat­tung: Ich weiß, der Ver­gleich ist abge­dro­schen. Aber es liegt schlicht auf der Hand, die 60 Spiel­stei­ne von GOT FIVE! mit denen von AZUL zu ver­glei­chen. Zu ähn­lich sind die Hand­schmeich­ler­qua­li­tä­ten. Die genaue Ver­tei­lung der Far­ben und Zah­len­wer­te erscheint auf den Spiel­ta­bleaus, die wie­der­um hin­ter Sicht­schir­men ver­steckt wer­den kön­nen. Die klei­nen Leis­ten zur Prä­sen­ta­ti­on der eige­nen Stei­ne und Tipps run­den das über­zeu­gen­de Mate­ri­al­an­ge­bot ab.

Ablauf: Zu Beginn bil­den wir erst ein­mal unser Rate­ziel. Dafür zie­hen wir ver­deckt fünf Stei­ne mit unter­schied­li­chen Far­ben und las­sen uns die­se von den Mit­spie­len­den in eine auf­stei­gen­de Zah­len­for­ma­ti­on brin­gen. Wir sehen dabei nur die Rück­sei­te unse­rer Stei­ne, aber eben auch die Vor­der­sei­ten der geg­ne­ri­schen Steine.

Got Five - Reihung
Wer wir wohl sind?

Im gegen­sei­ti­gen Wett­streit eifern wir nun um die schnells­te Auf­lö­sung, wel­che Zah­len­wer­te unse­re Stei­ne haben. Dafür neh­men wir einen der sechs offe­nen Stein aus der Aus­la­ge und bit­ten um Hil­fe. Ent­we­der soll die­ser Stein kor­rekt in die mei­ne Zah­len­fol­ge ein­ge­ord­net wer­den oder aber ich las­se die Anzahl der Punk­te auf dem Stein mit der Anzahl auf einen mei­ner Ziel­stei­ne ver­glei­chen. Dar­über kann ich die gesuch­ten Zah­len­wer­te ein­schrän­ken und opti­ma­ler­wei­se mei­ne Wer­te her­lei­ten. Ein­mal in der Par­tie darf ich dann einen Lösungs­ver­such abge­ben. War ich erfolg­reich, endet die Par­tie für alle mit mei­nem Sieg. Habe ich einen Feh­ler gemacht, spie­len die ande­ren ohne mich zu Ende.

Got Five - Deduktion
Mit­ten­drin beim Knobeln

Das gefällt mir nicht so gut: Der hohe Anteil an Zufall in GOT FIVE! ist Segen und Fluch zugleich. Zum Segen äuße­re ich mich gleich. Fluch ist jedoch, dass wir oft­mals in die Situa­ti­on kom­men, nicht das machen zu kön­nen, was wir eigent­lich wol­len. Schließ­lich kann ich nur mit den sechs Zah­len arbei­ten, die offen aus­lie­gen. Natür­lich kann ich damit meist noch etwas anfan­gen, aber mit ande­ren Zah­len gin­ge deut­lich mehr. Ich bin also eher mit ange­zo­ge­ner Hand­brem­se unter­wegs und dabei viel von äuße­ren Umstän­den abhängig.

Got Five - Auswahl
Mmmh, ich hät­te mir eine ande­re Aus­wahl gewünscht!

Zusätz­lich kann es bei einer unaus­ge­wo­ge­ner Ver­tei­lung der fünf Rate­stei­ne zu sehr kur­zen Par­tien kom­men. Ich habe eine extre­me erlebt, bei der nach zwei Hilfs­leis­tun­gen schon gelöst wer­den konn­te. Das ist ganz sicher nicht die Regel. Über­wie­gend dau­ert eine Par­tie ange­neh­me zehn bis fünf­zehn Minu­ten und sol­che kur­zen Aus­rei­ßer schrei­en förm­lich nach einer sofor­ti­gen Revan­che. Trotz­dem soll­te klar sein, dass die Ver­tei­lung der Zah­len in Kom­bi­na­ti­on mit der offe­nen Aus­la­ge oft­mals mehr zu einem schnel­len oder lang­sa­men Lösen bei­tra­gen als die eige­ne Gehirnleistung.

Das gefällt mir gut: Weil Glück und Pech eine wich­ti­ge Rol­le spie­len, füh­le ich mich nicht doof, wenn ich ver­lie­re. Somit bringt GOT FIVE! auch Denk­sport­muf­fel an den Tisch. Denn ein wenig mit Zah­len Kno­beln mögen dann doch die meis­ten! Eine sol­che Rate­rei soll bit­te nur nicht aus­ar­ten und locker-leicht blei­ben. Die­ses rich­ti­ge Maß bie­tet GOT FIVE!

Auf­grund der über­schau­ba­ren Spiel­zeit nimmt es auch gut die Rol­le eines Lücken­fül­lers im fami­liä­ren All­tag ein. Dabei ist hilf­reich, dass sich das Spiel­ge­fühl kaum ändert, ob wir nun nur zu zweit oder zu viert spie­len. Je weni­ger betei­ligt sind, des­to grö­ßer ist der eige­ne Ein­fluss. Aber jede Infor­ma­ti­on für die ande­ren stellt immer auch einen Erkennt­nis­ge­winn für mich selbst dar, sodass ich jeder­zeit im Spiel betei­ligt bin. In öffent­li­chen Spie­le­run­den wech­selt oft die Beset­zung. Mal steigt jemand aus, dafür aber ganz schnell eine ande­re Per­son neu ein. GOT FIVE! ist somit dau­er­haft im Einsatz.

Per­sön­lich bevor­zu­ge ich lie­ber etwas kniff­li­ge­re Deduk­ti­ons­spie­le. Autor Yoann Levet ist dafür ein wah­rer Spe­zia­list: KRONOLOGIC, TURING MACHINE oder auch ARCHEOLOGIC. In sei­nem Schaf­fen wird Begeis­te­rung für Deduk­ti­on deut­lich. GOT FIVE! ist sicher­lich eines sei­ner zugäng­lichs­ten Wer­ke in die­sem Bereich. Dabei nimmt es die wich­ti­ge Rol­le ein, eine Brü­cke zu etwas anspruchs­vol­le­ren Spie­len in die­sem Gen­re zu bil­den. In frü­he­ren Zei­ten habe ich ger­ne DA VINCI CODE als Ein­stieg in die Welt der Deduk­ti­ons­spie­le genutzt. Ich kann mir gut vor­stel­len, dass zukünf­tig GOT FIVE! die­se Tür­öff­ner­funk­ti­on über­neh­men wird. BOMB BUSTERS und die ande­ren Ver­tre­ter der Zunft danken.

Got Five - Halterung
die Fri­sur hält!

Ein gro­ßer Plus­punkt von GOT FIVE! ist das durch­dach­te Mate­ri­al. Die Hand­schmeich­ler­qua­li­tä­ten der Stei­ne sind das eine, die cle­ver gestal­te­te Prä­sen­ta­ti­ons­leis­te ist dahin­ge­gen das wah­re Meis­ter­werk. Das Design ist hilf­reich bei der Ein­ord­nung und die rich­tig dimen­sio­nier­ten Ker­ben sor­gen dafür, dass die Stei­ne nicht zufäl­lig umkip­pen und somit unfrei­wil­lig Infor­ma­tio­nen freigeben.

Got Five - Detail
ein bun­tes Vergnügen

Fazit: In vie­len Din­gen ist GOT FIVE! zufäl­lig. Doch genau des­we­gen ist es nicht zu ver­kopft und somit eine luf­tig-leich­te Denk­sport­auf­ga­be mit leich­ten Regeln. Die über­zeu­gen­de Gestal­tung besitzt zudem einen hohen Auf­for­de­rungs­cha­rak­ter, sodass ein stim­mi­ges Gesamt­pa­ket gelun­gen ist.

TitelGot Five!
AutorYoann Levet
Illus­tra­tio­nenMathieu Clauss und Simon Douchy
Dau­er15 Minu­ten
Per­so­nen­an­zahl2 bis 4 Personen
Alter8+
Ziel­grup­pekno­beln­de Familienspielrunden
Ver­lagBlue Oran­ge
Jahr2026
Hin­weisVie­len Dank an den Ver­trieb Asmo­dee Ger­ma­ny für
die Bereit­stel­lung eines Rezensionsexemplars!

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