zuletzt gelesen: "Der Verräter" von Anthony Ryan
DER VERRÄTER ist der Abschluss der Trilogie "Der stählerne Bund", die mit DER PARIA begann und mit DER MÄRTYRER ihr Zwischenspiel erlebte. Bei solchen Mehrteilern habe ich zwischendurch oftmals Angst, ob denn auch das Ende gelingen wird. So viel sei vorweggenommen: Es gelingt!
Denn auch wenn sich wieder lesend durch einiges Blutvergießen durchgekämpft werden muss, so treibt einen die Handlung immer wieder voran. Dabei zeigt Anthony Ryan eindrucksvoll, dass das Fantasy-Genre durchaus in der Lage ist, aktuelle moralische Fragen zu durchleuchten. Mag es in dieser Welt um Glauben gehen, so ist dieser bei uns Menschen eben doch auch nur eine besondere Form der Politik. So können wir sehr gut Parallelen mit der Geschichte unserer Welt erkennen – insbesondere, wie Faschismus wirkt. Somit ist DER VERRÄTER aktueller, als es mir eigentlich lieb ist.
Ob dafür nun mythische Wesen notwendig sind, sei dahingestellt. Der Großteil der Handlung ist zumindest nicht Magie geleitet, was ich als wohltuend empfinde. Dabei nehmen wir Anteil an dem Gelesenen. Die Figuren sind lebendig genug, um uns innere Zwiespälte aufzuzeigen. Die gewählte Ich-Form ist dabei Segen und Hindernis. Einerseits bekommen wir dadurch tiefe Einblicke in die Gedankenwelt der Hauptfigur Alwyn Scribe. Allerdings hätte ich gerne mehr erfahren, wie andere Figuren diese Welt empfinden. Sehr gerne hätte ich eine zweite Sicht auf das Geschehene erleben dürfen.
Und sie spricht ständig über die bösen Kräfte der Caerither. Ihrer Darstellung nach sind sämtliche Probleme und Kriege Albermaines auf ein Volk zurückzuführen, das unser Land kaum je betreten hat, und wenn, dann nur in kleiner Zahl. Leider trifft derartiger Unfug immer wieder auf empfängliche Ohren. Die Falsche Königin mag grausam sein, mit ihren Lügen gewinnt sie jedoch trotzdem die Herzen der Menschen.
Anthony Ryan – Der Verräter, S. 428 (E‑Book)









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