Unlock! Star Wars von Cyril Demaegd und Jason Little – erschienen bei den Space Cowboys
Prinzipiell versuche ich das Mobiltelefon und andere elektronische Geräte am Spieletisch zu vermeiden. Das klappt nicht immer – auch weil manche Spiele nur mit einer App spielbar sind. Allerdings ist bei solchen Spielen die Hürde schon sehr hoch, überhaupt von mir gespielt zu werden. Denn bei Spielen mit Apps sind immer Unsicherheiten vorhanden. Welche Systeme werden überhaupt in welcher Version unterstützt? Wird die App auch in drei Jahren noch verfügbar sein und auch gepflegt? Lenkt die Bedienung nicht zu sehr ab? Wäre es nicht besser, gleich ein digitales Spiel zu zocken? Aufrund dieser Fragen habe ich lange einen Bogen um die UNLOCK!-Reihe gemacht. Aber einerseits haben mich die positiven Meinungen bei uns im Beeple-Netzwerk zum Umdenken bewogen und andererseits ist das System schon so lange etabliert, dass ich mir keine Gedanken mehr um die Zukunftsfähigkeit machen muss. Als dann diese Box angekündigt wurde, konnte ich nicht mehr widerstehen. Denn mit STAR WARS kann doch alles nur besser werden, oder?
Thema... sind drei Abenteuer im STAR WARS Kosmos. Dort kenne ich mich zwar rudimentär ein wenig aus, aber trotzdem fällt mir eine komplette zeitliche und räumliche Zuordnung schwer. Die Geschichte Flucht von Hoth ist klar an Episode V angelehnt, in der wir als Rebellen von Hoth flüchten wollen. In Eine unerwartete Verzögerung sind wir Schmuggler irgendwo im Outer Rim wahrscheinlich zu einer ähnlichen Zeit. Und in Geheime Mission auf Jedha wechseln wir endgültig die Seiten und sind nun Spione des Imperiums.
Illustrationen… sind gar nicht so genau zuzuordnen. Die Credits geben Zoë Robonson als Art Director an und Ariel Brooks und Mercedes Opheim als Graphic Designer. Bei BGG ist dahingegen nur Mercedes Opheim genannt. Aber für uns als Konsumenten ist das eher zweitrangig. Denn egal wer dafür nun verantwortlich war: der STAR WARS Look wird gut getroffen!
Ausstattung… jedes Abenteuer umfasst 60 Karten. Hinzu kommt noch ein Tutorial von 10 Karten, um die Abläufe von UNLOCK! besser kennenlernen zu dürfen. Für das Abenteuer Geheime Mission auf Jedha liegt zusätzlich noch eine Umgebungskarte bei. Zu guter Letzt ist noch ein Lösungsheft in der Box, dass Schritt für Schritt die einzelnen Rätsel aufdröselt.
Was in der Box fehlt ist das digitale Endgerät, um die eigene App zum Spiel zum Laufen zu bringen. Dabei hilft übrigens die eigentliche UNLOCK!-App nicht weiter. Es muss schon die eigene STAR WARS App sein – warum auch immer.
Ablauf… nach eine kurzen Einleitung erhält man eine Karte, auf der ein bestimmtes Szenario abgebildet ist. Außerdem sieht man meist auch sofort ein paar Felder mit Nummern. Diese weisen auf Karten hin, die man nun heraussucht und ebenfalls auslegt. Manche dieser Karten kann man nun miteinander kombinieren, um somit neue Karten freizuschalten. Andere wiederum stellen "Maschinen" dar, die nun mithilfe der App unter die Lupe genommen werden können. Zu guter Letzt gibt es dann noch die gelben Code-Karten, bei denen man über die App selbigen eingeben muss, um in der Handlung weiter voran zu kommen.
Nebenbei läuft über die App ein Timer mit. Für Fehlversuche bekommt man einen Zeit-Malus.Das versucht man natürlich zu verhindern, da man schließlich in einem Escape-Spiel in der vorgegebenen Zeit bleiben möchte.
Das gefällt mir nicht so gut: Mir persönlich waren die Rätsel in UNLOCK! STAR WARS etwas zu einfach. Mir ist schon bewusst, dass sich diese Box an Einsteiger in das System richtet und auch Menschen ansprechen soll, die bisher mit Escape-Spielen noch gar nicht in Kontakt gekommen sind. Doch davon gibt es gefühlt nicht mehr viele, wie ich bei der Suche nach einer solchen Gruppe feststellen musste. Man kann sich nun streiten, ob ein sehr einfaches System eher fördernd ist, weil man sich dauernd belohnt fühlt. Oder ob es eher abstoßend wirkt, weil man sich zu wenig gefordert fühlt. Ich kann das schlecht abschließend bewerten. Ich kann nur feststellen, dass in meinem Umfeld das Gefühl der Unterforderung aufkam – was in anderen UNLOCK!-Boxen, die wir nun nachgeholt haben, so nicht bestand. Dabei wurden in UNLOCK! STAR WARS sogar nie auf die beiliegenden Vorteilskarten zurückgegriffen, die nochmals eine weiter Hilfestellungen geben und teilweise schon Rätsel-Lösungen liefern. Auf diese Karten hätte man meiner Meinung komplett verzichten können – zumal es in der App schon die Möglichkeit gibt, sich Hinweise geben zu lassen, wenn man mal nicht weiter kommt.
Als eine Art Schikane empfinde ich es übrigens, dass die Karten von Anfang an nicht richtig geordnet sind. Ja, das soll ein wenig die Schwierigkeit erhöhen, weil man somit zuerst im Stapel danach suchen muss. Aber das ist doch nur ein unnötiger Zeitkiller, der mich von dem eigentlichen Spaß ablenkt. Ich habe nichts dagegen, wenn ich auf eine falsche Fährte gelockt werde oder erst bestimmte Umwege machen muss, so lange dabei der Geist des Spiels getroffen wird. Aber wenn etwas unnötig kompliziert gemacht wird, nur damit ich dadurch Zeit verliere, dann nervt mich das!
Ansonsten bin ich mit der Tonalität der Geschichten nicht ganz glücklich. Das geht mir allerdings mittlerweile mit vielen STAR WARS Produkten so. Von den erlebten Enttäuschungen der Film-Fortsetzungen schreibe ich lieber nichts, denn dass würde den Rahmen sprengen. Auch UNLOCK! STAR WARS schafft es in meinen Augen nicht, den speziellen Geist der frühen Episoden zu treffen. Irgendwie ist mir das alle zu glatt und humorlos. Aber das kann natürlich an der eigenen überhöhten Erwartungshaltung bei diesem Thema liegen.
Ein letzter Punkt, der mir negativ auffiel, ist die unnötig große Schachtel, in der das Spielmaterial untergebracht ist. Die ausufernden Maße der Box lässt sich nur durch die Anleitung und in diesem Fall auch noch durch die zusätzliche Umgebungskarte und das Lösungsheft begründen. Bei einem Spiel, dass eine eigene App besitzt, gäbe es aber sicherlich digitale Alternativen. Doch selbst wenn man diese Papiere so belassen möchte, hätte man deutlich die Tiefe der Box reduzieren können, wenn man die Kartenstapel anders anordnet. Ich hoffe doch stark, dass in dieser Hinsicht bald mal ein Umdenken bei den Verlagen stattfindet.
Das gefällt mir gut: Das Herz von UNLOCK! ist die App – und diese funktioniert ausgesprochen gut. Dabei nutzt das System eindrucksvoll die Möglichkeiten, die eine solche Auslagerung mit sich bringt. Man kann sich nämlich von den physischen Einschränkungen lösen, mit denen bspw. die EXIT- oder auch DECKSCAPE-Reihe leben müssen, weil diese nur Karten und anderes analoges Material benutzen. So kann nun eine deutlich größere Bandbreite an Rätseln benutzt werden. Auf einmal muss man auf die Geräusche achten oder es spielt der Touchscreen eine wichtige Rolle. Dadurch sind die Rätsel sehr abwechslungsreich und man ist gezwungen, ganzheitlicher zu denken. Es stellen sich somit auch weniger Routinen ein. Trotzdem muss man die in den anderen Systemen gelernten Fähigkeiten auch hier anwenden – auf den Karten versteckte Zahlen sind da nur ein Anfang. Ein weiterer Vorteil an diesem App-System ist, dass kein Material dauerhaft verändert werden muss. Hat man die Fälle gelöst, kann man die Box problemlos an andere Menschen weitergeben.
Ganz ohne App, aber trotzdem mit großem Effekt, funktioniert das Kombinieren von Karten, wie man es bspw. auch aus den ADVENTURE GAMES kennt. Das ist mechanisch simpel, bringt aber trotzdem immer wieder eine Menge Befriedigung. Es fühlt sich einfach gut an, zwei Sachen zueinander zu bringen und dann die logische Folge vor Augen zu haben – was manchmal auch eine Strafkarte sein kann. Dabei allerdings noch ein Tipp: bei der Summenbildung immer nochmals nachrechnen! Wir hatten uns einmal im Eifer des Gefechts um eine Zehnerstelle vertan und dann mit einer Karte weitergemacht, die zwar ein wenig komisch war aber trotzdem noch irgendwie passte. Im Laufe der Geschichte fehlte uns dann aber ein Puzzle-Teil und wir waren gelinde gesagt ein wenig verwirrt. In diesem Moment haben wir dann aber das Lösungsheft zu schätzen gelernt. Denn mit dessen Hilfe haben wir schnell den Fehler gefunden und waren dann wieder auf dem aktuellen Stand. Diese Art der Hilfe ist somit vorbildlich und würde ich mir gerne auch in anderen Escape-Spielen wünschen (gerne auch nur als pdf).
Fazit: Das UNLOCK!-System mit der App ist klasse! Bei dieser sinnvollen Einbindung werfe ich gerne meine generellen Vorbehalte gegenüber Elektronik am Spieletisch über Bord und genieße lieber die hohe Abwechslung und Qualität bei den Rätseln. Diese sind zwar bei UNLOCK! STAR WARS etwas einfach geraten, aber unterhalten wurden wir trotzdem sehr gut.
| Titel | Unlcok! Star Wars |
|---|---|
| Autoren | Cyril Demaegd und Jason Little |
| Illustrationen | Zoë Robonson, Ariel Brooks und Mercedes Opheim |
| Dauer | 3 x 60 Minuten |
| Personenanzahl | 1 bis 6 Personen |
| Zielgruppe | flüchtende Star Wars Fans |
| Verlag | Space Cowboys (Asmodee Germany) |
| Jahr | 2020 |
| Hinweis | für die Besprechung wurde vom Verlag ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt |
















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