Las Vegas von Rüdiger Dorn – erschienen bei Ravensburger
Die erste Ausgabe von (LAS) VEGAS erschien 2012. Das ist so lange her, dass das Spiel schon einen Bart haben könnte – was in diesem Fall durchaus passend wäre. Denn als ein mit MTV aufgewachsener Jugendlicher verbinde ich Las Vegas immer auch mit ZZ TOP.
Was bleibt unverändert? Interessanterweise der Verlag, auch wenn nun nicht mehr das eigentlich perfekt passende Label "alea" verwendet wird. Allerdings habe ich noch nie verstanden, warum die "Edel-Marke" alea von Ravensburger nach einem Würfel benannt wird, der sich aber selten im Portfolio widerspiegelt und sich ohnehin mit dem strategischen Anspruch beißt. Eine Ausnahme war schon damals LAS VEGAS – welches für mich zu einem Inbegriff für ein flottes Würfelspiel wurde.
Deswegen ist es auch sinnvoll, dass an der eigentlichen Spielmechanik nichts verändert wurde. Wir werfen unseren eigenen Satz Würfel und entscheiden uns danach für eine der geworfenen Zahlen. Alle Würfel mit dieser Zahl werden jetzt auf das Casino mit der entsprechenden Nummer gelegt. Das machen wir so lange, bis niemand mehr Würfel hat. Anschließend werden die Casinos gewertet. Und diese Wertung ist nahe liegend: Wer die meisten Würfel in einem Casino hat, bekommt die daneben liegende Geldkarte. Allerdings gibt es eine Besonderheit zu beachten! Personen mit gleich vielen Würfeln auf einem Casino gehen leer aus und nehmen vor der Wertung ihre Würfel zurück. Dieses Detail sorgt für besondere Emotionen. Was werden Pattsituationen verflucht – es sei denn, wir profitieren als abstaubende Dritte davon. Selten hat Schmarotzen so viel Spaß gemacht! Dabei kommen die besonderen Eigenarten der Würfeln vollauf zu tragen. Denn diese trotzen aller Wahrscheinlichkeitsregeln und machen überwiegend nicht das, was wir von ihnen wollen. LAS VEGAS bietet dabei unterschiedliche Herangehensweisen. Direkt große Würfelgruppen einsetzen, um ein Statement zu setzen? Dieses Casino beherrsche ich! Oder anfangs lieber nur ein oder zwei Würfel nutzen, damit ich später noch reagieren und vielleicht abstauben kann? Das sind alles valide Strategien, die voraussetzen, dass wir entsprechend glücklich würfeln.
Was ist neu? Die ursprüngliche Version von LAS VEGAS war lediglich für fünf Personen ausgelegt. Erst mit der BOULEVARD-Erweiterung konnten auch acht Personen ihr Glück herausfordern. Die Neuauflage hat dahingegen von Anfang an ausreichend Würfel in der Box, damit wir zu sechst zocken können.



Allerdings fällt beim Abzählen auf, dass in der Neuauflage ein Farbsatz aus weniger Würfeln besteht. Vorher hatten wir jeweils acht Würfel, nun sind es sechs Würfel plus den einen Biggy. Biggy? Das ist ein etwas größerer Würfel einer Farbe, der ursprünglich Bestandteil der Erweiterung war und jetzt direkt in das Grundspiel eingezogen ist. Ähnlich verhält es sich auch mit der Karte "des einarmigen Banditen", der ebenfalls gleich als mögliche Variante der Grundbox beigefügt wurde.
Darüber hinaus fällt auf, dass die Würfel in der Neuauflage deutlich kleiner sind und auch andere Farben aufweisen. Was unerheblich klingt, kann trotzdem eine große Bedeutung haben. Denn Menschen mit einer Farbfehlsichtigkeit leiden unter diesen neuen Farben!


Wie gefällt mir der neue Anstrich? Nicht so gut. Die Würfelfarben können für manche Menschen ein echtes Problem werden. Aber auch für "Normalos" wäre es von Vorteil, wenn sich diese besser unterscheiden lassen. Rot, Orange und Pink sind schon sehr nah beieinander. Das ist aber nur ein Beispiel für die schlechtere Produktqualität. Denn auch die Beschaffenheit der Würfel sind ein Downgrade. Die "alten" alea-Würfel hatten immer auch etwas Handschmeichlerisches. Ein solches Gefühl können die neuen nicht vermitteln, was auch an der geschrumpften Größe liegt.

Ob die Illustrationen sich nun verbessert oder verschlechtert haben, ist Geschmackssache. Aber am Beispiel der Geldscheine wird mir bewusst: Ich wertschätze es, wenn das Material eine gewisse Konkretheit vermitteln. Ich fühle deutlich mehr Las Vegas, wenn ich anstatt unspezifischem Spielgeld einen Washington nach dem anderen einkassiere.
Fernab von Kostengründen verstehe ich nicht, warum uns in der Neuauflage ein Würfel weniger zur Verfügung steht. Bisher kam nie das Gefühl auf, dass eine Partie zu lange dauern würde. Wobei es auch interessant ist, dass in der Erstauflage eine Spielzeit von ca. 30 Minuten angegeben wurde und diese jetzt auf 40 Minuten erhöht wurde. Die Primzahl-Anzahl der Würfel hat übrigens noch einen unschönen Nebeneffekt. Wenn nicht in Vollbesetzung gespielt wird, kann in der Erstauflage mit dem übrig gebliebenen Würfelsatz eine empfehlenswerte Variante ins Spiel gebracht werden. Dabei erhalten alle jeweils zwei neutrale Würfel, die wie eine eigenständige Farbe behandelt werden. In der Neuauflage ist die Würfelmenge mit der Personenanzahl gestaffelt, womit sie in größeren Runden aber einen Teil des eigentlichen Reizes einbüßt.
Unabhängig von den Aspekten, dir mir bei der Neuauflage nicht gefallen: LAS VEGAS ist und bleibt ein überragendes Würfelspiel! Und so freue ich mich, dass es der Spielegemeinschaft durch die Neuauflage wieder zur Verfügung gestellt wird. Ich bin weiterhin der Meinung, dass LAS VEGAS 2012 mindestens ein ebenbürtiger Titelträger zum Spiel des Jahres KINGDOM BUILDER gewesen wäre. Und im Gegensatz zur völlig missglückten Neuauflage LAS VEGAS ROYALE aus dem Jahr 2019, kann ich die aktuelle Version trotz der bestehenden Schwächen guten Gewissens empfehlen.

| Titel | Las Vegas |
|---|---|
| Autor | Rüdiger Dorn |
| Illustrationen | Glen Brogan |
| Dauer | 30 bis 45 Minuten |
| Personenanzahl | 2 bis 6 Personen |
| Zielgruppe | zockende Familienspielrunden |
| Verlag | Ravensburger |
| Jahr | 2026 |
| Hinweis | Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars! |










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