Empfehlung: L.A.M.A.

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L.A.M.A. von Reiner Knizia – erschienen bei AMIGO

LAMA - Box
Foto: AMIGO

Das ist alles ein wenig unfair. Wie auch Udo Bartsch in sei­nem genia­len Blog, kämp­fe ich immer ein wenig mit den Ein­lei­tun­gen mei­ner Bei­trä­ge. Zu L.A.M.A. fal­len mir nun aber eine gan­ze Men­ge ein. Dum­mer­wei­se habe ich mich aber ent­schie­den, für L.A.M.A. gleich eine Emp­feh­lung aus­zu­spre­chen. Somit bin ich frei­er vom selbst gewähl­ten For­mat und muss gar kei­ne Ein­lei­tung mehr schrei­ben. Ja, L.M.A.A. – ist das ärger­lich!

Außer­dem höre ich schon die kri­ti­schen (oder doch eher die auch in unse­rer Brett­spiel­bla­se lei­der ver­mehrt auf­tre­ten­den pöbeln­den) Stim­men, die mir vor­wer­fen, dass ich doch ledig­lich Teil eines Hype-Zuges sein will. Denn wie kann man denn für so ein ein­fa­ches und bana­les Kar­ten­spiel wie L.A.M.A. eine Emp­feh­lung aus­spre­chen? Das ist doch nichts ande­res als eine MAU-MAU-Vari­an­te! Hat über­haupt kei­nen Tief­gang, ist zu zweit aus­zu­he­beln und ohne­hin alles nur Glück.

LAMA - Stapel
immer druff auf das Lama

Stimmt alles. Trotz­dem – oder sogar viel­leicht des­we­gen – macht uns L.A.M.A. der­zeit Rie­sen­spaß. Es ist schon rich­tig, dass es ledig­lich eine Art MAU-MAU ist (oder eben auch UNO). Denn man ver­sucht sei­ne Hand­kar­ten los zu wer­den und dafür gibt es eigent­lich nur eine Regel zu beach­ten: die abzu­le­gen­de Kar­te muss ent­we­der den glei­chen oder den nächst höhe­ren Wert auf­wei­sen (wobei auf die 6 das Lama folgt und es danach wie­der mit der 1 anfängt). Das ist alles. Eine Run­de endet fol­ge­rich­tig, wenn ein Spie­ler alle sei­ne Kar­ten abge­legt hat. Die rest­li­chen Spie­ler müs­sen nun die ver­blei­ben­den Hand­kar­ten zäh­len, denn das sind ihre Minus­punk­te, die sie in Form von Minus­punk­ten-Chips aus­ge­zahlt bekom­men. Aller­dings geht dabei jeder Kar­ten­wert nur ein­mal in die Sum­me ein (besit­ze ich also eine 3, eine 5 und fünf­mal eine 6, dann habe ich trotz­dem "nur" 14 Minus­punk­te). Die Par­tie ist dann been­det, wenn ein Spie­ler 40 oder mehr Minus­punk­te gesam­melt hat. Spä­tes­tens jetzt muss ich den Titel L.A.M.A. noch­mals genau­er erklä­ren. Das soll näm­lich für "legt alle Minus­punk­te ab" ste­hen. Schon klar!

LAMA - passen
manch­mal muss man auch mal "nein, ich pas­se" sagen kön­nen

Bei aller Ein­fach­heit hat L.A.M.A. aber noch ein paar spe­zi­el­le Knif­fe zu bie­ten, die das Spiel so gut machen. Wenn man kei­ne Kar­te able­gen kann oder will, kann man nicht nur eine Kar­te nach­zie­hen (die aller­dings erst in der nächs­ten Run­de gespielt wer­den kann), son­dern man kann auch aus der aktu­el­len Run­de aus­stei­gen. Dann passt man und die ande­ren spie­len die Run­de zu Ende. War­um soll­te man das machen? Alle Kar­ten, die man am Ende noch auf der Hand hält, sind bekannt­lich Minus­punk­te. Wenn also gera­de der Kar­ten­sta­pel auf die 3 springt und ich nur noch eine 1 und 2 auf der Hand hal­te, dann kann man schon mal aus­stei­gen. Denn doof wäre es, wenn ich nun ein Lama nach­zie­hen wür­de und dann ein Spie­ler die Run­de been­det. So ein Lama ist näm­lich 10 Minus­punk­te wert – und die will man nicht unbe­dingt haben.

Die­ses Pas­sen ist also ein neu­es tak­ti­sches Ele­ment. Dem­entspre­chend kann auch eine Run­de zu Ende sein, wenn alle Spie­ler gepasst haben. Aller­dings kann es auch pas­sie­ren, dass alle Spie­ler bis auf einen gepasst haben. Die­ser darf nun, wenn mög­lich, noch alle Kar­ten regel­kon­form aus­spie­len. Müss­te er nach­zie­hen, ist aber defi­ni­tiv Schluss mit der Run­de. Hier habe ich vor allem in grö­ße­ren Grup­pen schon eini­ge lus­ti­ge Situa­tio­nen erlebt. Einer­seits gibt es ungläu­bi­ge Bli­cke, wenn man am Ende ganz allei­ne nach und nach alle sei­ne Kar­ten aus­spielt und dann tri­um­phiert. Aller­dings gibt es genau­so ungläu­bi­ge Bli­cke von denen, die das dann nach­ma­chen wol­len und fest­stel­len müs­sen, wie vie­le Minus­punk­te man auf der Hand hat, wenn jemand ande­res früh­zei­tig die Run­de been­det.

LAMA - Chips
zwei Far­ben rei­chen aus, um die Wer­tung span­nend zu machen

Apro­pos Run­de been­den. Es ist dop­pelt erstre­bens­wert, die Run­de durch das Able­gen aller Kar­ten zu been­den. Das ist natür­lich gut, weil man bekommt kei­ne Minus­punk­te. Aber es gibt noch einen Bonus oben drauf: man darf sogar einen Minus­punk­te-Chip abge­ben! Die­se Chips kom­men in der inter­es­san­ten Stü­cke­lung von 1er- und 10er-Chips daher. Natür­lich kann man im Spiel­ver­lauf zehn 1er-Chips in einen 10er-Chip ein­tau­schen. Und die Regel sagt expli­zit, dass man als Bonus einen Chip abge­ben darf. Mit Won­ne gibt man dann natür­lich den 10er-Chip ab! Außer­dem ärgert man sich, wenn man "nur" 9 Minus­punk­te erhält statt bspw. 11.

So habe ich schon eini­ge Run­den erlebt, in denen jemand kurz davor war zu ver­lie­ren, weil fast die 40 Punk­te erreicht wur­den. Zwei erfolg­reich been­de­te Run­den spä­ter, sah die Welt schon wie­der ganz anders aus. Die­se Art der Wer­tung ist mei­ner Mei­nung nach das High­light von L.A.M.A. Hier kann man mit viel Glück (was man bei die­ser Art Spiel selbst­re­dend braucht) kurz vorm Ver­lie­ren sein und dann doch noch gewin­nen, weil man zwei 10er-Chips abge­ben konn­te. Genau­so kann man sich mit erfolg­rei­chen Pas­sen noch eini­ge Run­den über Was­ser hal­ten. Da ste­he ich mit 36 Minus­punk­ten kurz vor dem Ver­lie­ren und kann doch noch zwei-drei Run­den glück­lich über­le­ben – und dabei hof­fen, dass ein ande­rer mich mit sei­nen Minus­punk­ten noch über­holt.

Die­ses Pas­sen kann aller­dings auch aus­ar­ten. Im 2-Per­so­nen-Spiel haben beson­ders klu­ge Leu­te schnell her­aus­ge­fun­den, dass man sich zum Sieg pas­sen kann. Sprich: ich habe eine nied­ri­ge Aus­gangs­hand und pas­se sofort, weil ich die Hoff­nung habe, dass mein Mit­spie­ler höhe­re Wer­te auf der Hand hat als ich. Ja, das ist mög­lich! Aller­dings soll­te man sich dann mal fra­gen, war­um man über­haupt spielt? Geht es nur ums Gewin­nen? Na, dann macht das halt! Will man aber Spiel­spaß erle­ben, dann soll­te man auch den Sinn eines Spie­les nicht kaputt machen, indem man offen­sicht­lich gegen die Spiel­idee ope­riert.

LAMA - Karten
mehr als ein unter­halt­sa­mes Kar­ten­spiel will L.A.M.A. gar nicht sein

L.A.M.A. ist natür­lich in ers­ter Linie ein Spiel für Ein­stei­ger und Gele­gen­heits­spie­ler. Es sat­telt auf Bekann­tem auf, bringt aber eben auch noch neue Ele­men­te hin­zu, die leicht zu ler­nen und auch äußerst sinn­voll sind. Die Mög­lich­keit des Aus­stei­gens eröff­net mini­ma­le tak­ti­sche Erwä­gun­gen, High­light ist aber die Wer­tung. Für das, was es sein will, macht L.A.M.A. alles rich­tig!

 

Titel L.A.M.A.
Autor Rei­ner Kni­zia
Illus­tra­tio­nen Rey Som­mer­kamp und Bar­ba­ra Spel­ger
Dau­er 20 Minu­ten
Spie­le­ran­zahl 2 bis 6 Spie­ler
Ziel­grup­pe auf Mau-Mau spu­ken­de Lamas
Ver­lag AMIGO
Jahr 2019

 

Ich bedan­ke mich bei AMIGO für die Bereit­stel­lung eines Rezen­si­ons­ex­em­plars. Ich bin mir sicher, dass durch die­se Bereit­stel­lung mei­ne Mei­nung nicht beein­flusst wur­de. Die Bespre­chung spie­gelt mei­ne gemach­te Erfah­rung wider.

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