fjelfras.de

kritisch gespielt: Grundstein von Metropolis

Grundstein von Metropolis von Emerson Matsuuchi – erschienen im Kobold Spieleverlag

Grundstein von Metropolis - Cover
Bild: Kobold Spieleverlag

Metro­po­lis – das ist nicht nur ein kul­ti­ger Stumm­film von Fritz Lang aus dem Jahr 1927, son­dern auch der Name einer fik­ti­ven Groß­stadt im DC-Uni­ver­sum und somit Hei­mat von Super­man. In ers­ter Linie ist Metro­po­lis aber ein alt­grie­chi­sches Wort und kann mit "Mut­ter­stadt" über­setzt wer­den. Wenn man die Vor­ge­schich­te des Spiels kennt, dann wäre ein alt­rö­mi­sche Begriff pas­sen­der gewe­sen. Denn bevor GRUNDSTEIN VON METROPOLIS das Licht der Spie­le­welt erblick­te, warf es als FOUNDATIONS OF ROME schon viel Schat­ten. Was durch­aus wört­lich zu mei­nen ist. Denn FOUNDATIONS OF ROME besaß unzäh­li­ge gro­ße Gebäu­de­mi­nia­tu­ren, die zwar impo­sant wirk­ten, aber viel­fach auch den Blick auf wesent­li­che Details nahmen.

The­ma: Der Bau­tur­bo ist gezün­det! Inner­halb kür­zes­ter Zeit wird ein Pla­nungs­ras­ter mit Gebäu­den aller Art gefüllt. Hier ent­steht ein Wohn­haus, dort ein Ein­kaufs­cen­ter und in die Ecke kommt noch schnell eine Schu­le. Dar­über erzeu­gen wir Ein­kom­men und die in der Spie­le­welt wich­tigs­te Wäh­rung: Sieg­punk­te, bzw. Anse­hen, wie die­se in GRUNDSTEIN VON METROPOLIS heißen.

Grundstein von Metropolis - Übersicht
nicht luxu­ri­ös, aber hochwertig

Aus­stat­tung: Anders als FOUNDATIONS OF ROME ist GRUNDSTEIN VON METROPOLIS ange­nehm flach. Die ein­zel­nen Gebäu­de sind ledig­lich Papp-Poly­o­mi­nos, die aller­dings luxu­ri­ös in Abla­ge­ta­be­laus orga­ni­siert sind. Der Spiel­plan zeigt das Ras­ter der zukünf­ti­gen Stadt. Über Koor­di­na­ten-Kar­ten sind deren ein­zel­ne Grund­stü­cke für den spä­te­ren Erwerb orga­ni­siert, deren Besitz wie­der­um mit per­sön­li­chen Holz­mar­kern gekenn­zeich­net wer­den. Das aktu­el­le Anse­hen und die ein­zel­ne Bevöl­ke­rungs­grö­ße wird über eine eige­ne Abla­ge festgehalten.

Grundstein von Metropolis - Spielsituation
Mann­heim lässt grüßen

Illus­tra­tio­nen: Das Stadt­bild ist geprägt von den Illus­tra­tio­nen von Joe Shaw­cross. Ich kann es schwer in Wor­te klei­den, was die­se in mir aus­lö­sen – oder eben nicht. Ich fin­de alles ganz gefäl­lig illus­triert. Doch viel­leicht liegt es an der gewähl­ten Per­spek­ti­ve: Ich bekom­me kein ech­tes Gefühl für die Stadt. Dort könn­ten genau­so gut abs­trak­te lila oder gel­be Poly­o­mi­nos lie­gen und in mei­ner Wahr­neh­mung wür­de sich wenig ändern.

Ablauf: Anschei­nend sind wir glück­li­che Groß­erben. Denn schon zu Beginn erhal­ten wir alle eine Hand­voll Grund­stü­cke zuge­teilt. Der dann fol­gen­de Spiel­ab­lauf ist schnell erklärt: Als mög­li­che Akti­on erhal­ten wir ent­we­der Ein­kom­men, geben die­ses für wei­te­re Grund­stü­cke aus oder bebau­en eige­ne Grund­stü­cke mit Gebäu­den aus unse­rem eige­nen Vor­rat. Dabei kön­nen wir klei­ne­re Gebäu­de spä­ter auch durch grö­ße­re erset­zen, wes­we­gen wir erpicht sind, zusam­men­hän­gen­de Grund­stü­cke zu erwerben.

Grundstein von Metropolis - Verkaufsbörse
Ver­kaufs­bör­se der Grundstücke

Der Preis der ein­zel­nen Grund­stü­cke ist über eine Aus­wahl­rei­he orga­ni­siert, die an CENTURY – DIE GEWÜRZSTRASSE erin­nert (ein wei­te­res Spiel von Emer­son Mat­suuchi). Die Grund­stü­cke sind unter­schied­lich teu­er, rücken aller­dings auf güns­ti­ge­re Fel­der vor, wenn die dor­ti­gen Grund­stü­cke gekauft werden.

Eine Par­tie endet mit der fina­len Wer­tung, wenn alle Grund­stü­cke ver­kauft wur­den. Vor­her gab es schon zwei Zwi­schen­wer­tun­gen, die ent­we­der Ein­kom­men oder Anse­hen erzeugt haben. 

Grundstein von Metropolis - Startaufstellung
unter­schied­li­che Startbedingungen

Das gefällt mir nicht so gut: Im Stan­dard­spiel wer­den anfäng­lich die Start­grund­stü­cke zufäl­lig ver­teilt. Das kann aller­dings zu schlecht aus­ba­lan­cier­ten Start­po­si­tio­nen füh­ren. Habe ich vie­le unter­schied­li­che Grund­stü­cke am Rand, kom­me ich weni­ger schnell in Fahrt als wenn ich von Anfang an schon zusam­men­hän­gen­de Gebie­te bil­den kann. Aus die­sem Grund emp­feh­le ich, recht bald die in der Anlei­tung genann­te Draf­ting Vari­an­te der Start­grund­stü­cke zu nutzen.

Grundstein von Metropolis - Verwaltung
funk­tio­na­le Wer­tungs­leis­ten – aber die Wer­tung dauert

Im Ver­gleich zu FOUNDATIONS OF ROME ist GRUNDSTEIN VON METROPOLIS deut­lich über­sicht­li­cher. Trotz­dem bin ich mit der Gestal­tung nicht wunsch­los glück­lich. So sind die Wer­tungs­sym­bo­le der öffent­li­chen Gebäu­de nur schwer auf den ers­ten Blick zu erken­nen. Eine etwas grö­ße­re Dar­stel­lung wäre wün­schens­wert. Die­se öffent­li­chen Gebäu­de sind einer­seits ein Segen, weil sie stra­te­gi­sche Tie­fe erzeu­gen, sie sind aber auch ein Fluch. Denn spe­zi­ell am Ende wird des­we­gen die Abrech­nung etwas lang­at­mig. GRUNDSTEIN VON METROPOLIS lebt vom dröh­nen­dem Tem­po und wird durch die begrenz­ten Akti­ons­mög­lich­kei­ten äußerst fix gespielt. Da wirkt dann die jewei­li­ge Abrech­nungs­pha­se am Run­den-Ende etwas stö­rend und unele­gant – auch wenn sie ins­be­son­de­re bei der Wer­tung der Bevöl­ke­rung recht cle­ver ist.

GRUNDSTEIN VON METROPOLIS kommt durch die kla­re Auf­ga­ben­stel­lung etwas mini­ma­lis­tisch daher. Schon öfters habe ich den Ruf nach etwas mehr Abwechs­lung ver­nom­men und schlie­ße mich die­sem ger­ne an. Die ein­zel­nen Par­tien sind span­nend, aber auch etwas zu wenig abwechs­lungs­reich. Es fehlt ein Ele­ment wie öffent­li­che oder gar per­sön­li­che gehei­me Zie­le. Oder ein ein­ge­schränk­ter Pool an zur Ver­fü­gung ste­hen­den Gebäu­de. Die immer glei­che Auf­ga­ben­stel­lung wirkt dahin­ge­gen etwas öde.

Das gefällt mir gut: Mit wenig Regeln wird eine hohe Spiel­tie­fe erreicht. Anfangs füh­len wir uns viel­leicht unter­for­dert, da alles so klar und ein­deu­tig erscheint. Aber im Lau­fe einer Par­tie mer­ken wir schnell, dass GRUNDSTEIN VON METROPOLIS trotz über­schau­ba­rer Akti­ons­mög­lich­kei­ten einen hohen Ent­schei­dungs­raum bietet. 

Grundstein von Metropolis - Detail
umkämpf­te Gebiete

Selbst­re­dend wol­len wir groß­flä­chi­ge Grund­stücks­kom­bi­na­tio­nen bil­den. Denn grö­ße­re Gebäu­de erzeu­gen mehr Punk­te. Durch die anfangs unschein­bar wir­ken­den Son­der­ge­bäu­de kann ich aber auch von angren­zen­den Gebäu­de der Mit­spie­len­den pro­fi­tie­ren. Wenn es dabei ein­mal Klick gemacht hat, wer­den auf ein­mal auch unat­trak­tiv wir­ken­de Grund­stü­cke reiz­voll – und spä­tes­tens dann gibt es ein Hau­en und Ste­chen um die ein­zel­nen Grund­stü­cke. Auf­grund der guten Anpas­sung an die Anzahl der Mit­spie­len­den bleibt der Spiel­plan auch dicht genug. Wir kön­nen uns nicht aus dem Weg gehen und sind recht schnell in Kon­kur­renz zueinander.

Die begrenz­ten Mar­kie­rungs­stei­ne ver­hin­dern wir­kungs­voll, dass anfangs nur in Grund­stü­cke inves­tiert wird. Schnell ler­nen wir, dass wir auf alle Even­tua­li­tä­ten ein­ge­stellt sein soll­ten. Es ist mehr als ärger­lich, wenn das her­bei­ge­sehn­te Grund­stück in die Aus­wahl kommt, ich mir die­ses aber nicht neh­men kann. Ent­we­der, weil schon alle mei­ne Mar­kie­rungs­stei­ne auf dem Spiel­plan ver­teilt sind oder ich nicht aus­rei­chend Geld besit­ze. In der Fol­ge muss ich eine Run­de lang bib­bern und hof­fen, dass nie­mand das Grund­stück weg­neh­men wird. GRUNDSTEIN VON METROPOLIS ist dem­nach oft eine Fra­ge des Timings und der Prio­ri­tä­ten. Dabei spielt natür­lich der Zufall durch­aus eine Rol­le, wann wel­ches Grund­stück ange­bo­ten wird. Doch die­ses Ele­ment sorgt für Nervenkitzel.

Somit ist es auch stim­mig, dass wir selbst das Ende der Par­tie aktiv her­bei­füh­ren kön­nen. Oft­mals höre ich ein Stöh­nen am Tisch, wenn ich plötz­lich auf die Tube drü­cke, weil doch noch so viel geplant sei. Tja, Pech gehabt und Augen auf, was die ande­ren so machen. GRUNDSTEIN VON METROPOLIS ist inter­ak­tiv und kein Spiel, bei dem alle allei­ne vor sich hin bosseln.

Grundstein von Metropolis - Konzernzentrale
per­fekt orga­ni­sier­te Konzernzentrale

Trotz der etwas nichts­sa­gen­den Illus­tra­tio­nen ist GRUNDSTEIN VON METROPOLIS in mei­nen Augen ein schö­nes Spiel. Die feh­len­de Drei­di­men­sio­na­li­tät sorgt zwar für weni­ger Show­ef­fek­te, aber dafür lässt sich alle gut über­bli­cken und erfas­sen. Die Mar­kie­rungs­stei­ne sind üppig gestal­tet und auf­grund der indi­vi­du­el­len Form auch für Farb­fehl­sich­ti­ge gut zu unter­schei­den. Der eigent­li­che Hin­gu­cker sind aber die eige­nen Abla­ge­ta­bleaus, die einen guten Über­blick bie­ten und zum sofor­ti­gen Los­spie­len ani­mie­ren. Ein High­light ist dann noch die per­fek­te Orga­ni­sa­ti­on des gan­zen Mate­ri­als in der Box.

Fazit: GRUNDSTEIN VON METROPOLIS besitzt einen kla­ren Fokus, der ein rasan­tes Spiel­ge­fühl voll Inter­ak­ti­on erzeugt. Dabei kön­nen die Aus­wer­tungs­pha­sen nicht mit dem vor­ge­leg­ten Tem­po mit­hal­ten und es fehlt etwas die Abwechs­lung. Trotz­dem über­zeugt mich das Spiel durch sei­ne Direkt­heit und die span­nen­den Timing-Fragen.

Titel Grund­stein von Metropolis
AutorEmer­son Matsuuchi
Illus­tra­tio­nenJoe Shaw­cross
Dau­er45 bis 60 Minuten
Per­so­nen­an­zahl2 bis 4 Personen
Ziel­grup­peFami­li­en­spiel­run­den
Ver­lagKobold Spie­le­ver­lag
Jahr2025
Hin­weisVie­len Dank an den Ver­lag für die Bereit­stel­lung
eines Rezen­si­ons­exem­plars!

Kommentar hinzufügen